Buccellati
Touchez une étoile pour noter
Buccellati eröffnete seine erste Schweizer Boutique erst Ende 2023, an der Bahnhofstrasse 25 in Zürich, mitten im Abschnitt mit der höchsten Dichte an internationalen Schmuckhäusern im Land. Wer die Strasse seit Jahren kennt, sollte sich davon nicht täuschen lassen: Anders als bei einem Zürcher Traditionshaus steht hinter der neuen Ladenfront keine hiesige Firmengeschichte, sondern eine 1919 in Mailand gegründete Goldschmiede-Maison, die erst seit Kurzem eine eigene Adresse in der Stadt hat. Unter derselben Hausnummer 25 liegt übrigens auch die Bulgari-Boutique, zwei internationale Namen teilen sich hier denselben Häuserblock, was an dieser Strasse öfter vorkommt, als man beim ersten Suchen annimmt.
Betrieben wird die Buccellati-Boutique nicht von der Maison selbst, sondern von Zett Meyer, einem Zürcher Familienunternehmen mit eigenen Wurzeln seit 1935. Zett Meyer vertritt in der Stadt neben Buccellati auch weitere internationale Namen wie Van Cleef & Arpels, Pomellato, Breitling und Chloé, jeden in einer eigenen Boutique. Der Hauptsitz des Familienbetriebs liegt an der Kappelergasse 16, ein paar Gehminuten von der Bahnhofstrasse entfernt. Für ein Zürcher Paar ist das ein Unterschied, der zählt: Der Markenname an der Scheibe ist neu in der Stadt, der Betrieb dahinter kennt die Bahnhofstrasse deutlich länger.
Die Maison hinter dem Namen
Mario Buccellati gründete das Haus 1919 in Mailand. Geboren wurde er am 29. April 1891 in Ancona. Nach seinem Tod führten zunächst seine Söhne Gianmaria, Lorenzo und Federico das Erbe weiter, danach sein Enkel Andrea Buccellati; seiner Tochter Maria Cristina wird die Inspiration für die Kollektion Macri zugeschrieben, und heute steht mit Lucrezia die vierte Generation für die Marke. Seit 2019 gehört Buccellati zum Luxuskonzern Richemont, der von Bellevue bei Genf aus unter anderem auch Cartier, Van Cleef & Arpels und Vacheron Constantin führt, drei Namen, die man ein paar Schritte weiter an derselben Strasse wiederfindet. Richemont selbst wurde 1988 vom südafrikanischen Unternehmer Johann Rupert gegründet und war im August 2025 nach Marktkapitalisierung das viertgrösste Unternehmen im Swiss Market Index, ein Massstab dafür, wie viel Schweizer Kapital inzwischen hinter dem italienischen Namen steht. Auf der eigenen Website bezeichnet sich das Haus als "Prince of Goldsmiths" und stellt seine Produktion ausdrücklich unter das Label "Made in Italy", die Fassungen entstehen also nicht in der Zürcher Boutique.
Was heraussticht: die Gravurtechnik
Der Kern des Angebots liegt bei den Signature-Linien Macri und Opera. Macri baut auf der sogenannten Rigato-Gravur auf, einer von Hand gezogenen Wellenstruktur im Gold, ergänzt um kleine, sternförmig gefasste Diamant-Rosetten und glänzende Goldperlen, die den Kontrast zwischen mattem Gold und funkelndem Stein betonen. Opera stellt stattdessen das eigene Logo-Element in den Mittelpunkt und kombiniert es in der Unterlinie Opera Tulle mit einer durchbrochenen Gitterstruktur: Ein Handwerker feilt jedes einzelne Loch im Gold nach eigener Beschreibung des Hauses bis zu 5-mal von Hand nach, bevor die sechseckigen, wabenartigen Zellen entstehen, die der eigenständigen Linie Tulle ihren Namen geben. Beide Techniken gehören zu einer Familie von vier überlieferten Gravurarten, rigato, telato, ornato und segrinato, mit denen Mario Buccellati einst textile Muster auf Gold und Silber übertrug, eine Handschrift, die sich so bei keinem anderen Haus an dieser Strasse findet.
Verlobungsringe: Bridal statt nur Macri und Opera
Verlobungsringe selbst führt Buccellati nicht unter Macri oder Opera, sondern in einer eigenen Bridal-Linie namens Romanza, ergänzt um weitere, ausschliesslich für Verlobung und Hochzeit gedachte Linien wie Ghirlanda, Fedi, Titania oder Giulietta. Die Fassungen gibt es unter anderem in Weissgold, in Kombinationen aus Gelb- und Weissgold sowie in Platin, meist mit einem Diamanten als Mittelstein, teils auch mit blauen oder rosafarbenen Saphiren oder mit Tsavoriten, dazu gibt es schlichtere, steinlose Varianten für Trauringe. Wer den charakteristischen Rigato-Look von Macri oder das Logo-Motiv von Opera auch an der Hand tragen will, findet ihn vor allem in Schmuckstücken ausserhalb der eigentlichen Verlobungsringe: Die Website führt Bridal und die Icon-Linien als getrennte Kategorien, ein Übergang zwischen beiden ist auf der Seite nicht vorgesehen.
Die Boutique an der Bahnhofstrasse
Die Boutique an der Bahnhofstrasse 25, 8001 Zürich, hat laut eigener Standortseite von Montag bis Freitag von 10 bis 18.30 Uhr geöffnet, samstags von 10 bis 17 Uhr, sonntags bleibt sie geschlossen. Kontakt läuft über die Adresse buccellati@zett-meyer.ch, also direkt über den Betreiber und nicht über eine zentrale Buccellati-Nummer. Eine eigene Werkstatt-Erzählung für den Standort selbst gibt es nicht: Die Fassungen entstehen, wie erwähnt, in Italien, nicht am Bankschalter an der Bahnhofstrasse. Wer eine Zürcher Goldschmiedin sucht, die ihre eigene Lehre gemacht hat und die Fassung selbst an der eigenen Werkbank anfertigt, findet das eher in der Altstadt oder bei den Häusern mit eigener Werkstatt an anderer Stelle dieser Kategorie-Übersicht, nicht hier.
Zu Preisen für den Schweizer Markt macht die Website keine Angabe. Auf der amerikanischen Version der Seite stehen zwar Beträge zu einzelnen Linien, die aber nichts über die Preise in der Zürcher Boutique aussagen, andere Märkte, andere Kalkulation. Ebenso wenig veröffentlicht das Haus Angaben zu Garantie- oder Nachbearbeitungsleistungen für die Schweiz. Wer das wissen will, muss vor Ort oder telefonisch bei Zett Meyer nachfragen, das ist bei praktisch jeder internationalen Maison an dieser Strasse so.
Wie sich das einordnet
Der Sinn dieser Kategorie ist nicht, das nächste Zürcher Traditionshaus zu finden, sondern ein weltweit erkennbares Design vor Ort zu sehen und anzuprobieren, bevor man es kauft. Genau das bietet Buccellati: eine der ältesten italienischen Schmuckmaisons, seit Ende 2023 mit einer eigenen Adresse an der Bahnhofstrasse, betrieben von einem Zürcher Familienunternehmen, das die Strasse seit 1935 kennt. Wer stattdessen eine der anderen internationalen Maisons an derselben Strasse in Betracht zieht, findet in Gehdistanz unter anderem Cartier, Van Cleef & Arpels, Tiffany, Graff und Boucheron, dazu ein gutes Dutzend weiterer globaler Namen, jeder mit einer eigenen Formensprache. Wer dagegen eine gewachsene Zürcher Werkstattgeschichte mit eigener Lehre vor Ort sucht, ist bei den Bahnhofstrasse-Häusern mit eigener Werkstatt oder in den Altstadt-Ateliers an anderer Stelle dieser Seite besser aufgehoben.
Fazit
Ein Haus mit mehr als einem Jahrhundert Gravurtradition aus Mailand, seit Ende 2023 mit der ersten eigenen Schweizer Boutique an bester Lage, geführt von einem Zürcher Familienbetrieb, der die Bahnhofstrasse seit 1935 kennt. Der Wermutstropfen: keine eigene Werkstatt vor Ort und keine veröffentlichten Preise oder Garantiebedingungen für den Schweizer Markt, wer das wissen will, muss selbst hingehen und fragen. Wer den unverwechselbaren Rigato- oder Tulle-Look von Buccellati will und ihn lieber am eigenen Finger sieht als nur im Katalog, ist an der Bahnhofstrasse 25 richtig.