Petit Laszlo

Wibichstrasse 21, Zürich (Kreis 10) · seit 2012

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Petit Laszlo ist kein Traditionshaus mit jahrzehntealter Vitrine an der Bahnhofstrasse, sondern das Atelier von Judit Chapallaz-Laszlo in Wipkingen, Kreis 10. Rechtlich firmiert der Betrieb als Petit Laszlo GmbH, mit Sitz an der gleichen Adresse wie die Werkstatt. Zum Fach kam Chapallaz-Laszlo nicht über eine klassische Goldschmiede-Lehre, sondern über die Architektur: Sie arbeitete unter anderem in Tokio im Büro von Sejima Kazuyo, bevor sie 2012 begann, Halsketten und Armbänder für ihre 2 Töchter zu entwerfen. Aus diesem privaten Projekt wurde mit der Zeit ein eigenes Label, das heute Ohrringe, Halsketten, Armbänder und Ringe in Sterlingsilber 925, Gold Vermeil sowie massivem 9k und 14k Gold führt, teils mit echten Edelsteinen wie Smaragd, Saphir oder Rohdiamant. Wer die Handschrift der Architektin sucht, findet sie im reduzierten, fast strengen Formenvokabular der Stücke, nicht in verschnörkelten Fassungen.

Produziert wird an der Wibichstrasse 21, wo laut eigener Aussage tatsächlich gegossen und poliert wird und jedes Stück persönlich verpackt wird, statt nur aus einem Lager verschickt zu werden. Es ist bewusst kein Ladengeschäft: Das Atelier sei "kein öffentlicher Laden", heisst es auf der Website, Besuche laufen ausschliesslich nach Terminvereinbarung per E-Mail oder Telefon, weil der Betrieb primär eine Werkstatt und kein Publikumsgeschäft ist. Für ein Paar, das seinen Verlobungsring nicht einfach von der Stange holen, sondern mit der Person besprechen will, die ihn später auch tatsächlich fertigt, ist das ein Pluspunkt und kein Umweg.

In der Navigation der Seite stehen "Ringe" und "Verlobungsringe" als zwei getrennte Kategorien nebeneinander, neben dem deutlich grösseren, halskettenlastigen Hauptsortiment. In der Praxis zeigt die eigens benannte Verlobungsringe-Seite beim Aufruf allerdings das Halsketten-Sortiment statt Ringe, offenbar ein technisches Versehen im Shop. Wer konkret nach Ringen sucht, kommt darum besser direkt über die Kategorie "Ringe" oder den hauseigenen Ratgeber "Verlobungsring Schweiz" ans Ziel.

Diese allgemeine Ringe-Kollektion selbst umfasst 36 Stücke, laut Filter alle aktuell an Lager, mit Preisen von CHF 95 bis CHF 349. Beschrieben wird sie ausdrücklich auch als Fundus für "feine Verlobungs- oder Ehering-Alternativen": schlichte Bandringe, Stapelringe und einzelne Steinringe wie der Genie Smaragd Ring oder der Rohdiamant Ring, beide für CHF 189. Wer nicht zwingend einen klassischen Solitär mit Diamant sucht, sondern eine zurückhaltende Alternative, kann hier direkt kaufen, ganz ohne Termin.

Für alles, was darüber hinausgeht, verweist Petit Laszlo konsequent auf die Anfertigung nach Mass. Ein Atelier-Termin beginnt laut dem eigenen Ratgeber-Artikel mit Fragen statt mit einem fertigen Angebot: was die Person täglich trägt, welchen Metallton sie bevorzugt, ob sie sich schon zu Steinen geäussert hat, und welches Budget realistisch ist. Vor Ort werden Musterringe, Kettenlängen und Steinproben gezeigt, damit Gewicht und Proportionen greifbar werden und nicht nur auf einem Bildschirm sichtbar sind. Aus dem Gespräch entsteht eine Skizze oder ein Vorschlag, teils direkt im Termin, teils per Mail im Nachgang, ohne Verpflichtung. Die erste Beratung selbst ist laut Website kostenlos. Entscheidet man sich für eine Anfertigung, verlangt das Atelier eine Anzahlung von 50 Prozent, der Rest wird bei der Übergabe fällig, und wer auf ein bestimmtes Datum hinarbeitet, sollte laut Guide 8 bis 12 Wochen Vorlauf einplanen.

Preise, ehrlich betrachtet

Eine eigene Preisliste für individuell angefertigte Verlobungsringe veröffentlicht Petit Laszlo nicht, aber der hauseigene Ratgeber "Verlobungsring Schweiz" ordnet die Grössenordnung ein. Ein schlichtes Band in 14k Gold ohne Stein wird darin mit ab CHF 300 bis 500 beziffert, eines mit einem kleinen 0,3-Karat-Diamanten (SI1, Farbe G) mit ab CHF 800 bis 1500, und eines mit einem grösseren Stein von 0,7 bis 1 Karat in gutem Schliff mit ab CHF 3000 aufwärts. Das ist als allgemeine Orientierung für den Schweizer Markt formuliert, nicht als verbindliches Angebot von Petit Laszlo selbst, aber es zeigt, in welchen Bahnen sich ein Beratungsgespräch dort typischerweise bewegt. Bei Steinen über 0,5 Karat empfiehlt das Atelier zudem ausdrücklich ein GIA-Zertifikat, wegen Wiederverkaufswert und Nachweisbarkeit der Qualität, ein Detail, das man bei einem so kleinen Betrieb nicht unbedingt erwarten würde.

Versand, Rückgabe und das Kleingedruckte

Innerhalb der Schweiz verschickt Petit Laszlo mit der Post Priority. Bestellungen bis 14 Uhr gehen gemäss eigenen Angaben am selben Werktag raus, die Zustellung dauert meist 1 bis 2 Werktage, international liefert DHL Express in der Regel 2 bis 5 Werktage. Ab einem Bestellwert von CHF 195 ist der Versand kostenlos, so steht es auf der Kontaktseite, in beiden Ratgeber-Artikeln und im Werbebanner, der auf jeder Seite des Shops läuft. Etwas irritierend: Die kurzen Produktseiten-Texte zu den Ring- und Halsketten-Kollektionen nennen daneben ein 14-tägiges Rückgaberecht, während die Kontaktseite, die formelle Rückgabepolitik und die ausführlichen Ratgeber-Texte übereinstimmend von 30 Tagen sprechen, personalisierte oder individuell angefertigte Stücke ausgenommen. Bei einem so kleinen Betrieb liest sich das eher wie ein Werbetext, der nach einer Anpassung der Frist nicht überall nachgezogen wurde, als wie ein Warnsignal, aber vor dem Kauf lohnt sich eine kurze Nachfrage per Mail, welche Frist tatsächlich gilt. Die formelle Rückgabepolitik selbst trägt übrigens noch unausgefüllten Platzhaltertext für die Rücksendeadresse, was zusammen mit dem Rest eher den Eindruck eines sehr kleinen, direkt geführten Betriebs bestätigt als den eines durchgestylten Grosshandels. Fragen zu Anpassungen oder einer späteren Grössenänderung eines Rings werden laut Kontaktseite ausdrücklich persönlich besprochen, ebenso allgemeine Pflege und Reinigung bereits gekaufter Stücke.

Wieso Wipkingen statt Bahnhofstrasse

Wer die Bahnhofstrasse für einen Werkstattbesuch in Wipkingen eintauscht, bekommt etwas anderes als in der Innenstadt: keine Familientradition über mehrere Generationen, sondern eine einzelne Designerin mit einem klaren, minimalistischen Stil und direktem Draht zur eigenen Werkbank. Das eignet sich für ein Paar, das ohnehin lieber ein zurückhaltendes, fast architektonisch wirkendes Stück als einen klassischen Solitär trägt, das seine Vorstellungen im persönlichen Gespräch statt vor dem Schaufenster entwickelt, und das keine Mühe hat, für einen Termin gezielt nach Wipkingen statt an die Bahnhofstrasse zu fahren. Wer dagegen zwingend ein Haus mit langer eigener Geschichte sucht, ist hier an der falschen Adresse, das beansprucht Petit Laszlo auch nicht für sich.

Insgesamt eine glaubwürdige, gut dokumentierte Adresse für alle, die einen wirklich individuellen Verlobungsring in Zürich suchen und der Werkstatt lieber vertrauen als der grossen Vitrine: nachvollziehbare Abläufe, ein hauseigener Preisguide, eine kostenlose Erstberatung und eine reale, im eigenen Text mehrfach belegte Werkstatt an der Wibichstrasse 21. Die kleinen Unstimmigkeiten im Kleingedruckten sind mit einer E-Mail vor dem Kauf schnell geklärt und kein Grund, einen Bogen um den Betrieb zu machen.

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