Vintage Jewellery (Hedley Prynn)

Fraumünsterstrasse 19, Zürich · dal 2017

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Vintage Jewellery ist kein Ladengeschäft mit Schaufenster an der Bahnhofstrasse, sondern eine Adresse im ersten Stock an der Fraumünsterstrasse 19, gleich hinter dem Paradeplatz, mit Eingang von der Kappelergasse aus. Geführt wird das Geschäft seit 2017 von Hedley Prynn, der hier ausschliesslich mit gebrauchtem und antikem Schmuck handelt, kauft, verkauft und schätzt. Wer eine mehrgenerationige Familiendynastie sucht, findet die hier nicht, und die Website verspricht das auch nirgends: Es ist ein spezialisierter Ein-Mann-Betrieb, kein Haus mit jahrhundertealter Fassade. Dieselbe Adresse, derselbe Name und dieselbe Kurzbiografie finden sich zudem unter einer zweiten, deutschsprachigen Domain, zuerich-juwelier.ch, wo Prynn seine Ausbildung noch einmal in eigenen Worten schildert. Es handelt sich erkennbar um denselben Betrieb unter zwei Adressen im Netz, nicht um zwei konkurrierende Geschäfte. Im Sortiment stehen nicht nur Ringe, sondern auch Ohrringe, Anhänger, Halsketten, Perlenschmuck, Armbänder, Broschen und Manschettenknöpfe, alles aus zweiter Hand oder aus früheren Epochen, nichts davon neu angefertigt.

Im Zentrum steht der Handel mit Ringen aus vergangenen Epochen, und genau darauf zielt diese Kategorie. Im Online-Sortiment lässt sich nach Stilperiode filtern, von der georgianischen Zeit (1780 bis 1820) über Biedermeier (1815 bis 1848), viktorianisch, Belle Époque, Jugendstil und Art déco bis zu einzelnen Jahrzehnten wie 1900, 1920 und 1980. Unter den Ringen allein zeigt der Shop drei Ergebnisseiten. Am unteren Ende steht ein Perlen-Diamantring für 1'200 Franken, mittig ein Diamant-Trauerring aus der georgianischen Zeit, laut Beschreibung circa 1780 bis 1820, für 2'400 Franken, sowie ein Diamantring im Art-déco-Stil von circa 1915 für 4'600 Franken. Ein Saphir-Diamantring von Walter Meier Zürich aus der Zeit um 1950 kostet 3'800 Franken. Weiter oben folgen signierte Stücke: ein Diamantring mit der Signatur Gübelin, dem Luzerner Haus, das neben eigenem Schmuck auch ein bekanntes gemmologisches Labor betreibt, für 5'800 Franken, und, zum selben Preis, ein Saphir-Diamantring signiert von Paul Binder. Am oberen Ende der Ringauswahl liegen ein violetter Saphir-Diamantring im Art-déco-Stil von 1920 für 12'000 Franken, ein kolumbianischer Smaragd-Diamantring für 18'000 Franken und, als teuerstes Stück unter den Ringen, ein Saphir-Diamantring aus Vevey von 1960 für 20'000 Franken.

Ausserhalb der Ringe zeigt der Shop, welches Niveau an Stücken hier grundsätzlich durchläuft, und das ist für die Einordnung der Ringe selbst nützlich. Ein Paar Diamantohrringe mit Cartier-Signatur, Modell Hindu Flower, mit acht Diamanten von zusammen rund 0.70 Karat, gefasst in 750er Gelbgold mit einem Gewicht von 2.45 Gramm, ist für 3'200 Franken gelistet. Ein weiteres Paar, signiert von Golay Buchel et Cie SA aus Lausanne, kostet 25'000 Franken, das teuerste Einzelstück im gesamten Sortiment, das sich beim Durchsehen finden liess.

Was das Geschäft von einem gewöhnlichen Secondhand-Anbieter unterscheidet, ist die Dokumentation dahinter. Prynn selbst bringt eigenen Angaben zufolge mehr als 35 Jahre Erfahrung im Handel mit Secondhand- und Antikschmuck sowie Edelsteinen mit, deutlich länger, als sein Zürcher Geschäft an dieser Adresse besteht. Er hält ein Gemmologie-Diplom des GIA, dem Gemological Institute of America, und ist nach eigener Aussage aktives Mitglied der Schweizerischen Gemmologischen Gesellschaft SGG. Um Herkunft und Behandlung von Steinen zu bestimmen, arbeitet er laut eigener Beschreibung mit unabhängigen Laboren zusammen, namentlich SSEF, GGTL und Gübelin. Ein Zertifikat wird allerdings nur bei höherer Qualität ausgestellt, nicht bei jedem Stück, das steht so auf der Website. Das deckt sich ziemlich genau mit dem, was in dieser Kategorie zählt: nicht wie ein Ring auf dem Foto wirkt, sondern wie viel Papier tatsächlich mitgeliefert wird. Stücke, die es nötig haben, werden laut eigener Aussage vor dem Verkauf repariert und aufgefrischt, damit sie in möglichst gutem Zustand den Besitzer wechseln.

Aufbau und Öffnungszeiten

Der Shop funktioniert als Online-Boutique mit Kauf auf Distanz, ergänzt durch den Showroom vor Ort. Geöffnet ist dienstags bis freitags, 10 bis 18 Uhr, samstags nur nach vorheriger Terminvereinbarung, montags und sonntags bleibt geschlossen. Die Hauptseite schaltet oben zwischen Englisch und Deutsch um. Wer von Anfang an auf Deutsch einkaufen möchte, landet über zuerich-juwelier.ch praktisch in derselben Bijouterie, mit eigener Warenpräsentation und teils anderen Einzelstücken, aber demselben Inhaber, derselben Adresse und derselben Telefonnummer. Kreditkarten werden laut eigener Angabe akzeptiert, ebenso ist eine Bezahlung direkt im Showroom möglich. Im Online-Shop lässt sich nach Beliebtheit, Bewertung, neuesten Stücken oder Preis sortieren, jedes Stück lässt sich auf eine Merkliste legen, und auf der Produktseite steht jeweils eine eigene Lagernummer, etwa Nummer 1552 bei den erwähnten Cartier-Ohrringen. Wer sich vor dem Kauf noch nicht sicher ist, kann statt des Warenkorbs auch eine Anfrage schicken, ohne gleich verbindlich zu bestellen.

Im Vergleich

Gegenüber einem Haus mit Schaufenster an der Bahnhofstrasse fehlt hier jede Strassenpräsenz, das Geschäft findet im ersten Stock statt, nach Anmeldung eher als im Vorbeigehen. Dafür kauft Prynn auch aktiv Gold, Platin, Diamanten und Edelsteine von Privatpersonen zurück und bewertet sie an Ort und Stelle, ein Geschäftsmodell, das nicht jedes traditionelle Haus in dieser Form pflegt. Gegenüber einer x-beliebigen Vintage-Plattform im Netz sticht die Kombination aus eigener gemmologischer Ausbildung und externer Laborbestätigung heraus. Eine reine Verkaufsplattform ohne eigenen Gemmologen und ohne benannte Partnerlabore bietet diese zusätzliche Kontrollinstanz in der Regel nicht.

Für wen sich das eignet

Wer einen Verlobungsring mit erkennbarem Charakter aus einer bestimmten Epoche sucht statt eines Serienmodells von der Stange, findet hier eine sehr gezielte Auswahl, von georgianischen Trauerringen bis zu Art-déco-Solitären und signierten Stücken. Wer umgekehrt selbst altes Gold, eine geerbte Kette oder einen nicht mehr getragenen Ring verkaufen möchte, bekommt eine Einschätzung direkt im Showroom und, bei entsprechendem Wert des Steins, ein Laborzertifikat dazu. Wer dagegen unbedingt eine alteingesessene Zürcher Institution mit eigener Werkstatt und mehreren Generationen an derselben Adresse sucht, ist hier am falschen Ort, das verspricht die Seite auch nirgends.

Unser Fazit

Für ein Geschäft, das erst seit 2017 an dieser Adresse handelt, ist die Dokumentation ungewöhnlich sauber: ein Diplom, eine Fachgesellschaft, namentlich genannte Labore statt vager Beteuerungen über Echtheit. Die spürbarste Einschränkung ist der Umfang der öffentlich sichtbaren Kundenrückmeldungen: Auf Google sind es 12 Rezensionen, mit Daten von 2020 bis 2024, das liest sich eher nach einem soliden Nischenbetrieb als nach einem grossen Haus mit entsprechend viel Laufkundschaft. Garantie- oder Rückgabefristen nennt die Website nirgends öffentlich, wer das braucht, sollte im Showroom direkt danach fragen, statt sich auf eine Standardformel zu verlassen, die es online schlicht nicht gibt. Insgesamt aber eine der wenigen Adressen in dieser Kategorie, bei der sich Herkunft und Qualität eines Steins tatsächlich nachprüfen lassen, mit Namen, die man googeln kann, statt sie bloss auf Treu und Glauben zu behaupten.

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