Bulgari
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Wer Bulgari vor allem von Handtaschen, Sonnenbrillen und der Serpenti-Schlange kennt, unterschätzt leicht, dass das Haus auch eigene, ernstzunehmende Verlobungsringlinien führt. An der Bahnhofstrasse 25 in Zürich lässt sich das im Original ansehen, nicht nur als Produktfoto auf einem Bildschirm.
Die Boutique an der Bahnhofstrasse
Die Adresse Bahnhofstrasse 25, 8001 Zürich, taucht in mehreren unabhängigen Verzeichnissen übereinstimmend auf, von lokalen Branchenbüchern bis zur Storelocator-Seite, die Bulgari für seinen internationalen und den US-Auftritt der Website führt. Etwas verwirrend: Die deutschsprachige Schweizer Version derselben Bulgari-Website zeigt an einer Stelle die Hausnummer 36. Das dürfte ein veralteter Eintrag sein, denn sämtliche unabhängige Quellen, von Branchenverzeichnissen bis zur direkten Nachbarschaft, nennen übereinstimmend die 25. Wer online nach der Adresse sucht und zuerst auf die 36 stösst, sollte sich davon nicht beirren lassen. Unter derselben Nummer 25 findet sich im gleichen Häuserblock übrigens auch Buccellati, das italienische Konkurrenzhaus. Zwei Namen an einer Hausnummer, das kommt an der Bahnhofstrasse öfter vor, als man beim ersten Suchen glaubt.
In der Boutique selbst führt Bulgari nicht nur Schmuck, sondern auch Uhren, Taschen, Lederwaren, Parfum und Geschenkartikel, das volle Sortiment eines Hauses, das sich nie auf eine einzige Warengruppe festgelegt hat. Im Schweizer Branchenverzeichnis local.ch ist der Betrieb unter dem Namen Bulgari SA als Bijouterie eingetragen und dort mit Kundenbewertungen aufgeführt. Unter der Woche ist von Montag bis Donnerstag von 10 bis 18.30 Uhr geöffnet, die Boutique ist unter +41 44 212 53 03 erreichbar. Wer ohnehin am Flughafen Zürich vorbeikommt, findet dort seit Juli 2025 eine im selben Jahr erneuerte, 130 Quadratmeter grosse Bulgari-Filiale, die das Haus zusammen mit dem Flughafenbetreiber Avolta gestaltet hat. Die Innenarchitektur dieses neuen Flughafen-Corners zitiert bewusst römische Tempelbaukunst, mit einer Licht- und Materialführung, die an die Ewige Stadt erinnern soll. Für ein Zürcher Paar ist das vor allem ein Signal: Das Haus investiert gerade in den Schweizer Markt, es zieht sich nicht zurück.
Ein römisches Haus, seit 2011 bei LVMH
Bulgari wurde 1884 in Rom gegründet, von Sotirios Voulgaris, einem griechischen Silberschmied aus Paramythia in Epirus, der seinen Namen später italianisierte. Aus dem kleinen Silberladen wurde über die Jahrzehnte ein Haus mit rund 300 Boutiquen weltweit. Seit 2011 gehört Bulgari mehrheitlich zu LVMH. Die Übernahme lief als reiner Aktientausch im Wert von 4,3 Milliarden Euro, umgerechnet damals rund 6 Milliarden Dollar, die Bulgari-Familie erhielt im Gegenzug einen Anteil an LVMH selbst und wurde damit nach der Familie Arnault zur zweitgrössten Aktionärsfamilie des Konzerns. Das Haus blieb dabei ein eigenständiger Markenauftritt und keine austauschbare Konzerntochter ohne eigenes Gesicht, was sich auch in Zürich zeigt: Die Boutique verkauft Bulgari, nicht ein beliebiges LVMH-Sortiment.
Bekannt wurde das Haus vor allem über die Serpenti-Linie, die Schlangenmotiv-Uhren und -Armreifen, die seit den 1960er-Jahren im Sortiment sind und seit 2009 wieder als eigentliches Markenzeichen des Hauses gelten, sowie über B.zero1, den schlichten Ring mit dem charakteristischen Rillen-Design, der seit 1999 im Programm ist. Beides sind aber Modeschmuckstücke, gedacht zum Sammeln und Kombinieren, nicht als Verlobungsring konzipiert. Genau das übersieht eine Kundin, die die Marke nur von der Handtasche oder dem Serpenti-Armreif kennt.
Zwei eigene Linien für die Verlobung
Für den eigentlichen Anlass führt Bulgari zwei Kollektionen, die von Serpenti und B.zero1 klar getrennt sind. Corona ist die klassischere der beiden, ein Solitär mit einem Diamanten im Brillantschliff auf einer erhöhten Fassung, nahe an dem, was man sich landläufig unter einem Verlobungsring vorstellt, nur mit Bulgaris eigener Formensprache in der Fassung selbst. Fiorever, seit 2018 im Sortiment, ist die auffälligere Variante: eine vierblättrige Blüte aus pavégefassten Diamanten umschliesst den Mittelstein, laut dem Haus selbst ein römisches Glückssymbol, was aus dem Ring ein Stück macht, das sich auch ohne Verlobungsanlass tragen liesse.
Wer die Website vor dem Besuch durchsucht, wird zu beiden Linien keine Preise finden. Das gilt für praktisch jede Maison in dieser Kategorie, Bulgari macht hier keine Ausnahme. Ebenso wenig veröffentlicht das Haus auf seiner Website Angaben zu Garantie- oder Nachbearbeitungsleistungen für den Schweizer Markt, wer das wissen will, muss vor Ort fragen. Das ist kein Bulgari-spezifisches Manko, praktisch jede internationale Maison an der Bahnhofstrasse handhabt das gleich zurückhaltend.
Wie sich das einordnet
Der Reiz dieser Kategorie liegt nicht darin, ein Zürcher Haus mit eigener Werkstatt und eigener Lehrlingsausbildung vor Ort zu finden. Das gibt es hier nicht, die Fassungen entstehen in Italien, nicht am Bankschalter an der Bahnhofstrasse. Der Reiz liegt darin, einen Namen zu bekommen, den man weltweit erkennt, zu einem Preis, der sich nicht danach richtet, ob man ihn in Zürich, Mailand oder Dubai kauft. Wer stattdessen eine Zürcher Goldschmiedin sucht, deren Lehre man nachvollziehen kann und die die Fassung selbst am eigenen Bankschalter anfertigt, ist in der Altstadt oder bei einem der Häuser mit eigener Werkstatt an anderer Stelle dieser Seite besser aufgehoben, oder bei einer Goldschmiede ausserhalb der Innenstadt, wo die Miete tiefer ist als an der teuersten Einkaufsstrasse des Landes.
Für ein Zürcher Paar, das ohnehin schon weiss, dass es einen Fiorever- oder einen Corona-Ring will, oder das die Marke aus einer anderen Stadt kennt und dem Namen vertraut, ist die Bahnhofstrasse-Boutique der naheliegende Ort, das Stück in echt zu sehen, anprobieren zu lassen und die passende Grösse zu bestellen, ohne dafür eine Reise nach Mailand oder Paris zu unternehmen. Wer beim Stil noch unentschlossen ist, sollte einplanen, auch bei den Nachbarn auf derselben Strasse vorbeizuschauen: Cartier, Van Cleef & Arpels, Tiffany, Graff und Boucheron liegen alle in Gehdistanz, dazu ein gutes Dutzend weiterer globaler Namen. Diese Dichte an internationalen Häusern auf wenigen hundert Metern findet sich an keinem anderen Ort in der Schweiz.
Fazit
Ein Name mit echtem Gewicht, eine eigene Verlobungsringlinie, die über die bekannteren Serpenti-Stücke hinausgeht, und eine Adresse, die trotz der Verwechslungsgefahr mit der Hausnummer 36 auf der eigenen Schweizer Website in der Praxis eindeutig ist: Bahnhofstrasse 25. Der einzige echte Wermutstropfen ist die fehlende Preistransparenz auf der Website, aber das trifft praktisch jedes Haus in dieser Kategorie und ist kein Grund, einen Besuch zu überspringen. Wer ein Zürcher Original mit eigener Werkstattgeschichte sucht, ist hier am falschen Ort. Wer einen international anerkannten Namen mit einer eigenen, eigenständigen Verlobungsringlinie sucht, ist an der Bahnhofstrasse 25 genau richtig.