Bosshart Goldschmied

Marktgasse 39a, Winterthur

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An der Marktgasse in Winterthurs Altstadt, zwischen Bahnhofstrasse und Obertor, sitzt eine Goldschmiede, die ihre Kundschaft seit vier Generationen selbst bedient statt sie an eine Verkaufstheke weiterzureichen. Bosshart Goldschmied, rechtlich die Bosshart AG, führt unter der Adresse goldart.ch eine Werkstatt, die auf der eigenen Seite mit 150 Jahren Bestehen wirbt und sich als Winterthurer Unternehmensgeschichte über vier Generationen versteht. Geführt wird der Betrieb heute von Peter Bosshart, der sich selbst als „Goldschmied und Unternehmer, porentief" beschreibt und, wie es auf der Teamseite heisst, in eine über 150-jährige Handwerks-Welt hineingeboren wurde. Seine Frau Sandra, ursprünglich aus dem grafischen Gewerbe, kümmert sich laut derselben Seite um die Schaufensterdekoration und, wie es dort heisst, um vieles im Hintergrund.

Was man bekommt

Das Sortiment ist in fünf Gruppen gegliedert: Partnerringe, Schmuckringe, Ohrschmuck, Halsschmuck und Kundenanfertigungen. Unter Partnerringe laufen heute vor allem Eheringe in wechselnden Themen, von schlichten Ringpaaren in Weissgold bis zu Modellen mit eingelegtem Carbon oder Rosegold. Eine eigene Kategorie nur für Verlobungsringe führt die Seite nicht, was auffällt, wenn man gezielt danach sucht. Dass Verlobungsringe trotzdem zum Kerngeschäft gehören, bestätigen die eigenen Kundenstimmen auf der Startseite direkter als jede Produktseite: Dominique B. schreibt, ihre beiden Verlobungsringe seien aus einer Idee ihres Verlobten entstanden und „mit viel Einfühlungsvermögen und Liebe zum Detail umgesetzt" worden. Mirjana G. bedankt sich beim „Team Bosshart" für die „wunderschönen Trauringe", und Stephan B. nennt sogar eine Mitarbeiterin beim Namen, Rosmarie, deren freundliche und kompetente Beratung ihm geholfen habe, seine Freundin glücklich zu machen. Andere Stimmen drehen sich um Ringe zur Geburt eines Kindes oder, bei Stefanie L., um einen selbst geschenkten Rotgoldring mit einem champagnerfarbenen Diamanten zum 40. Geburtstag. Das Bild, das daraus entsteht, ist weniger ein Katalog von Lagerware als eine Werkstatt, die für konkrete Anlässe konkrete Stücke entwirft.

Die Lehre im eigenen Haus

Für Schweizer Käuferinnen und Käufer zählt oft weniger die Fassade als die Frage, wer den Ring tatsächlich anfertigt und wo diese Person das Handwerk gelernt hat. Hier liefert die Teamseite handfeste Antworten. Tanja Meier ist, wie es dort heisst, „schon seit ihrer erfolgreichen Lehre zur Goldschmiedin" im Haus, hat also direkt bei Bosshart gelernt. Rosmarie Schenk, dieselbe Rosmarie aus der Kundenstimme, betreut die Kundschaft „seit ihrer Ausbildung in unserem Hause". Gabriela Erb und Jasmin Hoost sind als Goldschmiedinnen aufgeführt, Ueli Rogger hat sich in Weiterbildungen zur Gemmologie sowie als Diamant- und Farbsteingutachter vertieft, und Lucy Kägi bringt einen Hochschulabschluss in Illustration sowie Erfahrung aus mehreren anderen Goldschmiedebetrieben mit. Dass eine Mitarbeiterin, die ihre Lehre im eigenen Haus gemacht hat, in einer Kundenstimme über einen Verlobungsring namentlich gelobt wird, ist genau die Art von Beleg, die eine Werbeaussage von einer echten Werkbank unterscheidet.

Werkstatt und Materialien

Auf der Materialseite erklärt Bosshart, der Hauptlieferant für Gold sei ein zertifizierter Hersteller von Öko-Gold, der sein gesamtes Sortiment aus zurückgewonnenem Metall herstellt, und die eigenen, handgefertigten Schmuckstücke bestünden entsprechend aus recyceltem Gold. Für Edelsteine verweist die Seite auf ein selbst aufgebautes Lager, eingekauft an Fachmessen wie der Inhorgenta, der Baselworld oder der Hongkonger Schmuckmesse, mit einer Prüfung jedes einzelnen Steins vor der Verarbeitung. Konkrete Karat- oder Reinheitsangaben zu einzelnen Steinen veröffentlicht die Seite nicht, ebenso wenig eine Preisliste, weder für Trauringe noch für Verlobungsringe: Wer eine Hausnummer bei den Kosten sucht, muss anfragen.

Beim Handwerk selbst trennt Bosshart klar zwischen Neuanfertigung und Bestandspflege. Neuanfertigungen entstehen laut eigener Beschreibung „von der Idee zum Schmuckstück", individuelle Anfertigung nach Mass ist ausdrücklich als Leidenschaft des Hauses benannt. Umarbeitungen nehmen altes Material und bauen daraus etwas Neues, von der kleinen Anpassung bis zum kompletten Neudesign. Eigens aufgeführt sind Reparaturen: Ringe vergrössern oder verkleinern, Schmuck reinigen und aufpolieren, Steine neu fassen, Ketten löten, Karabiner ersetzen, Perlen- und Steinketten neu aufziehen und neu gravieren. Eine feste Gewährleistungsfrist nennt die Seite nirgends, aber dass die Werkstatt einen Ring, der ihr vor Jahren über den Tisch ging, auch später noch weitet oder verengt, ist genau die Art von Zusage, die für ein Paar in Winterthur mehr zählt als ein Garantieschein. Dazu kommen Schätzungen, unter anderem für Versicherungsanträge, Erbteilungen und Schadensfälle.

Wie sich das Angebot gliedert

Die Website ist entlang der fünf Hauptrubriken Schmuck, Materialien, Handwerk, Atelier und Kontakt aufgebaut, mit Unterseiten zu Team, Chronik und Presse unter Atelier sowie zu Design, Neuanfertigungen, Umarbeitungen, Reparaturen und Schätzungen unter Handwerk. Diese Gliederung macht die Seite eher zu einem Nachschlagewerk über den Betrieb als zu einem Onlineshop mit Warenkorb: Wer ein bestimmtes Stück sucht, browst durch die Kollektionen, wer eine Anfertigung will, landet über die Handwerk-Seiten direkt bei einer Anfrage.

Winterthur statt Bahnhofstrasse

Wer sich in Winterthur statt an der Zürcher Bahnhofstrasse nach einem Verlobungsring umsieht, kauft sich damit auch eine andere Art von Termin ein. Bosshart hat feste Ladenöffnungszeiten, Dienstag bis Freitag von 9:00 bis 12:30 und von 13:30 bis 18:00, Samstag von 9:00 bis 16:30, montags und sonntags bleibt der Laden zu. Das ist der Rhythmus eines Familienbetriebs mit eigener Werkbank, keiner Flagship-Boutique mit durchgehenden Öffnungszeiten für Laufkundschaft direkt aus dem Bahnhof. Für ein Paar aus Winterthur selbst oder dem Zürcher Oberland bedeutet das einen Goldschmied, der näher liegt, dieselbe Werkstatt-Handschrift bei Verlobungs- und Trauringen zeigt und, anders als die grossen Häuser an der Bahnhofstrasse, nicht in erster Linie auf Laufkundschaft von Touristen ausgerichtet ist.

Für wen sich das lohnt

Am besten passt Bosshart zu einem Paar, das seinen Ring nicht von der Stange kaufen will und bereit ist, für eine Anfertigung nach Mass ein Beratungsgespräch statt einer Vitrine zu nutzen. Wer eine feste Zahl für Preis oder Lieferzeit sucht, bekommt sie auf der Website nicht, sondern muss sie im Gespräch klären, telefonisch unter +41 52 212 16 85 oder per E-Mail an verkauf@goldart.ch. Wer dagegen ein Ehering-Modell von der Stange in einer bestimmten Grösse noch heute mitnehmen möchte, ist bei einem grösseren Haus eher an der richtigen Adresse.

Unser Fazit

Bosshart Goldschmied überzeugt dort, wo es für ein Schweizer Paar zählt: eine Werkstatt, die seit vier Generationen am selben Ort arbeitet, Mitarbeiterinnen, die ihre Lehre im eigenen Haus gemacht haben, und Kundenstimmen, die sich konkret auf in Auftrag gegebene Verlobungs- und Trauringe beziehen statt auf ein anonymes Sortiment. Der Verzicht auf eine eigene Verlobungsring-Rubrik und auf jede Preisangabe ist der eine Wermutstropfen, aber kein Grund, einen Bogen um die Marktgasse zu machen. Wer den direkten Draht zur Werkbank sucht, findet ihn hier eher als in den meisten Schaufenstern der Bahnhofstrasse.

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