Schuler Auktionen
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Schuler Auktionen sitzt seit 1984 an der Seestrasse 341 in Zürich-Wollishofen, ein paar hundert Meter vom See entfernt und weit weg vom Trubel der Bahnhofstrasse. Wer hier einen Ring ersteigert, kauft nicht über den Ladentisch, sondern im Saal, und die Website beschreibt das Haus selbst als familiengeführtes Schweizer Auktionshaus. Die Zahlen dahinter stützen das. Gegründet hat es Philippe Schuler, aufgewachsen teilweise in Ägypten, zur Schule gegangen in der Schweiz. Sein Weg ins Fach begann 1975 bei den UTO-Auktionen unter Edgar Mannheimer, führte 1977 weiter zu Koller in Tiefenbrunnen, wo er das Handwerk des Auktionators lernte und danach eine Niederlassung in St. Gallen leitete, bevor er 1984 sein eigenes Haus gründete, damals mit zwei Angestellten. Heute steht mit Antoine Schuler wieder ein Träger desselben Namens am Rednerpult, als Auktionator und für die Akquisition zuständig, während Philippe Schuler im Verwaltungsrat sitzt. Zwischen der Gründung und heute liegen 42 Jahre am selben Standort.
Das Sortiment reicht weit über Schmuck hinaus: Schuler führt 18 Fachabteilungen, von Möbeln, Spiegeln und Kronleuchtern über Asiatika, historische Waffen und Schweizer Kunst bis zu Silber, Teppichen und Wein. Für ein Verlobungsringpaar zählt vor allem eine Abteilung, Schmuck sowie Arm- und Taschenuhren, betreut unter anderem von Giuseppina Campigotto und Mirjam Patscheider.
Was im Schmucksaal auf den Tisch kommt
Der Katalog der letzten Auktion, Nummer 181 im Juni 2026, zeigt, wonach ein Ringkäufer hier suchen würde: Farbstein- und Brillantringe aus der Art-déco-Zeit, jeweils mit eigener Losnummer, Schätzpreis und, nach dem Zuschlag, dem tatsächlich bezahlten Preis. Ein Art-déco-Diamantring ging mit einer Schätzung von CHF 18'000 bis 28'000 in die Auktion, ein seltener Ceylon-Saphirring mit CHF 15'000 bis 20'000, ein Rubin-Brillant-Ring mit CHF 14'000 bis 20'000. Das sind keine Einzelstücke am Katalogende, sondern ein durchgehendes Angebot über mehrere Losnummern in derselben Auktion, dazwischen liegen Armbanduhren von Jaeger-LeCoultre und Vulcain aus derselben Epoche.
Namen wie Van Cleef & Arpels oder Boucheron liessen sich dabei weder im aktuellen Katalog noch auf der Geschichtsseite des Hauses finden, so oft das im Zusammenhang mit Schuler auch kursiert. Wer gezielt einen signierten Ring dieser beiden Häuser sucht, fragt vor der Anreise besser direkt beim Schmuckteam nach, ob gerade ein solches Stück eingeliefert wurde, statt sich auf eine feste Sammlung zu verlassen. Cartier dagegen taucht im Verkaufsprotokoll tatsächlich auf, wenn auch nicht als Ring: In der Juni-Auktion 2026 wechselte eine Cartier-Bergkristalldose im Art-déco-Stil für CHF 15'000 den Besitzer, und eine seltene Cartier-Pharao-Brosche übertraf ihre Schätzung von CHF 10'000 bis 20'000 deutlich und ging für CHF 32'000 weg, gut 60 Prozent über dem oberen Schätzwert. Eine Jade-Gold-Schale mit Diamanten von Alexandre Reza brachte CHF 9'000. Das zeigt, auf welchem Niveau die Abteilung mitspielt, auch wenn es in diesem Fall keine Ringe der drei ursprünglich genannten Marken waren.
Wie eine Auktion bei Schuler abläuft
Der Rhythmus ist der eines Auktionshauses, nicht der eines Ladens mit Schaufenster. Für die Septemberauktion 2026 endete die Einlieferungsfrist am 31. Juli, der Online-Katalog ging ab dem 30. August live, die Besichtigung lief vom 3. bis 7. September jeweils von 11:00 bis 18:00 Uhr, und die eigentliche Auktion vom 9. bis 15. September. Wer einen Ring ersteigern will, sieht ihn vorher im Original an, nicht nur auf dem Katalogfoto, und bietet dann gegen andere Interessenten, statt zu einem festen Preis zu bestellen. Wer nicht selber im Saal sitzen will, kann laut Website auch online live mitbieten. Ausserhalb der Auktionswochen sind die Büros an der Seestrasse montags bis freitags von 09:00 bis 12:00 und von 13:00 bis 17:00 Uhr erreichbar, telefonisch unter +41 43 399 70 10.
Das Haus hat sich über die Jahre auch über den Kanton Zürich hinaus ausgebreitet, mit Expertentagen in Basel, Luzern und im Tessin und einer eigenen Vertretung für die Westschweiz in Genf. Wer in Winterthur oder Baden wohnt, muss für die Besichtigung trotzdem nach Wollishofen fahren, aber das ist näher als eine Auktion in Genf oder ein Kauf im Ausland, und man sieht den Ring vor dem Kauf, was bei einem Fernkauf selten der Fall ist.
Im Vergleich zum Kauf an der Bahnhofstrasse
Ein Auktionskauf funktioniert anders als ein Ladenkauf. Es gibt keinen Fixpreis und keine Garantie, dass an einem bestimmten Tag überhaupt ein passender Ring zur Auswahl steht, weil das Angebot davon abhängt, was gerade eingeliefert wurde. Was es dafür gibt, ist Preistransparenz im Nachhinein: Schätzpreis und Zuschlagspreis werden beide veröffentlicht, wie die Cartier-Brosche zeigt, die weit über ihre Schätzung hinausging. Das kann auch umgekehrt laufen, ein Los unter der Schätzung verkauft sich ebenso. Zu Garantie- oder Rückgaberecht macht die Website keine konkreten Angaben über die allgemeinen Auktionsbedingungen hinaus, die als PDF zum Herunterladen bereitstehen. Wer das genau wissen will, liest sie vor dem Bieten, statt sich auf eine Zusicherung zu verlassen, die so nirgends steht.
Für wen sich das lohnt
Schuler passt zu einem Zürcher Paar, das sich für die Herkunft und ein Stück Geschichte am Ring interessiert und bereit ist, für eine Besichtigung nach Wollishofen zu fahren und sich auf ein Bietgefecht statt auf einen Fixpreis einzulassen. Wer sofort einen Ring mitnehmen will, ist bei einem Laden an der Bahnhofstrasse oder einem Goldschmied mit eigener Werkstatt besser aufgehoben, denn bei Schuler bestimmt der Auktionskalender, was gerade verfügbar ist, nicht der eigene Zeitplan. Wer dagegen ohnehin stöbert und offen ist für das, was gerade eingeliefert wurde, findet hier eine der wenigen Adressen im Grossraum Zürich, an der ein Verlobungsring mit eigener Auktionsgeschichte und dokumentiertem Zuschlagspreis den Besitzer wechselt, oft für weniger, als ein vergleichbar altes Stück beim Juwelier kosten würde.
Fazit
42 Jahre am selben Standort, dieselbe Familie noch am Rednerpult, ein Schmuckteam mit zwei namentlich bekannten Spezialistinnen und ein öffentlich einsehbares Katalogarchiv machen Schuler zu einer soliden Adresse für alle, die einen Ring nicht neu, sondern mit Vergangenheit suchen. Der einzige Wermutstropfen betrifft die Erwartung an bestimmte Marken: Wer gezielt nach einem signierten Van-Cleef-&-Arpels- oder Boucheron-Ring sucht, findet in den öffentlich einsehbaren Katalogen keinen Beleg dafür, dass solche Stücke regelmässig durchs Haus gehen, auch wenn Cartier-Stücke nachweislich dabei waren. Ein kurzer Anruf beim Schmuckteam vor der Anreise klärt das schneller, als alte Kataloge durchzublättern, und ändert nichts daran, dass die Abteilung selbst, mit ihren Art-déco-Ringen in Diamant, Saphir und Rubin, für sich spricht.