cloud8 (Claudia Stebler Goldschmiede)
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Wer an der Zürcher Bahnhofstrasse nach einem Verlobungsring fragt, landet meist bei einem grossen Namen mit Schaufenster, Concierge und mehreren Filialen. Ein paar Tramstationen weiter, an der Martastrasse 109 im Kreis 4, sitzt Claudia Stebler seit 2007 an ihrer eigenen Werkbank und führt cloud8, ihr Ein-Frau-Goldschmiede-Atelier. Laden und Werkstatt sind hier ein und derselbe Raum: kein Verkaufspersonal, keine zweite Filiale, kein Markenname ausser ihrem eigenen. Wer hier anklopft, spricht mit der Frau, die den Ring danach auch selber schmiedet.
Stebler ist gelernte Goldschmiedin und Schmuckdesignerin. Nach der Matura absolvierte sie den gestalterischen Vorkurs, dann eine vierjährige Goldschmiede-Lehre in Basel, gefolgt von fünf weiteren Jahren Design-Studium an der Fachhochschule Pforzheim in Deutschland. 2025 feierte sie, laut ihrer eigenen Website, ihr 30-jähriges Jubiläum als ausgelernte Goldschmiedin, ein Berufsjubiläum, das deutlich weiter zurückreicht als das Label cloud8 selbst. Das gründete sie erst 2007, nachdem ihr nach eigener Aussage das Architekturbüro ihrer Eltern als Vorbild gedient und sie "relativ unerschrocken" in die Selbständigkeit habe gleiten lassen. Zur Feier des Berufsjubiläums hat sie im März 2025 auch die Website neu gestaltet, ein Geschenk an sich selbst, wie sie schreibt.
Im Angebot stehen zwei klar benannte Kategorien, Eheringe (in der Schweiz ebenso geläufig als Trauringe) und Verlobungsringe, dazu die Umarbeitung von Altgold: geerbte oder nicht mehr getragene Stücke werden eingeschmolzen und zu neuem Schmuck verarbeitet. Bei den Ringen läuft der Weg über ein persönliches Gespräch in der Werkstatt statt über einen Katalog mit Fixpreisen. Die Website formuliert es so, dass man ihr die eigene Geschichte erzähle und sie daraus den Lieblingsschmuck schmiede. Eine feste Preisliste für Verlobungs- oder Trauringe nach Mass veröffentlicht cloud8 nicht, was für ein Ein-Personen-Atelier mit individueller Fertigung eher die Regel als die Ausnahme ist, und was diese Auskunft auch ehrlicher macht als eine erfundene Hausnummer.
Neben der Massanfertigung führt Stebler einen Onlineshop mit fixen Preisen, in dem sich ihre Kollektionslinien wie AMOUR ELASTIQUE, HAMMER oder MILKY WAY kaufen lassen. Die Spanne reicht von kleinen Anhängern der AHOI-Reihe für 130 bis 220 Franken bis zum Armreif AMOUR ELASTIQUE in Gelb- oder Roségold für 5'100 bis 6'030 Franken. AMOUR ELASTIQUE, die Kernidee des Labels, geht laut Stebler auf einen Moment zurück, in dem sie sich ein rotes Gummiband um den Finger gewickelt hatte; die Ringe der Linie haben seither Platz für ein persönliches Wort. Zu den Goldpreisen selbst macht die Seite eine ungewöhnlich offene Einschränkung: Sie seien "bis auf Weiteres ohne Gewähr", weil der Goldpreis derzeit stark schwanke, ein Vorbehalt, den grössere Häuser mit gedruckten Preiskatalogen seltener von sich aus aussprechen.
Was das Atelier auszeichnet
Zwei ihrer Stücke hängen nicht im eigenen Laden, sondern in Museen. Die Kette HAUFEN aus gehäkeltem Silber wurde 2016 in die Sammlung Zeitgenössischer Schmuck der Schweizerischen Eidgenossenschaft aufgenommen und befindet sich im Museum Mudac in Lausanne. Der 1997 entstandene Ring ROMEO UND JULIA aus Moosgummi gehört dagegen zur Sammlung Alice und Louis Koch, die im Landesmuseum Zürich gezeigt wird: zwei unterschiedliche Sammlungen an zwei unterschiedlichen Häusern, nicht dasselbe Stück doppelt gezählt. Dazu kommt eine lange Liste an Medienauftritten. Die Konsumentensendung Kassensturz berichtete 2018 über sie, die NZZ mehrfach, zuletzt unter anderem in der NZZ am Sonntag 2020, dazu Annabelle 2021 und die Aargauer Zeitung 2020.
Bei den Materialien nennt die Seite konkrete Herkünfte statt allgemeiner Nachhaltigkeitsfloskeln: Die verwendeten Brillanten seien konfliktfrei geschürft und ohne Kinderarbeit verarbeitet, ein Teil der Farbsteine komme vom madagassischen Familienbetrieb Miadana, Gold und Silber würden unter modernen, umweltschonenden Bedingungen in Deutschland rezykliert, und das verwendete Fairtrade-Gold aus Peru stamme von Max Havelaar. Für ein Atelier dieser Grösse ist das eine ungewöhnlich präzise Auskunft, benennt Lieferant und Land statt nur ein Gütesiegel zu zeigen.
Der Onlineshop selbst ist nach Schmuckart gegliedert, in Ketten, Ringe, Armreifen und Ohrringe, dazu eine eigene, für 20 Franken erhältliche Publikation über ihre Arbeit. Auf Instagram zeigt Stebler auch immer wieder Auftragsarbeiten für bestehende Kundschaft, etwa einen Ring der Linie HAMMER aus Silber925, den sich ein Paar zur Silbernen Hochzeit nach 25 gemeinsamen Jahren anfertigen liess, ein Hinweis darauf, dass man bei ihr über die Verlobung hinaus auch spätere Jubiläen feiert.
Öffnungszeiten und Lage
Der Laden ist bewusst kein Ganztagesgeschäft: Mittwoch bis Freitag ist von 14 bis 18 Uhr geöffnet, samstags "meistens" von 11 bis 16 Uhr, ein Vorbehalt, den Stebler selbst so formuliert, weil sie als Einzelperson auch mal an einem Markt oder einem Familienfest ist statt am eigenen Tresen. Wer ohne Termin vorbeikommen will, sollte diese Fenster einplanen, für alles andere lässt sich ein Termin vereinbaren. Von der Lage her ist das Atelier trotzdem gut erreichbar: laut eigenen Angaben 10 Minuten vom Hauptbahnhof und 2 Minuten vom Einkaufszentrum Lochergut entfernt, mitten im belebten Kreis 4 statt an einer der teuren Lagen der Innenstadt. Eine schriftliche Gewährleistungsfrist oder feste Angaben zu Service und Umarbeitung Jahre nach dem Kauf nennt die Website nicht. Wer das für einen später geänderten oder umgearbeiteten Ring wissen will, klärt es am besten im persönlichen Gespräch ab, statt sich auf eine Zahl von der Homepage zu verlassen, die dort schlicht nicht steht. Wer sich für ihren Newsletter einträgt, bekommt nach eigener Aussage nur 2 bis 3 Ausgaben pro Jahr, ein weiteres kleines Indiz für die zurückhaltende, unaufdringliche Art, wie das Atelier kommuniziert.
Für wen sich cloud8 eignet
Im Vergleich zu den grossen Häusern an der Bahnhofstrasse ist cloud8 das Gegenmodell: eine Person, eine Werkbank, ein Laden, keine Zweigstelle. Innerhalb der Quartier-Goldschmiede zwischen Enge und Unterstrass gehört cloud8 zu den wenigen, die Verlobungsringe und Eheringe ausdrücklich als eigene Kategorien führen, statt sie unter einem allgemeinen "Schmuck nach Mass" zu verstecken, und die dabei gleichzeitig mit belegbaren Museumsstücken und echtem Presseecho auftreten kann statt nur mit einer Werkstattadresse. Zwei im Februar 2025 veröffentlichte Kundenstimmen auf der eigenen Seite loben zwei unterschiedliche Dinge: Eine Kundin schreibt über ihre Creolen, dass "Gold nicht wie alles glänzt, was glänzt", eine andere empfiehlt Stebler ausdrücklich nicht nur für kleine Ausbesserungen, sondern auch für bezahlbare Einzelstücke. Für die Kriterien dieser Liste, eigene Werkstatt vor Ort und lange eigene Erfahrung der Goldschmiedin, erfüllt cloud8 beide ohne Umweg.
Wer eine grosse Marke mit mehreren Filialen und einem breiten Sortiment an fixfertigen Fassungen sucht, ist an der Bahnhofstrasse besser aufgehoben. Wer dagegen einen Verlobungs- oder Trauring von der Person tragen will, die ihn auch entworfen und angefertigt hat, dazu die Option, später ein geerbtes Stück Altgold in etwas Neues verwandeln zu lassen, findet in Claudia Steblers Atelier eine der wenigen Adressen im Quartier, die das mit drei Jahrzehnten eigener Werkbankerfahrung auch belegen kann.