Giselle Jewelry

Bleicherweg 18, Zürich · dal 2021

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Giselle ist die jüngste Adresse in dieser Liste, und das merkt man ihr an. Keine Familienchronik über mehrere Generationen, keine Werkbank, die schon der Grossvater genutzt hat. Stattdessen ein Ladenlokal am Bleicherweg 18, das erst seit März 2021 Kundschaft empfängt, und eine Gründerin, die ihr Handwerk vom Entwurf her denkt statt von der Vitrine aus.

Eine Familientradition als Markenname

Die Geschichte, die Giselle Willner auf ihrer eigenen Seite erzählt, beginnt lange vor dem Laden. In ihrer Familie tragen erstgeborene Töchter seit Generationen den Namen Giselle, und sie selbst erhielt von ihrer Grossmutter eine Solitär-Halskette mit Diamant, die ihr eigenes Verständnis von Schmuck geprägt haben soll. Ausgebildet und gefördert wurde sie als Designerin nach eigenen Angaben bereits ab 16 Jahren. Die Marke GISELLE gründete sie 2015, zunächst ohne eigenes Geschäft. Das Konzept für die Boutique am Bleicherweg entstand 2020, mitten im ersten Corona-Jahr, eröffnet wurde der Laden dann im März 2021, nach eigener Aussage am selben Tag, an dem der Bundesrat die Wiedereröffnung der Läden erlaubte. Ein Jahr später, im März 2022, kam ihr Sohn zur Welt, was direkt zur Lancierung einer Mutter-Kind-Schmucklinie unter dem Namen GISELLE Legacy führte. 2023 folgte die HERITAGE-Kollektion mit historisch geschliffenen, antiken Diamanten, ein Versuch, dem jungen Haus über die Steine selbst etwas von der Patina zu geben, die ihm an Standortjahren fehlt.

Der gemeinsame Entwurf statt die Vitrine

Wer bei Giselle einen Verlobungsring will, kann fertige Modelle kaufen, aber der eigentliche Kern des Angebots ist der Entwurfsprozess. Die Seite beschreibt ihn in 5 Schritten: eine erste Anfrage, bei der das Team einschätzt, ob ein Termin mit einer Beraterin reicht oder das Anliegen direkt bei Giselle Willner landet, ein Beratungsgespräch virtuell oder vor Ort, die gemeinsame Auswahl des Steins, wofür Giselle nach eigenen Angaben mehrmals im Jahr selbst zu ihren Lieferanten reist, die Anfertigung durch Goldschmiede und Fasser unter ihrer Aufsicht, und zuletzt die Übergabe, entweder persönlich im Laden oder per versicherter Kurierlieferung. Für den ganzen Weg rechnet die Seite mit 1 bis 5 Monaten. Das ist deutlich mehr Zeit, als eine Vitrine braucht, aber auch das Versprechen, dass jemand den Ring wirklich mitentwickelt statt ihn nur auszusuchen.

Was tatsächlich im eigenen Haus entsteht

Hier lohnt sich ein genauerer Blick, weil die Seite selbst zwei verschiedene Bilder zeichnet. Zur eigenen Werkstatt im Herzen von Zürich schreibt Giselle Willner auf ihrer Über-mich-Seite, sie arbeite daneben mit ausgewählten familiengeführten Werkstätten in Italien, Portugal und Deutschland zusammen. Für die Verlobungsringe konkret sagt die Kollektionsseite etwas Engeres: Dort entstehe jedes Stück in der Manufaktur am Bleicherweg, vom Guss des Goldes über das Formen durch die eigenen Goldschmiede bis zur Fassung der Steine und der Politur. Für den Guss selbst nennt die Werte-Seite zertifizierte Schweizer Giessereien als Partner. Zusammengenommen heisst das für einen Verlobungsring am ehesten: eigene Goldschmiede am Bleicherweg für Formgebung, Fassung und Politur, ein Schweizer Gusspartner für den Rohling, und die ausländischen Familienwerkstätten eher für andere Linien im Sortiment als für die Ringe selbst. Wer ausschliesslich Handarbeit unter einem Dach sucht, sollte das im Beratungsgespräch konkret nachfragen, die Seite allein beantwortet es nicht abschliessend.

Der Besuch vor Ort

Wer nicht gleich in den vollen Entwurfsprozess einsteigen will, kann die sogenannte Diamond Lounge im Laden besuchen, eine Beratung, bei der laut Seite eigene Diamanten und Edelsteine gezeigt werden, virtuell oder direkt am Bleicherweg. Die Seite rät ausdrücklich, vorher einen Termin zu vereinbaren, damit die Beratung ohne Wartezeit stattfinden kann, was bei einem Laden dieser Grösse nachvollziehbar ist. Neben den Verlobungsringen führt Giselle auch Eheringe, teils als Sets für beide Partner, dazu Ohrschmuck, Armbänder und Halsketten aus eigenen Kollektionen, sodass sich ein Ring und der dazugehörige Ehering im selben Haus abstimmen lassen, statt Motive zwischen zwei Adressen mischen zu müssen.

Eine Besonderheit ist die HERITAGE-Kollektion mit historisch geschliffenen Diamanten aus früheren Jahrzehnten, etwa alten Kissen- oder Rosenschliffen, die die Seite als Einzelstücke mit eigener Fassungsgeschichte beschreibt, ohne für die einzelnen Steine eine belegte Provenienz zu nennen. Für ein Haus ohne eigene Standortgeschichte ist das ein cleverer Umweg: Die Historie steckt dann eben im Stein statt in der Adresse. Wer auf eine lückenlos dokumentierte Herkunft besteht, sollte das beim jeweiligen Stück konkret nachfragen, statt sich auf die Kollektionsbeschreibung allein zu verlassen.

Auswahl und Preise

Das Sortiment ist für ein junges Haus beachtlich breit. Allein die Kollektion Verlobungsringe zählte bei unserem Besuch 39 Modelle, 33 davon mit weissem Diamant, dazu Ausführungen mit Champagner- oder Fancy-Diamanten und ein grüner Saphir. Bei den Metallen liegen Platin, Gelbgold, Roségold und Weissgold nahe beieinander, mit 22 Modellen in Platin, 22 in Gelbgold und 20 in Roségold, verarbeitet wird laut Werte-Seite ausschliesslich massives 18-karätiges Gold. Preislich beginnt die Einstiegslinie PROMISE bei 990 Franken für einen schlichten Solitär, dazwischen liegen Modelle wie VICTORIA ab 7'500 Franken oder der Solitär AURORA ab 8'800 Franken, und am oberen Ende steht ein historisch geschliffener Diamantring als Einzelstück für 16'800 Franken. Die Signature-Linie mit Constellation- oder Halo-Fassung wird durchgehend nur auf Anfrage bepreist. Diamanten sind laut Seite GIA-zertifiziert und konfliktfrei, das Gold stamme aus nachhaltiger Gewinnung, wobei die Seite selbst dazuschreibt, dafür direkt mit Diamantschleifern und Minen zusammenzuarbeiten, statt einen unabhängigen Herkunftsnachweis zu verlinken.

Ein Haus ohne Lehrjahre am Ort, dafür mit klarem Ablauf

Im Vergleich zu den alteingesessenen Goldschmieden im Quartier, die oft seit Jahrzehnten an derselben Adresse sitzen und deren Chefin oder Chef die eigene Lehre vor Ort absolviert hat, kann Giselle mit keiner dieser Geschichten dienen, und die Seite versucht es auch gar nicht erst. Wo ein Betrieb sich über Standortdauer und Werkbank verkauft, verkauft sich Giselle über den Entwurfsprozess und die Person dahinter. Geöffnet ist dienstags bis samstags, am längsten donnerstags bis 19.30 Uhr, montags und sonntags bleibt der Laden zu, was für ein spontanes Vorbeischauen nach Feierabend am Montag ungünstig ist, für einen geplanten Beratungstermin aber keine Rolle spielt. Zu Garantie-, Reparatur- oder Rückgabefristen nennt die Seite keine konkreten Zahlen, nur die Empfehlung, Schmuck einmal jährlich professionell reinigen zu lassen und bei Gold auf Bleichmittel zu verzichten. Wer verbindliche Gewährleistungsfristen schriftlich will, muss danach im Beratungsgespräch fragen.

Fazit

Für ein Paar, das sich in den Entwurf seines Rings einbringen will, sich Zeit für den Prozess nimmt und mit einem jungen statt einem traditionsreichen Haus gut leben kann, ist Giselle eine der konkreteren Adressen im Quartier abseits der Bahnhofstrasse. Wer dagegen genau die Geschichte sucht, die eine über Generationen geführte Werkstatt bietet, findet die eher bei einem der älteren Nachbarn in dieser Liste. Der eigentliche Wermutstropfen ist die fehlende Transparenz bei Garantie- und Rückgabefragen, die sich mit einem Anruf klären lässt, bevor man einen Termin bucht.

Altro in Goldschmiede in den Kreisen 2 bis 6

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