Chopard

Bahnhofstrasse 40, Zürich

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Wer an der Bahnhofstrasse 40 am Schaufenster von Chopard vorbeigeht, sieht zuerst die Uhren: Alpine Eagle, Happy Sport, die grossen Komplikationen mit dem hauseigenen L.U.C-Kaliber. Die Verlobungs- und Trauringauswahl liegt auf der Website in einer eigenen Rubrik, getrennt von den Uhren, und wer die Marke nur vom roten Teppich kennt, übersieht sie leicht. Chopard gehört in dieser Kategorie zu den internationalen Maisons: ein weltweiter Katalog, keine Zürcher Werkbank vor Ort, dafür eine Geschichte, die für ein Genfer Haus dieser Grösse ungewöhnlich unabhängig geblieben ist.

Gegründet wurde das Unternehmen 1860 vom damals 24-jährigen Louis-Ulysse Chopard, der in Sonvilier im Berner Jura eine Werkstatt für Präzisionsuhren aufbaute, spezialisiert auf Taschenuhren und Chronometer. Zwischen 1914 und 1917 übernahm sein Sohn Paul-Louis den Betrieb schrittweise, und dessen Sohn Paul-André führte die Firma 1937 nach Genf, wo Chopard bis heute seinen Sitz hat und die Uhren dem Genfer Zertifizierungssystem unterliegen können. 1963 verkaufte Paul-André das Unternehmen an Karl Scheufele III, einen Goldschmied und Uhrmacher aus Pforzheim, der es zusammen mit seiner Frau Karin von Genf aus ausbaute.

Die Familie Scheufele führt Chopard seither ohne Unterbruch, mittlerweile in der Generation von Karl-Friedrich und Caroline Scheufele, den Kindern von Karl III, die das Haus gemeinsam als Co-Präsidenten leiten. Das macht Chopard zu einer Ausnahme in seiner eigenen Kategorie: Während Cartier, Van Cleef & Arpels oder Boucheron, mit denen es sich die Bahnhofstrasse teilt, zu Konzernen wie Richemont oder LVMH gehören, blieb Chopard eigenständig. Die Financial Times hat das Haus deshalb neben Patek Philippe als eines der letzten Maisons dieser Grössenordnung ohne externe Aktionäre beschrieben. Für ein Zürcher Paar, das sich fragt, wem sein Geld am Ende zufliesst, ist das ein Unterschied, den man im Schaufenster nicht sieht, der sich aber in Preisgestaltung und Sortiment durchaus bemerkbar macht.

Auch die Fertigung ist nicht ausgelagert. 1996 gründete Karl-Friedrich Scheufele die Chopard Manufacture in Fleurier im Kanton Neuenburg, wo die Uhrwerke der oberen L.U.C-Linie entstehen, komplett im Haus konstruiert und zusammengesetzt. Für eine Boutique, die in derselben Kategorie neben reinen Verkaufsflächen ausländischer Marken steht, ist eine eigene Schweizer Manufaktur kein Nebensatz, sondern der Unterschied zwischen einer Handelsvertretung und einem produzierenden Uhrenhaus.

Das Motiv, für das Chopard am bekanntesten ist, stammt aus dem Jahr 1976: Happy Diamonds, frei bewegliche Diamanten, die zwischen zwei Saphirgläsern schweben und bei jeder Bewegung des Handgelenks tanzen. Die Idee gilt bis heute als eine der erfolgreichsten Innovationen des Hauses und hat seither ganze Uhren- und Schmucklinien geprägt, von den Happy-Sport-Uhren, die Caroline Scheufele 1993 aus Stahl und Diamanten entwarf, bis zu neueren Ergänzungen wie My Happy Hearts. 1985 hatte Caroline Scheufele mit einer Skizze eines Clowns mit diamantenem Bauch bereits die erste eigenständige Schmuckkollektion des Hauses ausgelöst, den Happy Clown, der seither als Maskottchen der Marke gilt.

Was bei Verlobung und Hochzeit tatsächlich im Katalog steht

Wer auf chopard.com nach Verlobungsringen sucht, landet nicht bei Happy Diamonds, sondern ausschliesslich bei Ice Cube: vier Solitäre in Platin mit Diamant, auf der internationalen Website mit Preisen zwischen 4110 und 7770 US-Dollar ausgezeichnet. Einen Preis in Schweizer Franken veröffentlicht Chopard online nicht, den erfährt man nur in der Boutique selbst oder telefonisch unter +41 44 215 30 30. Bei den Trauringen ist es dieselbe Kollektion: Von den 36 online gelisteten Modellen sind alle in Ice Cube oder der Variante Ice Cube Be Cube gehalten, in zertifiziert ethischem Weiss-, Rosé- oder Gelbgold, mit und ohne Diamantbesatz, mit Online-Preisen ab 1320 US-Dollar und bis mindestens 8470 US-Dollar bei den Ausführungen mit vollem Diamantbesatz.

Happy Diamonds selbst taucht in der aktuellen Verlobungs- und Trauringauswahl der Website nicht auf. Das ist ein Punkt, an dem der Ruf der Marke der Website voraus ist: Wer die schwebenden Diamanten explizit in einem Ring für den Antrag sucht, findet sie online unter den allgemeinen Schmuckringen, nicht unter der Rubrik Verlobung und Hochzeit, und sollte das vor dem Boutiquebesuch direkt mit dem Verkaufspersonal klären, statt sich auf den Online-Katalog zu verlassen. Wer dagegen ein geometrisches Solitär mag, ist mit Ice Cube bereits am richtigen Ort.

Gold mit Herkunftsnachweis

2013 hat Chopard unter dem Titel Journey to Sustainable Luxury begonnen, die Herkunft seines Goldes systematisch offenzulegen, damals ein seltener Schritt in der Branche. Seit Juli 2018 verarbeitet das Haus für sämtliche Uhren und Schmuckstücke ausschliesslich zertifiziert ethisches Gold, eine Selbstverpflichtung, die seither zu den am längsten laufenden ihrer Art in der Schweizer Uhren- und Schmuckindustrie zählt. Für ein Verlobungsringbudget, bei dem die Herkunft des Metalls zunehmend eine Rolle spielt, ist das ein Argument, das man bei längst nicht allen internationalen Maisons an der Bahnhofstrasse in dieser Klarheit findet, und es betrifft nicht nur ein Nischenprodukt, sondern die gesamte Ice-Cube-Linie, die bei Verlobung und Hochzeit tatsächlich zum Zug kommt.

Die Boutique an der Bahnhofstrasse 40

Die Boutique liegt eigenständig auf der Nummer 40, nicht innerhalb eines Warenhauses oder Gemeinschaftsladens. Geöffnet ist Montag bis Freitag von 10.00 bis 18.30 Uhr, Samstag von 10.00 bis 17.00 Uhr, Sonntag bleibt geschlossen. Anfragen nimmt boutique.zurich@chopard.ch entgegen, für einen Boutiquetermin gibt es zusätzlich ein eigenes Formular auf der Website, das nach Anliegen und Wunschtermin fragt. Ein Museum oder eine sichtbar arbeitende Werkstatt vor Ort, wie sie manche Bahnhofstrasse-Häuser mit Familienbetrieb zeigen, gibt es hier nicht: Verkauft wird der globale Katalog, gefertigt in Genf und Fleurier, nicht ein Zürcher Unikat.

Wer die Nähe zur Werkbank sucht, findet sie also nicht in dieser Boutique, sondern eher bei den Zürcher Häusern mit eigener Werkstatt in der Altstadt oder an der Bahnhofstrasse selbst. Wer dagegen ein Haus sucht, dessen Uhrwerke und Goldlegierungen tatsächlich in der Schweiz entstehen, auch wenn der Verkauf international organisiert ist, bekommt bei Chopard mehr Substanz hinter dem Namen als bei manchem reinen Vertriebsschaufenster.

Für wen sich der Weg lohnt

Wer ein bestehendes Design mag, das es in London, New York oder Singapur genauso gibt, ist hier richtig, um es anzuprobieren, statt es blind online zu bestellen. Das Ice-Cube-Solitär in Platin oder ein Trauringpaar in zertifiziertem Gold sind reale, im Laden anfassbare Optionen, keine Sonderanfertigung und kein langes Warten auf ein individuelles Design. Wer dagegen einen Ring von einer Zürcher Werkstatt mit eigener Handschrift sucht oder konkret ein Happy-Diamonds-Stück für die Verlobung will, findet online zumindest keine Bestätigung, dass es das gibt, und sollte vor dem Besuch anrufen oder mailen.

Der klare Vorteil bleibt die Unabhängigkeit des Hauses und der Ernst, mit dem es das Thema Gold behandelt: ein familiengeführtes Unternehmen seit 1963, mit eigener Manufaktur seit 1996 und einer Goldkette, die seit 2018 vollständig zertifiziert ist, wirkt glaubwürdiger als ein Name, der sein Prestige allein über das Preisschild verkauft. Der einzige echte Wermutstropfen ist die fehlende Preistransparenz für den Schweizer Markt und dass die Website die Verlobungs- und Trauringauswahl auf eine einzige Kollektion konzentriert, obwohl der Markenname mit Happy Diamonds mehr verspricht, als sich online unter dieser Rubrik tatsächlich findet. Für ein Paar, das ein bekanntes internationales Design mit einer nachvollziehbaren Goldherkunft sucht und keinen Wert auf ein exklusiv Zürcher Stück legt, ist die Boutique an der Bahnhofstrasse trotzdem eine der verlässlicheren Adressen in dieser Kategorie.

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