Labgrownlove
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Labgrownlove ist ein reiner Online-Shop für laborgezüchtete und natürliche Diamantringe, betrieben von der Kell & Klein GbR mit Sitz in Deutschland. Auf der eigenen Website taucht die Schweiz nicht nur als eines von vielen Lieferzielen auf: In der Länder- und Währungsauswahl im Fusszeilenbereich lässt sich "Switzerland (EUR €)" gezielt anwählen, direkt neben Deutschland, Österreich und weiteren europäischen Ländern von Andorra bis zur Ukraine. Wer aus Zürich, Basel oder Bern bestellt, bezahlt dabei in Euro, eine Option in Schweizer Franken gibt es nicht, was bei der Kartenabrechnung eine zusätzliche Wechselkursmarge der eigenen Bank bedeutet, ein Detail, das man auf einer Schweizer Bijouterie-Rechnung nicht hätte.
Das Sortiment selbst ist breit: Solitär-, Eternity-, Halo- und Cluster-Ringe, dazu Promise Rings und reine Trauringe, aufgeschlüsselt nach Steinform von Oval über Rund, Smaragd, Prinzess, Marquise, Tropfen, Asscher, Herz bis Radiant. Anders als bei manchen reinen Labor-Diamant-Anbietern liegen sowohl laborgezüchtete als auch natürliche Diamanten im Katalog, dazu ein eigener Ring-Konfigurator namens Jewelith Studio. Die Vergleichsseite des Shops erklärt den Unterschied zwischen den beiden Diamantarten so: chemisch, physikalisch und optisch identisch, gleiche Härte von 10 auf der Mohs-Skala, aber laut Anbieter 50 bis 74 Prozent günstiger als vergleichbare natürliche Steine. Jeder Diamant kommt laut FAQ mit einem Zertifikat eines unabhängigen Instituts wie IGI oder GIA, die Reinheit liegt üblicherweise ab VS aufwärts. Die eigene Seite zum IGI-Zertifikat verweist zu Recht darauf, dass IGI, 1975 in Antwerpen gegründet, laborgezüchtete Diamanten nach denselben Massstäben prüft wie natürliche, inklusive der klassischen vier C: Carat, Cut, Clarity, Color.
Was auffällt
Zwei Angebote heben Labgrownlove von einem reinen Ringkatalog ab. Das eine sind Erinnerungsdiamanten: Aus einer kleinen Menge Asche oder Haar eines Menschen oder Tieres wird unter hohem Druck und hoher Temperatur ein echter Diamant gezüchtet, angeboten als "Animal Diamond" für ein verstorbenes Tier, "Eternal Diamond" für einen nahestehenden Menschen oder "Love Diamond" als Symbol für eine Verbindung. Gefertigt wird er nicht im eigenen Haus, sondern beim Kooperationspartner 8-Diamonds, den die Seite selbst so nennt. Die Produktion dauert laut eigenen Angaben rund 60 Arbeitstage, empfohlen wird, die Anfrage mindestens 6 Monate im Voraus zu stellen, deutlich mehr Vorlauf, als die reine Fertigungszeit vermuten liesse, vermutlich wegen Beratung, Materialversand und Nachbearbeitung.
Das andere ist die Möglichkeit, den eigenen Trauring selbst zu schmieden, laut Website gemeinsam mit der Trauringschmiede Weber im deutschen Swisttal-Heimerzheim. Unter Anleitung wird das Edelmetall selbst geformt, erhitzt, gehämmert und gefeilt, der Ablauf umfasst laut Seite eine persönliche Beratung, die Vorbereitung der Werkstatt, das eigentliche Schmieden und zuletzt Politur und Gravur. Einen Preis nennt die Seite dafür nicht, nur dass er von Material, Form, Breite und Gravur abhängt, wer will, kann eine unverbindliche Preisliste anfragen. Für ein Schweizer Paar bedeutet das einen Umweg über die Grenze für einen echten Werkstatttag, aber auch eine Erfahrung, die kein reiner Online-Ringkauf bietet und die man bei den meisten Anbietern dieser Kategorie so nicht findet.
Wie es organisiert ist
Für ein Geschäft, das mit Vertrauen wirbt, hakt es an einer überraschenden Stelle. Das Impressum nennt als Firmensitz "Anton-Engels-Strasse, 50389 Wesseling", die Datenschutzerklärung für dieselbe Kell & Klein GbR dagegen "Auf dem Steinacker 1, 52391 Vettweiss", ein anderer Ort, ebenfalls im Grossraum Köln, aber nicht Wesseling. Nur die Datenschutzerklärung nennt zusätzlich eine deutsche Mobilnummer, das Impressum verzichtet ganz auf eine Telefonnummer und beantwortet die Frage nach der Umsatzsteuer-ID mit "auf Anfrage". Keine der beiden Adressen wird irgendwo als Laden oder Showroom beschrieben, während die Startseite pauschal einen "complimentary virtual or in-person appointment at one of our stores" verspricht, ohne dass eine einzige Store-Adresse veröffentlicht wäre. Für Schweizer Kundschaft heisst das in der Praxis: Man bestellt bei einem kleinen deutschen Zwei-Personen-Betrieb (die verantwortlichen Personen laut Impressum sind Dominik Klein und Jessica Kell) mit zwei sich widersprechenden Adressen im Kleingedruckten, nicht bei einem Haus mit eigener Werkstatt und eigenem Goldschmied vor Ort, wie man es von einem traditionellen Zürcher Geschäft erwarten würde.
Versand und Rückgabe in die Schweiz
Hier lohnt sich genaues Lesen, weil sich die eigenen Seiten widersprechen. Ganz oben auf der Startseite und im Bereich "Our promise" verspricht Labgrownlove pauschal "Free shipping throughout Europe", kostenlosen Versand für ganz Europa. Die FAQ-Seite ist bei derselben Frage präziser und weniger grosszügig: "Shipping is free within Germany. For other European countries, shipping costs will be calculated during checkout." Für eine Bestellung aus der Schweiz gilt in der Praxis also nicht das grosse Werbebanner, sondern die FAQ-Antwort, die Versandkosten werden erst an der Kasse berechnet. Die eigene Versandbedingungen-Seite nennt für die Zustellung eine Lieferzeit von 14 bis 30 Werktagen, verlangt eine Unterschrift bei Zustellung, liefert nicht an Postfächer, und DHL unternimmt laut Seite bis zu drei Zustellversuche, bevor ein Paket zurückgeht.
Beim Rückgaberecht gibt es dieselbe Lücke zwischen Werbeversprechen und Kleingedrucktem: Der Banner oben auf der Seite spricht von einer "30-Day Return Policy", die eigene Rückgabeseite dagegen von einer "14-day free return policy from the receipt of your order", also 14 statt 30 Tagen, und das nur für Stücke, die weder personalisiert noch im Ring-Konfigurator gestaltet wurden, solche Sonderanfertigungen sind von der Rückgabe grundsätzlich ausgeschlossen. Eine einmalige Grössenanpassung ist im Kaufpreis inbegriffen. Fehlt bei einer Rückgabe das Diamantzertifikat, zieht Labgrownlove 100 Euro vom Erstattungsbetrag ab, eine ungewöhnliche, aber im Rückgabetext klar benannte Klausel. Auf Material- und Verarbeitungsfehler gewährt der Shop laut FAQ eine zweijährige Garantie, Schäden durch unsachgemässe Handhabung sind davon ausgenommen.
Bezahlt wird per Kreditkarte, Lastschrift, PayPal, Klarna oder Überweisung, inklusive Ratenzahlung über PayPal oder Klarna. Zum Einstieg gibt es nach Newsletter-Anmeldung 50 Euro Rabatt auf die erste Bestellung, ab einem Bestellwert von 3000 Euro legt der Shop ein Geschenk dazu. Support ist laut eigenen Angaben "24/7 verfügbar", auf eine Anfrage per WhatsApp will die Kontaktseite in unter 2 Minuten antworten, eine Telefonnummer für Rückfragen wird auf der Kontaktseite selbst nicht genannt.
Für wen sich das lohnt
Wer in Zürich einen Ring sucht und den Gang zu einem Goldschmied mit eigener Werkstatt an der Bahnhofstrasse, in Winterthur oder an der Goldküste einer Online-Bestellung grundsätzlich vorzieht, ist bei Labgrownlove an der falschen Adresse: Es gibt keinen Standort in der Schweiz, keine ausgewiesene Werkstatt, und wie oben beschrieben nicht einmal innerhalb der eigenen deutschen Rechtstexte eine einheitliche Adresse. Wer dagegen bereit ist, online zu kaufen, bekommt ein IGI- oder GIA-zertifiziertes Sortiment zu Preisen, die laut eigener Vergleichsseite deutlich unter denen vergleichbarer natürlicher Diamanten liegen, dazu zwei Nischenangebote, die man bei einem klassischen Zürcher Juwelier selten findet: den selbst geschmiedeten Trauring und den Erinnerungsdiamanten aus Asche oder Haar. Die Schweiz ist dabei erkennbar mitgedacht, nicht nur mitgemeint: Sie steht ausdrücklich in der Länderauswahl, nur eben mit Euro-Abrechnung statt Franken.
Zwei echte Pluspunkte stehen damit zwei ernstzunehmenden Einschränkungen gegenüber: dem Adress-Wirrwarr im Kleingedruckten und dem Unterschied zwischen dem grossen Werbeversprechen von gratis Versand für ganz Europa und den tatsächlich erst an der Kasse berechneten Kosten für alles ausserhalb Deutschlands. Für eine bewusste, preisbewusste Ergänzung neben einem Schweizer Goldschmied ist das eine ehrliche Option, vorausgesetzt man rechnet vor der Bestellung selbst nach, was der Versand in die Schweiz tatsächlich kostet, statt sich auf den Banner oben auf der Seite zu verlassen.