Vintage Diamonds (Christophe Walser)
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Vintage Diamonds ist ein Juweliergeschäft mitten in der Zürcher Altstadt, geführt von Christophe Walser. Die eigene Website beschreibt die Geschichte so: Seit dem Jahr 2000 gebe es an dieser Adresse eine Anlaufstelle für exklusiven Schmuck, zunächst unter dem Namen Schmuck Börse, heute als Vintage Diamonds. Das Handelsregister bestätigt diese Zeitangabe unabhängig davon: Die Einzelfirma Christoph Walser Vintage Diamonds wurde im Jahr 2000 gegründet, mit Sitz am Limmatquai 62, 8001 Zürich. Als Inhaber eingetragen war damals neben Christoph Walser auch ein Peter Hauser, beide mit Wohnsitz in Neuhausen am Rheinfall. Auf der heutigen Website taucht nur noch Christophe Walser als Inhaber auf, von einem zweiten Namen ist dort nirgends die Rede. Die Firma wurde 2019 aus dem Handelsregister gelöscht, laut Eintrag auf eigenen Wunsch des Inhabers und weil die gesetzlichen Voraussetzungen für die Eintragungspflicht nicht mehr erfüllt waren. Das ist in der Schweiz ein administrativer Vorgang unterhalb einer bestimmten Umsatzschwelle, kein Konkurs und kein Hinweis auf eine Geschäftsaufgabe. Die Website selbst wirkt aktuell, mit einem Copyright-Vermerk für das laufende Jahr, und der Laden ist laut eigenen Angaben weiterhin regulär geöffnet.
Das Sortiment beschreibt die Website als äusserst vielfältig: antiker Schmuck aus verschiedenen Epochen, namentlich Art-déco, dazu stylische Vintage-Stücke, signierte Schmuckstücke von Cartier, Bulgari und Van Cleef & Arpels, moderne zeitgenössische Kreationen, klassische Juwelen sowie Luxusmarkenuhren. Über den eigenen Auftritt hinaus verkauft Christophe Walser auch international, über die amerikanische Handelsplattform 1stDibs, dort seit 2018 als Händler gelistet, mit einer Bewertung von 5 von 5 Sternen. Das dortige Sortiment zeigt eine grössere Bandbreite an Marken, darunter Damiani, Georg Hornemann und Carl F. Bucherer, dazu Stücke aus mehreren Jahrzehnten, von den 1910er- bis in die 2010er-Jahre. Für ein Geschäft, das sich um Verlobungsringe mit Geschichte dreht, sind besonders die dort gelisteten Solitäre und Dreisteiner interessant: ein Art-déco-Solitär aus Platin mit einem im Übergangsschliff gearbeiteten Diamanten von 2,53 Karat aus den 1920er-Jahren, ein Solitär von Tiffany & Co. aus Platin mit einem Diamanten von 1,38 Karat in der Reinheit VS2 und Farbe G aus den 2010er-Jahren, sowie ein Belle-Époque-Ring mit Rubin und einem ovalen, im alteuropäischen Schliff gearbeiteten Diamanten von rund 1,02 Karat aus dem Jahr 1910. Ein Dreisteiner mit Aquamarin und Diamanten stammt laut Angabe von Gübelin Lucerne, einem in der Schweiz bekannten Namen für Edelsteinprüfung und Schmuck. Preise nennt 1stDibs zu keinem dieser Stücke öffentlich, und auch die eigene Website von Vintage Diamonds nennt an keiner Stelle eine Zahl zu Preisen.
Was auffällt
Der Auftritt der eigenen Website steht in einem gewissen Gegensatz zur langen Geschichte des Betriebs. Der gecachte Seitentext enthält sichtbare Reste einer alten WordPress-Vorlage: ein Login- und Registrierungsformular ohne erkennbaren Zweck für ein Schmuckgeschäft, ein Versionsverzeichnis eines Theme-Anbieters, dazu eine Adresse in Melbourne samt australischer Telefonnummer, die offensichtlich nichts mit dem Zürcher Geschäft zu tun hat und schlicht nie aus der Vorlage entfernt wurde. Das sind Vorlagenreste, keine echten Angaben zum Geschäft, und sie wurden für diesen Text auch nicht verwendet. Sie zeigen aber, dass die Website seit längerem nicht grundlegend überarbeitet wurde, was zu einem Betrieb passt, der auf Lauf- und Stammkundschaft in der Altstadt setzt und sein internationales Geschäft über eine fremde Plattform statt über den eigenen Webauftritt abwickelt.
Eine zweite Unstimmigkeit betrifft die Adresse. Das Handelsregister, mehrere Schweizer Branchenverzeichnisse und eine unabhängige Kartenabfrage zeigen übereinstimmend den Limmatquai 62 in 8001 Zürich als Sitz des Geschäfts. Auf 1stDibs dagegen wird der Standort mit Zollstrasse angegeben, ohne Hausnummer, eine ganz andere Ecke der Stadt. Welche der beiden Angaben die aktuelle Ladenadresse ist, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht abschliessend klären. Wahrscheinlicher ist, dass die Handelsregisterangabe stimmt und 1stDibs schlicht eine ältere oder ungenaue Standortangabe führt, da mehrere unabhängige Verzeichnisse übereinstimmend nur den Limmatquai nennen. Wer das Geschäft vor Ort besuchen will, tut trotzdem gut daran, die Adresse vorher gegenzuprüfen oder anzurufen.
Öffnungszeiten und was fehlt
Geöffnet ist laut Website von Dienstag bis Freitag von 10.30 bis 18 Uhr und samstags von 10 bis 16 Uhr, montags und sonntags bleibt zu. Ausserhalb dieser Zeiten ist ein Besuch nach telefonischer Vereinbarung möglich. Der Kontakt läuft über eine Mobilnummer und eine E-Mail-Adresse, eine Servicenummer mit mehreren Nebenanschlüssen oder ein klassisches Ladentelefon gibt es nicht, was zu einem kleinen, inhabergeführten Geschäft passt. Bedient wird auf Deutsch und Englisch.
Zu mehreren Punkten, die beim Handel mit gebrauchtem und antikem Schmuck besonders zählen, sagt die eigene Website nichts. Keine Angabe dazu, welche Herkunftspapiere oder Zertifikate zu den einzelnen Stücken mitgeliefert werden, keine Angabe zu einer eigenen oder externen Schätzung vor dem Kauf, und nichts zu einer Gewährleistung über das gesetzliche Minimum hinaus. Einzig die Ausbildung des Inhabers ist dokumentiert: Christophe Walser ist laut eigenen Angaben ausgebildeter Gemmologe des Gemological Institute of America, kurz GIA, einem international anerkannten Ausbildungsweg für die Beurteilung von Edelsteinen. Das ersetzt keine Papiere zu einem einzelnen Stück, ist aber ein nachprüfbarer Hinweis auf die fachliche Grundlage des Geschäfts, und die Website erwähnt an dieser Stelle auch ein Team, arbeitet also offenbar nicht als reiner Ein-Personen-Betrieb.
Im Vergleich
Verglichen mit den grossen Häusern an der Bahnhofstrasse, die überwiegend neue Kollektionen bekannter Marken führen, ist Vintage Diamonds ein Handelsgeschäft für Stücke mit eigener Geschichte: Art-déco-Ringe, Stücke bekannter Häuser aus zweiter Hand, sowie der Ankauf von Schmuck, Diamanten und Uhren, wie es die Geschäftstätigkeit im Handelsregister nennt. Das deckt sich mit dem, worum es in dieser Kategorie geht, nämlich um Stücke, die es neu nicht mehr zu kaufen gibt, oft zu einem tieferen Preis pro Karat als ein vergleichbarer neuer Stein, bei denen aber Zustand und Echtheit zählen. Anders als ein Atelier mit eigener Werkbank stellt Vintage Diamonds selbst nichts her, sondern kauft, verkauft und vermittelt. Für Provenienz und Zustand bleibt die Kundschaft auf die Angaben des Geschäfts angewiesen, denn eine eigene, unabhängige Schätzung vor dem Kauf als festen Bestandteil des Ablaufs nennt die Website nicht.
Innerhalb der Zürcher Altstadt liegt das Geschäft am Limmatquai, also nicht an der Bahnhofstrasse selbst, sondern auf der anderen Seite der Innenstadt, entlang der Limmat in Richtung Bellevue. Das ist eine ruhigere, weniger auf Tourismus ausgerichtete Adresse als die grossen Schaufenster der Bahnhofstrasse, auch wenn sie ebenfalls mitten im Zentrum liegt und keine Randlage ist. Wer von der Bahnhofstrasse herüberkommt, findet hier also kein zweites Kaufhaus, sondern einen kleineren Handel, der sein Geld mit Wiederverkauf statt mit Neuware verdient.
Für wen es passt
Vintage Diamonds passt zu einem Paar, das nach einem Ring mit eigener Geschichte sucht statt nach einem Neuprodukt ab Stange, sei es ein Art-déco-Solitär oder ein Stück eines bekannten Hauses aus zweiter Hand. Passend auch für alle, denen der fachliche Hintergrund des Verkäufers wichtig ist: Ein GIA-ausgebildeter Gemmologe als Inhaber ist ein reales, nachprüfbares Kriterium und keine Marketingfloskel. Weniger passend ist das Geschäft für alle, die vorab schriftliche Angaben zu Herkunft, Zustand oder Gewährleistung eines konkreten Stücks brauchen, denn dazu äussert sich die Website nicht, und wer zuerst Preise vergleichen will, findet auch dazu keine Zahl im Netz. Wer die genaue Adresse anzweifelt, weil zwei Quellen unterschiedliche Strassen nennen, ruft am besten vor dem Besuch kurz an.
Fazit
Für ein Geschäft, das seit dem Jahr 2000 an derselben Adresse mit Vintage-Schmuck und Diamanten handelt, macht die eigene Website es sich unnötig schwer: veraltete Vorlagenreste, keine Preisangaben, keine Angaben zu Herkunftspapieren und eine Adresse, die auf der internationalen Plattform anders lautet als im Handelsregister. Was bleibt, ist ein inhabergeführter Handel mit einer im Handelsregister nachvollziehbaren Geschichte, einem fachlich ausgebildeten Gemmologen an der Spitze und einem Sortiment, das von Art-déco-Solitären bis zu signierten Stücken bekannter Häuser reicht. Wer bereit ist, Fragen zu Herkunft und Zustand direkt im Gespräch statt vorab im Internet zu klären, findet hier eine der wenigen Zürcher Adressen, die sich ausdrücklich dem Handel mit gebrauchtem und antikem Schmuck widmet statt dem Verkauf neuer Kollektionen.