Juwelier Messerer
Tocca una stella per valutare
Am Münsterhof, dort wo die Altstadt zum See hin ausläuft, führt Ramona Matthaei seit 2017 ein Geschäft, das schon seit 1984 an derselben Adresse steht: Juwelier Messerer, Münsterhof 14. Rechtlich ist es die Messerer Juwelier AG, im Handelsregister des Kantons Zürich eingetragen, mit einer gelernten Goldschmiedin an der Spitze statt einer reinen Geschäftsführung. Wer eine Adresse sucht, die nicht erst seit ein paar Saisons besteht und nicht bloss ein Ladenlokal mit wechselndem Personal ist, findet hier eine der ruhigeren, weniger lauten Anlaufstellen der Zürcher Altstadt. Kein Schaufenster voller Markenlogos, sondern ein Betrieb, der seinen Schmuck selber entwirft und in der eigenen Werkstatt fertigt.
Was Sie am Münsterhof finden
Das Angebot ist breiter, als man bei einem Altstadt-Atelier vielleicht erwartet. Auf der eigenen Seite lassen sich 6 Kategorien durchstöbern: Ringe mit 156 Stücken, Ohrschmuck mit 80, Anhänger und Colliers mit 58, Armschmuck mit 31, Herrenschmuck mit 7 und, für unsere Zwecke am wichtigsten, eine eigene Verlobungs- und Eheringe-Kollektion mit 25 Stücken. Dazu kommen 9 benannte, hauseigene Schmucklinien wie Fraumünster, Kairos oder Zattera, jede mit eigenem Formen- und Materialkonzept. Das ist keine Handvoll Musterringe hinter Glas, sondern ein Katalog, der zeigt, dass hier tatsächlich laufend eigene Kollektionen entstehen und nicht nur zugekaufte Ware verkauft wird.
Bei den Preisen ist die Website ungewöhnlich offen für ein Fach, das Preise oft lieber im Beratungsgespräch verrät: Ein Verlobungsring ohne Stein wird mit ungefähr CHF 1500 bis CHF 4000 beziffert, Diamanten und andere Edelsteine kommen als separater Posten auf Anfrage dazu. Einzelne fertige Stücke aus dem laufenden Sortiment sind ebenfalls mit Preis ausgezeichnet, ein Alliance-Ring in Roségold mit Rubinen etwa mit CHF 5300, ein Herzanhänger in Weissgold mit Diamanten mit CHF 6580. Das gibt zumindest eine Grössenordnung, bevor man überhaupt ein Gespräch vereinbart hat, was man bei vielen vergleichbaren Adressen in der Altstadt vergeblich sucht.
Die Werkbank und ihre Leute
Auf der Team-Seite stellt der Betrieb 8 Personen namentlich vor, was für ein Atelier dieser Grösse beachtlich ist. Ramona Matthaei ist Inhaberin und Goldschmiedin EFZ. An der Werkbank arbeitet Patric Stampfli als Goldschmied-Meister EFZ, laut eigener Beschreibung unter anderem für anspruchsvolle Juwelenarbeiten, figürliches Schnitzen sowie den Bau von Modellen und Prototypen. Noël Clerc, ausgebildeter Goldschmied EFZ, hat seine eigene Lehre im selben Haus absolviert und dabei 2022 an der Goldschmiede-Schweizermeisterschaft den zweiten Platz in der technischen Meisterschaft geholt, im gleichen Jahr schloss er die Lehre mit Auszeichnung und dem ersten Platz für die beste praktische Arbeit ab. Seit August 2023 bildet der Betrieb mit Cajus Langenscheid bereits die nächste Lernende-Generation aus, in der 4 Jahre dauernden Goldschmiede-Ausbildung. Für die Steinberatung ist Daniela von Euw zuständig, ausgebildete Gemmologin GIA, im Verkauf zusätzlich Gitte Holmskov und Yvonne Zürni, für die Produktfotografie Anne-Kathrin Lindner als gelernte Fotografin EFZ.
Für Zürcherinnen und Zürcher, die genau danach fragen, ist das der interessante Teil: Hier wird nicht nur verkauft, sondern auch ausgebildet, und ein Teil der Belegschaft hat die eigene Lehre an genau dieser Werkbank gemacht statt anderswo eingekauft zu werden. Wo Ramona Matthaei selbst gelernt hat, verrät die Seite nicht, das lässt sich nur im Gespräch klären.
Vom ersten Gespräch bis zum fertigen Ring
Der Ablauf für Verlobungs- und Eheringe ist in 4 Schritten beschrieben: ein erstes, unverbindliches Beratungsgespräch, das laut eigenen Angaben rund 1 bis 1,5 Stunden dauert und nichts kostet, eine zweite Runde mit Steinauswahl, Modell oder Skizze, dann die eigentliche Anfertigung nach Auftragserteilung, und zuletzt die Übergabe nach der Endkontrolle. Bezahlt wird zur Hälfte bei Auftragserteilung, eine Anzahlung von 50 Prozent, der Rest bei Abholung, wie auf der Website festgehalten. Verwendet wird nach eigener Angabe zertifiziertes Recycling-Gold.
Für die reine Anfertigungszeit nennt die Seite eine Bandbreite von 6 bis 12 Wochen inklusive Beratungsgesprächen und Anproben, für sonstige Unikat-Schmuckstücke ausserhalb der Ring-Kategorie 4 bis 14 Wochen, für Reparaturarbeiten 4 bis 8 Wochen. Das sind, wie die Seite selbst schreibt, grobe Richtwerte mit möglichen Abweichungen, keine verbindlichen Fristen, und so sollte man sie auch behandeln.
Wer gerade jetzt anfragt, sollte eine Sache wissen, die der Betrieb selbst offen kommuniziert: Wegen aktuell sehr hoher Auftragslage ist das Geschäft dienstags vormittags telefonisch und vor Ort nicht erreichbar, damit sich das Team ungestört der Fertigung widmen kann. Das ist ein gutes Zeichen für die Nachfrage, aber auch ein klarer Hinweis, wer eine Verlobung auf ein bestimmtes Datum plant, bucht besser Wochen im Voraus statt kurz vor der Frage aller Fragen auf einen freien Termin zu hoffen.
Altstadt statt Bahnhofstrasse
Der Münsterhof liegt einen kurzen Fussweg von der Bahnhofstrasse entfernt, aber preislich und atmosphärisch in einer anderen Welt. Wo die grossen Namen an der Bahnhofstrasse vor allem internationale Uhren- und Schmuckmarken ab Lager verkaufen, wird hier tatsächlich vor Ort entworfen und gefertigt, mit eigenem Namen auf dem Türschild statt einer Konzernmarke darüber. Für ein Familienerbstück, das umgearbeitet werden soll, oder einen Ring, den es in keinem Schaufenster so zu kaufen gibt, ist das der naheliegendere Weg als eine Filiale einer internationalen Kette.
Ein zusätzliches Vertrauenssignal liefert die eigene Webseite mit dem Verweis auf eine Bewertung von 5 von 5 Sternen aus 39 Google-Rezensionen, was für ein Fachgeschäft dieser Grösse eine solide Zahl ist, auch wenn sich das nur auf die eigene Darstellung stützt und nicht auf eine unabhängige Prüfung durch uns. Wer tiefer graben will, findet im hauseigenen Hilfe-Center 70 Fragen zu 14 Themen in 4 Bereichen, von Anfertigung über Gravuren bis zu Schätzungen, was für ein KMU dieser Grösse ein ungewöhnlich ausführliches Nachschlagewerk ist und zeigt, dass hier viel öffentlich beantwortet wird, was andere Betriebe nur im Gespräch klären.
Für wen sich der Weg lohnt
Am besten passt dieses Atelier zu Paaren, die tatsächlich etwas Eigenes wollen: einen Ring von Grund auf, ein umgearbeitetes Erbstück der Grossmutter, oder zumindest eine der 25 Kollektionsvarianten als Ausgangspunkt für eigene Anpassungen. Wer stattdessen einfach einen fertigen Markenring von der Stange kaufen will, ist an der Bahnhofstrasse oder im Online-Handel schneller und oft auch günstiger bedient.
Eine ehrliche Einschränkung gibt es: Eine ausdrückliche Gewährleistungsfrist oder eine schriftliche Garantie über eine bestimmte Anzahl Jahre nennt die Website nirgends, weder im Leitfaden noch im Hilfe-Center. Das heisst nicht, dass es keine gibt, nur dass sie nicht online steht, wer das schwarz auf weiss braucht, sollte im Beratungsgespräch danach fragen statt sich auf eine Vermutung zu verlassen. Ebenso ungenannt bleibt, was ein Ring mit Diamant am Ende tatsächlich kostet, das wird laut eigener Aussage individuell auf Anfrage berechnet.
Unter dem Strich bleibt ein Betrieb, der genau das liefert, was die Kategorie verspricht: eine eigene Werkstatt statt eines reinen Verkaufstresens, ein Team, das zum Teil selbst am Münsterhof gelernt hat, transparente Eckwerte bei Zeit und Einstiegspreis, und aktuell offenbar genug Nachfrage, um dienstagvormittags den Laden zu schliessen. Wer Zeit für ein zweites Gespräch, eine Anzahlung von der Hälfte und ein paar Wochen Wartezeit einplant, bekommt dafür einen Ring, der wirklich für diese eine Person gemacht wurde und nicht von der Stange kommt.