Atelier Tessa Goldschmiede

Seidenstrasse 6, Lachen SZ · dal 2001

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Wer am oberen Zürichsee nach einem Goldschmied sucht, der Ringe wirklich von Hand macht und nicht nur verkauft, landet fast zwangsläufig bei Atelier Tessa in Lachen. Das Haus liegt an der Seidenstrasse 6 in Lachen SZ, also am Ostufer des Sees im Kanton Schwyz, nicht in der Stadt Zürich, auch wenn viele Zürcher Paare den Weg dorthin auf sich nehmen. Inhaber ist Claudio Tessa, der sein eigenes Atelier im Februar 2001 eröffnet hat. Wie er selbst in einem Porträt im March-Anzeiger vom Juli 2019 erzählt, war der Start alles andere als einfach: In den ersten Jahren wartete er morgens manchmal, ohne zu wissen, womit er den Tag füllen sollte, bis Post von Kundschaft oder Lieferanten kam. Ein unabhängiges Branchenverzeichnis beschreibt das Geschäft inzwischen als seit mehr als 20 Jahren aktiv, was mit dem 2001 genannten Gründungsjahr übereinstimmt.

Heute arbeitet im Atelier ein kleines Team: Neben Petra und Claudio Tessa führt die Website Magdalena Fuchs, Andrea Trachsel, Veronica Schmid und Cornelia Ammann als Mitarbeiterinnen. Das Sortiment deckt praktisch alles ab, was zu einer Verlobung und Hochzeit gehört: Verlobungsringe mit Brillanten, Eheringe und Trauringe, dazu Carbon-, Siegel- und Wappenringe. Auffällig ist die Materialbreite, die über das übliche Gelbgold-Weissgold-Angebot klar hinausgeht.

Was das Atelier fertigt

Neben klassischem Gold- und Platinschmuck arbeitet Atelier Tessa seit der Gründung 2001 mit Carbon, das die Website wegen seines extrem geringen Gewichts und seiner Festigkeit als gefragtes Material für Ringe beschreibt, und mit Tantal, einem seltenen, graphitgrau glänzenden Metall, das laut Website nur wenige Goldschmiede überhaupt bearbeiten können. Tantal schmilzt erst bei rund 3000 Grad, ist ähnlich schwer wie Weissgold und lässt sich sowohl mattieren als auch polieren: Matt wirkt es graublau und kristallin, poliert dunkler mit einem fast mystischen Glanz.

Am ungewöhnlichsten ist der Damaststahl. In der eigenen Werkstatt wird er traditionell in der Kohleesse zum Glühen gebracht, von Hand gefaltet, geschmiedet und geformt. Sein charakteristisches Muster zeigt sich erst beim Ätzen in verdünnter Schwefelsäure. Werden Damast-Eheringe für ein Paar gefertigt, tragen beide Ringe danach exakt dasselbe Muster, was die Website ausdrücklich als Symbol echter Verbindung anpreist. Wer die Machart lieber klassisch mag, bekommt Wappen- und Siegelringe mit von Hand gravierten Familienwappen. Ein Modell in Weissgold 750 ist auf der Website mit einem Startpreis von 5'500 Franken ausgezeichnet, eine der wenigen Preisangaben, die die Seite überhaupt öffentlich macht.

Wie handwerklich das Ganze wirklich ist

Dass hier tatsächlich von Hand gearbeitet wird, lässt sich im erwähnten Zeitungsporträt gut nachlesen. Eine Lehre zum Goldschmied oder zur Goldschmiedin dauert in der Schweiz 4 Jahre. In den ersten 2 Jahren übt der oder die Lernende Sägen, Feilen, Biegen, Fräsen, Bohren und Löten, danach braucht es laut Tessa nochmals 4 bis 6 Jahre Berufserfahrung, bis jemand die ganze Bandbreite des Handwerks beherrscht. Tessa selbst nimmt in Zürich, wo der Lehrgang weiterhin angeboten wird, die Abschlussprüfungen ab. Durchschnittlich schliessen dort pro Jahr 8 Lernende die Ausbildung ab, die Schülerinnen und Schüler kommen aus 6 bis 7 verschiedenen Kantonen.

Im Atelier selbst wird Draht bis 2,5 Millimeter von Hand gezogen, alles darüber kommt auf die Ziehbank. Danach wird die Ringschiene geschmiedet, mit Hammer und Muskelkraft, eine Technik, die sich laut Tessa seit Jahrtausenden kaum verändert hat. Für einen handgeschmiedeten Verlobungsring braucht das Team laut dem Porträt von 2019 rund 8 Stunden, ein komplexerer Ring verlangt 16 bis 24 Stunden, und die aufwendigste Arbeit, an die sich Tessa erinnert, kostete rund 100 Stunden reine Handarbeit. Zwei technische Umbrüche haben die Branche seither verändert: Vor rund 40 Jahren kam die Wachs-Guss-Methode auf, vor rund 10 Jahren das computergestützte Zeichnen mit 3D-Ansicht, kurz CAD. Tessa nutzt CAD, sieht es aber kritisch, wenn es einfache Ringe komplett ersetzt: Einen schlichten Ring mit gewöhnlicher Fassung könne er in derselben Zeit von Hand anfertigen.

Perlen, Edelsteine und das Altgold-Geschäft

Wer über den Ring hinaus einkaufen will, findet bei Atelier Tessa auch Fiji-Zuchtperlen, ein Nischenprodukt, das die Website ausführlich erklärt. Seit 1999 züchtet der Meeresbiologe Justin Hunter mit seinem Team vor Ort Perlen der Auster Pinctada Margaritifera typica. Jährlich werden nur rund 25'000 Fiji-Zuchtperlen geerntet, umgerechnet etwa 50 Kilogramm, verglichen mit rund 17 Tonnen Jahresproduktion bei Tahiti-Perlen. Entsprechend liegt der Preis laut Website etwa doppelt so hoch wie bei Tahiti-Perlen.

Das Atelier kauft ausserdem Altgold an, offiziell registriert beim Zentralamt für Edelmetallkontrolle der Schweiz für den gewerbsmässigen Ankauf von Edelmetallen. Angenommen werden unter anderem Gold-, Platin- und Palladiumschmuck, Goldmünzen und Zahngold, der Goldwert richtet sich nach dem Feingehalt der Legierung, etwa 750/18kt, 585/14kt oder 375/9kt. Nach eigenen Angaben deckt das Atelier seinen gesamten Edelmetallbedarf durch Recycling-Gold, ohne neue Umweltbelastung. Wer es unkomplizierter mag: Unter shop.atelier-tessa.ch betreibt das Haus zusätzlich einen eigenen Online-Shop, allerdings für Uhren der Marken Junghans und Qlocktwo statt für Ringe, ein Hinweis darauf, wie breit das Geschäft neben dem eigentlichen Goldschmiede-Handwerk aufgestellt ist.

Erreichbarkeit und Öffnungszeiten

Lachen liegt am oberen Ufer des Zürichsees, für alle, die sonst nur die Bahnhofstrasse kennen, ist das Umland. Wer hierher fährt, kommt wegen des Ateliers, nicht wegen der Adresse. Geöffnet ist Dienstag bis Freitag von 9 bis 12 und von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 9 bis 16 Uhr, montags ist geschlossen, Termine ausserhalb dieser Zeiten sind nach Vereinbarung möglich. Die Website nennt zusätzlich Betriebsferien vom 19. Juli bis 3. August, ein Detail, das zeigt, dass die Seite gepflegt wird und nicht seit Jahren unverändert online steht.

Für wen sich der Weg lohnt

Zur Kaufentscheidung gehört bei einem Verlobungsring auch, was nach dem Kauf passiert: Grössenänderungen Jahre später, Service, Gewährleistung. Genau dazu macht die Website keine öffentlichen Angaben, weder zur Gewährleistung noch zu Änderungsarbeiten, das lässt sich nur telefonisch oder vor Ort klären. Wer einen unkomplizierten Vitrinenkauf mit fixen Online-Preisen sucht, ist bei Atelier Tessa daher an der falschen Adresse. Die Verlobungs- und Eheringe-Seiten selbst zeigen vor allem Fotos einzelner Stücke und wenig Fliesstext zum Ablauf einer Massanfertigung.

Wer dagegen bereit ist, für ein Erstgespräch nach Lachen zu fahren, bekommt dafür ein Haus, das seine Ringe tatsächlich in der eigenen Werkstatt schmiedet, das mit Materialien wie Tantal und Damaststahl arbeitet, die man bei den meisten Zürcher Bijouterien gar nicht findet, und das seinen Materialbedarf nach eigener Aussage vollständig aus recyceltem Gold deckt. Für ein Paar aus der Region March, vom Zürichsee-Ostufer oder aus Rapperswil-Jona, das lieber bei einem Betrieb in der Nähe kauft als in der Stadt, ist das ein überzeugendes Angebot. Der einzige echte Vorbehalt: Preise und Garantiebedingungen für Verlobungs- und Eheringe muss man selbst erfragen, online stehen sie nicht.

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