Spitzbarth Juwelier
Tocca una stella per valutare
Wer am Neumarkt im Zürcher Niederdorf nach einem Siegelring fragt, landet fast automatisch bei Spitzbarth. Das Geschäft ist eine der wenigen Adressen der Altstadt, die sich auf Siegel- und Wappenringe spezialisiert haben, mit einer heraldischen Erfahrung, die über vier Generationen gewachsen ist. Geführt wird die Spitzbarth Juwelier GmbH heute von Marco Spitzbarth, der seit 2012 die Digitalisierung des Familienbetriebs vorantreibt und die Kundschaft am Neumarkt 8 persönlich berät.
Die Geschichte beginnt 1921, als Fritz Spitzbarth-Grieb die Silberschmiede an der Feldeggstrasse 58 in Zürich-Riesbach samt dem dazugehörigen Laden von Jaques Stähli-Rebmann kaufte. Werkstatt und Laden bestanden laut der Firmengeschichte auf der eigenen Website also schon vor dem Kauf, nur eben unter anderem Namen. 1936 übernahm Rudolf Spitzbarth nach dem Tod seines Vaters die Firma, mitten in der Wirtschaftskrise, und erweiterte das Sortiment um Hohlwaren, Kannen, Services und Tabletts für das Zürcher Bürgertum. 1944 kam mit der Heirat von Rudolf und der Silberschmiedmeisterin Erika Petersen fachliches Gewicht dazu, das die Gestaltung im Haus laut eigener Darstellung spürbar prägte.
1960 zog das Verkaufsgeschäft vom Seefeld in die Altstadt, ein erster Schritt in Richtung des heutigen Standorts. 1991 übernahm Roland Spitzbarth die Firma seines Vaters. Auch er ist ausgebildeter Silberschmied und hat unter anderem an der Kunst- und Werkschule in Pforzheim studiert. Als er die Goldschmiedemeisterin und graduierte Schmuckdesignerin Monika von Wnorowski heiratete, kam wieder eine ausgebildete Fachfrau ins Geschäft. 2012 fand die Familie am Neumarkt einen Laden, der für die Kundschaft leicht zu erreichen ist, und zog dorthin um. 2013 schloss die eigene Werkstatt in Zürich-Höngg, in der man nach eigenen Angaben etwas mehr als zehn Jahre gearbeitet hatte. Die hundertjährige Silberschmiede der Familie ging an den jungen Silberschmied Cyrill Weber über, der sie in Oberwil neu einrichtete.
Siegelringe und Wappenringe
Das ist die eigentliche Spezialität des Hauses, deutlicher als bei den meisten anderen Adressen der Altstadt. Ein Siegelring trägt einen gefassten Stein, etwa Karneol, Nicolo, Lapis Lazuli oder Onyx, der seitenverkehrt graviert wird, damit das Wappen beim Siegeln im Wachs richtig herum erscheint. Ein Wappenring dagegen kommt ohne Stein aus: Das Familienwappen wird plastisch in den Ringkopf modelliert, von Hand mit Hammer und Flamme geschmiedet, und zeigt das Motiv positiv statt spiegelverkehrt, reine Zierde ohne Siegelfunktion. Die Gravur selbst ist klassische Handgravur. Als Material nennt die Website 750er Gold in Gelb, Rosé oder Weiss, dazu Platin oder Silber. Wer sich vorab ein Bild machen will, findet unter "Sammlung" eine Galerie bereits gefertigter Siegel- und Wappenringe.
Der Ablauf gliedert sich in vier Schritte: ein persönliches Gespräch zu Ringform, Proportionen, Tragekomfort, Material und Budget, dann Entwurf und heraldische Beratung mit Skizze oder 3D-Visualisierung, danach die eigentliche Anfertigung und Anpassung, zuletzt die Gravur samt Siegelabdruck zur Kontrolle. Je nach Auftragslage und Gravurkomplexität dauert eine Anfertigung nach eigenen Angaben ein bis zwei Monate.
Wer sich vorab genauer orientieren will, kann den Siegelringkonfigurator auf der Website nutzen. Zur Wahl stehen fünf Materialien, Gelbgold 750, Rosegold, Graugold und Weissgold sowie Platin 950, dazu vier Ringprofile (oval, antik, tailliert, konisch), drei Grössenkategorien von fein bis gross, die zusammen die Ringgrössen 46 bis 73 abdecken, dazu Nicolo, Karneol, Onyx, Lapis Lazuli, Nephrit, Hämatit, Citrin oder Vollmetall ohne Stein als Steinoptionen, drei Oberflächen und mehrere Gravurstile vom Vollwappen bis zum Monogramm. Der Konfigurator selbst ist kostenlos und unverbindlich, ein konkreter Preis folgt erst nach einer persönlichen Offerte.
Trauringe, Silber und der Online-Shop
Neben der Heraldik führt Spitzbarth ein zweites Standbein: handgefertigte Trauringe in Gelb-, Rosé- oder Weissgold, wahlweise mit Platin, mit optionalen Diamanten und persönlicher Gravur. Dazu kommt die Silberlinie, die auf die Wurzeln als Silberschmiede zurückgeht, Zunftabzeichen und grosse Zunftbecher, Taufbecher, der Zürcher Faustbecher aus geschmiedetem Sterlingsilber sowie Reparaturen und Restaurationen von Besteck, Silbergerät und echtem Schmuck mit Edelsteinen oder Diamanten.
Ein eigener Online-Shop verkauft kleinere Stücke wie Ohr-, Hals-, Finger- und Armschmuck, Becher und Kannen sowie Silberpflegeprodukte. Die Preise verstehen sich laut Website inklusive Mehrwertsteuer von 8.1 Prozent, der Versand ist ab einem Bestellwert von CHF 500 gratis. Bezahlt werden kann mit Visa, Mastercard, Twint, EC-Karte, bar oder in Kryptowährung, eine für ein Traditionsgeschäft ungewöhnlich breite Auswahl.
Wo tatsächlich gearbeitet wird
Hier lohnt sich ein genauer Blick, gerade weil die Kategorie in dieser Rubrik auf eine einzige kleine Werkstatt am Standort selbst Wert legt. Am Neumarkt 8 sitzen Verkauf, Beratung und der gesamte Siegelring-Prozess von der Wappenrecherche bis zur Gravurkontrolle. Was die Website "unser Atelier" nennt, ist seit 2013 aber nicht mehr eine eigene Werkstatt am Neumarkt, sondern die Werkstatt von Cyrill Weber in Oberwil, der die hundertjährige Silberschmiede der Familie übernommen und dort neu eingerichtet hat. Der Schmuck-Bereich der Website wirbt mit "Handgefertigt in Zürich", die Firmengeschichte selbst beschreibt aber, wie die eigene Werkstatt 2013 nach Oberwil ausserhalb der Stadt umgezogen ist. Beides schliesst sich nicht zwingend aus, wenn Entwurf, Anpassung und Gravur am Neumarkt bleiben und nur das eigentliche Schmieden auswärts passiert, aber die Website klärt diesen Unterschied selbst nirgends auf. Für die Kundschaft heisst das praktisch: Beratung, Wappenrecherche und der fertige Ring erlebt man am Neumarkt, am Werktisch selbst arbeitet seit über zehn Jahren ein Partnerbetrieb ausserhalb der Stadt.
Termin und Öffnungszeiten
Spitzbarth hat reguläre Öffnungszeiten von Dienstag bis Freitag 10–18 Uhr und Samstag 10–16 Uhr, Montag ist geschlossen. Aktuell gilt das Geschäft nach eigenen Angaben als in eingeschränkten Öffnungszeiten und empfiehlt, vorab telefonisch unter +41 (0)44 340 00 08 oder über das Terminformular einen Besuch zu vereinbaren. Die Terminbuchung läuft über einen Kalender mit freien Tagen, danach eine Zeitwahl, danach die Kontaktdaten, Vor- und Nachname sowie E-Mail sind Pflicht, Telefon und Nachricht optional. Als Themen stehen Siegel- und Wappenring, Trauringe, Schmuckberatung, Umarbeitung oder Reparatur zur Auswahl, die Bestätigung erfolgt laut Website persönlich durch das Geschäft. Eine feste Gewährleistungsfrist oder ein Preis für Umarbeitungen und Reparaturen wird auf der Website nicht genannt.
Fazit
Spitzbarth ist eine der wenigen Adressen in der Zürcher Altstadt mit einer nachweisbaren, über Generationen dokumentierten Geschichte und einer Spezialisierung, die sonst kaum jemand in dieser Tiefe anbietet, Siegel- und Wappenringe mit echtem heraldischem Handwerk statt Katalogware. Wer eine Neuanfertigung will oder ein Familienwappen in einen Ring bringen möchte, findet hier ein Haus, das genau das seit vier Generationen macht, und nicht die internationale Bahnhofstrasse-Kulisse, sondern das Niederdorf als Adresse. Der Wermutstropfen ist die ausgelagerte Werkstatt in Oberwil, die den unmittelbaren Werkstattcharakter mancher Nachbarn in der Kategorie relativiert, dazu die derzeit eingeschränkten Öffnungszeiten, die eine Terminvereinbarung praktisch zur Pflicht machen. Für Trauringe, Silberreparaturen und vor allem für Siegel- und Wappenringe bleibt das Haus trotzdem eine solide, gut dokumentierte Wahl mit einer Geschichte, die bis 1921 zurückreicht.