Nicole Grob
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Nicole Grob nennt sich selbst die Goldgiesserin, nicht Goldschmiedin, und das ist wörtlich gemeint. Ihr Atelier liegt an der Seestrasse 13, 8640 Rapperswil, ein paar Gehminuten von der Altstadt und dem Seeufer entfernt, und dort entsteht jedes Stück nach demselben Grundverfahren: nicht gefräst und nicht aus einer vorgefertigten Fassung zusammengesetzt, sondern im Feuerguss gegossen. Ein Modell wird von Hand in Wachs gearbeitet, in Sand eingebettet und mit flüssigem Gold ausgegossen. Die eigene Website bezeichnet diese Technik als 5000 Jahre alt und schreibt, die Giesser vergangener Zeiten hätten als grosse Meister der Alchemie gegolten, weil sie verstanden, Materie zu verändern und Edelmetalle in Form zu giessen. Nicole Grob habe das Verfahren nach eigener Aussage neu erlernt und über Jahre experimentiert, bevor sie es zu ihrer eigenen Handschrift gemacht hat. Jeder Guss falle dabei anders aus, weil der Sand die Oberfläche jedes Mal neu zeichnet, so die Seite.
Für ein Paar, das nach einem Verlobungs- oder Trauring sucht, ist vor allem eine Sache wichtig, und die klärt Nicole Grob auf ihrer eigenen Unterseite ausdrücklich: Der Titel dieser Seite lautet selbst "Spezielle Eheringe Trauringe aus Feuer und Liebe der Goldgiesserin Nicole Grob", und im Text heisst es wörtlich, man könne kommen "ob ein spezieller Solitärring, einen Diamantring oder zarte Trauringe" gewünscht sei, "vielleicht" auch "ein Alliancering oder ein Ehering", in dem sich die gemeinsamen Ehejahre in Brillanten zählen liessen. Trauringe stehen damit nicht am Rand des Angebots, sondern werden explizit als eine der eigenen Spezialitäten genannt, neben Verlobungsring und Solitär. Jedes Stück sei, so die Seite weiter, "ein Einzelstück und eine Anfertigung nach Wunsch, auf Mass, aus Meisterhand".
Was das in der Praxis heisst, zeigt die Galerie auf der Startseite an Beispielen: ein Rotgoldring mit champagnerfarbenen Brillanten, ein Solitärring mit einem 1ct weissen Safir und lupenreinen Brillanten in Roségold, dazu eine zartere Serie namens "Fräulein Zart" in Gelb- und Weissgold, wahlweise mit oder ohne Brillanten oder Safire. Ringe sind aber nur ein Teil des Angebots. Dazu kommen ein Collier aus Tahitiperlen und Labradorit mit Platinverschluss, ein weiteres aus Keshi-Perlen, Weissgold, Brillanten und Safiren, laut Bildunterschrift als Anfertigungswunsch für eine Kundin entstanden, Armbänder aus Tahitiperlen, Bernstein, Onyx und Quarz sowie Ohrschmuck in Gelb- und Weissgold mit Aquamarinen und Brillanten oder schlichter in Platin mit Brillanten allein. Ein Ausreisser im Sortiment ist "Immerzeit", eine Uhr aus massivem Feuerguss in Silber oder Edelstahl, die laut Website nicht zeigen soll, wie das Leben verrinnt, sondern den Luxus von Immerzeit verschaffen will. Auch ein Amulett nach den eigenen Handlinien wird angeboten, Preis und Grösse gemäss Besprechung, wie es dort heisst. Das fasst zusammen, wie hier gearbeitet wird: nichts ab Stange, alles im Gespräch entwickelt.
Beim Material verweist die Website auf Ökogold und auf Schweizer Lieferanten. Sämtliche Materialien bezieht die Goldgiesserin laut eigener Aussage in der Schweiz beziehungsweise von Schweizer Lieferanten, und die Schmuckstücke würden ausnahmslos aus Ökogold gefertigt, zertifiziert über die Zertifizierungsstelle oekogold.ch. Edelsteine seien bewusst und einzeln nach Qualität und Herkunft ausgesucht. Was das für einen einzelnen Stein konkret bedeutet, etwa einen Herkunftsnachweis für einen bestimmten Safir, nennt die Seite nicht, das bleibt eine allgemeine Aussage der Anbieterin und keine unabhängig geprüfte Einzelzertifizierung.
Werkstatt statt Traditionshaus
Wer von der Bahnhofstrasse oder von einem der alteingesessenen Rapperswiler Familienbetriebe kommt, findet hier eine andere Betriebsform. Nicole Grob ist kein Haus mit mehreren Generationen und einer Gründungsjahreszahl im Schaufenster, sondern ein Ein-Personen-Atelier unter dem eigenen Namen. Wo sie ihre Lehre gemacht hat und seit wann sie als Goldgiesserin arbeitet, sagt die Website nicht, und das erfinden wir nicht dazu. Was sie dagegen ausdrücklich festhält: Sie erschafft jedes Stück selbst, "von der Idee über das Design bis zur Umsetzung fertigt sie alles aus eigener Hand". Ein Impressum mit Adresse und Kontaktdaten ist vorhanden, eine Handelsregisternummer oder ein Gründungsjahr sind darauf nicht aufgeführt. Wer also nicht in erster Linie eine Familiengeschichte sucht, sondern eine einzelne Goldschmiedin, deren Werkbank man beim Termin auch tatsächlich sieht, findet hier den Gegenentwurf zum Traditionshaus.
Kurse, Mietplatz und Preise
Ungewöhnlich für einen Ring-Anbieter: Nicole Grob unterrichtet auch selbst. Ein zweitägiger Grundkurs, den sie "Glückschmiede" nennt, richtet sich an Anfängerinnen und Anfänger ohne Vorkenntnisse, findet an 2 Samstagen statt, jeweils von 9.30 bis rund 17 Uhr, ist auf 5 Teilnehmende begrenzt und kostet CHF 690 pro Person. Darin enthalten sind laut Website Gusskosten von CHF 140 sowie Werkzeug und Verbrauchsmaterial, das gewählte Edelmetall kommt zusätzlich dazu, und Plätze können laut Website nicht reserviert, sondern nur verbindlich gebucht werden. Eine eigene Variante richtet sich an Paare, die ihre Trauringe zusammen schmieden wollen: ebenfalls 2 Tage, an Sonntagen, auf 3 Paare begrenzt, ebenfalls CHF 690 pro Person, hier inklusive Werkzeug und Verbrauchsmaterial, ohne separat ausgewiesene Gusskosten. Wer schon einen Kurs besucht hat, kann später für CHF 45 pro Stunde einen Arbeitsplatz im Atelier mieten und dort selbstständig weiterarbeiten, mit gelegentlicher Unterstützung bei Bedarf. Das sind die einzigen Preise, die die Website tatsächlich nennt. Was ein fertiges Schmuckstück wie ein Trauringpaar am Ende kostet, wird nicht veröffentlicht, sondern im persönlichen Gespräch festgelegt, und eine Gewährleistung oder Angaben zu Grössenänderungen im Nachhinein finden sich auf der Seite ebenfalls nicht, wer das braucht, sollte danach fragen, bevor er bestellt.
Geöffnet ist von Dienstag bis Samstag, feste Uhrzeiten nennt die Website nicht. Besuche und Beratungen sind mit Termin erwünscht, weil, wie es dort selbst heisst, jedes Stück von der Idee bis zur Umsetzung Zeit braucht. Spontan vorbeikommen und klingeln ist trotzdem möglich, dann zeigt sich, ob gerade Zeit ist. Ein unabhängiger Eintrag auf einem Schweizer Verzeichnisportal führt den Betrieb unter derselben Adresse und demselben Namen als geöffnet, was zusammen mit einer erst vor wenigen Monaten aktualisierten Website dafürspricht, dass hier weiterhin aktiv gearbeitet wird.
Für wen sich das eignet
Für ein Paar, das statt eines Katalogrings ein echtes Unikat will und bereit ist, dafür ins Atelier nach Rapperswil zu kommen und den Preis erst im Gespräch statt online zu erfahren, ist das eine der eigenständigeren Adressen am oberen Zürichsee. Für ein Paar, das seine Trauringe im Wortsinn selbst schmieden möchte, ist der Kurs für zwei sogar eine der wenigen Möglichkeiten in der ganzen Region, das überhaupt zu tun. Wer dagegen sofort ein Preisschild sehen will, feste Liefer- oder Garantiezusagen braucht oder eine grosse Auswahl fertiger Stücke zum Anprobieren sucht, ist in einem der klassischeren Rapperswiler Fachgeschäfte besser aufgehoben, dort ist mehr im Voraus bekannt. Als Adresse für ein Paar, das ein persönliches, handgefertigtes Projekt sucht und keine Eile hat, bleibt Nicole Grob aber eine der interessanteren Optionen in dieser Kategorie.