Krösus Design

Rindermarkt 17, Zürich (Altstadt) · established 1991

Tap a star to rate

Wer den Rindermarkt hinaufgeht, das schmale Gässchen zwischen Münsterhof und Neumarkt im Zürcher Niederdorf, läuft leicht an der Nummer 17 vorbei. Kein grosses Logo, kein Schaufenster mit Dutzenden Ringen unter Spotlicht, nur ein kleiner Laden mit dem Namen Krösus. Genau das beschreibt, was für ein Geschäft hier sitzt: ein Fair-Trade-Goldschmiede-Atelier an der Rindermarkt 17, keine Filiale und keine Vertriebskette, sondern eine einzelne Werkstatt, in der die Goldschmiedin Seraina Sonderegger entwirft und fertigt, was sie verkauft.

Die Marke Krösus gibt auf der eigenen Website 1991 als Startjahr an, direkt unter dem Namen im Kopf der Seite. Die heutige Rechtsform, die Krösus Design GmbH, wurde erst im September 2017 ins Handelsregister eingetragen, mit Sitz an derselben Adresse. Das ist kein Widerspruch, sondern die übliche Geschichte eines Einzelbetriebs, der irgendwann formell als GmbH weitergeführt wird. Die Werkstatt selbst ist damit deutlich älter als ihr Handelsregistereintrag, und beide Angaben lassen sich unabhängig voneinander belegen, die eine auf der Website selbst, die andere im Handelsregisterauszug.

Was man hier bekommt

Im Sortiment stehen vier Schmuckkategorien: Ohrringe, Ringe, Armreifen und Anhänger. Zu jeder Kategorie schreibt Sonderegger sinngemäss dasselbe, jedes Stück sei Eigenkreation, vom ersten Skizzenentwurf bis zur Fertigstellung, ein Unikat. Verarbeitet werden die gängigen Edelmetalle, Platin und Gold in unterschiedlichen Farben, dazu Silber, aber auch Eisen- und Kupferlegierungen für ungewöhnlichere Entwürfe. Wer nur ein klassisches Gelbgold-Solitär sucht, findet vermutlich auch das, aber das eigentliche Angebot liegt woanders, in Formen, die es bei einem Grosshändler nicht gibt.

Bei den Ringen zeigt sich das am deutlichsten. Sonderegger beschreibt auf der Website unter anderem einen Stabring, der über die nächsten zwei Fingerglieder läuft, und einen Ring, der wie ein kleines, mit Edelsteinen besetztes Vogelnest aussieht. Dieses Spiel mit Formen wende sie, so ihre eigene Formulierung, sowohl bei gewöhnlichen Ringen als auch bei Trauringen an, oft angeregt durch die Wünsche der Kundschaft. Von einem eigenen Verlobungsring-Sortiment ist auf der Seite nirgends explizit die Rede, das Wort taucht im Text nicht auf. Was dort beschrieben wird, ist aber genau das Handwerk, das ein Verlobungsring braucht, ein Stück, das für eine einzelne Person und einen einzelnen Anlass entworfen wird, nicht von der Stange verkauft.

Wie persönlich das gemeint ist, zeigt ein Detail aus dem eigenen Text: Sonderegger schreibt, sie arbeite oft thematisch und fertige für eine Taufe auch schon mal einen Anhänger in Form eines Schnullers. Ihre eigene Beschreibung ihrer Arbeitsweise betont weniger Trends als Zeit, die sie sich nimmt, um vor dem Entwurf die, wie sie es nennt, geheimnisvollen Wünsche der Kundschaft zu erkunden. Materialkunde, Goldschmiedehandwerk und Gemmologie seien ihr wichtig, doch die ästhetische Formvollendung stehe für sie noch darüber. Ob das für jedes Paar der richtige Zugang ist, muss ein erstes Gespräch zeigen, aber es erklärt, warum ein Ring von hier selten wie ein zweiter aussieht.

Der Fairtrade-Punkt, konkret

Was Krösus von manchen anderen Adressen in der Altstadt unterscheidet, ist kein allgemeines Nachhaltigkeitsversprechen, sondern eine konkrete Aussage: Sonderegger schreibt, sie arbeite ausschliesslich mit Fairtrade-Materialien und achte auf eine nachweisbare ökologische, ökonomische und soziale Leistungsfähigkeit ihres Rohmaterials. Das ist ein anderer Ansatz als die Recycling-Metall-Argumentation, mit der manche Anbieter von Lab-Grown-Diamanten in derselben Stadt werben. Dort steht meist im Zentrum, dass ein Stein im Labor entsteht und ein Metall eingeschmolzen statt neu gefördert wird, ein Argument über den Kreislauf. Bei Krösus geht es stattdessen um die Handelskette des Rohmaterials selbst, von der Förderung bis zur Werkbank, unabhängig davon, ob das Metall neu oder recycelt ist. Für Kundschaft, der die Herkunft von Gold und Edelsteinen wichtiger ist als das reine Recycling-Argument, ist das ein greifbarer, eigenständiger Unterschied und keine blosse Umformulierung desselben Versprechens.

Die andere Seite des Ladens

Wer den Namen Krösus zum ersten Mal hört und an Schmuck denkt, bekommt auf der Website eine zweite Geschichte dazu. Unter der Eigenmarke Krösus Watch entstehen, in Zusammenarbeit mit dem Bieler Uhrendesigner Pierre Junod, Uhren in kleiner Stückzahl: Swiss made, mit ETA-Quarzwerk, Gehäuse aus 316L-Edelstahl in verschiedenen Farben, Durchmesser 34 oder 38 Millimeter, Saphirglas vorne und hinten, wasserdicht bis 3 ATM und mit 2 Jahren Garantie, Bänder in Leder oder als Milanaise-Metallband. Daneben führt das Geschäft die deutsche Wortuhren-Marke Qlocktwo, etwa das Modell W38, das auf der Website mit 1250 Franken ausgezeichnet ist. Für das Jahr 2025 kündigte die Firma in den eigenen News zudem eine Vertretung für Sonderanfertigungen von Infinity- und Whirlpools einer Marke namens Valhalla Pools an, offenbar ein Nebengeschäft der Inhaberin ausserhalb von Schmuck und Uhren. Wer einen Ring bestellen will, merkt davon nichts, aber es zeigt, dass Krösus kein reiner Ring-Spezialist ist, sondern ein kleines Geschäft mit mehreren Standbeinen, von denen der Schmuck eines unter mehreren ist.

Wie das Atelier organisiert ist

Das Geschäft wird als Ein-Personen-Werkstatt geführt, mit Sonderegger als durchgehender Ansprechperson für Beratung und Anfertigung. Die auf der Website angegebenen Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag von 11:15 bis 18:00 Uhr und samstags von 11:15 bis 16:00 Uhr, sonst nach Vereinbarung. Für ein Beratungsgespräch zu einem Verlobungsring, das erfahrungsgemäss länger dauert als ein spontaner Ladenbesuch, ist das eher ein Vorteil als ein Nachteil, kein Publikumsverkehr, keine Warteschlange, dafür ungeteilte Zeit an der Werkbank. Wer ausserhalb dieser Fenster will, meldet sich vorher unter +41 44 251 09 39 oder schreibt an info@kroesus.ch.

Wie es sich einordnet

Im Vergleich zu den grossen Häusern an der Bahnhofstrasse ist Krösus fast das Gegenteil: keine Filiale eines internationalen Konzerns, sondern eine einzelne Goldschmiedin, die jedes Stück selbst zeichnet und selbst am Amboss steht. Im Vergleich zu anderen Ateliers in der Altstadt liegt der Unterschied vor allem im expliziten Fairtrade-Versprechen und im zweiten Standbein, den Uhren, das die meisten reinen Goldschmiedebetriebe so nicht führen. Wer eine grosse Auswahl an fertigen Verlobungsringen zum Anprobieren sucht, ist am Rindermarkt an der falschen Adresse, das Sortiment entsteht auf Anfrage, nicht ab Lager. Wer dagegen eine Goldschmiedin sucht, die einen Ring von Grund auf für zwei bestimmte Finger entwirft, mit einer nachvollziehbaren Materialherkunft und einer Werkstatt, die seit 1991 unter demselben Namen läuft, findet hier eine der wenigen Adressen in der Altstadt, die das so konkret beschreibt und nicht nur behauptet.

Für wen sich das lohnt

Am besten passt Krösus zu einem Paar, das ohnehin kein Modell von der Stange wollte, sondern von Anfang an ein Gespräch über Form, Stein und Herkunft gesucht hat, und dem ein persönlich geführtes Atelier lieber ist als eine grosse Vitrine mit vielen Verkäuferinnen. Wer dagegen an einem Nachmittag mehrere fertige Ringe anprobieren und gleich mitnehmen möchte, ist bei einem der grösseren Juweliere in der Stadt besser aufgehoben, denn hier wird erst entworfen und dann gefertigt.

Fazit

Krösus Design ist kein Ring-Grosshändler und will das auch nicht sein. Für ein Paar, dem individuelle Formgebung und eine belegbare Fairtrade-Herkunft wichtiger sind als eine grosse Vitrine, ist das Atelier am Rindermarkt eine der konsequentesten Adressen der Zürcher Altstadt. Der einzige echte Vorbehalt: Wer sich gezielt für die Ring-Werkstatt interessiert, muss über die Uhren und Nebengeschäfte des kleinen Ladens hinwegsehen, die auf der Website mindestens so viel Raum einnehmen wie der Schmuck selbst. Das schmälert die Qualität der Ringarbeit nicht, es macht die Website nur weniger übersichtlich, als sie für ein reines Ring-Atelier sein müsste.

More in Goldschmiede und Ateliers der Altstadt

See all