Laura Micheli Jewelry

Hardturmstrasse 20, Zürich (Kreis 5)

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Wer im Zürcher Industriequartier nach einem Verlobungsring sucht, findet bei Laura Micheli Jewelry keinen Laden mit Schaufenster zur Strasse. Das Geschäft liegt an der Hardturmstrasse 20, Postleitzahl 8005, auf der Rückseite eines Hinterhofgebäudes mit Blick zum Fluss. Am Montag und Dienstag ist es nur nach Vereinbarung offen, von Mittwoch bis Samstag von 12:00 bis 17:30 Uhr, sonntags bleibt es zu. Wer ohne Termin vorbeischaut, braucht also vor allem den richtigen Wochentag, nicht die richtige Tramhaltestelle.

Gegründet hat das Studio Laura Micheli, eine Schweizer-italienische Architektin mit Sitz in Zürich. Die Marke beschreibt sich selbst als ihren Übergang von der Architektur zum Schmuck, und das sieht man den Formen an: skulptural, klar in der Fläche, mit einem Blick für Proportion, den man eher von einem Bauplan erwartet als von einer klassischen Goldschmiedewerkstatt. Wer eine mehrgenerationen Werkstattgeschichte sucht, wird hier nicht fündig, und die Website nennt auch keine Goldschmiedelehre für die Gründerin oder ihr Team. Das ist keine Schwäche, aber ein Unterschied zu den alteingesessenen Häusern der Bahnhofstrasse, den man kennen sollte, bevor man sich entscheidet.

Zwei Wege zum Ring

LMJ verkauft auf zwei Schienen. Die eine ist die fertige Kollektion unter "Fine Jewelry", unterteilt in Wedding, Engagement, Rings, Earrings und Necklaces, alles direkt im Onlineshop bestellbar mit Preisen in Schweizer Franken. Die andere ist der Bespoke Service, aufgeteilt in "One-of-a-kind Jewelry" und "Old Gold Jewelry Redesign": eine Einzelanfertigung von Grund auf oder das Einschmelzen und Neugestalten von altem Gold, das man schon besitzt. Für diesen Weg nennt die Seite weder Preise noch einen festen Ablauf, ein Gespräch im Atelier ist also der erste Schritt, nicht eine Zahl, die man vorher online nachschlagen kann. Im Menü taucht daneben noch ein "Creative Lab" auf, mit einem Jewelry Making Workshop, einem Wax Carving Workshop und einem Silver Clay Workshop, ohne dass die Seite dazu Termine oder Preise veröffentlicht.

Was die Website an allen Kollektionsstücken gleich hält, ist die Materialaussage: Jedes Stück wird aus 100 Prozent recyceltem Silber oder Gold gegossen, direkt im eigenen Atelier, nicht extern zugekauft. Für ein Paar, dem die Herkunft des Metalls wichtiger ist als der letzte Zehntelmillimeter an Symmetrie, ist das ein Argument, das über die reine Optik hinausgeht.

Die Verlobungsringe

Die Engagement-Kollektion nennt sich selbst "a new take on the solitaire", eine neue Lesart des klassischen Solitärs. Statt der runden Fassung auf einem schlichten Band arbeitet LMJ mit geometrischen Silhouetten, die durch weiche Kurven gebrochen werden, und mit organischen, unregelmässigen Formen, in denen der Diamant fliessend ins Gold eingelassen ist. 8 Modelle stehen laut Filter der Kollektionsseite zur Auswahl, von der Nest Mini Ring ab CHF 990 bis zur Ray Maxi Ring für CHF 2'790, dazwischen etwa die Ray Oval Ring für CHF 2'170 oder die Nest Band für CHF 1'390. Material ist durchgehend 18kt Gelbgold, Weissgold oder Platin werden für diese Linie nicht angeboten, was für ein Paar mit einer festen Vorstellung von Farbe relevant sein kann.

Trauringe und die eigene Geschichte

Die Wedding-Kollektion, "love bands with quiet strength", spielt mit Dünen- und Wellenstrukturen im Gold statt mit einem glatten Reif: Curve, Ember, Dune, Hollow und Round Wedding Band, alle in 18kt Gelbgold, von CHF 1'090 für die Hollow Wedding Band bis CHF 1'290 für Curve, Dune oder Ember. Wer die passende Form nicht in der Kollektion findet, kann laut Website auch einen Trauring als Bespoke-Anfertigung im Zürcher Atelier entwerfen lassen.

Ein Detail, das dem Studio eine persönliche Note gibt: Auf der Wedding-Seite beschreibt Laura Micheli, was sie an ihrer eigenen Hochzeit trug, die Trifoglio Earrings zur Zeremonie, umgebaut zu Haarnadeln zusammen mit den Trifoglio Mini, und am Abend gewechselt zu den Petalo Earrings. Beide Namen, Trifoglio und Petalo, finden sich auch in der laufenden Kollektion wieder, etwa als Trifoglio Maxi Earrings ab CHF 290 oder Petalo Maxi Earrings ab CHF 280, beide auch in Sterling-Silber statt Gold erhältlich. Es ist ein kleiner, aber glaubwürdiger Beleg dafür, dass die Gründerin die eigenen Stücke tatsächlich trägt, nicht nur entwirft.

Bestellung, Versand und Rückgabe

Bestellungen aus der Kollektion werden laut Website innerhalb von 2-3 Werktagen bearbeitet, sofern das Stück an Lager ist. Für Modelle mit dem Hinweis "verfügbar auf Bestellung" rechnet die Seite mit bis zu 5 Wochen Produktionszeit. Innerhalb der Schweiz ist der Versand registriert und kostenlos, innerhalb der EU inklusive Grossbritannien dauert er 3-6 Werktage und kostet CHF 20, in die USA, nach Kanada oder Japan 5-10 Werktage für CHF 25. In alle anderen Länder verschickt LMJ laut eigener Aussage ebenfalls, nach Rücksprache per E-Mail.

Bei der Rückgabefrist widerspricht sich die Seite leicht selbst: Die Rückgabebedingungen sprechen von einer "10 business day return policy", die im gleichen Satz auf 14 Werktage nach Erhalt der Ware ausgelegt wird, während das Symbol am Fuss jeder Seite pauschal 15 Tage Rückgaberecht verspricht. Praktisch heisst das: Wer wirklich zurückgeben will, sollte sich die Frist vor dem Kauf per E-Mail bestätigen lassen, statt sich auf eine der drei Zahlen zu verlassen. Rückgaben sind ausserdem nur bei Grössenänderung, nicht wie erwarteter Ware oder Transportschäden vorgesehen, personalisierte oder eigens angefertigte Stücke sind ganz ausgenommen, was für eine Bespoke-Anfertigung wichtig zu wissen ist, bevor man bestellt. Wer die Ware persönlich zurückbringen will, braucht dafür wieder einen Termin im Atelier.

Wie sich das einordnet

Verglichen mit den alten Häusern an der Bahnhofstrasse ist LMJ das Gegenmodell: kein Familienbetrieb mit langer Standortgeschichte, sondern ein einzelnes Atelier einer Architektin, das noch nicht lange Verlobungs- und Trauringe führt. Dafür veröffentlicht die Seite ihre Preise offen im Onlineshop, was gerade bei Verlobungsringen keineswegs selbstverständlich ist. Wer im Industriequartier statt am Paradeplatz einkauft, verzichtet auf die Vitrine mit Wachpersonal, bekommt dafür ein Studio, das nach eigener Aussage in kleinen Serien produziert, um keine Überbestände aufzubauen, und das mit einer eigenen Formsprache statt mit einem grossen Markennamen anspricht.

Für wen es passt

Am ehesten passt LMJ zu einem Paar, das sich bewusst gegen den klassischen Solitär und den runden Diamanten in einer Zackenfassung entscheidet, dem eine architektonische, skulpturale Formensprache näherliegt als die traditionelle Bahnhofstrasse-Ästhetik, und dem die Herkunft des Metalls wichtig genug ist, dass "100 Prozent recycelt" mehr zählt als eine lange Firmengeschichte. Wer stattdessen eine Marke mit langer Tradition, eine grosszügige und eindeutige Umtauschfrist oder eine breite Auswahl an Edelmetallen jenseits von Gelbgold sucht, ist bei einem der etablierten Häuser besser aufgehoben.

Fazit

Laura Micheli Jewelry ist ein glaubwürdiges, kleines Atelier mit einer klaren gestalterischen Handschrift und einer Materialaussage, die sich nachprüfen lässt: eigene Gusspraxis, 100 Prozent recyceltes Edelmetall, offen einsehbare Preise. Die kleine Unstimmigkeit bei der Rückgabefrist und das Fehlen jeder Preisangabe für Bespoke-Arbeiten sind Punkte, die man vor dem Kauf klären sollte, sie sind aber kein Grund, einen Besuch im Industriequartier zu meiden. Für ein Paar, das einen Ring abseits der Bahnhofstrasse-Norm sucht, ist der Mittwochnachmittag-Termin an der Hardturmstrasse eine der wenigen Adressen in Zürich, die das wirklich anders macht.

Altro in Goldschmiede in den Kreisen 2 bis 6

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