LOEV Jewelry

Globus Bahnhofstrasse, Zürich · established 2022

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LOEV ist kein Goldschmied im klassischen Sinn, sondern ein Schmucklabel, das 2022 von Taryn Steinberger und Niels Schaefer gegründet wurde und sich selbst als Schweizer Pionier für nachhaltigen Diamantschmuck beschreibt. Statt einer Werkstatt an einer Niederdorfgasse gibt es eine Website mit eigenem Onlineshop, dazu neuerdings einen eigenen Bereich im Globus an der Bahnhofstrasse, den die Marke seit Juni 2026 bespielt und den Globus auf der eigenen Seite selbst als neue Marke im Haus führt. Das ist ein anderer Zugang als bei den terminbasierten Ateliers auf dieser Liste: Wer ohnehin bei Globus einkauft, kann die Vitrine im Vorbeigehen anschauen, statt vorher einen Termin zu vereinbaren. Für eine Beratung oder um Stücke anzuprobieren, bleibt ein Termin trotzdem sinnvoll, buchbar über die Website, telefonisch oder per WhatsApp.

Das Versprechen der Marke ist Transparenz. Alle Diamanten sind im Labor gezüchtet, nicht abgebaut, und laut LOEV chemisch, physikalisch und optisch nicht von natürlichen Steinen zu unterscheiden. Ab 0.5 Karat liegt jedem Stein ein Zertifikat von IGI oder GIA bei, kleinere Steine kommen mit einer Zusicherung des Lieferanten auf mindestens Farbe FG und Reinheit VS. Verwendet werden durchgehend farblose bis nahezu farblose Steine (DEF oder G) mit mindestens VS- oder VVS-Reinheit, was in der Praxis heisst: Einschlüsse sind nur unter zehnfacher Vergrösserung sichtbar, mit blossem Auge nicht.

Was man im Sortiment findet

Der Kern für ein Verlobungsring-Publikum ist die Kollektion namens Engagement, 36 Produkte stark, weil jedes der 12 Designs in Rot-, Weiss- und Gelbgold angeboten wird. Die Preise reichen von CHF 4800 für den Pavé Solitaire bis CHF 10500 für den Floating Diamonds Ring oder den Signature Solitaire, dazwischen liegen Modelle wie der Round Brilliant Trio oder der Diamond Striped Ring bei CHF 7500 bis 7800. Daneben gibt es die verbindbaren Toi-et-Moi-Ringe (CHF 3900 bis 4900), die schlichtere Curve-Linie mit polierten Creolen ab CHF 600 und Ringen bis CHF 3300, sowie Armbänder, Ohrringe und Halsketten querbeet, von den Allday-Huggies ab CHF 490 bis zur Heart Diamond Curb Chain Necklace für CHF 15800. Wer ein Trauring-Paar sucht, findet bei den Toi-et-Moi-Modellen die naheliegendste Option, auch wenn die Kollektion in erster Linie als Verlobungsschmuck vermarktet wird.

Beim Gold verzichtet LOEV bewusst auf frisch geschürftes Material und verwendet nur recyceltes 18-karätiges und 14-karätiges Gold. 18 Karat entspricht 75 Prozent Feingehalt und trägt den Stempel 750, ein Kompromiss, den LOEV selbst als besten Mittelweg zwischen Stabilität und Reinheit beschreibt, weil höher legiertes Gold weicher ist und schneller Kratzer bekommt. Zur Begründung für recyceltes statt neu gefördertes Gold verweist die Marke auf Schätzungen, wonach über 90 Prozent allen jemals geförderten Golds noch im Umlauf ist, und auf Studien, laut denen der CO2-Fussabdruck von recyceltem Gold rund 1000-mal kleiner ausfällt als der von frisch abgebautem. Das eingeschmolzene Material stammt laut eigenen Angaben vor allem aus altem Schmuck und zunehmend aus ausrangierter Elektronik. LOEV ist zudem als B-Corp zertifiziert, ein Siegel, das Unternehmen nach Kriterien wie Unternehmensführung, Mitarbeitende, Umwelt und Kundenpraxis bewertet. Ein konkretes Zertifizierungsdatum oder eine Punktzahl nennt die eigene Seite dazu nicht, nur den Verweis auf die globale B-Corp-Bewegung.

Mass, Gravur und was bei einer Bestellung passiert

Wer ein Unikat möchte, meldet sich per Telefon, E-Mail oder Videocall, bekommt zunächst ein 3D-Rendering des Entwurfs zur Kontrolle, bevor die Handwerker mit der Anfertigung beginnen. Wo genau diese Werkbank steht, verrät die Website nicht, sie schreibt an keiner Stelle "made in Switzerland", sondern durchgehend nur "designed in Switzerland". Das ist ein Unterschied, den man bei einer Marke, die sich stark über Herkunft und Transparenz positioniert, ruhig einfordern darf, bevor man sich auf ein handgefertigtes Unikat aus der eigenen Schweizer Werkstatt festlegt, denn genau das steht so nirgends geschrieben.

Konkreter wird es bei den praktischen Details. Gravuren sind gratis und bis 30 Zeichen inklusive Leerzeichen möglich, gravierte Stücke lassen sich danach aber nicht mehr zurückgeben. Die Ringgrösse wird über den Innenumfang in Millimetern bestimmt, dazu gibt es einen ausdruckbaren Papier-Ringmesser zum Selbstmessen. Sitzt der Ring am Ende doch nicht, lässt er sich per Post zurückschicken und um bis zu 1 Ringgrösse weiten. Lieferzeiten liegen bei 3 bis 4 Wochen für Massanfertigungen und 3 bis 5 Werktagen für Lagerware, der Versand innerhalb der Schweiz und in die EU ist kostenlos, ebenso die Rücksendung, mit einem Rückgaberecht von 14 Tagen ab Lieferung für Kundschaft in der Schweiz und der EU. Ausgenommen sind personalisierte und gravierte Stücke. In andere Länder liefert LOEV auf Anfrage, die Versandkosten werden dann vorab mitgeteilt. Preise verstehen sich inklusive Mehrwertsteuer, Einfuhrabgaben innerhalb der EU übernimmt die Marke selbst.

Wie sich das einordnet

Für diese Liste ist LOEV der Aussenseiter, und zwar bewusst. Die anderen Adressen unter den Goldschmieden der Altstadt punkten mit einer echten Lehre, einer eigenen Werkbank vor Ort und oft Jahrzehnten am selben Standort, genau den Kriterien, nach denen diese Kategorie bewertet wird. LOEV bietet davon wenig: Die Marke gibt es erst seit 2022, eine Werkstattadresse nennt sie nicht, und der Globus-Corner ist erst seit Juni 2026 offen, während das Globus-Haus an der Bahnhofstrasse selbst schon seit 1967 an derselben Adresse steht. Was LOEV stattdessen mitbringt, ist eine ungewöhnlich offene Materialpolitik mit nachvollziehbaren Zahlen zu Diamanten und Gold, ein Sortiment mit klar ausgezeichneten Preisen ohne Anfrage-Formular, und einen Zugang ohne Terminzwang für alle, die zufällig im Haus sind. Ein Hinweis zur Vorsicht: Die eigene Terminseite der Marke listet noch eine Adresse und Öffnungszeiten, die zu einem anderen Standort in der Stadt gehören und nichts mit dem Globus zu tun haben, offenbar ein Überbleibsel, das nach dem Umzug in den Bahnhofstrasse-Corner noch nicht aktualisiert wurde. Vor einem gezielten Besuch lohnt sich deshalb ein kurzer Anruf unter 044 515 22 50, um zu klären, wann und wo genau man LOEV gerade antrifft.

Für wen sich das lohnt

LOEV passt zu Paaren, die einen fixfertigen Verlobungsring von der Stange wollen, mit nachvollziehbarem Preis, klar deklariertem Labordiamant und recyceltem Gold, ohne den Weg über eine individuelle Anfertigung zu gehen. Für alle, die stattdessen ein Familienerbstück umarbeiten oder einen Stein aus dem eigenen Besitz fassen lassen wollen, sind die spezialisierten Ateliers dieser Liste die bessere Adresse, weil dort die Werkbank tatsächlich vor Ort steht und die Herkunft der Fertigung nicht offenbleibt. Als Ergänzung zu einem Einkaufsbummel an der Bahnhofstrasse ist der neue Corner trotzdem ein echter Pluspunkt: transparente Preise, ein durchdachtes Nachhaltigkeitsversprechen und die Möglichkeit, sich unverbindlich umzusehen, bevor man sich anderswo für ein Unikat entscheidet.

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