Yves Betschmann Goldschmied

Brunngasse 14, Zürich · dal 2008

Tocca una stella per valutare

Yves Betschmann führt sein Goldschmiedeatelier seit 2008 an der Brunngasse 14, ein paar Schritte unterhalb der Zentralbibliothek, mitten in der Altstadt. Kein Filialbetrieb, keine Kette: Der Name auf dem Türschild ist derselbe, der auch am Werktisch dahinter sitzt. Wer hier eine Anfrage stellt, spricht mit dem Mann, der den Ring am Ende auch tatsächlich feilt, lötet und fasst.

Betschmann, Jahrgang 1979 und in Zürich aufgewachsen, hat den eidgenössisch diplomierten Goldschmied gelernt und danach seine ersten Berufsjahre bei W. Fleischmann in Winterthur und bei K. Wandeler in Horgen verbracht, zwei Namen, die in der Zürcher Goldschmiedeszene ein Begriff sind. Wo genau die eigentliche Lehre stattfand, verrät seine eigene Seite nicht, nur diese beiden Stationen danach. Anschliessend liess er sich in Idar-Oberstein, dem deutschen Zentrum der Edelsteinbranche, zum Gemmologen nach DGemG ausbilden und holte sich zusätzlich den eidgenössisch diplomierten Goldschmiedemeister. Seit 2004 ist er selbständig, zunächst mit einem Atelier im Kreis 5 (Postleitzahl 8005), bevor er 2008 das heutige Ladenlokal an der Brunngasse eröffnete. Die älteste Adresse unter den Altstadt-Goldschmieden ist das nicht, aber ein Standort, der seit bald zwei Jahrzehnten unverändert ist, was für ein Einzelunternehmen ohne Investoren im Rücken schon einiges heisst.

Wie ein Ring entsteht

Der Ablauf, den die Seite beschreibt, ist der klassische einer Massanfertigung: ein persönliches Gespräch, erste Skizzen, dann als ausgebildeter Gemmologe eine Beratung zur Wahl des Edelsteins je nach gewünschter Farbe, Form und Budget. Aus der Skizze wird bei Bedarf ein von Hand gefertigtes Wachsmodell, an dem sich das Stück zum ersten Mal spüren lässt, bevor überhaupt Gold geschmolzen wird. Erst danach folgt eine verbindliche Offerte mit ausgewiesenen Kosten, und erst danach wird gearbeitet: von Hand geschmiedet, poliert, gefasst und graviert. Auf alles, was das Atelier verlässt, gibt Betschmann eine lebenslange Servicegarantie, inklusive Grössenänderungen. Wer ein geerbtes Stück nicht mehr trägt, die Steine aber behalten möchte, bekommt hier ebenfalls ein Angebot: Umarbeitung statt Neuanfertigung.

Seine Philosophie, in eigenen Worten auf der Seite festgehalten, klingt entsprechend handwerklich und nicht nach Marketingtext: Form, Farbe, Material und Funktionalität sollen zusammenpassen, ohne dass die technische Ausführung dem Design im Weg steht. Termine sind hier die Regel, kein spontaner Schaufensterbesuch.

Eine eigene Ehering-Marke

Für Trauringe betreibt Betschmann eine eigene, separat aufgezogene Seite, weddingring.ch, statt nur eine Unterseite im Hauptauftritt zu führen. Dort verspricht er Ringe zu 100 Prozent aus rezykliertem Gold mit dem Ökogold-Label sowie Diamanten ausschliesslich von Kimberley-zertifizierten Händlern, ebenfalls mit lebenslanger Servicegarantie samt Grössenänderungen. Bei der Preisangabe für ein Ringpaar ist die Seite allerdings nicht ganz mit sich selbst im Reinen: An einer Stelle nennt sie eine Spanne von 3'000 bis 6'000 Franken, an einer anderen 3'500 bis 7'000 Franken für dasselbe Ringpaar. Ob es sich dabei um eine alte, liegen gebliebene Textversion neben der aktuellen handelt, lässt sich von aussen nicht sagen. Für die Budgetplanung heisst das: eher im mittleren vierstelligen Bereich pro Paar einplanen und die genaue Zahl im persönlichen Gespräch klären, nicht im Vorfeld auf der Seite. Daneben führt er unter dem Namen Verser eine zweite, ebenfalls eigene Ringlinie mit online konfigurierbaren, frei schwingend gefassten Steinen, laut eigener Angabe zu 100 Prozent in der Schweiz gefertigt.

Mehr als Ringe: Schätzungen und Ankauf

Was diesen Betrieb von manch anderem Atelier auf dieser Liste unterscheidet: Er schätzt Schmuck und kauft auch Diamanten an, direkt vor Ort an der Brunngasse, nicht nur über Umwege. Für Schmuck- und Juwelenschätzungen verweist die Seite auf zwanzig Jahre Erfahrung und auf ein eigenes gemmologisches Labor. Wertgutachten kosten 180 Franken pro Stunde plus 200 Franken Pauschale für eine Herkunftsrecherche und sollen innerhalb einer Arbeitswoche fertig sein. Für offizielle Zertifizierungen von Diamanten und Edelsteinen arbeitet er mit dem Schweizerischen Gemmologischen Institut zusammen und kann SSEF-Zertifikate vermitteln. Als Referenzen nennt die Seite die Anwaltskanzlei Lenz & Staehelin an der Brandschenkestrasse 24, die Helvetia Versicherungen an der Hohlstrasse 560 sowie das Betreibungsamt Kreis 7 an der Witikonerstrasse 15, alle in Zürich: Nachlassschätzungen, Versicherungsgutachten und Einschätzungen bei Pfändungen.

Diamanten kauft er zudem direkt an, gefasst oder lose, mit oder ohne Zertifikat, ab einem Einzelgewicht von 2 Karat aufwärts. Der Ankaufspreis richtet sich nach Rapaport und liegt laut eigener Angabe zwischen 50 und 70 Prozent, je nach Qualität und Schliff des Steins, mit Auszahlung innert Wochenfrist. Auch Reparaturen macht er selbst: 150 Franken Stundenansatz plus Material, in der Regel innert zwei, bei aufwendigeren Stücken bis zu vier Wochen. Ausgenommen sind reine Silber- und Modeschmuckreparaturen sowie Grössenänderungen an Ringen aus Titan, Stahl oder Karbon, sonst lässt sich laut eigener Aussage fast jeder Ring anpassen.

Uhren nebenbei

Wer ohnehin da ist, kann auch eine Uhr mitbringen. Betschmann prüft Echtheit und Marktwert von Rolex, Patek Philippe, Audemars Piguet, Omega und weiteren Marken, mit Referenzstücken auf der Seite wie einer roségoldenen Rolex Yachtmaster (Ref. 126659) oder einer Rolex Submariner 41mm (Ref. 126619LB, im Handel als "Smurf" bekannt), was auf eine gewisse Aktualität der Uhrenseiten schliessen lässt. Ein Wertgutachten kostet ebenfalls 180 Franken pro Stunde, eine reine Echtheitsprüfung 380 Franken pauschal. Im Express-Tempo, morgens gebracht und nachmittags wieder abholbereit, kommt ein Aufpreis von 120 Franken dazu. Beim Ankauf von Luxusuhren nennt die Seite eine Bewertung innert 30 Minuten vor Ort und eine Auszahlung zwischen 70 und 90 Prozent des Marktwerts, je nach Zustand und Jahrgang der Uhr.

Einordnung

Im Vergleich zu den grossen Namen an der Bahnhofstrasse ist das hier kein Schaufensterbetrieb mit Filialnetz, sondern ein einziger Werktisch mit einem Meister davor, was für die Verhandlung über einen eigenen Entwurf eher hilft als schadet: Wer die Person kennt, die den Ring am Ende in der Hand hat, muss nichts durch mehrere Verkaufsebenen weiterreichen. Presseerwähnungen auf der eigenen Seite reichen bis ins Jahr 2015 zurück, ein Interview im Tagblatt, ein Beitrag in der Schweizer Familie zum Thema Perlschmuck, ein selbst gestalteter Hauptpreis für die Lange Nacht der Mode. Neuere Presseauszeichnungen fehlen auf dieser Unterseite, dafür wirken die Uhren- und Diamantenseiten mit ihren aktuellen Referenznummern und dem eigenständigen Auftritt von Verser deutlich gepflegter als der Rest der eher in die Jahre gekommenen Website.

Fazit

Für ein Zürcher Paar, das einen Ring wirklich von Grund auf entwerfen lassen will und nicht nur eine Fassung aus dem Katalog wählt, ist die Brunngasse ein überzeugender Ausgangspunkt: eigene Meisterqualifikation, eigenes Labor, eine eigene Ehering-Marke und die seltene Zusatzoption, ein altes Familienstück gleich an derselben Adresse schätzen oder in Zahlung geben zu lassen. Der einzige echte Wermutstropfen ist die uneinheitliche Preisangabe für Trauringpaare auf der Ehering-Seite selbst, eine Kleinigkeit, die sich in einem einzigen Telefonat klärt, mehr aber auch nicht.

Altro in Goldschmiede und Ateliers der Altstadt

Vedi tutto