Kimai
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Kimai ist keine Zürcher Adresse und will das auch gar nicht sein. Die Marke wurde 2019 in Antwerp gegründet, von Jessica und Sidney, zwei Jugendfreunden, die beide in Diamantenfamilien aufgewachsen sind. Jessica stammt aus einer Familie von Diamanthändlern, Sidney ist Sohn und Enkel von Goldschmieden und hat selbst eine Ausbildung zum Diamant- und Farbsteinexperten durchlaufen. Das Versprechen der Firma steht so auch auf der eigenen Seite: Schmuck aus recyceltem Gold und laborgezüchteten Diamanten, gefertigt in Antwerp, "der Diamantenhauptstadt der Welt", wie Kimai selbst schreibt. Für ein Zürcher Paar, das sich für laborgezüchtete Steine interessiert, ist das eine der wenigen Adressen aus dieser Kategorie, die weder eine Schweizer Filiale noch eine Schweizer Rechtsform hat und trotzdem regelmässig hierher liefert.
Das Sortiment ist auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten als die klassischen Solitärhäuser an der Bahnhofstrasse. Neben Verlobungsringen gibt es Trauringe, Ohrringe, Armbänder, Halsketten und eine eigene Männerlinie, dazu Kollektionen mit eigenen Namen wie das Alphabet-Sortiment, gravierbare Stücke und Cord-Armbänder. In der Titelzeile der Website steht es unverblümt: 18-karätiges recyceltes Gold, kombiniert mit laborgezüchteten Diamanten. Die meisten Stücke werden laut eigener Aussage erst nach Bestellung gefertigt, in Zusammenarbeit mit Goldschmieden, Polierern und Fasserinnen in Antwerp, nicht ab Lager produziert.
Der Weg zum eigenen Ring
Wer einen eigenen Verlobungsring entwerfen lassen will, zahlt zu Beginn eine Anzahlung von 500 Euro, die später von der Schlussrechnung abgezogen wird. Die Website beschreibt den Ablauf in fünf benannten Schritten: ein Kennenlerngespräch, eine Skizzenphase, die Auswahl des Diamanten, die eigentliche Anfertigung und schliesslich die Übergabe des fertigen Rings. Die Beratung dazu ist gratis und findet entweder virtuell oder in einem der beiden Läden statt. Für die Fertigung selbst nennt Kimai eine Dauer von bis zu 6 Wochen, mit dem Hinweis, dass es bei Bedarf auch schneller gehen könne. Eine feste Preisliste für fertige Verlobungsringe veröffentlicht die Seite nicht, der Preis hängt vom gewählten Diamanten und der Fassung ab, wie bei praktisch jedem Anbieter in dieser Kategorie.
Herkunft und Nachweise
Die Kategorie hier wertet danach, wie nachprüfbar die Herkunftsangaben eines Anbieters tatsächlich sind, und Kimai liefert dafür mehr konkrete Zahlen als viele Mitbewerber. Auf der eigenen Aufklärungsseite zu laborgezüchteten Diamanten schreibt die Firma, dass Diamanten ab 0.50 Karat zur unabhängigen Prüfung ans IGI-Labor gehen, und dass GIA, HRD und IGI laborgezüchtete wie geförderte Diamanten nach denselben Massstäben klassifizieren. Zum Vergleich mit geförderten Diamanten nennt Kimai konkrete Werte: Nur 30 Prozent der geförderten Rohsteine erreichen überhaupt Schmuckqualität, und die Förderung eines einzigen Karats verursache laut eigener Angabe mehr als 30 Pfund Schwefeloxid und 125 Pfund Kohlenstoffemissionen, während laborgezüchtete Steine dabei kaum messbare Emissionen verursachen sollen. Das sind Zahlen der Firma selbst, keine unabhängige Studie, aber sie sind konkret genug, um nachgeprüft zu werden, statt nur mit einem grünen Label zu werben. Im Fuss der Seite erscheint zudem zweimal das Abzeichen einer zertifizierten B Corporation, ein Hinweis auf eine externe Prüfung der Unternehmensführung, auch wenn die Seite selbst keinen weiteren Text dazu liefert. Eine genaue Prozentzahl, wie viel des verarbeiteten Goldes tatsächlich recycelt ist, nennt die Website ausserhalb der 18-karätigen Legierung in der eigenen Titelzeile nicht.
Lieferung in die Schweiz und die Sache mit der Einfuhrsteuer
Kimai liefert nach eigener Aussage weltweit, ausgenommen sind nur Russland und China. Lagernde Stücke verschickt die Firma innert 7 Werktagen, Sonderanfertigungen können bis zu 3 Wochen dauern, und für Verlobungsringe nennt die Seite eine Spanne von 6 bis 8 Wochen, ausser der Ring ist bereits vorrätig, dann sind es 10 Tage. Für Lieferungen innerhalb von Grossbritannien und Europa verspricht Kimai zusätzlich einen 48-Stunden-Expressversand, sofern die Ware an Lager ist. Als Versandkosten nennt die FAQ-Seite eine Spanne von 19.99 bis 49.99, je nach Zielland, ohne die Währung für jedes einzelne Land separat auszuweisen.
Hier lohnt sich eine Korrektur, weil sie den Unterschied zwischen Marketing und Kleingedrucktem gut zeigt. Auf der Website läuft die Kasse für den ganzen Kontinent unter der Bezeichnung "Europe (EUR€)", ohne eine eigene Schweizer Auswahl. Das kann den Eindruck erwecken, die Schweiz werde wie ein EU-Land behandelt. Die eigene Klausel zu Einfuhrabgaben sagt aber ausdrücklich etwas anderes: "Für Bestellungen nach Grossbritannien, in die USA, in die EU und die VAE sind alle Einfuhrabgaben und Steuern bereits im Endpreis enthalten." Für den Rest der Welt, so die Seite wörtlich weiter, könne der Zustelldienst zusätzliche Steuern und Abgaben erheben. Die Schweiz ist weder EU- noch UK-, US- oder VAE-Gebiet, fällt also unter diese zweite Regel. Ein Schweizer Paar sollte also fest damit rechnen, dass bei der Zustellung zusätzlich zum angezeigten Preis noch die hiesige Einfuhrsteuer anfällt, egal wie europäisch die Kasse sich anfühlt.
Rückgabe, Garantie und Grössenänderung
Für die meisten Artikel gilt eine Rückgaberist von 14 Tagen ab dem Tag nach Erhalt der Ware, und die Rücksendung ist nicht gratis, die Versandkosten für Hin- und Rückweg gehen laut FAQ zulasten der Kundschaft. Wichtiger für diese Kategorie: Ringe, also auch Verlobungsringe, gravierte Stücke und alle Sonderanfertigungen sind vom Rückgaberecht ausgeschlossen und gelten als endgültiger Kauf. Wer online einen Verlobungsring bei Kimai bestellt, kauft ihn also verbindlich, ohne die Möglichkeit, ihn bei Nichtgefallen zurückzuschicken, was bei einem Kauf ohne vorheriges Anprobieren ein echtes Risiko ist.
Bei Fertigungsfehlern repariert oder ersetzt Kimai ohne Kostenfolge, ohne dabei eine feste Zeitspanne zu nennen. Nach 2 Jahren gilt laut eigener Aussage: Jeder weitere Schaden oder jede Reparatur wird zwar noch ausgeführt, aber die Kundschaft trägt die Reparatur- und Versandkosten selbst. Was in den ersten 2 Jahren bei einem Schaden gilt, der nicht auf einen Fertigungsfehler zurückgeht, sagt die Seite nicht eindeutig, das bleibt offen. Verlorene Steine bis 0.15 Karat werden einmalig ersetzt. Bei der Grössenänderung gibt es eine kostenlose Anpassung um bis zu 1.5 EU-Grössen samt Versand, allerdings ausdrücklich nur für Bestellungen aus Grossbritannien, den USA, der EU und den VAE, also wieder ohne die Schweiz in der Liste. Ob eine Schweizer Kundin diesen Service ebenfalls kostenlos bekommt, lässt sich aus dem veröffentlichten Text nicht sicher sagen.
Zwei Läden, keiner in der Schweiz
Wer den Ring vor der Bestellung anfassen will, muss reisen. Kimai betreibt einen Laden an der 24 Chiltern Street in London, dienstags bis samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet, ohne Terminpflicht für die reine Besichtigung, sowie einen zweiten an der 75 rue des Saints-Pères in Paris, dienstags bis samstags von 11 bis 19 Uhr. Beide Adressen liegen näher an Zürich als an vielen anderen europäischen Hauptstädten, aber es bleibt eine Reise mit Flug oder Zug. Zum Vergleich: Wer in Winterthur, Baden oder am Zürichsee eine Goldschmiedin sucht, die selbst am eigenen Werktisch arbeitet und ihre Lehre womöglich im gleichen Kanton gemacht hat, bekommt genau das, den direkten Kontakt zur Werkstatt, den Kimai online nicht bieten kann. Kimai fertigt zwar ebenfalls in einer eigenen Werkstatt, aber in Antwerp, mit Handwerkern, die die Kundschaft aus der Schweiz in aller Regel nie zu Gesicht bekommt.
Für wen sich Kimai eignet
Kimai passt zu einem Paar, das Design und Preis wichtiger nimmt als eine Adresse an der Bahnhofstrasse, das mit einer Fernbestellung leben kann und die Fotos, Grössentabellen und Rückgabebedingungen der Website vor dem Kauf gründlich liest. Es passt weniger zu jemandem, der den Ring vor dem Kauf anprobieren, bei Nichtgefallen problemlos zurückschicken oder eine Werkstatt in der Nähe für spätere Anpassungen haben will. Wer sich für laborgezüchtete Diamanten entschieden hat und die genannten Einschränkungen kennt, kann online bestellen, gut über die eigene Nachhaltigkeitsbegründung informiert und mit den echten, nicht schöngeredeten Lieferbedingungen für die Schweiz im Kopf.
Unser Fazit
Kimai überzeugt dort, wo es um Herkunft und Nachweise geht: konkrete Zahlen zu Emissionen und Prüflaboren statt vager Nachhaltigkeitsfloskeln, dazu eine B-Corp-Zertifizierung und ein Gründungspaar mit echtem Branchenhintergrund in Antwerp. Für Schweizer Käuferinnen und Käufer bleiben zwei Dinge, die man vorher wissen sollte statt sie erst beim Erhalt der Ware zu entdecken: Die Einfuhrsteuer ist trotz der europäisch klingenden Kasse nicht im Preis enthalten, und ein bestellter Verlobungsring lässt sich nicht zurückgeben, wenn er am Ende doch nicht passt. Wer das einplant, bekommt eine Marke mit nachvollziehbarer Geschichte und ungewöhnlich offenen Zahlen zu den eigenen Diamanten.