SCHOLL Uhren & Schmuck

Wetzikon (Familienbetrieb seit 1936) · established 1936

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Wer im Zürcher Oberland nach einem Verlobungsring sucht und nicht extra in die Stadt fahren will, landet fast zwangsläufig irgendwann an der Bahnhofstrasse in Wetzikon, an der Hausnummer 99c. Nicht die berühmte Bahnhofstrasse der Stadt Zürich, sondern die eigene, kleinere Ausgabe, die praktisch jede Schweizer Bahnhofstadt besitzt. Dort führt die Familie Scholl seit 1936 eine Bijouterie mit angeschlossener Uhrmacherwerkstatt, mittlerweile in dritter Generation, und verbindet auf einer Fläche zwei Dinge, die andere Häuser oft trennen: eine Boutique für Markenuhren und -schmuck und einen eigenen Kundendienst für die Uhr, die man dort gekauft hat, oder auch für eine, die man von den Grosseltern geerbt hat.

Eine Familiengeschichte über drei Generationen

Gegründet haben das Geschäft Ernst und Klara Scholl-Helbling im Jahr 1936, er als Uhrmacher am Werktisch, sie im Verkauf und im Kontakt mit den Lieferanten, eine Aufgabenteilung, die die eigene Firmenchronik so festhält. 1973 übernahm René Scholl in zweiter Generation, vergrösserte die Liegenschaft und baute den Namen im Zürcher Oberland zu einer der führenden Adressen der Branche aus. Um 1993 folgte ein Facelift von Innenausbau und Schaufenstern. 2003 übernahm Michel Scholl die operative Führung, wandelte die Einzelfirma in eine GmbH um und ging kurz darauf die ersten Schritte in Richtung Digitalisierung an, so schildert es die Firmenseite selbst.

Das Handelsregister des Kantons Zürich bestätigt den Wechsel innerhalb der Familie unabhängig davon: Seit einer Mutation von 2016 ist Michel Scholl als einziger Gesellschafter und Geschäftsführer mit Einzelunterschrift eingetragen und hält sämtliche 95 Stammanteile der GmbH, während René Scholl im selben Eintrag gestrichen wurde. Der Firmenstatus lautet weiterhin aktiv. 2017 wurde der Laden nochmals renoviert, 2020 der Uhrmacherei-Bereich im neuen Atelier weiter ausgebaut. Wer heute anruft, landet also tatsächlich bei der Familie, die im Register steht, nicht bei einem anonymen Nachfolgebetrieb, auch wenn die formelle Übergabe der Geschäftsanteile laut Register erst 2016 erfolgte, während die operative Übernahme laut Website schon 2003 begann. Für die Zeit vor 2016 verlässt sich diese Einschätzung auf die eigene Firmenchronik, das öffentlich einsehbare Handelsregister bestätigt unabhängig vor allem den aktuellen Stand.

Uhren und Schmuck unter einem Dach

Auf der Uhren-Seite listet Scholl aktuell Chronoswiss, Longines, Rado, Porsche Design, Hamilton und Tissot, dazu ein eigenes Programm für "Certified Pre-Owned"-Uhren aus zweiter Hand. Bei den Schmuckmarken führt das Haus Meister, A. Odenwald, Yana Nesper, Herzog Loibner und Humphrey. Für ein Paar auf Ringsuche ist vor allem die Schmuck-Seite relevant: Sie nennt Trau- und Verlobungsringe ausdrücklich als eigenen Bereich, neben individuellen Anfertigungen nach Mass und Umarbeitungen bestehender Schmuckstücke, mit dem erklärten Anspruch, auch den "Traum vom Unikat" umzusetzen. Ein eigenes Ringsortiment mit Modellen, Steinen oder Preisen zeigt die Website nicht, was für einen Juwelier dieser Grösse eher die Regel als die Ausnahme ist. Wer sich für einen Trau- oder Verlobungsring interessiert, bespricht Budget, Material und Fassung im Gespräch vor Ort, nicht über einen Online-Konfigurator.

Zwei Werkstätten, unterschiedlich organisiert

Wichtig für die Einordnung: Scholl trennt selbst zwischen zwei Bereichen, die nicht gleich funktionieren. Die Uhrmacherei ist hausintern, mit einem eigenen, gelernten Team, das Revisionen, Batteriewechsel, die Wiederherstellung der Wasserdichtigkeit sowie die Auffrischung von Gehäusen und Metallbändern übernimmt, dazu die Restauration alter Wand-, Tisch- und Taschenuhren mit traditionellen Werkzeugen und Techniken. Für Schmuck und Ringe dagegen nennt die eigene Seite ausdrücklich "Goldschmiedepartner", die Gold, Platin und Diamanten zu neuen Stücken verarbeiten. Es ist also kein eigenes Goldschmiede-Atelier auf demselben Werktisch wie die Uhrmacherei, sondern ein Partnernetz, das Scholl kuratiert und begleitet, ohne die einzelnen Goldschmiede oder Goldschmiedinnen namentlich zu nennen. Wo diese ihre Lehre gemacht haben, verrät die Seite ebenfalls nicht, und das ist genau der Punkt, an dem wir lieber sagen, was offenbleibt, statt ihn zu übergehen.

Das Team vor Ort zählt 6 Personen: Michel Scholl in der Geschäftsleitung sowie als Uhrmacher und Verkaufsberater, Judith Boos für Geschäftsleitung und Administration, Philipp Scholl im Quick-Service und für Revisionen an Grossuhren, dazu die Verkaufsberaterinnen Carmen Senn und Nadja Brändli sowie Uhrmacherin Emilie Hagel. Mit Michel und Philipp Scholl tragen zwei Personen im Team denselben Familiennamen, in einem Betrieb, der trotzdem kein reiner Zweipersonenladen ist. Als Beratungsformat betreibt Scholl zudem eigene Video-Podcasts, unter anderem mit den Partnermarken Chronoswiss und Herzog Loibner, ein Aufwand, den man bei einem Geschäft dieser Grösse nicht überall findet.

Im Vergleich zur Region

Verglichen mit den oft ein-personen-geführten Goldschmiede-Ateliers, die die Goldküste und das Zürcher Oberland sonst prägen, ist Scholl breiter aufgestellt: ein Team von 6 Personen statt einer Einzelperson am Amboss, ein Markensortiment aus Uhren und Schmuck statt reiner Eigenproduktion, und ein Ladengeschäft mitten in Wetzikon, das man ohne Voranmeldung betreten kann. Die Website bietet zwar an, einen Termin zu vereinbaren, wirbt an mehreren Stellen aber genauso offen damit, unverbindlich vorbeizukommen. Wer eine Werkstatt sucht, in der dieselbe Person den Ring von der Skizze bis zur Politur begleitet, ist bei einem der kleineren Nachbarn in der Region eher am richtigen Ort. Wer stattdessen einen Laden mit Publikumsverkehr, mehreren Marken zur Auswahl und einem eigenen Kundendienst für die Uhr danach sucht, findet das bei Scholl.

Für wen sich der Weg lohnt

Am ehesten passt Scholl zu Paaren aus dem Zürcher Oberland selbst, für die Wetzikon, Hinwil oder Uster näher liegen als die Innenstadt, und die bei derselben Gelegenheit vielleicht auch eine Uhr revidieren oder ein geerbtes Schmuckstück umarbeiten lassen möchten. Auch wer sich zuerst über etablierte Marken wie Meister orientieren will, bevor er sich für eine individuelle Anfertigung entscheidet, findet hier beides unter einem Dach. Wer dagegen von Anfang an gezielt einen ausgewiesenen Diamantspezialisten oder ein reines Ring-Atelier sucht, sollte eher dort direkt anfragen, denn Scholl legt seinen Schwerpunkt klar auf Uhren und den allgemeinen Schmuckhandel und führt Trau- und Verlobungsringe als einen Bereich unter mehreren, nicht als alleinigen Fokus.

Fazit

Ein Familiengeschäft in dritter Generation, das seine Herkunft nicht nur behauptet, sondern im Handelsregister nachweisen lässt, mit einer eigenen, aktiven Uhrmacherwerkstatt und einer Schmuckseite, die Trau- und Verlobungsringe klar benennt statt sie zu verstecken. Der ehrliche Wermutstropfen: Wer einen benannten Goldschmied oder eine Goldschmiedin mit eigener Werkbank sucht, findet bei Scholl ein Partnermodell statt ein eigenes Atelier, und den Preis erfährt man erst im Gespräch, nicht auf der Website. Für alle, die ohnehin lieber vor Ort beraten werden als online zu konfigurieren, ist das kein Nachteil, sondern einfach die Betriebsart eines Uhren- und Schmuckgeschäfts, das seit 1936 auf genau diese Weise funktioniert.

Kontakt: Bahnhofstrasse 99c, 8620 Wetzikon, Telefon 044 930 03 88, dienstags bis freitags von 09.30 bis 12.00 Uhr und von 13.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, samstags von 09.30 bis 16.00 Uhr, montags bleibt der Laden zu.

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