Mundwiler Juwelen

Kasinostrasse 3, Winterthur (Altstadt) · seit 1955

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Mundwiler Juwelen führt sein Geschäft seit 1955 an der Kasinostrasse 3 in der Winterthurer Altstadt, keine zehn Minuten zu Fuss vom Hauptbahnhof entfernt. Das Haus ist offizielle Handelspartnerin von Rolex und betreibt eine eigene Goldschmiede-Werkstatt unter demselben Dach, was es zu einer der wenigen Adressen in der Region macht, an denen sich ein Uhrenkauf und ein Verlobungsring-Auftrag in einem Termin erledigen lassen. Wer nur den Ring will, findet trotzdem einen Betrieb, der die eigenen Handwerkerinnen im Haus beschäftigt, die Steine selbst prüft und das Geschäft seit vier Generationen in der eigenen Familie hält.

Vier Generationen an der Kasinostrasse

Die Firmengeschichte reicht bis 1832 zurück, als Friedrich Mundwiler im Baselland zur Welt kam. Sein Sohn heiratete 1885 Maria Minder, und 1922 kaufte das junge Paar eine ehemalige Bäckerei in Glarus für ein erstes eigenes Geschäft. Alfred Mundwiler, 1926 geboren, begann 1942 mit 16 Jahren seine Ausbildung am Technikum und heiratete 1953 Rosmarie. Am 1. Oktober 1955 eröffneten die beiden ihr eigenes Geschäft in Winterthur. Fünf Jahre später, am 1. November 1960, unterschrieben sie den Mietvertrag für die heutige Liegenschaft an der Kasinostrasse, die sie 1962 für 300'000 Franken kauften. Im selben Jahr richtete die Familie den ersten Ausbildungsplatz im eigenen Betrieb ein, ein früher Beleg dafür, wie zentral die Lehre für dieses Geschäft schon immer war. 1980 begann Ursula Mundwiler ihre eigene Lehre als Verkäuferin und arbeitete danach ein Jahr im Goldschmiede-Atelier Rescheck in Schaffhausen, bevor sie 1999 zusammen mit ihrem Mann Donato Trivisano das Geschäft von der Vorgängergeneration übernahm. Trivisano ist gelernter Gemmologe, Ursula trägt seither den Namen Trivisano-Mundwiler, gemeinsam leiten sie das Haus als vierte Generation der Familie. Wer sich fragt, wie ernst ein Betrieb die eigene Ausbildung nimmt: Hier hat sogar die heutige Mitinhaberin ihre Lehre selbst durchlaufen, bevor sie das Geschäft übernahm, nicht nur die Angestellten.

Goldschmiede und Gemmologie im Haus

Für Ringkäuferinnen und Ringkäufer zählt vor allem eines: Nach eigener Angabe entstehen alle Schmuckstücke bei den Goldschmiedinnen im Haus, aus Diamanten, Farbedelsteinen, Perlen sowie Gold und Platin. „Individuelle Anfertigungen sind unser Spezialgebiet", schreibt das Haus über die eigene Werkstatt und beschreibt den Ablauf so: Aus der Grundidee der Kundschaft entstehen mittels CAD-Technik zuerst digitale Zeichnungen und Entwürfe, bevor überhaupt Material verarbeitet wird. Im Goldschmiede-Atelier sind Nadja Koch und Sheila Pümpin als Goldschmiedinnen namentlich genannt, dieselbe Werkstatt produziert auch die hauseigene Schmucklinie Manufaktur Mundwiler komplett vor Ort, aus edlen Rohstoffen und nach eigenen Entwürfen. Bevor ein Stein verarbeitet wird, durchläuft er das hauseigene Gemmologie-Labor: Das Personal prüft dort jeden einzelnen Edelstein mit eigenen Instrumenten, und die Qualität eines Diamanten bestimmt sich laut Website anhand von 5 Kriterien, die international anerkannte gemmologische Institute festlegen und in einem Zertifikat festhalten. Dass ein Karat exakt 0,2 Gramm entspricht, ist laut derselben Seite seit 1907 internationaler Standard, ein Fakt zur Branche, nicht zur Firma, aber ein Hinweis darauf, dass hier mit den korrekten Fachbegriffen gearbeitet wird statt mit Verkaufsfloskeln. Für Altgold gilt laut Serviceseite der aktuelle Tageskurs, es wird also nicht nach einem festen, aber unveröffentlichten Satz angerechnet, sondern nach dem Marktpreis am Tag der Abgabe.

Verlobungs- und Partnerringe

Auf der Website sind einzelne Solitär-Verlobungsringe mit Preisen von 540, 680 und 1'120 Franken gelistet, während individuell gefertigte Stücke durchgehend mit „Preis auf Anfrage" markiert sind. Was ein massgeschneiderter Ring am Ende kostet, steht also nicht öffentlich fest, das Haus nennt diese Zahl erst im persönlichen Gespräch, nicht im Katalog. Bei den Partnerringen, in Zürcher Sprachgebrauch eher als Trauringe bekannt, zeigt die Website Modelle von 820 bis 8'100 Franken, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass jedes Paar auf die eigene Grösse und die eigenen Wünsche gefertigt wird und der tatsächliche Preis deshalb abweichen kann. Zur Auswahl stehen Gelb-, Weiss- und Roségold sowie Platin. Wer sich beim Stein nicht allein entscheiden will, wird von jemandem beraten, der die Qualität selbst im eigenen Labor prüft und nicht bloss aus einem Katalog vorliest. Genau das ist der eigentliche Unterschied zu einem Laden, der Schmuck nur verkauft: Herstellung und Prüfung sitzen bei Mundwiler im selben Haus, nicht bei einem externen Zulieferer irgendwo im Ausland. Wer eine Verlobung plant und noch unentschieden ist zwischen einem Ring von der Stange und einer Neuanfertigung, kann beides in derselben Werkstatt besprechen, ohne den Laden zu wechseln.

Rolex und die Uhrmacherei

Seit 2002 ist Mundwiler Markenpartnerin von Rolex, nach eigener Aussage nach 11 Jahren Verhandlungen. Die hauseigene Meisterwerkstatt ist von Rolex zertifiziert, was für alle relevant ist, die einen Ring- und einen Uhrenkauf verbinden wollen, ohne dafür extra nach Zürich zu fahren. Im Uhrmacher-Atelier arbeiten Kurt Christ als Rhabilleur sowie Linda Gut und Andrea Casagrande als Rhabilleuses. Sie übernehmen Batteriewechsel, Bandwechsel in Leder, Textil, Stahl oder Kautschuk, das Auffrischen von Gehäusen und Metallbändern sowie vollständige Revisionen mechanischer Uhren mit Zerlegung, Teileersatz, Reinigung und Ölung. Auf ausgeführte Reparaturarbeiten gibt das Haus 2 Jahre Garantie, bei einem Dichtungswechsel im Rahmen einer Wasserdichtigkeitsprüfung 1 Jahr, eine jährliche Kontrolle der Dichtigkeit wird empfohlen. Serviciert werden nach eigener Aussage alle Schweizer Markenuhren, Fälschungen weist das Atelier grundsätzlich zurück. Für ein Paar, das die Verlobung mit einer neuen Uhr feiern will, spart das einen zweiten Termin in einer anderen Stadt.

Winterthur statt Bahnhofstrasse

Wer den Weg von Zürich nach Winterthur nicht scheut, bekommt hier eine Adresse, die für Laufkundschaft gebaut ist, nicht nur für Terminvereinbarung. Das Geschäft ist Dienstag bis Freitag von 9 bis 12.30 Uhr und von 13.30 bis 18.30 Uhr geöffnet, samstags durchgehend von 9 bis 17 Uhr, montags bleibt es geschlossen. Die öffentlich gelisteten Einstiegspreise für Solitärringe liegen deutlich unter dem, was für ein vergleichbares Stück an der Zürcher Bahnhofstrasse aufgerufen wird, ein Effekt, den man am ehesten auf die tiefere Ladenmiete in der Winterthurer Altstadt zurückführen darf, auch wenn die Website selbst dazu keine Erklärung liefert. Wer die Fahrt nach Winterthur ohnehin für eine Besichtigung des Technorama oder einen Altstadtbummel einplant, kann den Ringkauf ohne Umweg anhängen.

Fazit

Für ein Winterthurer Paar, das einen Ring will, der tatsächlich im Haus entsteht und nicht nur im Haus verkauft wird, gehört Mundwiler zu den überzeugendsten Adressen der Stadt. Die Goldschmiede sitzt im selben Gebäude wie der Verkauf, die Steine werden im eigenen Labor geprüft, und die Familie, die das alles führt, bildet seit 1962 ihre eigenen Lehrlinge aus. Der einzige echte Wermutstropfen ist die Preistransparenz bei Massanfertigungen: Alles, was individuell entsteht, läuft über „Preis auf Anfrage", eine verbindliche Zahl gibt es erst im Gespräch. Wer sich stattdessen mit einem der gelisteten Solitärmodelle zufriedengibt, kennt den Preis schon vor dem Betreten des Ladens. Am Montag lohnt sich der Weg ohnehin nicht, das Geschäft bleibt dann geschlossen.

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