Leibish & Co.
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Leibish ist kein Schweizer Online-Juwelier, sondern ein 1979 gegründetes Familienunternehmen mit rechtlichem Sitz in New York, das sich seit fast fünf Jahrzehnten auf natürliche Fancy-Color-Diamanten spezialisiert hat: farbige Diamanten in Gelb, Pink, Blau, Grün, Orange, Braun oder Schwarz statt der klassischen farblosen Steine, die man in einer Bahnhofstrasse-Vitrine erwartet. Wer für den Verlobungsring bewusst etwas Selteneres sucht als einen weissen Solitär, findet hier eine der grösseren Online-Auswahlen dieser Nische, komplett mit Ringkonfigurator, eigener Braut- und Trauring-Linie und einem ausführlichen Zertifikatswesen. Für Schweizer Käuferinnen und Käufer bedeutet das aber auch: Man bestellt bei einem Anbieter, der weder in Franken rechnet noch dem Schweizer Recht untersteht, und genau darauf lohnt sich ein zweiter Blick, bevor der Warenkorb gefüllt wird.
Firmengründer Leibish Polnauer war ursprünglich Diamantschleifer. Der eigenen Firmengeschichte zufolge las er, nachdem seine Fabrik geschlossen hatte, eine Anzeige des britischen Kronjuweliers Garrard, rief dort unangekündigt an und erhielt innerhalb von 2 Wochen einen ersten Auftrag über 80 birnenförmige Diamanten. Aus dieser Episode wurde ein Familienbetrieb, den Leibish laut eigenen Angaben bis heute gemeinsam mit seiner Frau Rosi und den gemeinsamen Kindern führt, während Sohn Yossi Polnauer als CEO amtet. Rechtlich firmiert der Online-Shop als Leibish Online Inc. mit Adresse 18 East 48th Street, Suite 1102, in New York. Für den eigentlichen Diamantenhandel unterhält das Unternehmen laut eigenen Angaben zusätzlich ein Büro an der Israel Diamond Exchange, dem traditionellen Sitz des israelischen Diamantenhandels in Ramat Gan bei Tel Aviv, sowie weitere Standorte in Sydney und Hongkong, dazu Partner in Belgien und Mumbai. Von einem einzigen Standort in Ramat Gan aus zu liefern, wie der Name in mancher Übersicht suggeriert, trifft es nur zum Teil: New York ist der rechtliche Sitz, Ramat Gan einer von mehreren Handelsstandorten.
Was man bekommt
Das Sortiment reicht von farbigen Diamanten in gut einem Dutzend Nuancen (Gelb, Pink, Argyle-Rosa, Blau, Champagner, Grün, Orange, Rot, Violett, Chamäleon, Schwarz, Grau) über klassische farblose Brillanten bis zu farbigen Edelsteinen wie Saphir, Rubin, Smaragd und Tansanit. Verlobungsringe lassen sich nach Fassung (Solitär, Halo, drei oder zwei Steine), Form und Grösse filtern, dazu kommt ein Konfigurator namens "Design Your Own", der eine Voransicht des fertigen Rings per KI-Rendering zeigt, bevor überhaupt bestellt wird. Für die Trauung selbst führt Leibish unter der Rubrik Bridal eigene Damen- und Herren-Trauringe, Ring-Sets und Eternity-Ringe, ergänzt um eine Kollaboration mit der Brautmoden-Designerin Galia Lahav für aufwendigere Haute-Couture-Schmuckstücke. Jeder Stein kommt nach eigenen Angaben mit einem Zertifikat von GIA, Argyle, IGI oder einer hauseigenen Prüfstelle, bei losen GIA-zertifizierten Diamanten ist die Begutachtung gratis.
Preislich zeigt sich die Spannbreite direkt im Katalog: Am Tag der Recherche stand dort zum Beispiel ein 0,53-Karat-Fancy-Diamant in gedecktem Braungelb für 2220 US-Dollar, ein violetter Saphir aus Madagaskar mit 2,51 Karat für 11997 US-Dollar und ein 2,81-Karat-Fancy-Vivid-Yellow-Diamant für 95078 US-Dollar. Solche Einzelpreise ändern sich mit jedem verkauften Stein, sie zeigen aber die Bandbreite von vierstellig bis sechsstellig, die für diese Nische typisch ist. Alle Preise laufen ausschliesslich in US-Dollar, eine Frankenanzeige oder ein CHF-Preisschild gibt es nirgends, auch nicht auf der deutschsprachigen Version der Seite, die zwar die komplette Navigation übersetzt, die Preise aber unverändert in Dollar belässt.
Was heraussticht
Der eigentliche Unterschied zu den meisten Online-Juwelieren in dieser Kategorie liegt nicht im Sortiment an sich, sondern in der Spezialisierung. Leibish beschreibt sich selbst als eine der ersten Firmen, die Fancy-Color-Diamanten überhaupt online verkauft hat, und wirbt mit hauseigenen, "in zweiter Generation" ausgebildeten Diamantschleifern, die im eigenen Haus für die Farbausbeute beim Schliff verantwortlich sind, statt nur zugekaufte Fertigware weiterzuverkaufen. Die Teilnahme an der Argyle Pink Diamond Tender wird prominent beworben, mit konkreten Belegen: ein Paar über einkarätige Argyle-Pink-Diamanten im Jahr 2017, der erste lupenreine Argyle-Diamant seit über 20 Jahren im Jahr 2016, und mehr als 70 bei dieser Tender ersteigerte Argyle-Steine zwischen 2009 und 2023. Für Käuferinnen, die gezielt einen australischen Argyle-Rosa suchen, ein Leistungsausweis, den kaum ein anderer Online-Anbieter in dieser Form liefert. Dazu kommt eine Mitgliedschaft im Responsible Jewellery Council und eine Sourcing-Politik, die sich auf UN-Resolutionen zu Konfliktdiamanten beruft.
Wie der Shop organisiert ist
Die Navigation trennt sauber zwischen farbigen und farblosen Diamanten, Edelsteinen, fertigem Schmuck und dem Konfigurator, mit eigenen Filtern für Form, Karat, Farbe und Reinheit. Die Kundendienstseiten sind ungewöhnlich ausführlich für einen Schmuckshop: separate Seiten für Versand, Steuern und Mehrwertsteuer, Rückgabe und Rechnungsstellung, dazu zwei getrennte Garantiedokumente, eines für den Stein selbst und eines für die Fassung. Diese Kleinteiligkeit hilft, weil die Antworten dort konkret ausfallen statt sich in allgemeinen Floskeln zu erschöpfen. Die Website ist zusätzlich auf Deutsch, Italienisch und Arabisch verfügbar, wobei die deutsche Version bei der Navigation bleibt und Preise nicht in Franken umrechnet.
Im Vergleich zu Schweizer Häusern
Genau hier liegt der Punkt, den ein Schweizer Paar vor der Bestellung klären sollte: Ohne Schweizer Sitz greift die im Obligationenrecht vorgesehene Gewährleistung inländischer Anbieter bei Leibish nicht, und was im Garantiefall passiert, regelt ausschliesslich das Unternehmen selbst. Die Natural Diamond Warranty deckt Fertigungsfehler am Schmuckstück ab, schliesst aber ausdrücklich übermässige Abnutzung, Verlust und Diebstahl aus, und sie hält fest, dass die Garantiebedingungen je nach Wohnsitzland variieren können, ohne die Schweiz konkret zu nennen. Die separate Jewelry Lifetime Warranty erlaubt eine einmalige kostenlose Ringgrössenänderung innerhalb der ersten 2 Jahre ab Erhalt, begrenzt auf 1,5 Ringgrössen nach oben oder unten und nur bei Schienen ohne Steine auf der unteren Hälfte, dazu eine jährliche kostenlose Kontrolle samt Rhodinierung. Der Haken für die Schweiz: Wer diesen Service nutzen will, schickt den Ring auf eigene Kosten und eigenes Versandrisiko zurück nach New York, ein Vorteil, den ein Goldschmied an der Bahnhofstrasse oder in Winterthur mit einem einfachen Ladenbesuch löst.
Beim Versand selbst verspricht die FAQ weltweiten, versicherten Gratisversand "mit wenigen Ausnahmen", ohne die Schweiz ausdrücklich zu nennen oder auszuschliessen. Die separate Versandseite nennt für Bestellungen allgemein 3 bis 5 Werktage nach Zahlungseingang, verweist aber ausdrücklich darauf, die genaue Lieferzeit für das eigene Land bei der persönlichen Beraterin oder dem Berater zu bestätigen. Kostenlose Rückgabe gilt laut den eigenen Versandbedingungen nur innerhalb der USA, wer aus der Schweiz zurückschickt, trägt die Rücksendekosten selbst. Bei Einfuhrmehrwertsteuer und Zoll ist die Sache ebenso klar geregelt wie unbequem: Leibish übernimmt laut eigener Steuer- und Mehrwertsteuerseite ausdrücklich keine im Wohnsitzland anfallenden Abgaben und empfiehlt, sich vor der Bestellung bei der zuständigen Zollstelle zu erkundigen. Für ein Schweizer Paar heisst das in der Praxis: vor der Bestellung schriftlich eine Zusage zur Lieferung in die Schweiz einholen, die Einfuhrmehrwertsteuer separat einplanen und wissen, dass eine spätere Änderung oder Reparatur einen Versand nach New York bedeutet statt eines Ladenbesuchs.
Für wen sich Leibish eignet
Am besten passt Leibish zu einem Paar, das einen wirklich seltenen Stein sucht (einen naturfarbenen Diamanten, einen Argyle-Rosa, einen unbehandelten Saphir aus Madagaskar) und bereit ist, dafür online in US-Dollar zu bestellen, die Formalitäten für Zoll und Mehrwertsteuer selbst zu erledigen und im Servicefall den Ring zu verschicken statt vorbeizubringen. Wer den Ring vor dem Kauf anfassen, in Franken bezahlen oder in einigen Jahren einfach bei einem Goldschmied um die Ecke vorbeigehen will, ist bei einem Schweizer Anbieter aus dieser Kategorie besser aufgehoben.
Fazit
Für seine Nische, natürliche Fancy-Color-Diamanten mit nachvollziehbarer Herkunft und einer Auswahl, die kaum ein Mitbewerber in dieser Tiefe führt, ist Leibish eine der wenigen Adressen, die sich lohnt, wenn ein Schweizer Verlobungsring farbig statt weiss sein soll. Die grössten Einschränkungen sind hausgemacht und im Kleingedruckten klar benannt statt versteckt: keine Frankenpreise, keine ausdrückliche Zusage für die Schweiz beim Versand, Rücksendungen und Reparaturen auf eigene Kosten nach New York. Wer das vorher abklärt, statt es hinterher zu entdecken, bekommt einen seriös dokumentierten Anbieter mit einer Geschichte, die bis 1979 zurückreicht.