LOMA Goldschmied

Altstadt, Zürich

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Wer an der Kuttelgasse 15 in Zürich 8001 klingelt, klingelt an einer Adresse mit Vorgeschichte. Das Geschäft heisst heute LOMA Goldschmied GmbH, aber der Name an der Tür ist neuer als der Betrieb dahinter. Die beiden Inhaber, Marco Mauchle und Florian Bissig, waren nach eigener Aussage langjährige Mitarbeiter des früheren Goldschmiedeateliers Steinlin und über viele Jahre Teil von dessen Werkstatt, bevor sie den Betrieb unter eigenem Namen weiterführten. Kennengelernt haben sich die beiden während ihrer gemeinsamen Lehre zum Goldschmied. Auf einer Team-Seite des benachbarten Silberschmuck-Labels Lilly Clou, das sich mit LOMA das Ladenlokal teilt, findet sich dazu eine konkrete Jahreszahl: Florian Bissig hat seine Ausbildung zum Goldschmied 2010 begonnen. Von Marco Mauchle heisst es an gleicher Stelle, er sei bereits über 7 Jahre als Goldschmied bei Steinlin tätig gewesen, bevor die Werkstatt unter dem Namen LOMA weiterlief. Auf ihrer eigenen Website beschreiben sie den Übergang selbst so: Sie wollten die Werte weiterschreiben, die das Haus Steinlin geprägt haben, handwerkliche Qualität, Vertrauen und persönliche Beratung, statt bei null anzufangen.

Für Zürcher Kundschaft ist dieser Unterschied nicht nebensächlich. Ein Türschild mit eigenem Namen ist ein gutes Zeichen, aber ein Betrieb, dessen Inhaber schon vorher jahrelang Kundinnen und Kunden am gleichen Ort beraten und betreut haben, bringt eine Kontinuität mit, die ein frisch eröffnetes Ladenlokal nicht hat. LOMA ist also keine neue Marke, die sich in der Altstadt einmietet, sondern eine Werkstatt, die weiterläuft, nur mit anderem Namen über der Tür.

Was LOMA tatsächlich anbietet

Auf der Dienstleistungsseite nennt der Betrieb vier Bereiche, die zusammen ziemlich genau abdecken, was jemand von einem Altstadt-Atelier erwartet, statt nur den einen Fall, für den man klassischerweise zum Goldschmied geht. Erstens Reparaturen an sämtlichen Schmuckarten, vom Auffrischen über das Ersetzen von Steinen bis zur kompletten Aufarbeitung. Zweitens die Umarbeitung von geerbtem oder geschenktem Schmuck, der nicht mehr zum eigenen Stil passt, in etwas Neues. Drittens persönliche Beratung, ausdrücklich auch zu Verlobungsringen, nicht nur zu bereits gekauftem Schmuck. Und viertens die Neuanfertigung eines eigenen Entwurfs von Grund auf.

Die Kombination aus Neuanfertigung und Umarbeitung ist der eigentliche Grund, warum dieser Betrieb für ein Familienstück relevant ist. Wer einen ererbten Stein nicht verkaufen, sondern in eine neue Fassung überführen will, die zur eigenen Person und nicht zur Grossmutter passt, bekommt das hier ausdrücklich als eigenständige Dienstleistung angeboten, nicht als Nebenprodukt der Neuanfertigung.

Der Ablauf für eine Neuanfertigung ist auf der Seite zu den Spezialanfertigungen in fünf Schritten beschrieben. Am Anfang steht ein persönliches Beratungsgespräch, in dem die Möglichkeiten für den eigenen Entwurf durchgesprochen werden. Danach folgt eine visuelle Skizze beziehungsweise ein Rendering, damit man eine realistische Vorstellung vom fertigen Stück bekommt, bevor überhaupt Material verarbeitet wird. Als dritter Schritt entsteht ein Prototyp aus unedlem Material, an dem sich Proportionen und Trageverhalten prüfen lassen, ohne dass schon Gold oder Platin im Spiel ist. Erst danach folgt die eigentliche Fertigung im gewählten Edelmetall, und zuletzt die Übergabe des fertigen Stücks. Was die Website an dieser Stelle nicht verrät, sind Preise oder eine Durchlaufzeit für diesen Prozess. Beides erfährt man offenbar erst im persönlichen Gespräch, nicht auf der Seite selbst, und genau das steht hier deshalb auch nicht als Zahl.

Handwerk und Material

Auf der Werte-Seite beschreibt LOMA seinen Ansatz als eine Verbindung von traditionellem Goldschmiedehandwerk und moderner Technik. 3D-CAD-Entwürfe, CNC-Fräsen und Rapid Prototyping werden dort als Ergänzung zur Arbeit von Hand genannt, nicht als Ersatz dafür. Beim Material setzt der Betrieb nach eigener Aussage auf sogenanntes Ökogold, beschrieben als geschlossener Kreislauf aus recyceltem Gold und Edelmetallen, und pflegt nach eigenen Angaben langjährige, persönliche Beziehungen zu Edelsteinhändlern. Konkrete Zertifizierungslabel oder Lieferantennamen nennt die Website nicht, weshalb sich darüber hinaus auch nichts behaupten lässt. Es bleibt bei dieser Selbstauskunft des Betriebs, die man in diesem Fall so stehen lassen muss.

Wer nicht neu anfertigen lassen will, sondern aus einem bestehenden Sortiment wählt, findet im Online-Katalog Ringe, Ohrschmuck, Halsketten und Armschmuck in Weissgold, Roségold und Gelbgold, ergänzt um ungewöhnlichere Materialien wie Ebenholz, Mammut und Horn. Bei den Steinen reicht die Palette von Diamant über Amethyst, Topas und Aquamarin bis zu Dalmatinerjaspis, Lapislazuli, Koralle, Onyx und Türkis. Konkrete Modelle sind zum Beispiel Alliance-Ringe in drei Grössen, piccolo, medio und grande, dazu Bambu-Ringe, Brillantcreolen und Ohrclips aus Dalmatinerjaspis oder Ebenholz. Auch im Katalog stehen nirgends Preise, die Website verweist konsequent auf das persönliche Gespräch vor Ort oder telefonisch.

Für alle, die lieber eine fertige Linie als ein Einzelstück suchen, führt LOMA sechs hauseigene Kollektionen: Aura, unter anderem in Ebenholz kombiniert mit Gelbgold, dazu Calado, Makura, Pala, Bambu und Lumy, letztere mit braunen Diamanten. Für ein Atelier dieser Grösse ist das eine ungewöhnlich breite Eigenproduktion und zeigt, dass hier nicht nur auf Bestellung gearbeitet, sondern auch fortlaufend auf Vorrat entworfen wird.

Eine zweite Marke unter dem gleichen Dach

Im gleichen Ladenlokal an der Kuttelgasse 15 ist auch LILLY CLOU zu finden, ein Silberschmuck-Label von Fabienne Sponagel mit Armbändern, Ohrschmuck, Ringen und Geschenkstücken, unter anderem zur Taufe, für Frauen, Männer und Kinder. Auf der eigenen Kollaborationsseite von LOMA heisst es, man freue sich, mit Fabienne Sponagel und ihrem Label eine Partnerschaft zu pflegen und der Kundschaft so ein breiteres Sortiment anzubieten. Zur genauen Zahl der vor Ort tätigen Goldschmiede widersprechen sich die beiden Websites leicht, weshalb an dieser Stelle keine Zahl genannt wird. Für die Altstadt ist ein solches Modell nicht ungewöhnlich: Ein kleines Atelier teilt sich die Fläche mit einer zweiten, eigenständigen Marke, was das Angebot breiter macht, ohne dass LOMA selbst zum Warenhaus wird. Wichtig für die Einordnung ist, dass LILLY CLOU eine eigene Firma und kein Teil des Goldschmiedebetriebs LOMA ist, auch wenn beide an derselben Adresse sitzen und teils dieselben Handwerker die Kundschaft betreuen.

Wie sich das einordnet

Innerhalb der Altstadt-Kategorie ist LOMA ein klassisches Zwei-Personen-Atelier mit eigener Werkstatt vor Ort, kein Filialbetrieb und keine Marke mit mehreren Standorten. Das unterscheidet den Betrieb spürbar von den grossen Häusern an der Bahnhofstrasse, wo man eher eine bereits fertige Kollektion einer international bekannten Marke kauft als ein Stück, das am gleichen Tisch entsteht, an dem man vorher beraten wurde. Die Kontinuität von Steinlin zu LOMA ist dabei kein reines Marketingargument, sondern lässt sich an der eigenen Beschreibung der Inhaber ablesen: Sie sprechen selbst davon, eine Geschichte weiterzuschreiben, die nicht bei ihnen begonnen hat.

Verglichen mit anderen Ateliers derselben Kategorie liegt die Stärke von LOMA weniger in einer besonders langen eigenen Firmengeschichte, die Website datiert die Übernahme von Steinlin nirgends genau, sondern in der Kombination aus nachvollziehbarem Fertigungsprozess, einem ungewöhnlich breiten Eigensortiment mit sechs Kollektionen und der zusätzlichen Marke LILLY CLOU im gleichen Haus.

Praktisches

Das Geschäft hat von Dienstag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet und samstags von 10 bis 16 Uhr, Sonntag und Montag bleibt es geschlossen. Das deckt sich mit dem, was für Altstadt-Ateliers allgemein gilt: Ein Termin ist hier oft sinnvoll, aber nicht zwingend lange im Voraus zu buchen. Kontakt läuft über E-Mail oder Telefon, beides ist auf der Website hinterlegt.

Einschränkungen

Die Website von LOMA macht keine Angaben zu Preisen, Anzahlungen, Lieferzeiten oder einer schriftlichen Gewährleistung auf Neuanfertigungen oder Reparaturen. Wer das vorab braucht, um mehrere Ateliers direkt zu vergleichen, bekommt es hier nicht ohne Anruf oder Besuch vor Ort. Das ist im Goldschmiedehandwerk nicht unüblich, macht LOMA für einen reinen Online-Vergleich aber weniger geeignet als für jemanden, der ohnehin persönlich vorbeigehen will. Ebenfalls nicht angegeben ist ein genaues Datum für die Übernahme von Steinlin, wer die vollständige Geschichte des Standorts kennen will, muss vermutlich vor Ort nachfragen.

Für wen sich das lohnt

LOMA eignet sich für Paare, die einen Verlobungsring nicht von der Stange kaufen wollen, sondern im direkten Gespräch mit den zwei Goldschmieden entwickeln, die ihn später auch selbst fertigen. Ebenso passt der Betrieb zu allen, die einen ererbten Stein oder ein altes Familienstück nicht verkaufen, sondern in eine neue Fassung überführen wollen, genau der Fall, den die Umarbeitung auf der Dienstleistungsseite ausdrücklich anspricht. Wer dagegen eine sofort verfügbare, markengeführte Kollektion mit ausgeschriebenen Preisen ohne Beratungstermin sucht, ist an der Bahnhofstrasse besser aufgehoben als in der Kuttelgasse.

Fazit

LOMA Goldschmied verbindet eine glaubwürdige Übernahmegeschichte aus dem Haus Steinlin, zwei ausgebildete Goldschmiede mit gemeinsamer Lehre und einem nachvollziehbar beschriebenen Fertigungsprozess mit einem für ein kleines Atelier ungewöhnlich breiten Eigensortiment aus sechs Kollektionen und einer zweiten Marke unter dem gleichen Dach. Wer ein Stück will, das an der Werkstatt entsteht, an der man selbst beraten wurde, statt irgendwo in einer Fabrik, findet hier ein glaubwürdiges Angebot. Wer Preise vorab schwarz auf weiss braucht, muss anrufen oder vorbeigehen, die Website liefert sie nicht.

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