Piaget
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Wer Piaget hört, denkt zuerst an Uhren, an das dünnste Automatikwerk der Welt oder an die Modellnamen Altiplano und Polo. Das ist nicht falsch, aber es ist nur die halbe Boutique. An der Bahnhofstrasse 38 in Zürich führt Piaget laut eigener Standortseite drei Warengruppen gleichzeitig, Haute Joaillerie, Uhren und Schmuck, und die dritte davon schliesst eine eigene Ring- und Eheringlinie ein. Für ein Zürcher Paar, das die Marke bisher nur vom Handgelenk der Eltern kennt, ist genau das der Grund, hier überhaupt einen Blick hineinzuwerfen.
Das Herzstück der Schmucklinie heisst Possession und ist älter, als man auf den ersten Blick vermutet: Piaget hat die Kollektion laut eigener Beschreibung 1990 lanciert, mit der hauseigenen Decor-Palace-Goldgravur und einem drehbaren Ringband als wiederkehrendem Motiv, das sich am Finger mitbewegen lässt. Die Website unterteilt sie in Roségoldschmuck, Weissgoldschmuck, Diamantschmuck und eine eigene Rubrik Goldringe, alles laut Produktseite aus Gold und Diamanten gearbeitet. Platin taucht bei Possession nirgends auf, die Kollektion bleibt eine reine Goldlinie in drei Farbtönen. Wer nach einem Verlobungsring mit Diamant-Solitär sucht, landet damit eher bei den separat geführten Diamantringen als bei Possession selbst, auch wenn sich ein Possession-Ring mit Pavé-Fassung im Alltag ähnlich tragen lässt wie ein klassischer Antragsring.
Für den eigentlichen Hochzeitstag führt Piaget eine eigene Kategorie namens Eheringe, mit dem Werbetext, sie seien Ausdruck einer beständigen, kostbaren Liebe. Anders als bei Possession bleibt Piaget hier nicht beim Gold: Die Seitenbeschreibung, die auch bei Suchmaschinen auftaucht, bewirbt die Eheringe ausdrücklich als goldene Trauringe mit Diamanten oder wahlweise aus Platin. Genau an diesem Punkt lässt sich die verbreitete Vorstellung von Piaget als reiner Uhrenmarke am klarsten widerlegen: Wer heiratet, wählt bei den Eheringen zwischen zwei Edelmetallen, nicht nur zwischen Zifferblättern. Wie viele Modelle die Kategorie konkret umfasst und was ein Ring darin kostet, verrät die Website allerdings nicht, die Produktkacheln selbst laden erst im Browser nach und blieben beim Abruf für diesen Text leer. Wer die tatsächliche Auswahl sehen will, kommt an einem Boutiquebesuch oder zumindest an der aktiven Website kaum vorbei.
Über den reinen Verkauf hinaus listet die Website vier Serviceleistungen rund um Schmuck: die Kreation warten lassen, sie pflegen lassen, ein Grössentabellen-Tool für die passende Ringgrösse und die Möglichkeit, ein Stück persönlich gestalten zu lassen. Zu welchem Zweck genau, mit welcher Wartezeit oder zu welchem Preis diese Leistungen laufen, steht nirgends auf der Seite, ebenso wenig eine über die gesetzliche Gewährleistung hinausgehende Garantiezusage. Wer wissen will, ob eine spätere Weitung eines Eherings inklusive ist oder extra kostet, muss also in der Boutique selbst nachfragen. Für Bestellungen direkt über die Schweizer Website nennt Piaget dagegen konkrete Zahlen: Lieferung innerhalb von 2 bis 5 Werktagen und kostenloser Rückversand innerhalb von 30 Tagen, dazu Zahlung per Kreditkarte, Twint, PayPal oder Banküberweisung.
Lage, Öffnungszeiten und Kontakt
Die Boutique liegt an der Bahnhofstrasse 38, 8001 Zürich, mit einer eigenen Zürcher E-Mail-Adresse, boutique-piaget.zuerich@piaget.com, und der Telefonnummer +41 44 213 10 40. Geöffnet ist von Montag bis Freitag von 10:00 bis 18:30 Uhr und samstags von 10:00 bis 17:00 Uhr, sonntags bleibt die Boutique geschlossen. Termine für eine persönliche Beratung lassen sich laut Website vorab online reservieren. Auf der hauseigenen Standortseite erscheint für die Schweiz nur eine zweite Adresse mit der Bezeichnung Piaget Boutique, in Luzern; alle weiteren dort aufgeführten Verkaufsstellen, etwa Bucherer in Zürich, Basel oder Genf, sind Multimarken-Händler, die Piaget neben mehreren anderen Uhren- und Schmuckmarken im Sortiment führen. Wer eine echte Piaget-Boutique sucht, hat in der Schweiz damit im Grunde die Wahl zwischen Zürich und Luzern.
Im Vergleich zu einem Zürcher Traditionshaus
Piaget selbst ist mit dem Gründungsjahr 1874 kein junges Haus: Die Geschichte begann laut Wikipedia in La Côte-aux-Fées im Neuenburger Jura, ursprünglich als Hersteller von Uhrwerken für andere Marken. Seit die Vendôme-Gruppe, aus der später der heutige Richemont-Konzern hervorging, das Unternehmen 1988 übernahm, gehört Piaget zu einem der grössten Luxusgüterkonzerne überhaupt, mit Sitz in Genf und laut Wikipedia in 80 Ländern mit eigenem Verkauf vertreten. Yves Piaget, ein Nachfahre des Gründers, ist laut Wikipedia seit 1980 Präsident des Hauses. Für die Uhrmacherkunst hat das Konkretes gebracht, etwa das dünnste handaufgezogene Uhrwerk von 1957 mit 2 Millimetern Bauhöhe und, 2014, die dünnste handaufgezogene Uhr der Welt mit 3,65 Millimetern. Nur, nichts davon sagt etwas über die Adresse an der Bahnhofstrasse 38 selbst aus. Die Website nennt kein Eröffnungsjahr für die Zürcher Boutique und keine eigene Zürcher Firmengeschichte, wie sie ein Traditionshaus mit eigener Werkstatt und einer Goldschmiedin, die ihre Lehre selbst an diesem Ort gemacht hat, üblicherweise erzählt. Gefertigt wird bei Piaget laut Wikipedia grundsätzlich in der Schweiz, aber nicht an einer Werkbank in dieser Boutique, sondern in den Manufakturen des Konzerns. Wer die gewachsene Geschichte eines lokalen Betriebs sucht, findet sie eher bei den anderen Kategorien dieser Liste als bei einer internationalen Maison wie Piaget.
Für wen sich die Boutique eignet
Am besten passt Piaget an der Bahnhofstrasse zu einem Paar, dem der drehbare Possession-Ring oder ein schlichter Ehering in Platin bereits vorschwebt und das die Fassung persönlich anprobieren will, statt sie ungesehen zu bestellen. Ebenso passt sie zu allen, denen der Name einer international bekannten Manufaktur wichtiger ist als eine lokale Werkstattgeschichte, etwa weil ein Service später auch ausserhalb der Schweiz möglich sein soll, an einer der anderen Piaget-Adressen weltweit oder wenigstens in Luzern. Wer dagegen vorab eine Preisvorstellung online sehen möchte oder unbedingt einer Goldschmiedin begegnen will, die an Ort und Stelle selbst gelernt hat, findet beides hier nicht und sollte eine der einheimischen Alternativen in dieser Kategorie prüfen. Wer sich dagegen nicht entscheiden kann zwischen einem verspielten Possession-Ring und einem zurückhaltenden Ehering, hat mit den beiden Linien im selben Haus zumindest die Wahl, ohne die Boutique wechseln zu müssen.
Fazit
Piaget an der Bahnhofstrasse 38 ist, entgegen dem ersten Eindruck, keine reine Uhrenboutique: Mit Possession in Gold und einer separat geführten Eheringe-Linie, die laut eigener Seitenbeschreibung auch in Platin erhältlich ist, führt das Haus eine ernstzunehmende eigene Schmucklinie fürs Verloben und Heiraten. Der echte Wermutstropfen bleibt die Website selbst, die weder Preise noch eine durchsuchbare Modellübersicht für Eheringe zeigt und zu Garantie oder Servicezeiten schweigt. Wer damit leben kann und die Zürcher Adresse einer internationalen Maison einer gewachsenen lokalen Werkstattgeschichte vorzieht, findet an der Bahnhofstrasse 38 eine der wenigen Schweizer Adressen, an denen tatsächlich Piaget selbst bedient, und nicht nur ein Wiederverkäufer.