Niessing
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Storchengasse 21 liegt nicht direkt an der Bahnhofstrasse, sondern einen kurzen Fussweg davon entfernt in der Zürcher Altstadt, an der Gasse, die vom Münsterhof zum Weinplatz führt. In diesem Gebäude, das Niessing auf der eigenen Seite als im 13. Jahrhundert erbaut beschreibt, betreibt die Marke einen eigenen, so benannten Niessing Store, Teil des europaweiten Netzes Niessing Stores Europe. Ob dieser konkrete Standort direkt von Niessing selbst oder von einem lokalen Partnerjuwelier unter der Marke geführt wird, lässt die Website offen: Die automatische Bestätigung nach einer Terminanfrage spricht generisch vom Niessing Partnerjuwelier / Niessing Store, ohne für Zürich eine der beiden Varianten festzulegen. Wer die Adresse zum ersten Mal sucht, findet damit kein Zürcher Traditionshaus mit eigener Werkstatt vor Ort, sondern die Zürcher Anlaufstelle einer deutschen Manufaktur, die Design und Fertigung anderswo hat und in der Altstadt vor allem berät, anprobiert und bestellt.
Das Sortiment im Store deckt mehrere Bereiche ab: Verlobungsringe, Trauringe, die namensgebenden Spannringe sowie ergänzend Schmuck und Uhren. Bei den Verlobungsringen zeigt die Website mehrere Solitär-Linien, darunter Amatis, Princess, Art Déco, Woven Love, Lily, Stella und Lotus, jede mit einem eigenen Fassungsstil für den Mittelstein. Bei den Trauringen setzt Niessing auf einen Konfigurator statt auf ein starres Sortiment: Paare wählen aus 12 sogenannten Niessing Colors, dazu Oberflächenstruktur, Gravur sowie Art und Anzahl der eingesetzten Brillanten, und stellen sich den Ring damit selbst zusammen, statt eines von wenigen fertigen Modellen zu übernehmen. Die Spannringe wiederum kommen in mehreren benannten Serien wie Spannring Heaven, Lucia, Verlauf, Antares, Rund, Oval, HighEnd, Ära, Bauhaus und Everest, die sich vor allem in der äusseren Form und der Fassung des Steins unterscheiden.
Der Spannring: eine andere Art, einen Stein zu fassen
Der Spannring ist der Grund, warum Niessing in dieser Kategorie eine eigene Erwähnung verdient, statt einfach als eine weitere Solitär-Adresse mitzulaufen. Anders als ein klassischer Ring mit Krappen hält der Spannring seinen Stein laut der deutschsprachigen Wikipedia allein durch die Eigenspannung des Metalls: Der Diamant sitzt in speziell gefrästen Vertiefungen an beiden Enden des Rings und wird dort eingeklemmt, ganz ohne zusätzliche Fassung darüber. Platin und Gold eignen sich dafür besonders gut, weil sie sich kalt verformen lassen und dabei genug Spannung aufbauen, um den Stein sicher zu halten, während sie ihm gleichzeitig eine anschmiegsame Fassung geben. Der sichtbare Effekt: Der Stein wirkt rundum frei und lässt sich von der Seite betrachten, ohne dass ein Krappen die Sicht versperrt.
Erfunden hat das Prinzip der Bildhauer Walter Wittek im Sommer 1979, ursprünglich als Idee für eine grössere Skulptur, bei der sich ein Ring und eine Glasscheibe gegenseitig in Spannung halten sollten. Aus diesem skulpturalen Gedanken wurde der Niessing Spannring, der bis heute als eigenständiges Designelement der Marke gilt und nicht bloss als eine von vielen Fassungsarten unter anderen. Für ein Zürcher Paar heisst das: Wer sich hier umsieht, kauft kein weiteres Solitärdesign mit sichtbaren Krappen, wie es die meisten anderen Maisons an der Bahnhofstrasse zeigen, sondern etwas, das optisch klar anders aussieht und eine eigene, nachprüfbare Geschichte hat.
Die Firmengeschichte dahinter ist deutsch, nicht schweizerisch, und sie ist eine andere Geschichte als die des Gebäudes an der Storchengasse. 1873 gründete Hermann Niessing die Schmuckwerkstatt nahe der deutsch-niederländischen Grenze in Vreden, wo das Unternehmen bis heute seinen Stammsitz hat und, nach eigener Angabe, mit 150 Jahren Erfahrung wirbt. Die Designabteilung sitzt laut Website in Düsseldorf, in Zusammenarbeit mit der Manufaktur in Vreden. Der Zürcher Store zeigt und berät also ein Produkt, dessen Werkstatt und Goldschmiede nicht am Ort sind. Wer ausdrücklich einen Ring sucht, der auch dort entsteht, wo die Goldschmiedin ihre Lehre gemacht hat und am selben Ort weiterarbeitet, findet diese Erzählung eher bei den Bahnhofstrasse-Häusern mit eigener Werkstatt oder den Altstadt-Ateliers dieser Kategorie, nicht bei Niessing.
Beratung und Service vor Ort
Der Store funktioniert wie die meisten Niessing-Filialen im europäischen Netz: Termine lassen sich über ein Online-Formular auf der Standortseite direkt für die Storchengasse anfragen, mit Angabe von Datum, Uhrzeit und einem kurzen Anliegen. Laut Website meldet sich anschliessend der Store, um den Termin zu bestätigen. Ohne Termin ist der Laden nach den auf der Seite genannten Öffnungszeiten von Montag bis Freitag von 09:30 bis 18:30 Uhr sowie samstags von 09:30 bis 17:30 Uhr geöffnet, sonntags bleibt er geschlossen. Kontakt läuft über die Telefonnummer +41 44 210 49 05 sowie die Adresse zuerich@niessing.com, unterschrieben auf der Seite von der Storeleiterin Daniela Langhoff-Wesley und ihrem Team.
Neben dem reinen Verkauf bietet der Store nach eigener Beschreibung individuelle Handgravuren für Ringe an, dazu einen sogenannten Auffrisch-Service, bei dem bereits gekaufte Schmuckstücke gereinigt und poliert werden, um wieder wie neu auszusehen. Wer altes Gold, Zahngold oder Schmuck anderer Hersteller loswerden will, kann es laut Website direkt im Store in Zahlung geben, mit einem individuellen Angebot vor Ort statt einem pauschalen Ankaufspreis. Einen virtuellen Rundgang durch die Manufaktur in Vreden bietet die Website ebenfalls, für alle, die sich die Fertigung ansehen wollen, ohne selbst dorthin zu reisen. Konkrete Preise für Ringe, Fassungen oder Dienstleistungen nennt die Seite an keiner Stelle, ebenso wenig eine Garantiedauer über die gesetzliche Gewährleistung hinaus. Wer das wissen will, muss im Store oder über das Terminformular direkt nachfragen.
Im Vergleich zu anderen Häusern der Kategorie
Innerhalb dieser Kategorie konkurriert Niessing weniger mit einem Zürcher Traditionshaus als mit den anderen internationalen Maisons an oder nahe der Bahnhofstrasse. Der Unterschied liegt im Design-Ansatz: Wo die meisten dieser Häuser Solitärfassungen mit sichtbaren Krappen zeigen, bietet Niessing mit dem Spannring eine physikalisch andere Lösung, die es sonst in dieser Kategorie nicht gibt. Das ist ein Argument für Paare, die bewusst etwas Ungewöhnliches suchen, zugleich aber auch eine Einschränkung: Wer klassische Krappenfassungen bevorzugt, findet bei Niessing zwar auch klassischere Solitär-Linien wie Amatis oder Princess, das eigentliche Markenzeichen des Hauses liegt aber woanders. Gegenüber den Zürcher Häusern mit eigener Werkstatt fehlt Niessing die lokale Fertigungsgeschichte, dafür bringt die Marke ein europaweit einheitliches, seit 1873 gewachsenes Design mit, das sich auch ausserhalb der Schweiz wiederfindet, etwa wenn eine spätere Anpassung oder Reparatur an einem anderen Niessing-Standort in Europa nötig wird.
Für wen sich der Store eignet, und Fazit
Am besten passt die Storchengasse 21 zu einem Paar, das den Spannring bereits kennt oder zumindest neugierig darauf ist, einen Diamanten ohne sichtbare Krappen zu tragen, und das den Ring lieber vor Ort in der Altstadt anprobiert, statt ihn allein online zu bestellen. Ebenso passt sie zu Paaren, die sich beim Trauring lieber selbst durch einen Konfigurator mit 12 Farbtönen arbeiten, als eines von wenigen festen Modellen zu übernehmen, und die einen späteren Auffrisch- oder Gravurservice direkt im Store schätzen. Wer dagegen unbedingt eine Zürcher Werkstattgeschichte mit einer vor Ort ausgebildeten Goldschmiedin sucht oder vorab eine Preisvorstellung online sehen will, findet beides hier nicht und sollte entweder direkt im Store nachfragen oder eine der einheimischen Alternativen dieser Kategorie prüfen.
Insgesamt ist die Storchengasse 21 eine der spezifischeren Adressen dieser Kategorie: kein weiteres Krappen-Solitär-Sortiment, sondern eine seit 1979 gewachsene, eigenständige Fassungstechnik, dazu ein alltagstauglicher Trauring-Konfigurator und ein persönlicher Store mitten in der Altstadt statt eines anonymen Schaufensters an der Haupteinkaufsmeile. Der ehrliche Wermutstropfen bleibt, dass weder ein Preis noch eine Garantiedauer auf der Seite steht, dass die eigentliche Werkstatt in Vreden liegt statt in Zürich, und dass selbst die Website offenlässt, ob der Store direkt von Niessing oder von einem Partnerjuwelier geführt wird. Für ein Paar, das genau diesen Kompromiss eingeht und die Fassung ohnehin am Finger sehen will, bleibt der Store an der Storchengasse trotzdem einen Termin wert.