Goldschmied Simon Eichmann
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Am Unteren Graben 21 in der Winterthurer Altstadt, im Haus zur Rotgerbe, führt Simon Eichmann sein eigenes Goldschmiede-Atelier. Wer die Website öffnet, sieht sofort, wie hier gedacht wird: Im Hauptmenü stehen "Verlobungsringe" und "Eheringe & Partnerringe" als zwei getrennte Punkte, nicht als ein gemeinsamer Unterpunkt "Trauringe". Das klingt nach einer Kleinigkeit, sagt aber etwas über die Praxis dahinter. Ein Verlobungsring ist hier ein eigenständiges Projekt am Anfang einer Geschichte, der Ehering kommt als zweiter, separater Auftrag dazu, wenn ein Paar so weit ist.
Eichmann selbst beschreibt auf seiner Seite "Über mich" keinen klassischen Weg über eine Goldschmiede-Lehre. Seine erste Ausbildung war die zum Konstrukteur, danach studierte er Maschinenbau am Technikum in Winterthur, der Vorläuferschule der heutigen ZHAW. Mit CAD, computergestütztem Konstruieren, kam er dabei schon früh in Berührung, und genau dieses Werkzeug prägt bis heute, wie er mit Kunden arbeitet. Seine Faszination für Schmucksteine reicht in die Kindheit zurück: In der Familie gab es einen Strahler, eine Person, die in den Bergen nach Mineralien sucht, und von dessen Streifzügen durfte der junge Eichmann jeweils einen Stein mit nach Hause nehmen. Wer also eine Erzählung über eine klassische Lehre am Amboss sucht, findet sie auf der Seite nicht, dafür einen Ingenieur, der über die Technik zum Handwerk gefunden hat und das offen so erzählt, statt es zu verschweigen.
Das Atelier selbst ist älter als sein heutiger Name. Nach eigener Darstellung übernahm Eichmann 2020 die Werte des Goldschmieds Ruedi Derks, der sein Atelier 1987 gegründet hatte, damals noch im Zentrum Neuwiesen. Derks wiederum hatte seine Werte von einem Robert Roth übernommen, ohne dass die Seite dazu ein Datum nennt. 1997 zog der Betrieb an den heutigen Standort am Unteren Graben um, ins Haus zur Rotgerbe. Eine Familiendynastie im klassischen Sinn ist das nicht: Roth, Derks und Eichmann sind, soweit ersichtlich, nicht verwandt. Weitergegeben wurde eher eine Werkstatt-Tradition als ein Familienname, das Haus an der Adresse blieb seit 1997 dasselbe, die Inhaber wechselten.
Das lässt sich auch amtlich nachprüfen. Im Handelsregister ist "Goldschmied Simon Eichmann" unter der Nummer CHE-436.122.424 als Einzelunternehmen mit Sitz in Winterthur eingetragen, Simon Eichmann als Inhaber und Geschäftsführer. Die erste Publikation im Handelsamtsblatt datiert vom 9. Oktober 2020, deckt sich also mit der eigenen Angabe "seit 2020", und der Registerstatus lautet aktuell "existierend", ohne Löschdatum. Zusammen mit den für 2026 aktuell gepflegten Öffnungszeiten und Sommerferien-Angaben auf der Seite ergibt das ein klares Bild: Der Betrieb läuft, es gibt keine Hinweise auf eine Schliessung oder einen Verkauf.
Verlobungsringe: Unikate nach Mass
Im Atelier entstehen laut eigener Aussage ausschliesslich Unikat-Ringe, keine Katalogware. Der Preis richtet sich nach dem Gewicht des Rings, der Wahl des Steins und der Gestaltung, eine feste Preisliste gibt es entsprechend nicht. Zur Einordnung zeigt die Seite drei Beispiele: einen Weissgoldring mit einem 0.56-Karat-Diamanten und seitlichen Diamanten für CHF 4500 bis 6500, eine schlankere Variante mit einem 0.38-Karat-Diamanten für CHF 3000 bis 4500, und ein Einstiegsmodell mit einem farbigen Stein von 0.42 Karat für CHF 1500 bis 3000.
Der Entstehungsprozess ist Schritt für Schritt beschrieben: Aus einer ersten Idee und einer gemeinsamen Skizze wird bis zur 3. Woche ein 3D-CAD-Modell, bis zur 4. Woche ein aus dem 3D-Drucker gedrucktes Kunststoffmodell zum Anfassen und von allen Seiten Betrachten, und nach eigener Angabe hält der Kunde das fertige Unikat nach 4 bis 6 Wochen in den Händen. Wer den Verlobungsring mag, kann laut Seite direkt anschliessend die Eheringe in Auftrag geben, als eigene, zweite Anfrage.
Eheringe und Partnerringe getrennt gedacht
Auch bei den Trauringen gilt: Unikat statt Katalog. Der Preis hängt hier von Fingergrösse und Abmessung des Rings sowie von der Wahl der Edelsteine ab. Die Beispielpaare auf der Seite zeigen die Bandbreite: Ein Paar in Weissgold mit Feilstruktur, eines in Gelbgold mit Frässtruktur und eines in Rotgold mit gehämmerter Struktur kosten laut Website je zusammen CHF 4000 bis 7000, ein traditionelles Paar in Gelbgold ist mit CHF 3000 bis 5000 günstiger zu haben. Derselbe Ablauf mit Skizze, CAD-Modell und Kunststoffmuster gilt auch hier, mit derselben Zeitangabe von 4 bis 6 Wochen.
Aus altem Schmuck wird neuer
Neben Neuanfertigungen bietet Eichmann Umarbeitungen von geerbtem Schmuck an. Ringe, Broschen oder Ohrschmuck, die sonst in der Schatulle liegen würden, werden neu gefasst oder umgestaltet, teils mit einem neuen Stein aus dem hauseigenen, nach eigener Beschreibung grossen Edelsteinlager, wenn die alten Steine nicht mehr zum neuen Design passen oder unvollständig sind. Die Website zeigt dazu mehrere Vorher-Nachher-Beispiele, etwa einen Ring mit Chrysoberyll oder Ohrstecker mit alten Perlen, die in neuer Fassung weiterleben. Gearbeitet wird nach eigener Angabe auf traditionelle Weise, bei Bedarf ergänzt durch moderne Hilfsmittel wie das erwähnte CAD und den 3D-Druck.
Nur recyceltes Gold, Altgold nur von Bestandskunden
Verarbeitet wird laut Website ausschliesslich recyceltes Gold, gewonnen aus altem Schmuck, Goldwaren und Elektrogeräten und in einer Raffinerie zu Feingold eingeschmolzen. Diese Raffinerie sei zur Einhaltung ethischer, ökologischer und sozialer Grundsätze verpflichtet und werde von einer unabhängigen, zertifizierten Stelle überprüft, so die Seite. Wer selbst Altgold loswerden will, kann es im Atelier zum aktuellen Tageskurs abrechnen lassen. Eine Einschränkung steht dabei ausdrücklich auf der Seite: Altgold nimmt Eichmann nur von bestehenden Kunden entgegen, keine anonyme Ankaufstelle für Laufkundschaft also. Ein nachvollziehbarer Vorbehalt gegen Hehlerware, aber eine Einschränkung, wer nur schnell altes Gold zu Geld machen will.
Für Käufer, die sich zum ersten Mal mit Diamanten befassen, hat die Seite unter "Wissen & Informationen" eine ausführliche Erklärung der vier C hinterlegt: Clarity, Color, Cut und Carat. Ergänzt wird das um ein selbst benanntes fünftes C, "Confidence", das auf das Kimberley-Abkommen gegen Konfliktdiamanten verweist. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal, aber eine der saubereren Erklärseiten, die man bei einem Atelier dieser Grösse findet, und ein Hinweis darauf, dass hier auch unerfahrene Käufer ernst genommen werden.
Sofort verfügbare Unikate
Neben den Auftragsarbeiten führt das Atelier ein Lager an fertigen Schmuckstücken: Ringe, Ohrschmuck, Colliers und Armschmuck in Gelb-, Rot- und Weissgold sowie Silber und teils Platin, mit Steinen von Mondstein über Turmalin bis zur Tahitiperle. Die Seite betont ausdrücklich, dass alle diese Stücke an Lager und sofort verfügbar sind, jedes davon ein Unikat, also nur einmal vorhanden. Für alle, die keine 4 bis 6 Wochen Zeit haben oder sich erst inspirieren lassen wollen, bevor sie sich für eine Anfertigung entscheiden, ist das eine direkte Alternative.
Öffnungszeiten und Erreichbarkeit
Das Atelier liegt an der Adresse Unterer Graben 21, 8400 Winterthur, mitten in der Altstadt. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 09.00 bis 12.00 Uhr und von 13.30 bis 18.00 Uhr, Samstag von 09.00 bis 16.00 Uhr, montags bleibt das Atelier geschlossen. Termine lassen sich nach eigener Angabe unverbindlich vereinbaren, per Telefon, E-Mail oder direkt im Atelier.
Warum Winterthur statt Bahnhofstrasse
Wer sich einen Verlobungsring an der Zürcher Bahnhofstrasse aussucht, kauft dort meist ein Markenprodukt aus einer Vitrine. Bei Eichmann läuft es umgekehrt: Der Kunde bringt eine Idee oder eine grobe Vorstellung mit, die im Gespräch, in einer Skizze und dann am Computer zu einem eigenen Design wird, das vorher so nicht existierte. Das kostet Zeit, laut Website 4 bis 6 Wochen, aber das Ergebnis ist ein Einzelstück statt einer Seriennummer. Für ein Paar aus Winterthur oder dem Tösstal, das ohnehin in die Altstadt zum Einkaufen fährt, ist der Weg ins Atelier zudem kürzer als eine Fahrt nach Zürich, und die Beratung findet direkt an der Werkbank statt, nicht hinter einer Vitrine.
Für wen sich das eignet
Am besten passt das Atelier zu einem Paar, das Zeit für den Prozess mitbringt und ein Design will, das es so noch nicht gibt, weniger zu jemandem, der in der Mittagspause schnell einen Ring von der Stange kaufen möchte. Dafür gibt es ja die Vitrine mit den sofort verfügbaren Unikaten als Alternative. Zwei Punkte bleiben allerdings offen: Zu einer konkreten Gewährleistungsdauer oder einem späteren Nachjustieren der Ringgrösse äussert sich die Seite nicht ausdrücklich, wer das braucht, sollte im Gespräch direkt danach fragen. Und wer sein altes Gold verkaufen möchte, muss dafür zuerst Kunde des Ateliers sein, eine Einschränkung, die nachvollziehbar ist, für spontane Laufkundschaft aber unpraktisch bleibt.
Unter dem Strich ist das Atelier Simon Eichmann genau das, was man in einer Altstadt-Goldschmiede sucht: ein nachvollziehbarer Prozess vom Entwurf bis zum fertigen Ring, ein im Handelsregister nachweisbarer Betrieb und eine Werkstatt-Geschichte, die über drei Inhaber bis 1987 zurückreicht, auch wenn der heutige Name erst seit 2020 an der Tür steht.