Max Affolter Uhren & Bijouterie

Strehlgasse 25, Zürich (Altstadt) · depuis 1938

Touchez une étoile pour noter

Max Affolter Uhren & Bijouterie liegt an der Strehlgasse 25, in direkter Nachbarschaft zum St. Peter, mitten in der Zürcher Altstadt. Das Geschäft selbst nennt seine Lage "prominenteste Lage", und das trifft es ziemlich gut: St. Peter mit seinem riesigen Zifferblatt ist von der Bahnhofstrasse aus zu sehen, und wer dort ein paar Gassen weit in die Altstadt geht, steht praktisch davor. Für ein Paar, das zwischen den grossen Namen an der Bahnhofstrasse und einem Familienbetrieb abwägt, liegt der Laden geografisch näher an dieser Meile, als der Name vermuten lässt, gehört aber nicht dazu.

Die Firma selbst ist älter als die Adresse. Max Affolter gründete das Unternehmen 1938 in Richterswil am Zürichsee. 1940 kam ein erstes Geschäft in der Stadt Zürich dazu, am Bleicherweg. Die Strehlgasse 25 wurde 1948 zum zweiten Standort, und 1971 folgte eine dritte Filiale am Limmatquai 82. Über Jahrzehnte lief der Betrieb also parallel an drei Adressen, keine Seltenheit für einen wachsenden Familienbetrieb der Nachkriegszeit. 1997 änderte sich das gleich mehrfach: Die Familie gab das Geschäft am Bleicherweg auf, Max Affolter starb im selben Jahr mit 85 Jahren, und seine Tochter Andrea Ricklin übernahm die beiden verbliebenen Standorte. Der Limmatquai wurde 2008 umgebaut und 2018 endgültig geschlossen, seither läuft alles über die Strehlgasse. Wer heute dort einkauft, betritt also das Geschäft, das seit 1948 ununterbrochen an dieser Adresse steht, nicht eine neue Filiale, die bloss den Namen weiterträgt. 2024 liess Andrea Ricklin das Ladenlokal umbauen und den Marketingauftritt überarbeiten, nach aussen wirkt das Haus entsprechend nicht wie ein Museum seiner selbst.

Geführt wird der Betrieb heute von Andrea Ricklin als Inhaberin, in zweiter Generation. "Die Welt kommt bei uns zu Besuch", sagt sie auf der eigenen Website über den Kontakt zur Kundschaft. Im Atelier arbeitet der eidgenössisch diplomierte Uhrmacher-Rhabilleur Leonardo Todisco, der die Werkstatt seit fast 20 Jahren leitet und laut eigener Aussage nichts Schöneres kennt, als eine Uhr wieder zum Leben zu erwecken. Auch personell zeigt sich die Geschichte des Hauses: Verkaufsberater Daniel Paratte war die ersten 10 Jahre Store Manager am Limmatquai und arbeitet heute im Ruhestand teilzeit an der Strehlgasse weiter, seit 2008 insgesamt für Max Affolter tätig. Mit Orgeta Kryesiu, die aus Schaffhausen stammt und das dritte Lehrjahr bei Max Affolter absolviert, bildet der Betrieb auch aus, statt nur zu verkaufen. Die Website beschreibt die eigene Haltung schlicht so: "Der Kunde soll ein unvergessliches Einkaufserlebnis haben" und "Zeit ist etwas sehr Wertvolles. Wir nehmen uns gerne Zeit für Sie." Für ein Paar, das sich vor dem Ringkauf lieber beraten lässt, statt online zu bestellen, ist genau das der Punkt eines solchen Familienbetriebs.

Christian Bauer, Furrer Jacot und Happiness

Im Sortiment für Partnerringe führt Max Affolter drei Linien nebeneinander: Christian Bauer, Furrer Jacot und Happiness, dazu eine eigene, separat geführte Rubrik für Verlobungsringe. Am ausführlichsten beschreibt die Website die Marke Christian Bauer: Das Unternehmen wurde 1880 von Christian Bauer gegründet und lässt seine Ringe nach eigener Angabe bis heute in Deutschland fertigen. Erkennungszeichen ist eine eingestanzte Tanne, mit der jedes Stück punziert wird, laut Markenbeschreibung ein Gütesiegel für Herkunft und Qualität. Wissen und Arbeitsweise der Goldschmiedemeister würden dort, so die eigene Darstellung, über Generationen weitergegeben.

Wer den Namen Christian Bauer kennt und zunächst annimmt, die Ringe liessen sich nur in Deutschland selbst oder über einen deutschen Fachhändler anschauen, findet die Linie hier in der Zürcher Altstadt im Sortiment eines lokalen Betriebs, nicht nur als Bild im Online-Katalog. Was die Website nicht ausführt, ist allerdings ebenso wichtig: Ob die Ringe vor Ort an Lager liegen, wie eine Grössenanpassung oder eine Anfertigung nach Mass abläuft und wie lange eine Bestellung dauert, wird nirgends beschrieben. Zu Furrer Jacot und Happiness liefert die Seite noch weniger, beide werden nur als geführte Marken genannt, ohne eigenen Text dazu. Für konkrete Fragen zu Material, Grösse oder Preis bleibt nur der Anruf oder ein Termin im Laden, Zahlen dazu nennt die Website selbst keine.

Service, aber nicht für Ringe

Ausführlich beschreibt Max Affolter dagegen die Serviceleistungen fürs eigene Uhrenatelier: Revisionen von modernen Armbanduhren, Vintage-Uhren, Taschen- und Wanduhren bis zu Tischuhren und Pendulen, Gehäuse- und Glaspolitur samt Dichtigkeitsprüfung, Armbandwechsel und -kürzung in Leder, veganem Material, Kautschuk und Metall, ein unkomplizierter Batteriewechsel unabhängig von der Marke sowie das Neuaufziehen von Perlen- und Steinketten, empfohlen alle 1 bis 2 Jahre je nach Tragehäufigkeit. Zur Endkontrolle nach einer Revision gehört ein Durchlauf auf dem Uhrenbeweger von 4 bis 5 Tagen, bevor das Stück zurückgeht.

Zu Ringen sagt dieselbe Website nichts. Eine spätere Grössenänderung, eine Gravur oder eine Gewährleistung auf Fassung und Stein, wie sie bei einem Kauf dieser Grössenordnung normalerweise zur Sprache kommt, wird an keiner Stelle erwähnt. Das ist kein Alarmzeichen, viele kleinere Fachgeschäfte klären solche Punkte im persönlichen Gespräch statt auf der Website, aber wer das vorab schriftlich braucht, bekommt es hier nicht ohne Anruf oder Besuch.

Für wen sich der Weg in die Strehlgasse lohnt

Das Profil passt zu einem Paar, das die anerkannte Manufakturlinie Christian Bauer sehen möchte, ohne dafür ins Ausland zu fahren, und das ein Geschäft bevorzugt, das seit 1948 an derselben Adresse steht statt einer Kette mit wechselndem Personal. Es passt auch zu jemandem, der bei der Gelegenheit gleich die Uhr der Grosseltern zur Revision mitbringen will: Das Atelier von Leonardo Todisco besteht unabhängig vom Ringkauf und deckt Reparaturen ab, für die man anderswo erst einschicken müsste. Weniger passt es zu einem Paar, das schon vor dem ersten Besuch schwarz auf weiss wissen will, was ein Ring kostet oder wie lange eine Anpassung dauert, dafür braucht es hier zuerst ein Telefonat.

Dass der Ruf über den eigenen Auftritt hinausreicht, zeigt sich auch anderswo: Auf local.ch bewertet eine Kundin das Geschäft mit fünf Sternen und lobt ausdrücklich die Beratung beim Kauf von Trauringen, eine Bewertung, die schon aus dem Februar 2017 stammt, also lange vor dem Umbau von 2024. Für einen kleinen Familienbetrieb ohne grosses Marketingbudget ist eine über Jahre stabile Kundenmeinung mehr wert als jede Eigenwerbung.

Fazit

Max Affolter ist ein Familienbetrieb im wörtlichen Sinn: gegründet 1938 in Richterswil, seit 1948 an der Strehlgasse 25, seit der Übernahme 1997 in der Hand der zweiten Generation, mit einer eigenen Lehrstelle im dritten Jahr. Die Christian-Bauer-Linie macht den Juwelier für alle interessant, die diesen Namen kennen und ihn bisher automatisch mit einer Reise nach Deutschland verbunden haben. Was auf der Website fehlt, sind Angaben zu Ringservice, Anfertigung nach Mass und Gewährleistung, ein Anruf klärt das schneller als weiteres Suchen auf der Seite. Für die Kombination aus langer, gut dokumentierter Geschichte, einem eigenen Uhrmacher-Atelier und einer anerkannten Trauring-Manufaktur an einer ruhigen Altstadtadresse lohnt sich der kurze Umweg von der Bahnhofstrasse.

Plus dans Trauring-Spezialisten

Voir tout