Juvels
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Juvels liegt nicht an einer der grossen Bijouterie-Adressen, sondern in der alten Mühle Tiefenbrunnen an der Seefeldstrasse 219, direkt am Seeufer im Zürcher Kreis 8. Wer mit dem Zug kommt, steigt am Bahnhof Tiefenbrunnen aus und ist in wenigen Schritten da, wer mit dem Auto kommt, parkiert in der blauen Zone oder beim Bahnhof. Geführt wird das Goldschmiedeatelier von Mireille Lalive d'Epinay, die dort Schmuckstücke entwirft und selbst herstellt, von Ringen über Ketten bis zu Ohrschmuck. Rechtlich steht dahinter die mirDesign GmbH mit Sitz an derselben Adresse, im Handelsregister des Kantons Zürich als aktiv eingetragen, unter der Nummer CHE-301.492.966. Das ist ein nützlicher Realitätscheck für ein Geschäft, dessen Website selbst kein Gründungsjahr nennt: Wer die Firma sucht, findet sie, und sie ist nicht in Liquidation.
Für ein Brautpaar zählt vor allem die Seite zum Thema Heiraten, auf der Juvels Eheringe, Verlobungsringe und Solitärringe zeigt, aufgeteilt in Formen wie Bandringe, Konkavringe, Herzringe, Prinzess-Ringe und Solitärringe. Eine feste Preisliste gibt es dort nicht, dafür den Satz, das Atelier entwickle die Eheringe für die Kundschaft und mit ihr zusammen, was zur übrigen Selbstbeschreibung passt. Die Kollektion besteht nach eigenen Worten aus Unikaten und Kleinstserien in vielfältigster Form, nicht aus einer durchgehenden Katalogserie mit fester Modellnummer. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied zu einem reinen Einzelstück-Versprechen: Wer ein Modell sucht, das einer Freundin ähnlich sieht, kann fündig werden, wer ein komplett neues Design will, offenbar auch. Als Material nennt das Atelier recyclierte Edelmetalle, Steine stammen wo möglich aus nachweisbarer Herkunft, ein Punkt, den man bei einem Ring, der ein Leben lang getragen werden soll, ernst nehmen darf.
Die Umarbeitung als eigentliche Stärke
Was Juvels von einer reinen Trauring-Boutique unterscheidet, ist das Umarbeiten-Angebot. Altes Familiengold, das seit Jahren in der Schublade liegt, wird in der atelier-eigenen Giesserei eingeschmolzen und direkt für ein neues Stück weiterverwendet, vorhandene Steine werden vorsichtig ausgefasst und können auf Wunsch wieder eingesetzt werden. Wer möchte, bringt nur eigenes Material mit, wer möchte, ergänzt mit Steinen aus dem Bestand des Ateliers. Für ein Schweizer Paar, das den Ring der Grossmutter nicht verkaufen, sondern weitertragen will, ist das ein konkretes Angebot und keine blosse Behauptung, weil der Text auf der eigenen Seite den Ablauf beschreibt statt ihn nur zu versprechen: das persönliche Erinnerungsstück bleibt eines, auch nach der Umarbeitung.
Auf der Neuigkeiten-Seite verbindet Juvels das ausdrücklich mit dem gestiegenen Goldpreis, wer ohnehin Altgold besitzt, bekommt dort einen Grund genannt, es umzuarbeiten statt es zu verkaufen. Als Beleg für die eigene Handschrift zeigt dieselbe Seite einen Ring namens Espoir, ein Akrostichon nach viktorianischem Vorbild, bei dem die Anfangsbuchstaben der verwendeten Steine ein Wort ergeben, hier mit Smaragd, Spinell, Peridot, Opal, Indigolith und Rubellit für das Wort Hoffnung. Dazu kommen Halsketten mit eingravierten Textzeilen, für die eigene Jahrestagskette wurde eine Zeile aus Mascha Kalékos Gedicht Für Einen gewählt. Das ist mehr eigene Handschrift, als eine reine Katalogware-Seite normalerweise zeigt, und es macht plausibel, dass hier tatsächlich an einer Werkbank gearbeitet wird und nicht nur ein Grosshandelssortiment umverpackt wird.
Eine Werkstatt in einer alten Mühle
Das Gebäude selbst hat mehr Geschichte als das Geschäft darin. 1913 kauften die Müller Wehrli und Koller die ehemalige Brauerei am Tiefenbrunnen und bauten das Hauptgebäude zu einer für damalige Verhältnisse grossen Getreidemühle um, die bis 1983 in Betrieb blieb, bevor die Produktion in den Kanton Luzern verlegt wurde. Heute teilen sich das Areal das Mühlerama-Museum und Gewerbe wie Juvels, was der Adresse einen anderen Charakter gibt als ein Ladenlokal an der Bahnhofstrasse: Man betritt keinen Neubau und keine historisierende Kulisse, sondern ein echtes Industriegebäude mit eigener, gut dokumentierter Vergangenheit, das heute anders genutzt wird. Wer sich fragt, ob am Werktisch tatsächlich gearbeitet wird oder ob nur verkauft wird, bekommt über das Umarbeiten-Angebot mit der eigenen Giesserei die klarste Antwort, die die Website dazu liefert: Gegossen wird vor Ort.
Geöffnet ist das Atelier Dienstag bis Freitag von 11:00 bis 18:30 Uhr und Samstag von 11:00 bis 16:00 Uhr, telefonisch ist es unter 044 557 12 11 erreichbar. Das ist grosszügiger als mancher reine Boutiquebetrieb mit knappen Mittagspausen, aber eben auch kein Geschäft, das man an einem Montag spontan besuchen kann.
Kurse und gemeinsames Erleben
Wer nicht nur kaufen, sondern selbst etwas herstellen will, kann im selben Atelier einen Goldschmiedekurs belegen. Der Grundkurs für einen einfachen Ring, Anhänger oder Ohrring mit Stein dauert 9 Stunden, verteilt auf 3 Abende, kostet 395 Franken pro Person exklusive Silber und findet in Gruppen von 3 bis maximal 6 Personen statt. Unterrichtet wird er von Enea Lalive. Ein zweiter Kurs baut eine eigene Kette aus Silberdraht, zum gleichen Preis. Für ein Paar, das seinen Ring nicht einfach kaufen, sondern in einem eigenen kleinen Projekt löten will, ist das eine der wenigen konkreten Möglichkeiten in dieser Kategorie, tatsächlich selbst Hand anzulegen, auch wenn es ein Kurs ist und keine vollwertige Trauring-Anfertigung in Gold mit Diamant.
Daneben bietet Juvels auch Gruppenerlebnisse für 6 bis 8 Personen an, etwa für einen Teamanlass oder einen Junggesellinnenabschied, mit mehreren Stationen zu Metallgiessen, Goldschmieden oder Kettenknüpfen, dazu Apéro im hauseigenen Ausstellungsraum, bei Bedarf in Zusammenarbeit mit dem Restaurant Blaue Ente oder dem Kornsilo in der Nähe. Für ein Brautpaar, das seinen Polterabend oder Junggesellinnenabschied mit etwas Handfestem statt nur mit einem Apéro verbinden will, ist das eine ungewöhnliche, aber naheliegende Ergänzung zum eigentlichen Ringkauf.
Wie sich Juvels einordnet
Im Vergleich zu einem Haus an der Bahnhofstrasse, das seine Firmengeschichte über Generationen erzählt, ist Juvels ein anderes Modell: ein persönliches, von einer einzelnen Goldschmiedin geführtes Atelier statt einer alten Dynastie, untergebracht in einem Gebäude, das selbst deutlich älter ist als das Geschäft darin. Wer eine lückenlose Firmengeschichte sucht oder wissen will, wo die Goldschmiedin ihre Lehre gemacht hat, findet dazu auf der Website nichts, das ist eine Lücke und keine Information, die sich hier einfach ergänzen liesse. Ebenso wenig nennt die Seite eine Gewährleistungs- oder Garantiefrist für die eigenen Stücke, wer das wissen will, muss vor Ort nachfragen. Was die Website dafür konkret zeigt, ist der Umarbeitungsprozess mit eigener Giesserei, die Kurspreise samt Gruppengrösse und die Öffnungszeiten, drei Punkte, die andere Adressen in dieser Kategorie teils offen lassen.
Für wen sich der Weg nach Tiefenbrunnen lohnt
Juvels passt zu einem Paar, das im Seefeld oder am rechten Seeufer wohnt oder arbeitet und keinen Umweg in die Innenstadt machen will, das an einem Einzelstück statt an einer Katalognummer interessiert ist, und das dem Gedanken etwas abgewinnen kann, den eigenen Ring in einem alten Mühlengebäude statt in einer Vitrine an der Bahnhofstrasse zu kaufen. Auch wer den Ring der Grossmutter umarbeiten statt neu kaufen will, ist hier an der richtigen Adresse, ebenso ein Paar, das vor der eigentlichen Anfertigung erst selbst einen Ring aus Silber löten will, um zu sehen, wie viel Arbeit tatsächlich darin steckt, bevor es das grössere Budget für Gold und Diamant in die Hand nimmt.
Fazit
Juvels ist kein Bahnhofstrasse-Haus mit jahrhundertealter Familiengeschichte, sondern ein kleines, aktives Goldschmiedeatelier in einem Gebäude mit eigener, unabhängig von der Geschäftsgeschichte gut dokumentierter Vergangenheit. Wer offene Fragen zu Preis, Ausbildung oder Garantie hat, bekommt sie nicht auf der Website beantwortet, sondern nur im Gespräch vor Ort, das ist der ehrliche Wermutstropfen an einem sonst überzeugenden Angebot. Wofür das Atelier stärker steht als die meisten Adressen in dieser Kategorie, ist das sichtbare Handwerk hinter dem Verkauf: eine eigene Giesserei fürs Umarbeiten, öffentliche Kurse, in denen man beim Goldschmieden zusehen und selbst mitmachen kann, und ein Standort, an dem die Arbeit sichtbar bleibt, statt hinter einer reinen Verkaufstheke zu verschwinden.