Flavia Tschanz Goldschmiedin

St. Peterhofstatt 4, Zürich

Tap a star to rate

An der St. Peterhofstatt 4, ein paar Schritte vom Lindenhof entfernt, führt Flavia Tschanz ihr eigenes Goldschmiedeatelier unter ihrem eigenen Namen. Kein Schaufenster voller Verlobungsringe von der Stange, sondern ein Betrieb, der eigene Designs zeichnet, in Wachs modelliert und über ein kleines Netz Schweizer Partnerbetriebe fertigen lässt. Wer in der Altstadt einen Goldschmied sucht, dessen eigener Name auf dem Türschild steht statt eines austauschbaren Markennamens, findet hier genau das.

Ausgebildet hat sich Flavia Tschanz bei der Bijouterie Péclard in Zürich. Auf der eigenen Website beschreibt sie, wie sie dort während der gemeinsamen Lehre vor 20 Jahren Nicole kennengelernt hat, die heute das Tagesgeschäft am Standort leitet. Aus dieser gemeinsamen Ausbildungszeit ist mittlerweile eine Arbeitsteilung geworden, die ein kleines Atelier ungewöhnlich offen kommuniziert: Flavia Tschanz schreibt selbst, sie habe 7 Jahre lang an der St. Peterhofstatt gearbeitet, bevor sie mit ihrer Familie nach Nairobi zog. Seit 2022 führt Nicole die Werkbank, das Design und die Kundengespräche vor Ort, während sich Flavia von Kenia aus auf die Beschaffung der Edelsteine konzentriert. Ihre eigene Begründung dafür: Sie wolle wissen, unter welchen Bedingungen ein Stein abgebaut wurde und ob die Menschen in den Minen fair bezahlt werden, und das lasse sich aus der Nähe besser beurteilen als aus Zürich.

Für ein Zürcher Publikum ist das eine ungewöhnliche, aber nachvollziehbare Konstellation. Wer an die St. Peterhofstatt geht oder online bestellt, hat es also nicht mehr direkt mit der Gründerin am Werktisch zu tun, sondern mit Nicole, die aber selbst gelernte Goldschmiedin ist und aus derselben Ausbildung wie Flavia stammt. Das ist ein legitimer Unterschied zu einem Ein-Personen-Atelier, in dem die Chefin jeden Ring selbst feilt. Wer Wert auf ein Gespräch mit Flavia Tschanz persönlich legt, sollte das vorher abklären, auch weil die Website keine Öffnungszeiten oder ein funktionierendes Kontaktformular anbietet.

Die Ringe und Schmuckstücke

Im eigenen Onlineshop führt Flavia Tschanz 82 benannte Schmuckstücke, nicht nur Ringe, sondern auch Ketten, Ohrringe und Armbänder, jedes mit einem eigenen Namen statt einer blossen Artikelnummer. Für Verlobungs- und Trauringe sind vor allem die Solitärringe Alessia und Diana relevant sowie die schmalen Ringe Alliance Mini und Alliance Midi, die alle in der eigenen Bridal-Kollektion geführt werden. Dazu kommen eigenständige Designs wie nodo, der zur vom Zürichsee inspirierten Sailing Collection gehört, demi lune aus der Classics-Linie, und chui, Suaheli für Leopard, der im Shop eine eigene kleine Kollektion bildet und thematisch zu der auf der Website vorgestellten, von Kenias Wildtieren inspirierten Leopard Collection passt.

Das ist ein anderes Modell als eine offene Massanfertigung nach Kundenskizze: Man wählt aus einem bereits durchdachten, aber überschaubaren Katalog eigener Entwürfe, nicht von einem weissen Blatt Papier aus. Ob und zu welchen Bedingungen die Grösse eines Rings nachträglich angepasst wird oder was eine Anfertigung nach eigenen Vorgaben kosten würde, gibt die Website nicht an. Das müsste man im direkten Gespräch klären.

Auffällig ist, dass der Katalog über Ringe hinausgeht: Ketten, Ohrringe und Armbänder tauchen unter denselben wiederkehrenden Themen auf, etwa der von Kenias Tierwelt inspirierten Leopard-Linie oder der Zürichsee-Bezogenen Sailing Collection, zu der auch nodo gehört. Für ein Paar, das nach dem Verlobungsring auch noch einen passenden Ohrring oder ein Armband für die Trauzeugin sucht, ist das ein Vorteil gegenüber einem Atelier, das ausschliesslich Ringe führt, auch wenn diese anderen Stücke für die Bewertung als Verlobungsring-Adresse hier nur am Rand zählen.

Herkunft, Herstellung und Diamantwissen

Was die Website konkret offenlegt, ist die Fertigungskette. Entworfen und montiert wird im Atelier an der St. Peterhofstatt, gegossen bei einer Giesserei in Biel, gefasst bei Fassern in Luzern, von Hand graviert am Zürichsee, nach eigener Aussage durchwegs Schweizer Partnerbetriebe. Das Gold stammt teils recycelt von der Zürcher Firma Gyr, teils als Fairtrade-Gold von Johnson Matthey. Der Betrieb ist zudem oekogold-zertifiziert, wie die Website unter Verweis auf oekogold.ch festhält. Für Diamanten nennt die Seite ein eigenes Programm namens Botswanamark mit einer nach eigener Aussage lückenlos dokumentierten Route von der Mine bis zur Kundschaft, und für Aquamarine ein Programm namens Zimbaqua, angebunden an eine von Frauen betriebene Mine in Simbabwe. Zur Rückverfolgung setzt das Atelier zusätzlich auf Provenance Proof, eine Blockchain-Anwendung einer Tochtergesellschaft von Gübelin, sowie auf CAD-Software beim Entwurf.

Wer sich für einen Diamantring interessiert, findet auf der Website ausserdem einen eigenen Diamant-Ratgeber. Neben den vier klassischen Bewertungskriterien, Carat, Clarity, Colour und Cut, erklärt er, dass ein Karat 0.2 Gramm entspricht und in 100 Punkte unterteilt wird, und ergänzt eine selbst hinzugefügte fünfte Kategorie namens Commitment, mit Verweis auf das eigene Botswanamark-Programm. Das ist deutlich mehr Transparenz über Herkunft und Lieferkette, als die meisten Altstadt-Ateliers auf ihrer Website ausweisen, und dürfte gerade Schweizer Käuferinnen und Käufer ansprechen, die bei einem Verlobungsring wissen wollen, woher der Stein tatsächlich stammt, nicht nur, dass er als ethisch beworben wird.

Was dabei auffällt und offen benannt werden sollte, ist eine gewisse Spannung zwischen kleinem Atelier und verteiltem Produktionsnetz. Wer sich eine einzige Werkbank vorstellt, an der jeder Schritt vom Guss bis zur Fassung selbst passiert, findet auf der Website tatsächlich ein über die Schweiz verteiltes Partnernetz. Das ist in der Branche üblich und wird hier ungewöhnlich offen erklärt, bleibt aber kein reines Handwerk von A bis Z unter einem Dach.

Versand, Kontakt und was fehlt

Der Onlineshop liefert weltweit per DHL, mit gratis Versand ab 500 Franken Bestellwert und Versand jeweils von Mittwoch bis Samstag für Artikel, die an Lager sind. Bei Lieferungen ins Ausland gehen Zoll- und Einfuhrabgaben zulasten der Empfängerin, wie die Website festhält. Zu Preisen einzelner Ringe, zu einer Gewährleistung oder zu einer Garantiezeit auf die eigenen Stücke äussert sich die Website nicht, das lässt sich nur im direkten Kontakt klären. Dieser läuft in erster Linie über WhatsApp statt über ein klassisches Kontaktformular, das auf der Website derzeit ohnehin nicht funktioniert.

Für wen sich das eignet

Ein Zürcher Paar, das einen bereits fertig gedachten, benannten Ring statt eines offenen Auftrags sucht und dem eine nachvollziehbare Herkunft der Steine wichtiger ist als die grosse Adresse, findet hier ein Atelier mit einer echten Lehrzeit im Rücken, einer langjährigen Standortgeschichte an der St. Peterhofstatt und einer für die Betriebsgrösse ungewöhnlich offen kommunizierten Lieferkette. Wer dagegen unbedingt mit der Gründerin persönlich am selben Tisch sitzen oder vorab eine Preisliste sehen möchte, sollte das vorher anfragen, denn beides ist online nicht garantiert. Der Gesamteindruck bleibt der eines ernsthaften, ungewöhnlich gut dokumentierten Altstadt-Betriebs, der seinen Übergang von der Gründerin zur langjährigen Kollegin offener kommuniziert, als man es von den meisten kleinen Schmuckateliers gewohnt ist.

More in Goldschmiede und Ateliers der Altstadt

See all