Luxusbörse Zürich

Zürich · depuis 2009

Touchez une étoile pour noter

Wer in Zürich einen gebrauchten Solitärring mit Vorgeschichte sucht, muss nicht an die Bahnhofstrasse. Die Luxusbörse Zürich, ein Angebot der Goldzentrale GmbH, handelt seit 2009 mit gebrauchtem Gold, Uhren, Schmuck und Taschen und sitzt dafür bewusst abseits der Vitrinenmeile: am Lindenplatz 5, 8048 Zürich, im Quartier Altstetten, am Ende eines Durchgangs beim Hotel Spirgarten. Das Geschäft nennt sich selbst ein Schweizer Familienunternehmen und ist seit 2023 im Besitz der eidgenössischen Edelmetallhandelsbewilligung, die den gewerblichen An- und Verkauf von Gold, Silber, Platin und Palladium regelt. Zusätzlich ist die Firma Mitglied beim Verband Schweizer Goldschmiede und Uhrmacher, Sektion Zürich.

Für alle, die einen Verlobungs- oder Trauring mit Geschichte suchen statt einen neu gefertigten, liegt der eigentliche Reiz im wechselnden Lager an Solitär-Brillant-Ringen. Die Auswahl dreht laufend, weil jedes Stück ein Einzelstück ist und sobald ein Preis feststeht mit dem Vermerk "Zwischenverkauf vorbehalten" versehen wird, also bis zum Verkauf an Ort gezeigt, aber nicht reserviert bleibt. Ein Ring in 18-Karat-Weissgold mit einem Brillanten von 1.026 ct in Reinheit Si1 und Farbe G, mit GGTL-Zertifikat, stand zuletzt für 3'900 Franken im Sortiment. Ein Stück in Rosegold mit einem 1.0-ct-Stein in Reinheit VVS2 und Farbe I, mit SSEF-Zertifikat, war für 9'900 Franken gelistet. Am oberen Ende der Spanne fand sich ein Tiffany & Co. True Solitär Ring mit einem 1.54-ct-Kissenschliff-Diamanten in Reinheit VS1 und der seltenen Farbe Fancy Yellow, unbehandelt, für 21'900 Franken. Am unteren Ende steht ein schlichter Cartier Trinity Ring für 1'290 Franken, kein Solitär, aber ein Beleg dafür, wie breit das Sortiment tatsächlich gefächert ist, von Alltagsschmuck bis zum Diamantring.

Dokumentation ist Verhandlungssache

Die Kategorie hier bewertet nach Dokumentation, und genau darin unterscheiden sich die Ringe der Luxusbörse Zürich stark voneinander. Ein Brillantring mit 0.84 ct in Reinheit G und Farbe IF kam mit GIA-Zertifikat und kostete 9'500 Franken, klar nachvollziehbar in Qualität und Herkunft. Andere Solitärringe im selben Sortiment, etwa ein 1.2-ct-Stein in Gelbgold oder ein 0.96-ct-Stein in Weissgold, sind schlicht mit "Zubehör: keines" ausgezeichnet. Das heisst nicht, dass der Stein schlechter wäre, aber es heisst, dass ein Zertifikat eben nicht automatisch mitkommt. Wer kauft, sollte für das konkrete Stück gezielt nachfragen, ob eine gemmologische Bestätigung vorliegt, statt sich auf die Fotoqualität zu verlassen. Das deckt sich mit der eigenen Aussage der Luxusbörse, wonach für die Beurteilung von Farbsteinen eine gemmologische Ausbildung nötig sei und ein Zertifikat von SSEF, Gübelin oder GIA das Beste sei, was ein Verkäufer mitbringen kann.

Wie der Ankauf funktioniert

Wer selbst einen alten Ring, Goldschmuck oder eine Uhr verkaufen will, findet auf der Seite eine ungewöhnlich ausführliche Erklärung des Ablaufs. Voraussetzung ist ein gültiger amtlicher Ausweis, Schweizer Wohnsitz und ein Mindestalter von 20 Jahren, ausser in Begleitung eines Erziehungsberechtigten. Objekte werden zunächst mit einer Lupe auf Echtheit geprüft, danach folgt bei Bedarf eine Strichprobe mit Königswasser sowie eine Magnetwaage, um Fälschungen aus Wolfram oder Nickel auszuschliessen. Der Altgoldpreis orientiert sich am Tageskurs, wobei laut eigener Angabe in der Regel mindestens 25 Prozent abgezogen werden, weil Schmuckgold in der Schweiz meist aus 18 Karat, also 75 Prozent Feingold, besteht, dazu kommen Schmelzverlust und weitere Kosten. Die Auszahlung erfolgt bar bis zu einem Betrag von 15'000 Franken, bei höheren Summen oder auf Wunsch per Banküberweisung, üblicherweise mit Gutschrift am nächsten Werktag. Wer nicht persönlich vorbeikommen kann, darf Altgold ab 20 Gramm auch per eingeschriebenem und versichertem Paket zusenden, gegen Überweisung des akzeptierten Betrags. Über jeden Ankauf wird ein Beleg mit Gewicht und Legierung ausgestellt, was bei einer Nachlassregelung oder für die eigene Buchhaltung nützlich ist. Die Firma erwähnt zudem, dass sie diverse Notariate sowie Betreibungs- und Grundbuchämter bei Schätzungen und Verwertungen von Uhren und Schmuck unterstützt, ein Hinweis darauf, dass die Bewertungen auch ausserhalb des eigenen Ladengeschäfts anerkannt werden.

Lage und Erreichbarkeit

Wer aus der Innenstadt kommt, nimmt am einfachsten das Tram Nr. 2 bis zur Haltestelle Lindenplatz und geht von dort rund 30 Meter am Hotel Spirgarten vorbei bis ans Ende des Durchgangs. Aus der Agglomeration erreicht man den Laden mit der S-Bahn bis Zürich Altstetten und weiter mit dem Bus Nr. 80 in Richtung Triemlispital, ebenfalls bis Lindenplatz. Für Autofahrende gibt es ein eigenes kleines Parkhaus wenige Meter vom Geschäft entfernt. Diese Lage abseits der Bahnhofstrasse-Häuser wirkt auf den ersten Blick unscheinbar, sie erklärt aber auch, warum die Fixkosten und damit die Preise anders kalkuliert werden können als in einer Vitrine mitten in der Innenstadt. Wer nach einem Secondhand-Ring stöbert, sitzt hier meist an einem Tisch mit dem eigenen Team und nicht in einer belebten Filiale.

Team und ein ehrlicher Vorbehalt

Im Haus arbeiten nach eigenen Angaben zwei diplomierte Gemmologen sowie ein eigener Uhrmacher, für Reparaturen und Grössenänderungen an Fassungen wird zusätzlich ein externer Goldschmied beigezogen. Die Mitgliedschaft beim Verband Schweizer Goldschmiede und Uhrmacher, Sektion Zürich, ist aktiv. Die eigene Über-uns-Seite vermerkt allerdings, dass die Mitgliedschaft beim Schweizerischen Gemmologischen Institut SSEF derzeit pausiert, ein Detail, das man vor dem Kauf ruhig direkt nachfragen darf, wenn ein SSEF-Gutachten für die Kaufentscheidung wichtig ist. Ein zweiter kleiner Vorbehalt betrifft die Öffnungszeiten: Die Kontaktseite verlangt für Dienstag bis Samstag durchgehend eine Terminvereinbarung, während auf der Ankaufsseite steht, dass spontane Besuche ohne Termin aktuell möglich seien. Wer zum ersten Mal vorbeigehen will, ruft am besten kurz an, das kostet nichts und erspart einen vergeblichen Weg. Die eigene Bezeichnung als "Testsieger" in einem Goldankauf-Test eines Schweizer Konsumentenmagazins ist eine Eigenangabe der Firma und liess sich unabhängig nicht nachprüfen, was den Auszahlungsprozess selbst aber nicht weniger nachvollziehbar macht.

Für wen sich das lohnt

Die Luxusbörse Zürich passt zu zwei sehr unterschiedlichen Anliegen, die sich in der Praxis oft überschneiden. Zum einen zu Paaren, die einen gebrauchten Solitärring mit Zertifikat und nachvollziehbarem Preis pro Karat suchen, ohne sich auf einen Neupreis an der Bahnhofstrasse einzulassen, und die bereit sind, für ein bestimmtes Stück gezielt nach den Papieren zu fragen. Zum anderen zu allen, die vor einem Neukauf zuerst einen alten Ring, Erbstücke oder Altgold verkaufen möchten, etwa um das Budget für den neuen Ring aufzustocken, und dabei einen geregelten Ablauf mit Ausweispflicht, Beleg und klar kommunizierter Auszahlungsgrenze schätzen. Verkauft wird zusätzlich über die eigene Präsenz auf der Auktionsplattform Ricardo und über Instagram, was für Interessierte eine zweite Möglichkeit bietet, das aktuelle Angebot zu verfolgen, auch wenn der eigentliche Handel im Laden in Altstetten stattfindet. Unterm Strich ist das ein Händler, der die Vitrine an der Bahnhofstrasse bewusst meidet, dafür mit einer klar beschriebenen Handelsbewilligung, einem nachvollziehbaren Prüfverfahren und einem breiten, wenn auch unterschiedlich gut dokumentierten Ringsortiment auftritt.

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