Signum Fair Jewels
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Wer online nach einem Verlobungsring aus fairem Gold sucht, landet früher oder später bei Signum Fair Jewels, auch wenn kein Laden davon irgendwo in der Zürcher Innenstadt steht. Die Werkstatt liegt in Buchs im St. Galler Rheintal, fernab der Bahnhofstrasse, und wer hier bestellt, tut das online oder nach einem Telefonat mit der Chefin selbst. Ein Schaufenster zum Vorbeischauen gibt es nicht, dafür einen Familienbetrieb, der seine ganze Lieferkette dokumentiert, vom Goldbarren bis zum fertigen Ring.
Eine Goldschmiedin, kein Franchise
Hinter Signum steht Sabine Hellmann, diplomierte Goldschmiedin. Sie gründete das Unternehmen Signum im Jahr 2001 und führte es 2013 als Signum Fair Jewels weiter, dem Namen, unter dem die Firma heute im eidgenössischen Unternehmensregister als aktives Einzelunternehmen geführt wird, mehrwertsteuerpflichtig seit dem 1. Juli 2013. Getragen wird der Betrieb von der Familie: Dr. Thomas Hellmann, von Haus aus Naturwissenschaftler, verantwortet das Qualitätsmanagement, Marlene Hellmann kümmert sich um Mediengestaltung, Webseite und Kommunikation, und Maren Schneider erledigt Administration und Arbeiten im Atelier. Auf der Website heisst es, die Fertigung finde in der eigenen Manufaktur im Schweizer Rheintal statt, was zur Adresse in Buchs passt und den Anspruch stützt, dass hier tatsächlich am eigenen Werkbank gearbeitet wird und nicht bloss ein Label draufgeklebt ist.
Vom Rohgold zum Zertifikat
Was Signum von einem gewöhnlichen Online-Schmuckhändler unterscheidet, ist die Rückverfolgbarkeit. Das verwendete Gold stammt entweder als zertifiziertes Fairtrade-Gold von Max Havelaar oder als ökologisch gewonnenes Waschgold aus Finnland. Von dort geht es zunächst in eine Fairtrade-International-zertifizierte Scheideanstalt nach Deutschland. Dort wird es streng von konventionell verarbeitetem Material getrennt, geprüft und zu 18 Karat Gold-Legierungen verarbeitet, jeweils mit Werkstoffnachweis. Kleinserien werden anschliessend in einer Schweizer Edelmetallgiesserei gegossen, mit einem eigenen Wachsbaum und einer eigenen Küvette, damit das faire Gold nie mit konventionellem vermischt wird. Die Giesserei bestätigt das mit einem unterschriebenen Konformitätszertifikat, das die Goldcharge und die Gussmodellnummer festhält. Jedes fertige Schmuckstück erhält am Ende eine eigene Identifikationsnummer und ein Zertifikat, mit dem sich Herkunftsort und Zeitpunkt der Goldgewinnung nachvollziehen lassen.
Wichtig für alle, die sich ein vollständig hausgemachtes Stück vorstellen: Nicht jeder Schritt passiert in Buchs. Entwurf, Beratung und die eigentliche Goldschmiedearbeit an der Werkbank finden im eigenen Atelier statt, Scheidung und Guss dagegen bei spezialisierten Partnerbetrieben in Deutschland und in der Schweiz. Das ist in der Branche ein übliches Modell, aber es lohnt sich, es klar zu benennen, statt einen durchgehenden Hausbetrieb zu unterstellen, den die Firma selbst so nicht behauptet.
Steine mit Namen statt nur mit Zertifikat
Bei den Steinen setzt Signum seit vielen Jahren auf Altschliffdiamanten, also wiederverwendete, bereits geschliffene Diamanten, ergänzt um konfliktfreie, fair gehandelte Brillanten. Bei den Farbedelsteinen nennt die Firma ihre Lieferanten beim Namen: Aquamarine kommen von der Zimbaqua-Mine in Simbabwe, die nach eigenen Angaben ausschliesslich von Frauen vor Ort geführt und betrieben wird, Saphire von Ceylons Munich aus der Ecomine in Sri Lanka, weitere Farbsteine von Miadana in Madagaskar und von BrazilGems. Gefasst werden die Steine nicht im eigenen Haus, sondern von zwei Schweizer Edelsteinfassateliers, mit denen Signum zusammenarbeitet. Wer zuerst einen einzelnen Stein aussuchen möchte, findet in der FairGems-Galerie eine wachsende Auswahl, die sich anschliessend in ein Schmuckstück aus der eigenen Kollektion fassen lässt.
Was man bekommt
Das Sortiment reicht von klassischen Verlobungs- und Trauringen über Solitär- und Diamantringe bis zu Anhängern, Colliers und Ohrschmuck, dazu eigene Kollektionslinien mit Namen wie Apoint, Echo oder Selva. Ein Sonderprojekt ist der Gletschertropfen, ein Anhänger aus Fairtrade-Silber oder -Gold, gefasst mit Steinen aus der Schweiz und aus der Zimbaqua-Mine, mit dem die Firma seit 2024 ein Klimaschutzprojekt unterstützt. Wer einen HeartCoin kauft, gibt laut eigener Aussage 50 % des Kaufpreises direkt an Casa Hogar weiter, ein Bildungsprojekt für Mädchen und Frauen in der kolumbianischen Region Chocó, das ohnehin 2.5 % des Jahresumsatzes der Firma erhält.
Die Trauringberatung läuft klassisch ab: im Atelier verschiedene Modelle anprobieren, Höhe, Breite und Goldfarbe abstimmen, am Ende des Gesprächs steht ein Entwurf und ein ungefährer Preis, die genaue Offerte folgt per Mail. Wer nicht anreisen kann oder will, kann die Beratung laut FAQ auch online per Videogespräch führen, was für ein Paar aus, sagen wir, Baden oder von der Goldküste durchaus praktischer sein dürfte als eine Fahrt an die Bahnhofstrasse und wieder zurück.
Service, der über den Kauf hinausgeht
Wer die Ringgrösse nicht kennt, kann sich gratis ein Ringmassband nach Hause schicken lassen. Gravuren sind auf jedem Stück möglich, und alle paar Jahre bietet das Atelier eine Auffrischung mit Politur und Ultraschallreinigung an. Reparaturen nimmt Signum nach eigenen Angaben auch für Schmuck an, der nicht von ihnen stammt. Für altes Gold aus der Schublade gibt es drei Wege: Ankauf nach Prüfung von Goldgehalt, Gewicht und Legierung, eine Umarbeitung in ein neues Design bei gleichbleibenden Steinen, oder Einschmelzen und komplette Neugestaltung, wobei alte Steine wo möglich wiederverwendet werden.
Lieferung, Rückgabe, Garantie
Innerhalb der Schweiz und Liechtensteins liefert Signum ohne Versandkosten. Zur Lieferzeit macht die Firma auf derselben Seite zwei unterschiedliche Angaben: Die allgemeinen Geschäftsbedingungen sprechen von 2 bis 3 Wochen, weil jedes Stück von Hand angefertigt wird, die FAQ weiter unten nennt 4 bis 8 Wochen als übliche Produktionszeit, einige beliebte Modelle seien aber ab Lager verfügbar. Wer unter Zeitdruck steht, bespricht das besser direkt mit Sabine Hellmann, statt sich blind auf eine der beiden Zahlen zu verlassen. Gelieferter Schmuck lässt sich innerhalb von 8 Tagen in der Originalverpackung zurückschicken, ausgenommen sind personalisierte und gravierte Stücke. Auf die Verarbeitung gewährt Signum 1 Jahr Garantie, ausgeschlossen bleiben Verlust, unsachgemässe Nutzung und normale Abnützung. Die publizierten Preise verstehen sich in Franken inklusive 7.7 % Mehrwertsteuer, bezahlt wird per Überweisung, PayPal oder bar im Atelier.
Für wen sich das lohnt
Signum Fair Jewels passt zu einem Paar, das seinen Ring lieber online und mit lückenloser Herkunftsangabe kauft, als mit einem Blick durchs Schaufenster, und das eine kurze Videoberatung oder ein Telefonat mit der Inhaberin einer Vitrinenbesichtigung vorzieht. 20 Google-Bewertungen ergeben im Schnitt die Note 5.0, was für ein so kleines Unternehmen ein starkes Signal ist, auch wenn eine solche Zahl an Bewertungen naturgemäss keine grosse Statistik ersetzt. Der einzige echte Wermutstropfen bleibt die fehlende Adresse in der Region Zürich selbst: Wer die Ringe vor der Bestellung anfassen will, muss ins Rheintal fahren oder sich vorerst mit Fotos und einem Videoanruf begnügen, und bei der Lieferzeit lohnt sich eine kurze Rückfrage, weil die Website selbst zwei verschiedene Fenster nennt. Wer damit leben kann, bekommt dafür ein Stück, dessen Goldherkunft sich bis zur Scheideanstalt und zur Giesserei zurückverfolgen lässt, was an der Bahnhofstrasse selbst bei renommierten Häusern längst nicht selbstverständlich ist.