Péclard Juwelier
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Péclard ist eine der wenigen Adressen im Niederdorf, an denen der Ring tatsächlich im selben Haus entsteht, in dem er verkauft wird. Die Boutique liegt an der Strehlgasse 33, das Atelier direkt darüber, und wer hier eine Anfertigung bestellt, bestellt sie bei denselben Goldschmieden, die auch am Stein sitzen. Kein Verkaufsberater zwischen Kundschaft und Werkbank, keine Zentrale, die entscheidet, was ins Regal kommt.
Die Familie handelt seit fünf Generationen mit Gold und Schmuck, auch wenn das Geschäft an der Strehlgasse selbst erst die dritte Inhabergeneration erlebt. Der Urgrossvater, Augustin Péclard (1870 bis 1957), handelte mit Silberwaren und Schmuck quer durch Europa und bis nach Ägypten. Sein Sohn Fritz Péclard (1908 bis 1977) eröffnete 1931 den ersten eigenen Laden an der Peterhofstatt und zog zwei Jahre später, 1933, an die Strehlgasse, wo das Geschäft seither ansässig ist. Fritz' Sohn Philippe F. Péclard, geboren 1939 und selbst als Goldschmied im deutschen Schwäbisch Gmünd ausgebildet, führte den Betrieb danach weiter und übergab ihn 2004 an seinen Sohn Yves Péclard. Yves, Jahrgang 1967, hat seine eigene Lehre als Goldschmied im Familienbetrieb absolviert, ging danach für ein Jahr auf Reisen und betrieb über 10 Jahre lang ein eigenes Atelier, bevor er 2004 bei Péclard einstieg. Als Geschäftsführer zählt er damit als dritte Generation an der Spitze des Hauses an der Strehlgasse, während die handwerkliche Linie der Familie, von Augustin über Fritz und Philippe bis zu Yves und inzwischen auch seiner Tochter Billie May, auf fünf Generationen kommt. Billie May hat ebenfalls eine Ausbildung zur Goldschmiedin abgeschlossen und ist im Betrieb tätig, auch wenn die Geschäftsführung noch bei ihrem Vater liegt. Das sind zwei unterschiedliche Zählungen, keine widersprüchlichen: die eine zählt, wer das Geschäft an der Strehlgasse geführt hat, die andere, wie weit die Goldschmiedekunst in der Familie zurückreicht.
Für die Zürcher Kundschaft, die dieses Portal im Blick hat, ist genau das der Unterschied zu einer Adresse an der Bahnhofstrasse. Péclard beschreibt sich auf der eigenen Website ausdrücklich nicht als Marke, sondern als «exklusive Werkstatt»: Man wolle mit Schmuck nicht handeln, sondern ihn selbst schaffen, und deshalb gebe es bei Péclard weder Luxusuhren noch internationale Marken im Sortiment. Das ist eine bewusste Absage an das Modell der grossen Häuser, die vor allem fremde Kollektionen verkaufen. Wer eine fixfertige Vitrinenware sucht, ist an der Strehlgasse am falschen Ort. Wer einen eigenen Stein fassen, ein Familienstück umarbeiten oder überhaupt erst ein Design entwerfen lassen will, das es so noch nicht gibt, findet hier ein Team, das genau davon lebt. Die Website nennt als typische Aufträge ein Erinnerungsstück zur Geburt eines Kindes, einen Siegelring zur Konfirmation oder ein Collier zum Hochzeitstag, und betont, dass ein Stück aus dem eigenen Atelier nicht zwingend teuer sein müsse. Einen konkreten Preis oder eine Preisspanne veröffentlicht die Website nirgends, auch keine Angabe zu Lieferzeiten oder einer förmlichen Garantiedauer, deshalb wird hier auch keine genannt.
Was man bekommt
Die Kollektion auf der Website ist in fünf Kategorien gegliedert: Armschmuck, Ringe, Ohrschmuck, Colliers und Objekte. In der Ringe-Galerie fällt sofort auf, dass fast jedes Stück ein Unikat ist und fast durchgehend in Gold der Legierung 750 gearbeitet wird, dafür mit einer für eine Zürcher Goldschmiede ungewöhnlichen Vorliebe für farbige Steine statt für den klassischen weissen Solitär. Die vierteilige Vögeli-Ring-Serie etwa ist in Roségold 750 gehalten, mit grünem oder blauem Email, eingeschliffener Koralle und grünen Turmalinen, ein verspieltes Motiv, das man in einer Bahnhofstrasse-Vitrine kaum findet. Ein Eulenring in Gelbgold 750 kombiniert einen Mammutzahn mit Koralle und zwei afrikanischen Paraiba-Turmalinen, ein anderer Ring versteinertes Palmholz mit Rubinen. Für ein Publikum, das eher den klassischen Verlobungsring sucht, gibt es einen Alliance-Ring in Weissgold 750 mit blauen oder weissen Brillanten und, näher am gesuchten Solitär-Bild, einen Ring in Weissgold 750 mit einem Diamanten im Altschliff, umgeben von Brillanten, sowie einen Ring in Roségold 750 mit einem rosa Spinell und einer Brillant-Entourage. Eine eigene, so benannte «Solitär»-Linie führt Péclard auf der Website nicht, wer den Begriff googelt, landet trotzdem bei diesem Atelier, weil das Grundprinzip, ein Zentrumsstein umgeben von kleineren Brillanten, in mehreren Ringen der Galerie umgesetzt ist, nur eben ohne diese Marketingbezeichnung.
Bei den Materialien legt Péclard offen, worauf die eigene Nachhaltigkeit beruht, statt das Wort nur zu benutzen. Diamanten stammen laut Website ausschliesslich aus konfliktfreien Quellen, die dem Kimberley-Prozess entsprechen, dem internationalen Zertifizierungssystem für den Handel mit Rohdiamanten. Das Gold ist durchgehend Oekogold, gewonnen aus Sekundärmetallen statt aus einer Mine, mit einem Verweis auf den Recyclingpartner gyr.ch für weitere Details. Perlen und Korallen stammen laut Website aus dem bestehenden Lager des Hauses sowie aus vertrauenswürdigen Quellen, Ebenholz aus einem seit Jahrzehnten bestehenden eigenen Lagerbestand, wobei die Website selbst schreibt, man strebe langfristig europäischere und ökologischere Alternativen an. Mammutzahn, der in mehreren Ringen auftaucht, stammt von Mammuts aus Sibirien, die laut Website seit Tausenden von Jahren ausgestorben sind, weshalb das Material ohne aktuelle ökologische Bedenken verarbeitet werden könne. Zur Pflege rät Péclard zu einer jährlichen Kontrolle der Schmuckstücke, und das Atelier repariert auch ererbte Stücke wie ein altes Collier oder die silberne Kaffeekanne der Grossmutter, was zusammen mit der jährlichen Kontrolle den Nachverkauf abdeckt, den man sich bei einem Familienbetrieb dieser Grösse erwarten würde. Eine formale Gewährleistungsfrist über die gesetzlichen Vorgaben hinaus nennt die Website nicht.
Wie der Betrieb organisiert ist
Im Atelier arbeiten laut der aktuellen Portrait-Seite sechs Goldschmiede und die Lernenden des Hauses, eingebettet in ein Team von insgesamt 12 Fachleuten. Die Öffnungszeiten der Boutique an der Strehlgasse 33, 8001 Zürich, sind unter der Woche moderat: montags geschlossen, dienstags bis freitags von 9.30 bis 18.00 Uhr, samstags von 10.00 bis 16.00 Uhr geöffnet. Die Nummer für eine telefonische Terminanfrage ist auf der Website mit +41 44 227 19 70 angegeben. Ein Onlineshop existiert nicht, was zu einem Betrieb passt, der jedes verkaufte Stück im eigenen Haus fertigt statt aus einem Lager zu versenden.
Wie es sich vergleicht
Wer von der Bahnhofstrasse her denkt, vergleicht automatisch mit den dortigen Marken- und Uhrenhäusern. Der fairere Vergleich läuft innerhalb der Altstadt selbst, unter den unabhängigen Ateliers im Niederdorf und rund um die Rathausgasse, die alle mit einer echten Lehre und einer eigenen Werkstatt werben. Innerhalb dieses Feldes sticht Péclard durch die schiere Standortdauer heraus: 1933 bezogen, seither ohne Umzug, mit derselben steilen Treppe, die laut Yves Péclard schon sein Grossvater täglich hochstieg. Wer stattdessen ein Haus mit Zweigniederlassung in Winterthur, Baden oder an der Goldküste sucht, findet das bei Péclard nicht, das Geschäft besteht ausschliesslich aus dieser einen Adresse in der Altstadt, und genau diese Konzentration auf einen Standort ist erklärter Teil der eigenen Philosophie.
Für wen es sich lohnt
Péclard passt zu einem Paar, das einen Ring von Grund auf entwerfen lassen will, sei es mit einem eigenen Stein, einem Familiendiamanten oder einem Motiv, das aus dem Leben des Paares stammt, und das dafür bereit ist, mehrmals persönlich an der Strehlgasse vorbeizukommen statt online zu bestellen. Wer dagegen eine bekannte Uhrenmarke sucht oder ein Stück noch heute mitnehmen möchte, ist bei einem der grossen Häuser besser aufgehoben, denn Péclard führt bewusst keine fremden Marken und arbeitet, wie bei einem echten Unikat zu erwarten, nicht auf Lager.
Das Fazit
Eine der wenigen Zürcher Adressen, bei der Standortdauer, Ausbildung und nachweisbare Massanfertigung tatsächlich zusammenkommen und nicht nur behauptet werden: seit 1933 an derselben Strehlgasse, mit einem Geschäftsführer, der seine eigene Lehre im Haus gemacht hat, und einer Tochter, die dieselbe Ausbildung durchlaufen hat und bereits mitarbeitet. Der einzige Wermutstropfen für alle, die einen fixfertigen Klassiker in fünf Minuten mitnehmen wollen: Hier wird für jede Kundschaft neu gearbeitet, was Termine und etwas Geduld voraussetzt, aber genau dafür sollte man in die Altstadt statt an die Bahnhofstrasse gehen.