Goldschmiede Richterswil (Goldrichtig)
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Wer an der Dorfstrasse in Richterswil nach einem Verlobungsring sucht, landet bei einem Ein-Mann-Atelier, das es seit 1982 gibt. In jenem Jahr gründete Bruno Troller Senior die Goldschmiede Richterswil, im selben Jahr schloss Thomas Peric Schauer, der heutige Inhaber, seine eigene Lehre als Goldschmied mit dem Eidgenössischen Fähigkeitsdiplom ab. Ein Jahr später holte Troller ihn als Geschäftsführer und Lehrlingsausbilder ins Haus. Am 1. Januar 1990 übernahm Schauer das Geschäft in eigener Regie und führt es seither allein weiter, unter dem Namen Goldrichtig, an der Dorfstrasse 44. Eingetragen ist der Betrieb im Handelsregister als Einzelfirma unter der Nummer CHE-106.516.691, und laut aktuellem Zefix-Auszug ist er weiterhin als existierend geführt, keine Löschung, kein Konkursvermerk.
Ein Familienbetrieb über mehrere Generationen ist das ausdrücklich nicht, wie man ihn andernorts an der Goldküste findet. Es ist eher eine Übernahme im besten Sinn: ein Lehrling, der zum Geschäftsführer und schliesslich zum alleinigen Eigentümer wurde und seither an der gleichen Werkbank sitzt.
Was im Atelier entsteht
Auf der Website unterteilt Schauer sein Sortiment in Eheringe, Ringe, Ohrschmuck, Anhänger sowie Collier und Bracelet, dazu eine eigene Rubrik für Edelsteine und Perlen mit Diamanten, Rubin, Saphir, Smaragd, Aquamarin, Turmalin, Tansanit, Opal und Perlen. Die Ringgalerie zeigt Damenringe fast durchwegs in 750er Gold, in Weiss-, Gelb-, Rot- und Roségold, oft in Kombinationen, dazu vereinzelt in Platin 950, etwa einen Damenring in Platin 950 mit einem Saphir als Kundenstein und 12 Brillanten von 0,24 Karat. Zwei Stücke sind ausdrücklich als Verlobungsring ausgezeichnet und nicht bloss als Damenring: eines in Gelb- und Weissgold 750 mit einem Tansanit-Trillant von 1,88 Karat und 5 Brillanten von 0,15 Karat, das andere in Weissgold 750 mit einem Princess-Diamanten von 0,70 Karat (Farbe F, Reinheit vs2), zwei Saphiren von 0,16 Karat und zwei weiteren Brillanten von 0,06 Karat. Bei den Eheringen reicht die Bandbreite von schlichten Weissgold-Alliancen mit einem einzigen Brillanten bis zu Modellen wie Lava in Platin 950 mit Feingold 999,9 oder Traditional in Weissgold 750 mit 30 Brillanten von 0.90 Karat und einem Princess-Diamanten von 0.30 Karat, so mit Punkt statt Komma auch auf der eigenen Seite geschrieben.
Schauer schreibt, er verarbeite seit Beginn seiner selbstständigen Tätigkeit rezyklierte Edelmetalllegierungen, gewonnen aus eigenen Verarbeitungsresten und aus angekauftem Altschmuck, unter Einhaltung der Umweltschutzauflagen wieder eingeschmolzen zu Gold-, Platin- und Silberlegierungen. Die meisten seiner Lieferanten würden inzwischen denselben Weg gehen, hält er fest, ein Nebensatz, der zeigt, dass ihm das Thema wichtiger ist als reine Pflichtangabe.
Der Verlobungsring als Versprechen
Für die Verlobungsringe gibt es einen eigenen, herunterladbaren Flyer, der die Sache unverblümt festhält: der Verlobungsring sei das Versprechen des Mannes, seine Liebste zu heiraten, wählbar in Gelb-, Rot- oder Weissgold und in Platin, mit Diamant oder einem farbigen Edelstein nach Wahl. Als Beispiele zeigt der Flyer unter anderem die Modelle Amalfi mit einem Brillanten von 1,5 Karat (Reinheit h/si1), Calypso mit einem Beryll von 1,18 Karat und Para mit einem Paraiba-Turmalin von 0,60 Karat, dieselben Steine, die auch in der Online-Galerie unter den Damenringen auftauchen. Der zugehörige Eheringe-Flyer wirbt mit Modellnamen wie Amore, Duna und Costa und verspricht, jeder Trauring werde persönlich für das Paar entworfen und geschmiedet, nach dessen eigenen Wünschen.
Wer sich für einen Verlobungs- oder Ehering interessiert, wird auf der Website ausdrücklich zu einem Beratungstermin eingeladen, damit genügend Zeit für die individuelle Beratung bleibt, so der wiederkehrende Wortlaut auf gleich drei Seiten. Preise nennt die Website an keiner Stelle. Wer wissen will, was ein Ring in Platin oder mit einem bestimmten Edelstein kostet, muss dafür persönlich vorbeikommen oder anrufen, eine Auskunft, die sich aus den öffentlichen Seiten nicht ziehen lässt.
Lage, Termine, Erreichbarkeit
Das Geschäft liegt an der Dorfstrasse 44 in Richterswil, offen Dienstag bis Freitag von 09:00 bis 12:00 und von 14:00 bis 18:30 Uhr sowie Samstag von 09:00 bis 16:00 Uhr, ausserhalb dieser Zeiten nach Vereinbarung. Für eine Eheringberatung bittet Schauer ausdrücklich um einen Termin, damit er sich genug Zeit dafür nehmen kann. Zur Anfahrt nennt die Website drei Varianten: mit dem Auto über die Ausfahrt Richterswil Nr. 37 der Autobahn Zürich-Sargans in Richtung See, mit dem Kursschiff der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, oder mit der S-Bahn beziehungsweise dem Zimmerbergbus. Parkplätze, Schiffstation, Bahnhof und Bushaltestellen liegen nach eigenen Angaben alle innerhalb von 1 bis maximal 5 Gehminuten vom Laden entfernt, für eine Goldküsten-Gemeinde ein ungewöhnlich kompaktes Zentrum, das die Anreise ohne Auto tatsächlich unkompliziert macht.
Auf seiner Linkseite verweist Schauer unter anderem auf einen Artikel der Zürichsee-Zeitung über sogenannte fliegende Altgoldaufkäufer, ein Thema, das mit dem eigenen Sortiment wenig zu tun hat, aber zeigt, dass er auch vor unseriösen Methoden in der eigenen Branche warnt, statt nur das eigene Angebot zu bewerben. Dort finden sich auch Verweise auf die grossen Fachstellen der Branche, von der Schweizerischen Edelmetallkontrolle bis zum Gemological Institute of America, was für ein derart kleines Atelier ungewöhnlich ausführlich ist.
Wie er sich einordnet
In einer Region, in der mehrere Ateliers sich als Familienbetrieb in vierter Generation verstehen, ist Goldrichtig der Gegenentwurf: ein einziger Goldschmied, der seit 1990 in eigener Verantwortung arbeitet und das auch offen so schildert, samt der Vorgeschichte als angestellter Geschäftsführer. Es gibt keinen Online-Shop und, wie die Website selbst festhält, ausdrücklich keine Verkaufsabsicht im Internet. Das Internet sei für ihn eine Präsentations- und keine Verkaufsplattform, schreibt Schauer, weil sich weder Farbnuancen bei Edelsteinen noch die Passform am Finger am Bildschirm beurteilen liessen. Wer kaufen wolle, müsse anprobieren. Immerhin lässt sich ein bestelltes, noch nicht fertiges Stück während der Arbeit anprobieren, sodass kleine Anpassungen an Fingergrösse oder Form noch ohne grossen Aufwand möglich sind, ein Detail, das viele grössere Ateliers so nicht anbieten.
Ein kleiner Schönheitsfehler bleibt: Mitten in der Ringgalerie stehen zwei Bildunterschriften noch als unausgefüllter Platzhaltertext, ein technisches Versäumnis, das nichts über die Qualität der eigentlichen Arbeit aussagt, aber zeigt, dass die Website nicht ganz durchgängig gepflegt ist. Auf Yelp führt der Betrieb bislang keine einzige Bewertung, was für ein Geschäft, das seit Jahrzehnten am Ort ist, eher für eine treue Stammkundschaft ohne Onlinegewohnheiten spricht als für mangelnde Zufriedenheit.
Für Paare aus Richterswil, Wädenswil oder dem Zimmerberg, die einen Verlobungsring nicht online, sondern bei einem einzigen, seit Jahrzehnten am Ort ansässigen Goldschmied in Auftrag geben wollen, der seine Ringe aus rezyklierten Edelmetallen selbst schmiedet, ist die Adresse eine der direktesten am ganzen linken Seeufer. Wer dagegen eine grosse Auswahl an fertigen Verlobungsringen sofort im Laden sehen will, sollte vorher anrufen und sich die aktuell verfügbaren Stücke zeigen lassen, denn laut Website sind die gezeigten Modelle Unikate und, sobald verkauft, nicht einfach nachbestellbar.