Binder-Moerisch Goldschmied

Rennweg 12, Zürich · established 1998

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Binder-Moerisch Goldschmied sitzt an der Rennweg 12, CH-8001 Zürich, mitten in der Altstadt, ein paar Gehminuten von der Bahnhofstrasse entfernt, aber eben nicht an ihr. Den Namen tragen die beiden Personen, die den Betrieb seit 1998 führen: Paul Binder, eidgenössisch diplomierter Goldschmied und Steinschleifer, und Walde Moerisch, eidgenössisch diplomierte Goldschmiedin und Gemmologin. Auf der eigenen Website beschreiben sie es so, dass die Freude am Handwerk sie nunmehr seit fast 30 Jahren begleitet, was mit der Jahreszahl 1998 zusammenpasst. Für ein Zürcher Paar, das nach einem Verlobungsring sucht, ist das die eigentliche Auskunft: keine Filiale mit wechselndem Personal, sondern zwei Namen, die zugleich die Fachtitel tragen, die man für dieses Handwerk in der Schweiz braucht.

Das Angebot geht über Verlobungsringe deutlich hinaus. Auf der Website sind Ringe, Ohrschmuck, Bracelets, Armspangen und Colliers als eigene Kategorien aufgeführt, dazu Handgravuren, Familienwappen und Siegel sowie Schmuckschätzungen für Versicherungszwecke und Erbschaften. Wer einen Ring will, der es noch nicht gibt, bekommt laut eigener Beschreibung Skizzen und Entwürfe vor Ort, in Farbe und dreidimensional, bevor überhaupt Material verarbeitet wird. Wer stattdessen ein Familienerbstück nicht mehr trägt, kann es umarbeiten lassen. Umarbeitungen und Reparaturen aller Art gehören ausdrücklich zum Programm, nicht nur die Neuanfertigung, was für einen Ring von Bedeutung ist, den man Jahrzehnte später vielleicht ändern oder auf eine neue Ringgrösse bringen lassen möchte.

Was den Betrieb von vielen anderen Adressen in der Kategorie unterscheidet, ist die eigene Steinschleiferei mitten in Zürich. Dort werden nicht nur klassische Edelsteine geschliffen, sondern auch organische Materialien wie Koralle, Muschel, Perlmutter und Edelhölzer, dazu praktisch alle schleifbaren Steine bis hin zu Gotthard-Granit. Intarsien, Mosaikarbeiten und ganze Armspangen sind nach eigener Aussage möglich. Ein eigener Edelsteinfasser gehört ebenfalls zum Haus, sodass Entwurf, Schliff und Fassung unter einem Dach bleiben, statt dass der Stein für einen einzelnen Arbeitsschritt aus dem Haus muss. Getrennt davon nennt die Website unter den verarbeiteten Materialien für den Schmuck selbst auch moderne Industriematerialien wie Karbon und Alutex-Glasfaser neben Rosé-, Gelb- und Weissgold sowie Platin, was diesen Betrieb für ein Paar interessant macht, das bewusst nicht nur bei Gold und Diamant bleiben will. Wo genau die beiden ihre Lehre absolviert haben, verrät die Website nicht, nur die eidgenössischen Fachtitel selbst, das darf man also als offene Frage fürs Beratungsgespräch mitnehmen.

Bei den Steinen selbst zeigt sich, dass hier nicht nur verkauft, sondern auch beraten wird. Die Website führt eine lange Liste geführter Farbsteine, von Mandarin-Granat über Spessartin-Granat, Turmalin in mehreren Farben, Rubin, Amethyst und Kunzit bis zu Aquamarin, Peridot und Schwarzopal, dazu Diamanten in Cognac, Gelb und Weiss. Bei den Diamanten selbst erklärt eine eigene Seite die vier C, Cut, Color, Carat und Clarity, in einfachen Worten: die Farbskala reicht von D bis Z, wobei hochfeines Weiss die beste Farbe markiert, seltene Fancy-Diamanten kommen in Pink, Blau, Grün, intensivem Gelb und Rot vor. Der Schliff gilt laut eigener Beschreibung als das erste und wichtigste Qualitätskriterium beim Kauf, ein perfekter Schliff erhält auf einem GIA-Zertifikat die Bewertung excellent. Ein Karat entspricht 0.2 Gramm, und bei der Reinheit unterscheidet die Seite zwischen if, internally flawless, und flawless, während Typ IIa für besonders reine Diamanten steht. Für ein Atelier, das für sich keine Verkaufsfläche mit Schaufensterdekoration beansprucht, ist das eine ungewöhnlich sachliche, an internationalen Labor-Standards orientierte Erklärung, die zeigt, dass hier mit denselben Massstäben gearbeitet wird wie bei den grossen Häusern, nur eben im eigenen kleinen Haus statt im Konzern.

Zertifikate, Beratung und was die Website nicht sagt

Für gefasste Steine stellt der Betrieb Zertifikate der Schweizerischen Gemmologischen Labors SSEF und Gübelin aus, beides Namen, die in der Branche für unabhängige Prüfung stehen und nicht für ein hauseigenes Gütesiegel ohne Aussagekraft. Für ein Paar, das einen ererbten Stein neu fassen lässt oder schlicht schwarz auf weiss haben will, was es kauft, ist das ein reales Argument und keine Marketingfloskel. Was die Website dagegen nirgends nennt, ist ein Preis, weder ein Einstiegspreis für einen Verlobungsring noch eine Preisspanne nach Material. Für einen Betrieb, dessen Kerngeschäft die Massanfertigung ist, ist das eher die Regel als die Ausnahme in dieser Kategorie, ein verbindlicher Preis entsteht erst im Gespräch, wenn Material, Stein und Aufwand feststehen. Ebenso wenig veröffentlicht die Website eine Gewährleistungsfrist oder eine feste Lieferzeit für eine Anfertigung. Wer das wissen will, muss direkt danach fragen, statt sich auf eine Zahl von der Website zu verlassen, die es dort schlicht nicht gibt.

Öffnungszeiten und Erreichbarkeit

Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 09:00 bis 18:00 Uhr und Samstag von 10:00 bis 16:00 Uhr, montags bleibt der Betrieb geschlossen. Ausserhalb dieser Zeiten ist laut eigener Angabe ein Termin nach telefonischer Vereinbarung möglich, was für ein Zweipersonenatelier praktisch ist, wenn ein Paar nur am frühen Abend oder ausserhalb der üblichen Zeiten Zeit findet. Erreichbar ist der Betrieb telefonisch unter +41 44 261 79 90 oder per E-Mail. Eine Kundenstimme auf der eigenen Website, unterschrieben mit Ruth, Kundin seit 14 Jahren, spricht eher für eine langjährige Beziehung zur Kundschaft als für ein Geschäft, das auf schnellen Durchlauf setzt. Bei einer Recherche zeigte ein Branchenverzeichnis, local.ch, den Eintrag mit einem Status Geschlossen ohne begleitende Öffnungszeiten, während ein anderes Verzeichnis, search.ch, denselben Betrieb als aktiv mit Terminbuchung führt und die eigene Website mit aktuellem Inhalt erreichbar ist. Ein Hinweis auf Konkurs, Verkauf oder endgültige Schliessung liess sich nirgends finden, am ehesten liest sich der local.ch-Eintrag als zeitabhängiger Status statt als dauerhafte Markierung, ganz sicher lässt sich das von aussen aber nicht ausschliessen.

Im Vergleich und für wen es sich lohnt

In der Kategorie unabhängiger Goldschmiede der Altstadt zählt weniger die Schaufensterdekoration als die Frage, wer am Werktisch steht und wie lange schon. Binder-Moerisch erfüllt das doppelt: eine seit 1998 ununterbrochen belegte Adresse an derselben Rennweg-Hausnummer und zwei Personen mit eidgenössischem Fachtitel, deren Namen auch auf dem Türschild stehen. Im Vergleich zu den grossen Häusern an der Bahnhofstrasse, die internationale Kollektionen von der Stange anbieten, arbeitet dieser Betrieb umgekehrt: erst das Gespräch, dann die Skizze, dann die eigene Schleiferei und Fassung, und am Ende ein Stück, das es vorher nicht gab. Wer eine Ringgrösse in der Vitrine anprobieren und den Ring gleich mitnehmen möchte, ist hier falsch. Wer dagegen einen Familienstein neu fassen lassen will, ein ungewöhnliches Material wie Karbon in den Ring einbauen möchte oder ein Zertifikat von SSEF oder Gübelin für den eigenen Stein wünscht, findet hier eine Adresse, die genau darauf spezialisiert ist.

Als Fazit bleibt ein glaubwürdiger, kleiner Betrieb mit echter Ausbildung, einer seltenen eigenen Steinschleiferei und anerkannten Zertifikaten, dessen einzige echte Schwäche die fehlende Preisangabe und die eng bemessenen Öffnungszeiten sind. Wer damit leben kann, vor dem ersten Besuch anzurufen statt online zu vergleichen, bekommt hier eine der wenigen Adressen in der Altstadt, an der Entwurf, Schliff und Fassung tatsächlich in derselben Werkstatt passieren.

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