Gema & Co

Liefert in die Schweiz · dal 2017

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Gema & Co ist kein Zürcher Goldschmiedeatelier, sondern ein amerikanischer Online-Händler für Moissanit- und Labordiamant-Schmuck, der nach eigener Angabe seit 2017 handelt. Der Sitz liegt im Raum San Francisco, die Fassungen werden laut Seite zu hundert Prozent in den USA gefertigt, in Giessereien in Kalifornien oder Südflorida. Wer die Seite aus der Schweiz aufruft, landet automatisch in der Region Schweiz mit Preisen in CHF, das Land steht auch in der langen Länderliste an der Kasse. Auf der Versandseite selbst heisst es nur, man liefere in die USA, nach Kanada, Australien, Neuseeland und die meisten europäischen Länder, die Schweiz wird dort nicht namentlich genannt. Für ein Land, das unter "die meisten" fallen dürfte, ist das ein vernünftiges Indiz, aber kein Beleg, und wer hier bestellen will, sollte die Lieferadresse an der Kasse einmal bis zum Ende durchklicken, bevor er zahlt.

Was man bekommt

Zwei Steinarten stehen im Zentrum: Moissanit und laborgezüchtete Diamanten, dazu fertige Fassungen, Trauringe, Ohrringe und lose Steine zum eigenen Verarbeiten. Bei Moissanit führt Gema & Co eine eigene Linie namens Resplendent Moissanite mit klar benannten Garantiegrenzen, Farbe ausschliesslich im praktisch farblosen Bereich D bis F, Reinheit garantiert VS1 oder besser, ein Unterschied, der laut eigener Aussage erst unter 15-facher Vergrösserung überhaupt sichtbar wird. Der Schliff wird in vier Stufen angeboten, von Ideal über Very Good und Good bis Fair, mit einer knappen, nachvollziehbaren Beschreibung, wie viel Licht jede Stufe zurückwirft. Bei den Labordiamanten nennt die Seite beide gängigen Zuchtverfahren beim Namen: HTHP, bei dem ein Impfkristall Temperaturen von über 2'700 Grad Fahrenheit und einem Druck von über 870'000 Pfund pro Quadratzoll ausgesetzt wird, und CVD, das bei rund 1'900 Grad Fahrenheit über einen Zeitraum von etwa einem Monat läuft. Beide Steinsorten werden nach denselben 4C bewertet wie geförderte Diamanten und von IGI oder GIA zertifiziert, laut Seite mit denselben Methoden und Skalen wie bei einem geförderten Stein.

Was heraussticht

Was die Seite von reiner Marketingsprache abhebt, ist die Bereitschaft, Zahlen zu nennen statt nur Adjektive. Der Wasserverbrauch wird mit 18 Gallonen pro Karat für Labordiamanten gegen über 126 Gallonen für geförderte Steine beziffert, der Kohlenstoffausstoss mit 57 Kilogramm pro Karat bei geförderten Diamanten, der Energieaufwand pauschal mit der Hälfte gegenüber Minenware. Beim Preis nennt die Seite eine Spanne von 20 bis 40 Prozent unter geförderten Diamanten. Das sind Herstellerangaben, keine unabhängige Prüfung, aber sie sind konkret genug, um nachgeprüft zu werden, was in dieser Kategorie mehr zählt als das Wort nachhaltig allein. Wo die Transparenz aufhört, ist beim Metall: Zur Herkunft des Goldes selbst, ob recycelt oder aus fairem Handel, findet sich auf der Seite keine einzige Angabe. Für eine Kategorie, die genau danach fragt, ist das die eine Lücke, die den sonst soliden Eindruck trübt. Jedes Stück wird zudem mit einem Echtheitszertifikat ausgeliefert, was die eigenen Angaben wenigstens auf dem Papier nachvollziehbar macht.

Preis, Garantie und Rückgabe

Lose Moissanit-Steine beginnen bei CHF 95.00 für Rund- und Birnenschliff, CHF 99.00 für Oval, CHF 107.00 für Kissenschliff und CHF 25.00 für die kleinste Ausführung im Prinzessschliff. Fertige Solitärringe mit vierzackiger Fassung beginnen bei CHF 576.00, eine Bezel- oder Pavé-Fassung bei CHF 659.00. Das sind jeweils Einstiegspreise für die kleinste Steingrösse und die einfachste Fassung, keine Angabe zu einem typischen Ring. Anders als bei einem Schweizer Anbieter kann bei der Einfuhr aus den USA zusätzlich Mehrwertsteuer oder Zoll anfallen, wie hoch, sagt die Seite nicht, sie verweist nur allgemein darauf, dass jedes Zielland eigene Zollregeln habe und zusätzliche Gebühren möglich seien.

Auf die Fassung gewährt Gema & Co eine Garantie von 2 Jahren gegen Herstellungsfehler, auf den Stein selbst eine lebenslange Garantie gegen Absplitterungen, Kratzer und Trübung, ausgenommen Schäden durch unsachgemässen Gebrauch. Zurückgeben lässt sich eine Bestellung innert 30 Tagen ab Erhalt, sofern das Stück ungetragen und originalverpackt ist, samt Garantiekarte, deren Fehlen mit einer Gebühr von 25 Dollar belegt wird. Für in Auftrag gegebene Sonderanfertigungen mit bereits begonnener Entwurfsarbeit zieht die Seite bei einer Rückgabe pauschal 100 Dollar Entwurfsgebühr ab, eine Rückerstattung soll nach eigener Angabe innerhalb von 7 bis 10 Werktagen erfolgen. Eine Angabe zu Ringgrössenänderung oder Service Jahre nach dem Kauf, wie sie ein Schweizer Goldschmied selbstverständlich anbietet, findet sich auf der Seite nicht, hier bleibt offen, ob und zu welchen Bedingungen das überhaupt möglich ist.

Wie es organisiert ist

Die Navigation trennt Moissanit- und Labordiamant-Ringe grob nach Fassungstyp, Solitär, Pavé, Halo, Hidden Halo und Three Stone, und zusätzlich nach Schliffform, dazu eigene Rubriken für Trauringe, Ohrringe und lose Steine. Wer keine Fassung von der Stange will, kann über ein eigenes Formular ein Einzelstück entwerfen lassen: Nach dem ersten Kontakt mit einer Beraterin wählt man Stein, Fassung und Metall, bekommt vor Produktionsbeginn einen Kostenvoranschlag und darf den Entwurf noch einmal korrigieren lassen, bevor er in Produktion geht. Die gesamte Fertigung soll laut Seite 3 bis 4 Wochen dauern, bei aufwendigeren Entwürfen entsprechend länger. Sendungen ausserhalb der USA sollen laut eigener Angabe nicht länger als 9 Werktage unterwegs sein, wobei die Seite offen lässt, ob darin die mehrwöchige Fertigungszeit schon eingerechnet ist oder ob sie erst danach beginnt.

Wie es sich vergleicht

Für ein Zürcher Paar ist der Unterschied zu einer Werkstatt an der Bahnhofstrasse oder in Winterthur offensichtlich: keine Auslage zum Hineinschauen, keine Lehre, auf die sich jemand berufen kann, keine Person, die einem in der Landessprache gegenübersitzt. Was Gema & Co stattdessen anbietet, ist Rückverfolgbarkeit auf dem Papier: benannte Zertifizierungsstellen, klar definierte Garantiestufen und ein Rückgaberecht, das im Kleingedruckten steht statt im Verkaufsgespräch. Für die Kundenbetreuung nennt die Seite mit Liz Weaver eine GIA-zertifizierte Gemmologin, die laut eigener Vorstellung seit über 7 Jahren in der Feinschmuckberatung arbeitet, aber sie ist eine von mehreren Ansprechpersonen in einem amerikanischen Kundendienst mit Bürozeiten von Montag bis Freitag, nicht ein Goldschmied am eigenen Werktisch. Für ein Paar, dem der persönliche Bezug zum Handwerk wichtig ist, bleibt das ein Kompromiss, den man bewusst eingehen muss.

Für wen es passt

Am besten passt Gema & Co zu einem Paar, das gezielt Moissanit sucht, in Zürcher Vitrinen aber eher selten in dieser Bandbreite an Fassungen und Schliffen findet, und das bereit ist, online zu bestellen, ein paar Wochen auf die Fertigung zu warten und die Einfuhrformalitäten selbst zu klären. Wer lieber vor Ort anprobiert, eine Fassung noch am selben Nachmittag ändern lassen will oder auf eine Beratung auf Deutsch besteht, ist bei einem hiesigen Anbieter besser aufgehoben.

Fazit

Eine Suche nach Schliessungs- oder Betrugsmeldungen zu Gema & Co blieb ohne Treffer, unabhängige Domain- und Bewertungsprüfungen zeigen eine durchgehend aktive Seite mit überwiegend positiven Rückmeldungen, was zur eigenen Angabe passt, seit 2017 über 19'000 Bestellungen ausgeliefert zu haben, bei einer selbst genannten Rücksendequote von 1,6 Prozent. Das Gesamtbild ist positiv: klar benannte Zertifizierungen, eine ungewöhnlich konkrete Erklärung der eigenen Herstellungsverfahren und eine Garantie von 2 Jahren auf die Fassung sowie lebenslang auf den Stein. Zwei Wermutstropfen bleiben: Die Schweiz wird im Versandtext nicht einzeln genannt, auch wenn Kasse und Länderauswahl klar darauf hindeuten, und zur Herkunft des Goldes schweigt sich die Seite vollständig aus. Wer das vor der Bestellung an der Kasse gegenprüft und offene Fragen per E-Mail klärt, bekommt hier ein nachvollziehbar zertifiziertes Stück zu einem Preis, den man in einer Zürcher Auslage selten sieht.

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