BISHU
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BISHU gehört nicht zu den Goldschmiedebetrieben, die diese Kategorie sonst prägen. Es gibt keine Werkstatt hinter dem Ladentisch und keine Familie, die seit Generationen am gleichen Ort schleift und lötet. BISHU ist ein Zürcher Onlineshop mit Sitz an der Ankerstrasse 25, 8004 Zürich, dessen Geschäftsmodell in seinem eigenen Slogan steckt: "We make you make jewellery." Das Paar schnitzt das Ringmodell selbst, aus Wachs, mit Werkzeug, das im Set mitkommt. BISHU giesst und veredelt es danach in Silber oder, bei der separaten Linie, in 18-Karat-Gold. Für einen Verlobungsring ist das eine ehrliche Alternative zur Massanfertigung bei einer Goldschmiedin, nicht ihr Ersatz, sondern eine andere Art, zum gleichen Ziel zu kommen.
Wie das Selbermach-Modell funktioniert
Das Prinzip ist Wachsausschmelzguss, eine Technik, die BISHU auf der eigenen About-Seite auf etwa das 4. Jahrhundert vor Christus zurückführt. Im Classic Ring Making Set stecken zwei Wachsrohlinge in der gewählten Breite, 3.5 mm oder 8 mm, dazu Schneidwerkzeug, eine Anleitung mit Zugang zu Video-Tutorials und eine Schmuckschachtel. Wer sich für die 18-Karat-Variante entscheidet, bekommt zusätzlich eine Präzisionswaage mitgeliefert, mit der sich während des Schnitzens abschätzen lässt, wie viel Gold der fertige Ring am Ende kosten wird. Für das eigentliche Schnitzen rechnet BISHU 2 bis 4 Stunden. Danach kommt das Ringmodell in die Schachtel zurück, zusammen mit einem ausgefüllten Rücksendeformular. Das Set selbst wird laut Produktseite innerhalb von 4 Arbeitstagen an die Kundschaft verschickt.
Gegossen wird nicht an der Ankerstrasse. BISHU beschreibt auf der About-Seite externe Gusspartner in Schaffhausen und Luzern, die die recycelten Metalle verarbeiten, während das Schnitzen, die Vorbereitung und die Endfertigung im eigenen Zürcher Atelier stattfinden. Alle Werkzeuge, die mit dem Set verschickt werden, kommen laut BISHU nach der Rücksendung gereinigt wieder zum Einsatz. Das ist eine andere Arbeitsteilung, als sie ein klassischer Goldschmiedebetrieb im Quartier anbietet, aber BISHU verkauft sie auch nicht als etwas anderes.
Material und Preise
Standardmaterial ist recyceltes Silber. Eine Vergoldung lässt sich laut FAQ auch nachträglich bestellen, indem man sie auf dem Rücksendeschein notiert; die Rechnung dafür, CHF 20, kommt zusammen mit dem fertigen Schmuckstück. Die Goldschicht selbst beziffert BISHU mit 5 Mikron, nach eigener Aussage dicker als bei gewöhnlich vergoldetem Modeschmuck.
Bei den Preisen zeigt sich eine kleine Inkonsequenz auf der Website selbst: Auf der Startseite wirbt BISHU für das Classic Ring Making Set mit "ab CHF 139", auf der Produktseite steht aktuell durchgehend CHF 159, unabhängig von Breite oder Ringgrösse. Das Siegelring Making Set kostet auf beiden Seiten übereinstimmend CHF 169. Für ein zweites Schmuckstück aus dem gleichen Set nennt die FAQ eigene Aufpreise: CHF 120 für einen zusätzlichen klassischen Ring in Silber, CHF 140 für einen Siegelring, CHF 129 für einen Anhänger, mit einem Zuschlag von CHF 20, wenn man vergoldetes Messing statt Silber möchte. Wer denselben Schmuck ein zweites Mal giessen lassen will, statt ein neues Wachsmodell zu schnitzen, zahlt zusätzlich CHF 98 für eine Silikonform, weil das Wachsmodell beim Guss selbst verloren geht.
Grössen gibt es in drei Stufen: Small für Ringgrösse 48 bis 52, Medium für 53 bis 58, Large für 59 bis 70. Frauen empfiehlt BISHU S oder M, Männern L, mit Feinjustierung während des Schnitzens und einer letzten Kontrolle im eigenen Studio.
Verlobungs- und Trauringe
Ausdrücklich als Verlobungs- oder Trauring-Option bewirbt BISHU die separate 18K Gold Ring Making Set-Linie, gegossen in 18 Karat recyceltem Gold statt in Silber. Das Set kostet CHF 439, dazu kommen die eigentlichen Goldkosten, die erst nach Rücksendung des fertigen Wachsmodells anhand des Gewichts berechnet und per E-Mail in Rechnung gestellt werden. Als Anhaltspunkt nennt BISHU eine Spanne von CHF 289 bis 550 für die Ringe in der eigenen Bildergalerie. Ein zweiter Ring über diese Linie kostet CHF 419 zusätzlich, wieder exklusive der separaten Goldkosten. Auch ein Anhänger lässt sich in 18-Karat-Gold bestellen, ebenfalls ab CHF 419, ein Fingerabdruck-Anhänger in Gold ab CHF 513. Das gewöhnliche Classic- und Siegelring-Sortiment in Silber bewirbt BISHU dagegen nicht ausdrücklich als Verlobungs- oder Trauringoption, sondern allgemeiner als Schmuckerlebnis; wer einen Silberring als Verlobungsring nutzen will, kann das natürlich trotzdem tun, nur eben ohne die entsprechende Rahmung auf der Website.
Wer einen Stein möchte, kann einen Schweizer Diamanten dazubuchen. BISHU beschreibt ihn als laborgezüchtet, hergestellt im Muotathal in der Schweiz mit erneuerbarer Energie, konfliktfrei und rückverfolgbar. Der kleinste Diamant mit 1.5 mm ist ab CHF 139 zu haben, ein 2-mm-Stein kostet CHF 20 mehr, ein 2.5-mm-Stein CHF 40 mehr. Wer keinen echten Stein braucht, kann stattdessen für CHF 89 einen Zirkonia wählen, ebenfalls mit Aufpreisen von CHF 10 respektive CHF 20 für die grösseren Grössen. Für beide Steinoptionen bekommt man Aufkleber im Massstab 1 zu 1, mit denen man die gewünschte Position direkt auf dem eigenen Wachsmodell markiert, bevor man es zurückschickt.
Workshops vor Ort
Wer nicht allein zu Hause schnitzen will, kann einen der beiden Workshops besuchen. Der Wax Ring Carving Workshop kostet CHF 265, läuft in kleinen Gruppen von 4 bis 8 Personen über rund 3 Stunden und findet laut Produktseite abwechselnd im Atelier in Wiedikon und in einem Studio in Altstetten statt, Letzteres selbst ein Stadtteil im Kreis 9. Im Preis inbegriffen sind Wachsring, Werkzeug, der anschliessende Guss in Silber, Snacks, Kaffee und Tee sowie eine kleine Goodie-Bag mit Poliertuch, Sticker, Gutschein und einem Glückskeks. Nach dem Workshop dauert die Fertigstellung 15 Arbeitstage bei Silber, 25 Arbeitstage, wenn man sich für Gold entscheidet. Für den Herbst 2026 waren zum Zeitpunkt der Recherche bereits mehrere Termine bis in den November hinein ausgeschrieben, was für einen laufenden Betrieb spricht.
Der Silver Clay Workshop kostet CHF 230, ebenfalls rund 3 Stunden, in Gruppen von 4 bis 6 Personen, im Atelier in Wiedikon. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer arbeitet mit 8 Gramm Art Silver Clay, formt frei, statt zu schnitzen, und nimmt das gebrannte Stück am selben Tag mit nach Hause. Auch hier waren bis in den November 2026 hinein Termine buchbar. Für beide Formate bietet BISHU private Gruppen auf Anfrage per E-Mail an.
Rückgabe und wenn der Ring nicht passt
BISHU nennt in seiner Rückgaberichtlinie ein 30-tägiges Rückgaberecht ab Erhalt der Ware, allerdings nur für ungenutzte, originalverpackte Artikel; eine Rückerstattung erfolgt danach innerhalb von 10 Arbeitstagen auf die ursprüngliche Zahlungsmethode. Das betrifft die Kaufentscheidung an sich. Für das eigentliche Wachsset, das man ja erst noch schnitzen und zurückschicken muss, gibt es laut FAQ derzeit keine feste Frist, BISHU bittet aber darum, es innerhalb von mindestens 10 Monaten zurückzuschicken, damit die Sets im Umlauf bleiben; ältere Sets nehmen sie nach eigener Aussage bis auf Weiteres trotzdem an. Weil der fertige Schmuck laut FAQ eine exakte Nachbildung des eigenen Wachsmodells ist und von Goldschmiedinnen und Goldschmieden professionell nachbearbeitet wird, liegt die Passform am Ende stark in der eigenen Hand, nicht bei BISHU.
Wie es sich einordnet und für wen es passt
Innerhalb dieser Kategorie ist BISHU der Ausreisser: kein Ladengeschäft im klassischen Sinn, keine hauseigene Giesserei, keine auf der Website genannte Gründungsgeschichte oder Jahreszahl. Was BISHU stattdessen anbietet, ist ein nachvollziehbares, mehrfach dokumentiertes Verfahren vom eigenen Wachsmodell bis zum fertigen Ring, mit Preisen, Massen und Fristen, die sich auf der eigenen Seite nachlesen lassen, auch wenn Startseite und Produktseite beim Classic-Set nicht ganz übereinstimmen. Für ein Paar, das sich einen persönlichen Anteil an seinem Verlobungs- oder Trauring wünscht und mit dem Gedanken keine Mühe hat, dass der Guss selbst nicht in Zürich passiert, ist das ein plausibles Angebot, vor allem über die 18-Karat-Gold-Linie, die genau dafür gemacht ist. Wer dagegen eine Goldschmiedin sucht, die im gleichen Raum feilt, in dem sie verkauft, findet das eher bei anderen Namen in dieser Kategorie. Vor dem Kauf lohnt sich ein Blick auf die aktuelle Produktseite statt auf den Startseiten-Preis, und wer die 18-Karat-Linie wählt, sollte die separat abgerechneten Goldkosten von Anfang an einplanen.