Landolf & Huber Juweliere

Rennweg 20, Zürich · dal 2010

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Am Rennweg 20 in der Zürcher Altstadt, ein paar Gassen von der Bahnhofstrasse entfernt, führen Zsuzsanna Landolf und Reto Huber seit Mai 2010 ihre Boutique und ihr Atelier. Wer hier nach einem Verlobungsring sucht, findet kein Schaufenster mit internationalen Uhrenmarken, sondern einen kleineren Betrieb, der zwei Dinge gleichzeitig macht: er verkauft kuratierte Stücke auswärtiger Goldschmieden wie Alexander Laut, Honolulu und Chantecler Capri, und er fertigt im eigenen Atelier eigene Entwürfe an. Für die Kategorie der unabhängigen Altstadt-Goldschmiede ist das eine Abweichung vom reinen Ein-Werkstatt-Modell, aber eine, die sich auszahlt, wenn man an einem Nachmittag mehr sehen will als die Linie eines einzelnen Hauses.

Die Website nennt weder das Ausbildungshaus noch die Lehrjahre der beiden Gründer, ein Punkt, den man bei einem Betrieb dieser Kategorie eigentlich prüfen möchte. Was sie stattdessen dokumentiert: Reto Huber ist Gemmologe und Diamantgutachter mit dem Titel DGemG und Mitglied der Deutschen Gemmologischen Gesellschaft, eine Fachqualifikation für die Bewertung von Edelsteinen, nicht für deren Verarbeitung. Die eigentliche Werkstattarbeit liegt bei Manuela Jahrstorfer, die laut Teamseite das Goldschmiedatelier leitet und dort, ihrer eigenen Kurzbiografie zufolge, für Edelsteine, Perlen und Präzisionsarbeit zuständig ist. Wo sie ihre Lehre gemacht hat, verrät die Seite nicht, was der Firma an dieser Stelle einen kleinen Vertrauensvorschuss abverlangt. Was sich dagegen belegen lässt, ist die Arbeit selbst: Das Haus zeigt konkrete Kundenanfertigungen wie «La mer» mit Brillanten, Tansanit, Aquamarin und Topas oder «Ruby Dream» mit einem unbehandelten Burma-Rubin und Diamanten, dazu eigene Entwürfe wie das Collier «Amalfi 1960» aus Koralle und Brillanten (der Name bezieht sich auf das Design, nicht auf ein Gründungsjahr) und die handgeschnitzten Lavastein-Ohrhänger «Pompeji». Das ist genau die Art von nachweisbarer Massanfertigung, nach der die Kategorie eigentlich sucht, auch wenn die Ausbildungsfrage offenbleibt.

Auswahl für Verlobung, Trauring und Atelierstücke

Für die Verlobung selbst hält das Haus eine Auswahl klassischer Solitärringe bereit und bietet daneben an, einen eigenen Entwurf im Atelier umzusetzen, ohne dass die Website Preise, Fassungsarten oder Lieferzeiten dazu nennt. Bei den Trauringen kooperiert Landolf & Huber mit Max Kemper, einem nach eigener Beschreibung kleinen Familienbetrieb, und bietet aus dessen Kollektion rund 600 Designs an, die im hauseigenen Atelier in jeder gewünschten Goldlegierung gefertigt und auf Mass angepasst werden. Das ist ein Modell, das für Zürcher Paare Sinn ergibt: Die Formensprache kommt von einem spezialisierten Trauringhersteller, die eigentliche Fertigung und Anpassung passiert am Rennweg selbst.

Die Atelierkollektion, laut eigenen Angaben in Oekogold gefertigt, zeigt Einzelstücke mit selteneren Steinen, etwa den bereits erwähnten unbehandelten Burma-Rubin oder eine Kombination aus Tansanit, Aquamarin und Topas in einem einzigen Stück. In der Showcase-Auswahl finden sich daneben ein Ring mit Türkis und Brillanten von Chantecler Capri, ein Ring mit einem Tansanit-Cabochon, Saphiren und Brillanten von Davide Maule, ein Diamantarmband von Alexander Laut und, vom selben Haus, Ohrringe mit Smaragdtropfen, sowie ein Ring aus Chalzedon, Saphiren und Brillanten unter dem eigenen Namen «Flowerpower». Wer auswechselbare Kogolong-Kugeln an Ohrhängern sucht, findet auch das im Sortiment. Die Bandbreite an Steinen und Formen ist für ein Haus dieser Grösse ungewöhnlich weit gefasst, gerade weil ein Teil davon nicht aus dem eigenen Atelier stammt, sondern bewusst von aussen dazugekauft wird.

Weiter unten in der Auswahl liegen ein Ring mit einem mintfarbenen Turmalin und Brillanten von Alexander Laut sowie, wieder aus dem eigenen Atelier, ein Ring mit Koralle, Tsavoriten und Diamanten unter dem Namen «Bite me if you can» und eine ganze Reihe von Kugelringen in verschiedenen Ausführungen. Gerade die Kugelringe und die auswechselbaren Kogolong-Ohrhänger zeigen, dass das Haus nicht nur klassische Solitäre bedient, sondern auch verspieltere Formen, die man eher bei einem kleinen Atelier als bei einem grossen Uhren- und Schmuckkonzern erwartet. Wer sich vorab online orientieren will, kann jedes Stück auf der Website einzeln nachschlagen, findet dort aber wie erwähnt keine Preise, was bei einem Betrieb dieser Grössenordnung nicht ungewöhnlich ist, aber vor dem Besuch eingeplant werden sollte.

Service, Team und Öffnungszeiten

Über die Verkaufsfläche hinaus bietet das Atelier Reparaturen an Gold- und Silberschmuck, Ringgrössenänderungen, Fasserarbeiten, Umarbeitungen von geerbtem oder nicht mehr getragenem Schmuck sowie schriftliche Schätzungen für Versicherung oder Erbschaft an. Für Letzteres verweist die Seite auf ein eigenes Edelsteinlabor zur Echtheitsbestimmung, was zusammen mit Hubers Gemmologie-Titel eine der wenigen fachlich nachprüfbaren Aussagen der ganzen Website ist. Dazu kommt eine jährliche Perlenpflege mit Neuaufziehen und handgeknüpften Knoten, ein Service, den man selten so ausdrücklich beworben sieht.

Das Team ist mit fünf genannten Personen klein und persönlich gehalten: Neben den beiden Gründern arbeiten Tanja Huber als Senior Sales Consultant, Manuela Jahrstorfer im Atelier und Priska Huber in der Administration mit. Drei der fünf tragen den Namen Huber, was auf einen Familienbetrieb über die reine Gründerpartnerschaft hinaus hindeutet. Auffällig ist auch, dass jedes Teammitglied mit eigener Kurzbiografie auftritt, kein anonymes Verkaufspersonal, sondern Namen und, bei den beiden Gründern, sogar persönliche Mobilnummern.

Geöffnet ist von Dienstag bis Freitag jeweils von 9.30 bis 13.00 Uhr und von 14.00 bis 18.30 Uhr, am Samstag von 10.00 bis 13.00 Uhr und von 14.00 bis 16.30 Uhr. Sonntag und Montag bleibt die Boutique vollständig geschlossen, auch der Montagvormittag, der andernorts in der Zürcher Altstadt oft schon offen ist. Ob ein Termin nötig oder empfohlen ist, sagt die Website nicht, ein Detail, das man vor einem Besuch besser telefonisch klärt.

Fazit

Landolf & Huber ist keine reine Ein-Werkstatt-Adresse, aber genau das macht sie für die Kategorie interessant: eigene Atelierarbeit, belegt durch konkrete Kundenanfertigungen, kombiniert mit einer Auswahl auswärtiger Goldschmieden, die sonst jeweils einen eigenen Termin an einem anderen Ort bräuchten. Der Rennweg selbst ist ruhiger als die Bahnhofstrasse einen Steinwurf weiter, was dem Besuch etwas von der Uhrenladen-Betriebsamkeit nimmt, die man dort erwarten würde.

Im Vergleich zu einem grossen Haus an der Bahnhofstrasse fehlt hier die internationale Uhrenmarke im Schaufenster, dafür bekommt man ein kleines, benanntes Team, das seine eigenen Gesichter und, bei den beiden Gründern, sogar die persönliche Nummer zeigt. Im Vergleich zu einem einzelnen Ein-Personen-Goldschmiedeatelier anderswo in der Altstadt bietet Landolf & Huber mehr Auswahl an einem Ort, weil die eigene Werkstatt durch mehrere auswärtige Ateliers ergänzt wird, muss man dafür aber in Kauf nehmen, dass nicht jedes ausgestellte Stück tatsächlich am Rennweg entstanden ist. Für eine Käuferin ist das kein Nachteil, solange man weiss, woran man ist, und die Website trennt beides über die Herkunftsangaben pro Stück ziemlich sauber.

Der eine echte Vorbehalt bleibt die Transparenz: keine Preise, keine Aussage zur Terminpflicht, und bei der Ausbildung der Werkstattleitung bleibt man auf den Titel und die gezeigte Arbeit angewiesen, statt auf eine explizite Lehre verweisen zu können. Wer sich daran nicht stört und stattdessen die nachweisbaren Kundenanfertigungen, das eigene Edelsteinlabor und die jahrelange Zusammenarbeit mit Versicherungsgesellschaften als Beleg nimmt, bekommt hier ein solides Haus. Für eine Leserin, die zusätzlich zur eigenen Werkstatt eine breitere Auswahl sehen möchte, oder die einen Trauring aus einer grossen Auswahl in der gewünschten Legierung will, ist der Weg an den Rennweg trotzdem lohnend.

Altro in Goldschmiede und Ateliers der Altstadt

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