Pomellato

Augustinergasse 48, Zürich · established 1967

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Pomellato führt seine Zürcher Boutique nicht an der Bahnhofstrasse selbst, sondern eine Gasse weiter, an der Augustinergasse 48, im Haus zum Blauen Störchli. Wer von der Bahnhofstrasse her kommt, biegt kurz vor dem Fraumünster in die schmale Altstadtgasse ein und steht dann vor einem der wenigen Häuser in diesem Quartier, das für italienischen statt für Genfer oder Pariser Schmuck steht.

Die Marke wurde 1967 in Mailand von Pino Rabolini gegründet, mit einer für die Zeit ungewöhnlichen Idee: Schmuck als Prêt-à-porter zu verstehen, als etwas, das man im Alltag trägt statt nur zu besonderen Anlässen aus dem Safe zu holen. Das unterscheidet Pomellato bis heute von den Diamant-Solitär-Häusern eine Ecke weiter an der Bahnhofstrasse. Statt auf den einen grossen, farblosen Stein zu setzen, arbeitet Pomellato mit Farbe: runde, weich wirkende Fassungen und unregelmässig gesetzte Steine in unterschiedlichen Grössen und Tönen statt der symmetrischen Diamantreihen der Nachbarschaft. Seit Juli 2013 gehört das Haus zum Kering-Konzern, seit Dezember 2015 führt Sabina Belli die Geschäfte als CEO, künstlerischer Kopf ist seit 2004 Vincenzo Castaldo. 1995 gründete dasselbe Unternehmen mit Dodo eine zweite, jüngere Marke, benannt nach dem ausgestorbenen Vogel als Zeichen für Umweltschutz, ein Hinweis darauf, dass sich Pomellato selbst nicht nur als Schmuckhersteller versteht, sondern als Unternehmen mit einer erzählten Haltung. Weltweit unterhält Pomellato nach unabhängigen Angaben mehr als 30 Boutiquen, von Mailand über Paris und New York bis Hongkong, die Boutique an der Augustinergasse ist also eine von vielen und keine Sonderlösung nur für Zürich.

Was in der Boutique zu finden ist

Auf der eigenen Website ist das Sortiment klassisch nach Schmuckart aufgeteilt, Ringe, Halsketten und Anhänger, Armbänder, Ohrringe, quer dazu nach Kollektion. Allein im Hauptmenü tauchen Iconica, Together, Sabbia, Nudo, Catene, Pentagoni und Timeless auf, dazu eine Haute-Joaillerie-Linie namens Collezione 1967, benannt nach dem Gründungsjahr. Nudo gilt laut Markenbeschreibung als das Aushängeschild des Hauses, mit grossen, farbigen Steinen in den erwähnten runden Fassungen. Wer nach einem Verlobungsring sucht, der nicht aussieht wie die meisten Diamantringe in der Stadt, findet hier tatsächlich etwas anderes: farbige statt weisse Steine, eine rundliche statt eine spitz geschliffene Fassung. Für ein klassisches Verlobungsversprechen mit einem einzelnen, grossen weissen Diamanten ist Pomellato entsprechend nicht die erste Adresse, dafür für ein Paar, das sich bewusst gegen dieses Bild entscheidet.

Wer die Boutique betreibt

Die Boutique an der Augustinergasse ist ein Lizenzbetrieb: Sie gehört nicht Pomellato selbst, sondern wird von Zett Meyer geführt, einem Familienunternehmen, das nach eigenen Angaben seit 1935 Luxusboutiquen in der Zürcher Innenstadt betreibt, mit Sitz an der Kappelergasse 16. Zett Meyer führt in der Stadt fünf Marken: neben Pomellato auch Van Cleef & Arpels an der Bahnhofstrasse 37 (die Marke selbst besteht seit 1906), Buccellati an der Bahnhofstrasse 25 (die Marke selbst seit 1919), Breitling an der Bahnhofstrasse 70 und an einem zweiten Standort an der Seidengasse 1, sowie Chloé an der Bahnhofstrasse 11. Wann Zett Meyer welche dieser Marken erstmals nach Zürich holte, nennt die Betreiber-Website nicht, die Jahreszahlen dort sind durchgehend die Gründungsjahre der Marken, nicht der Zürcher Standorte. Für Zürcher Leserinnen und Leser ist das mehr als eine Randnotiz: Wer sich für die farbbetonte Pomellato-Welt interessiert, sich aber auch die Goldschmiedetradition von Buccellati anschauen möchte, braucht dafür nur wenige Gehminuten, denn hinter beiden Adressen steht dieselbe Betreiberfirma. Öffnungszeiten, Personal und wahrscheinlich auch ein Teil des Publikums überschneiden sich zwischen diesen Adressen, auch wenn jede Boutique unter dem Namen der jeweiligen Marke auftritt.

Preis, Termin und was die Website offenlässt

Wie bei den meisten internationalen Maisons in dieser Kategorie nennt auch die Pomellato-Website keinen einzigen Preis. Grössentabelle, Versand und Rücksendung, Verpackung, Pflege und Reparatur sowie Zahlungsmethoden sind zwar als eigene Seiten im Footer verlinkt, laden aber clientseitig nach, sodass sich die genauen Bedingungen nicht pauschal wiedergeben lassen, ohne die jeweilige Unterseite selbst im Browser zu öffnen. Konkret heisst das: Wer wissen will, was ein Nudo-Ring kostet oder wie eine Grössenänderung Jahre später abläuft, kommt um einen Anruf oder einen Boutiquebesuch nicht herum. Eine öffentlich nachlesbare Gewährleistungsfrist nennt die Seite nicht, ebenso wenig eine Lieferzeit, wer das wissen will, muss vor Ort oder per Kontaktformular fragen. Ein kleiner, ehrlicher Schönheitsfehler obendrauf: Beim Öffnen der Seite erscheint ein Land- und Cookie-Auswahldialog, der bei unserem Test statt eines Ländernamens den Platzhaltertext "undefined_state" anzeigte, sowohl auf der deutschen als auch auf der englischen Version der Seite. Das ist ein technischer Fehler ohne Aussage über den Schmuck selbst, fällt aber auf einer sonst aufwendig gestalteten Seite auf.

Vergleich und Einordnung

In derselben Kategorie stehen Cartier, Van Cleef & Arpels, Tiffany, Graff und Boucheron, alle mit derselben Logik: ein Design, das es weltweit identisch gibt, wichtig ist die Terminverfügbarkeit und ob die gewünschte Steingrösse vorrätig ist. Pomellato spielt dieses Spiel mit, weicht aber optisch am deutlichsten vom Rest ab, weil hier Farbe und nicht der farblose Diamant im Zentrum steht. Wer stattdessen ein Zürcher Haus mit eigener Werkstatt und langer Geschichte am selben Standort sucht, findet die Alternative eher bei den Bahnhofstrasse-Häusern oder den Altstadt-Ateliers, wo der Goldschmied am selben Ort sitzt wie der Verkaufstisch. Bei Pomellato liegt die Wertschöpfung in Mailand, in Zürich sitzt der Verkauf, nicht die Werkbank, was für die einen ein Nachteil ist und für andere schlicht keine Rolle spielt, solange der Ring passt und rechtzeitig da ist.

Für wen sich das lohnt

Pomellato eignet sich für ein Paar mit einer klaren Vorstellung, die nicht Diamant heisst. Wer die Nudo-Linie oder eine der Iconica-Fassungen bereits online gesehen hat und nur noch die Grösse anprobieren will, ist an der Augustinergasse richtig aufgehoben, ebenso wer die italienische, farbenfrohe Formensprache einer eher zurückhaltenden Genfer oder Pariser Ästhetik vorzieht. Wer dagegen ein Unikat vom Goldschmiedeplatz nebenan will, mit sichtbarer Werkstatt und einer über Generationen gewachsenen Geschichte am selben Standort, ist bei einem der Zürcher Häuser mit eigener Werkbank besser bedient. Wer unsicher ist, kann beides in derselben Altstadt vergleichen, die Wege sind kurz.

Fazit

Für die Suche nach einem Verlobungsring, der bewusst nicht wie ein Diamant-Solitär aussieht, ist Pomellato an der Augustinergasse eine der wenigen ernsthaften Adressen in der Innenstadt: Die Designidee stammt von 1967, und mit Zett Meyer steht ein Betreiber dahinter, der in Zürich schon seit 1935 im Luxusgeschäft ist und ein paar Gehminuten weiter mit Buccellati noch ein zweites, verwandtes Haus führt. Dass die Website weder Preise noch Garantiebedingungen nennt, ist in dieser Kategorie Standard und kein Grund, den Laden zu meiden. Der eigentliche Entscheid fällt ohnehin am Verkaufstisch, nicht am Bildschirm, und wer einmal dort war, weiss innert Minuten, ob einem die farbige Formensprache liegt oder nicht.

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