Goldschmiede Obsession

In Gassen 6, Zürich (zusätzlicher Standort in Wetzikon) · dal 1999

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Die Goldschmiede Obsession arbeitet an zwei Adressen und nach einem einzigen Prinzip: Man kommt auf Termin, dann bekommt man auch wirklich die Aufmerksamkeit der Werkstatt. Das Zürcher Atelier liegt In Gassen 6, in der stillen mittelalterlichen Gasse zwischen Paradeplatz, Münsterhof, Rathausbrücke und Rennweg, ein paar Schritte von der Bahnhofstrasse entfernt und trotzdem eine eigene kleine Welt mit einer Siegelring-Lounge im Obergeschoss. Der zweite, offiziell eingetragene Betrieb sitzt an der Bahnhofstrasse 55 in Wetzikon. Dort steht die Firma OBSESSION Schmuck & Objekt AG seit dem 3. Februar 1999 im Handelsregister, unter der UID CHE-105.021.079, mit Status aktiv, das lässt sich unabhängig beim kommerziellen Register nachschlagen und nicht nur auf der eigenen Website. Wer unangemeldet vorbeischaut, findet möglicherweise eine verschlossene Tür, das räumt die Seite selbst offen ein: "Gute Beratung will vorbereitet sein." Kurzfristige Terminbuchungen sind ausdrücklich möglich, ganz ohne Anmeldung lohnt sich der Weg aber nicht. Wer sich vorab orientieren will, ohne gleich hinzufahren, findet für beide Adressen auch einen virtuellen Rundgang auf der Website, ein kleines, aber nützliches Zugeständnis an alle, die vor dem ersten Termin lieber schon wissen, wo sie hinlaufen.

Am Werktisch stehen Alexandra Frei, Goldschmiede-Meisterin und Geschäftsinhaberin, und ihr Mann Matthias Frei, der die gestalterische Leitung verantwortet. Zusammen bringen sie laut eigenen Angaben über 25 Jahre meisterhafte Erfahrung mit, und das Atelier selbst beschreibt sich als seit über 20 Jahren aktiv. Dominique Linhardt hat ihre eigene Lehre im Betrieb absolviert, ist seit über 10 Jahren dabei und bildet inzwischen selbst aus. Aktuell lernen zwei Frauen den Beruf im Haus: Aylin Hiller, die im Herbst 2023 eine verkürzte Lehre begann, und Zaira Guldimann, die im Herbst 2025 eingestiegen ist. Das unterscheidet den Betrieb von einem reinen Verkaufsladen: Hier bildet man den eigenen Nachwuchs selbst aus, und wer auf der Website nach offenen Stellen sucht, findet aktuell ausgeschriebene Positionen für Goldschmiedin/Goldschmied und CAD-Zeichnerin/Zeichner, ein Zeichen für eine Werkstatt, die weiter produziert und wächst statt nur zu verkaufen. Zum Team gehört, etwas abseits der Werkbank, auch Sylvia Müseler fürs Online-Marketing, die selbst über 4 Jahre im Zürcher Laden gearbeitet hat, bevor sie den Betrieb heute aus der Ferne mitbetreut, ein Hinweis darauf, dass die Firma auch alte Mitarbeiterinnen hält statt sie nach der Anstellung zu vergessen.

Was technisch möglich ist, zeigt ein Beispiel aus dem eigenen Online-Katalog: ein Damen-Ensemble aus 18-karätigem Weiss- und Gelbgold mit einem tropfenförmigen, 40.53-karätigen Saphir als Herzstück eines Colliers, dazu eine passende Damenuhr mit 415 Brillanten (zusammen 9.34 Karat) und 69 Saphiren (zusammen 26.94 Karat), ein Quarzwerk nach Kundenwunsch und laut eigener Angabe rund 100 Stunden Feinarbeit allein für die Uhr. Das ist keine Preisangabe und kein Massstab für eine gewöhnliche Bestellung, es zeigt aber, wozu die Werkstatt fähig ist, wenn ein Kunde danach fragt. Für den gewöhnlichen Verlobungsring, den die Website unter "Solitär" führt, braucht es diese Grössenordnung nicht: Dort ordnet die Seite ihre Kollektionen nach Charakter statt nach Preis oder Karatzahl, in vier Gruppen, die sich Traditionell, Extravagant, Charakterstark und Unikate nennen, letztere mit besonders aussergewöhnlichen Diamanten. Dazwischen liegen benannte Kollektionen wie Eternity, Fatima, Gipsy, Himalaja, Kalla, Milchstrasse oder Gremlin, dazu eine eigene Herrenlinie, Wappen- und Siegelringe und, etwas unerwartet für einen Goldschmied, sogar Schreibinstrumente im Sortiment.

Zwei Standorte, unterschiedliche Wege dorthin

Wetzikon liegt keine 5 Gehminuten vom Bahnhof entfernt, mit Kundenparkplätzen direkt hinter dem Gebäude. Die S5 und die S15 verkehren im 15-Minuten-Takt und brauchen von Zürich oder von Rapperswil her rund 15 bis 20 Minuten. Für ein Paar aus dem Zürcher Oberland ist das der naheliegendere Termin: kein Weg in die Altstadt nötig, und trotzdem dieselbe Werkstatt, in der auch die Zürcher Kundschaft bedient wird. Das Zürcher Atelier lebt dagegen von seiner Adresse, mit Parkmöglichkeit beim Stadthausquai nahe dem Bauschänzli. Ganz so lange sass Obsession dort allerdings nicht: Ende 2013 berichtete die Presse noch von einer Neueröffnung an der Storchengasse 7, bevor das Atelier an die heutige Adresse In Gassen 6 zog, eine Erinnerung daran, dass auch eine Zürcher Altstadtadresse nicht in Stein gemeisselt ist.

Presse, Auszeichnung und Nachhaltigkeit

Ausserhalb der eigenen Website hat sich das Atelier durchaus einen Namen gemacht. Der Tages-Anzeiger widmete Obsession 2016 einen grösseren Artikel in seiner Luxus-Beilage, das MIS Lifestyle Magazine berichtete 2020, und 2012 belegte ein selbst gefertigter Gremlin-Ring mit einer Tahiti-Perle Platz 2 beim International Pearl Grand Prix, eine der wenigen Auszeichnungen im Schweizer Trauring- und Verlobungsringgeschäft, die sich unabhängig von der eigenen Werbung einordnen lässt. Auch Dominique Rinderknecht, Miss Schweiz, liess sich laut der eigenen Pressemitteilung des Ateliers für ein Fotoshooting dort ablichten, und das Brautmagazin Braut & Bräutigam interviewte den Betrieb am Stand der Zürcher Hochzeitsmesse. Bei den Rohstoffen wirbt Obsession mit einem eigenen Amazonas-Projekt zum Schutz der Herkunft ihrer Edelmetalle, einem laufenden Altgold-Ankauf für die eigene Produktion und einer "Second Life"-Linie, die alten Schmuck in neue Stücke verwandelt statt ihn einzuschmelzen und zu vergessen.

Preise, Gewährleistung und Termin

Feste Preise nennt die Website bewusst nicht: Wegen des schwankenden Goldkurses verweist sie für tagesaktuelle Preise auf ihren separaten Online-Shop, ehrlicher als eine gedruckte Preisliste, die beim nächsten Kurssprung ohnehin veraltet wäre. Zu Garantie oder Gewährleistung äussert sich die Website nirgends konkret, ebenso wenig zu einer späteren Ringgrössenänderung, wer das vorab klären will, tut es am besten direkt am Termin und nicht anhand der Website. Ausführlich erklärt die Seite dafür Nebenthemen, die bei einem Massanfertiger dazugehören: Unter "Gut zu wissen" liegen eigene Seiten zu Naturschutz, Altgold, Schmuckpflege, Diamanten, Edelmetallen und Perlen, ein Zeichen, dass der Kontakt für sie nicht mit dem Kauf endet.

Für wen sich der Weg lohnt

Wer ein Familienstück umarbeiten, einen eigenen Stein fassen oder einen Verlobungsring von Grund auf entwerfen lassen will und dafür lieber mit den Leuten spricht, die ihn später auch anfertigen, ist bei Obsession richtig, ob am Paradeplatz oder in Wetzikon. Wer dagegen an einem Samstagnachmittag spontan durch ein Schaufenster stöbern möchte, wird an beiden Adressen enttäuscht: Ohne Termin bleibt die Tür zu, und eine offene Preisliste gibt es auf der Hauptseite ebenfalls nicht, nur den Verweis auf den separaten Shop. Wer diesen einen zusätzlichen Schritt, Anruf oder Online-Buchung, nicht scheut, bekommt dafür ein Atelier, das seit 1999 im Handelsregister steht, seinen eigenen Nachwuchs ausbildet und Stücke anfertigt, die von der schlichten Trauring-Alliance bis zu einer 415-Brillanten-Uhr reichen, je nachdem, was man mitbringt. Für ein Paar, das seinen Ring lieber bei den Leuten in Auftrag gibt, die ihn danach auch tragen sehen und bei Bedarf Jahre später wieder in die Hand nehmen, statt bei einer anonymen Verkaufstheke, wiegt dieser eine Anruf wenig gegenüber dem, was man dafür bekommt: ein Familienbetrieb, kein Ladenkonzept von der Stange.

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