HUSCH
Touchez une étoile pour noter
HUSCH ist kein klassischer Goldschmiedeladen, sondern ein Studio und Shop im Zürcher Kreis 5, gleich beim Escher-Wyss-Platz. Geführt wird es seit 2022 von der Künstlerin Karin Hueber und dem Produktdesigner David Schäublin. Wer eine Vitrine mit fertigen Ringen erwartet, ist an der Sihlquai 346 falsch: Der Raum ist gleichzeitig Werkstatt, Verkaufsfläche und Ausstellungsort, den die beiden laufend selbst umbauen, aus neuen und gebrauchten Materialien. Für ein Paar, das seinen Ring nicht kaufen, sondern an einem Nachmittag selbst formen will, führt HUSCH einen fixen, buchbaren Workshop: Wachsmodellieren, danach Guss in Silber, Bronze, Messing oder auf Wunsch Gold.
Was du im Workshop bekommst
Der Kurs heisst "Von Wachs zu Silber" und läuft nicht über Hammer und Amboss, sondern über Wax Carving. Man feilt, schnitzt und formt ein Stück Spezialwachs von Hand, bis Ring, Anhänger oder Ohrstecker die gewünschte Form hat. Karin Hueber begleitet die ganze Sitzung, von der ersten Idee bis zum fertigen Wachsmodell. Danach übernimmt ein lokaler, auf der Website nicht namentlich genannter Giesser den eigentlichen Guss, und zurück im Atelier entfernt Karin den Gusstotzen und poliert das Stück matt. Wer sich für diesen Weg entscheidet, gestaltet die Form also vollständig selbst, während Guss und Feinschliff an eine Fachperson ausgelagert sind. Das ist eine übliche Arbeitsteilung bei Wax-Carving-Kursen und einer der Gründe, warum ein Nachmittag reicht statt eines ganzen Wochenendes an der Werkbank.
Die Kursgebühr liegt bei CHF 260.00 und deckt Werkzeug, Verbrauchsmaterial, die Gusskosten und die Feinarbeit am gegossenen Stück ab. Separat verrechnet wird nur das Edelmetall selbst: Für einen Silberring rechnet HUSCH mit rund CHF 30, Gold wird individuell nach Gewicht berechnet, und auch Politur oder nachträgliche Formanpassungen kosten extra. Gegossen wird in recyceltem Sterling-Silber 925, Bronze oder Messing. Wer lieber Gold möchte, kann auf Gold 750 ausweichen, und HUSCH bietet dafür ausdrücklich auch Fairtrade-Gold nach dem Max-Havelaar-Standard an (die Website schreibt es "Max Havelar", meint aber erkennbar das bekannte Schweizer Fairtrade-Gütesiegel). Das ist in Zürcher Goldschmiedebetrieben keine Selbstverständlichkeit und für ein Paar, dem die Herkunft des Metalls wichtig ist, ein echtes Argument, nicht nur eine Marketingzeile.
Ablauf, Termine und Bedingungen
Ein Kurstermin dauert 4 Stunden, mit einem kleinen Apéro zum Abschluss. Im Spätsommer 2026 stehen vier feste Termine im Kalender: Samstag, 22. August, und Samstag, 19. September, jeweils von 13.30 bis 17.30 Uhr, dazu Dienstag, 25. August, und Dienstag, 22. September, jeweils abends von 17.30 bis 21.30 Uhr für alle, die tagsüber nicht können. Die Gruppe ist auf maximal 6 Personen begrenzt. Wer zu zweit kommen oder mit einer kleinen Firmen- oder Geburtstagsgruppe feiern will, kann auch ausserhalb dieser vier Termine einen eigenen Slot ab 2 Personen anfragen. Unterrichtet wird auf Deutsch und Englisch, für Anfängerinnen und Fortgeschrittene gleichermassen.
Wichtig für ein Paar, das kurz vor der Verlobung steht: Die Buchung ist verbindlich. Stornieren lässt sich nur innerhalb von 24 Stunden nach Erhalt der Bestellbestätigung per E-Mail, danach nicht mehr. Wer trotz Anmeldung nicht erscheint, bezahlt trotzdem 100 Prozent der Kursgebühr, und bezahlt wird ohnehin im Voraus per Banküberweisung. Das fertige Stück liegt danach nicht sofort bereit: Guss und Fertigstellung brauchen 2 bis 3 Wochen, bis es abgeholt oder verschickt werden kann. Eine Gewährleistung fürs Workshop-Stück selbst nennt die Website nirgends. Nur für gekaufte Produkte aus dem Shop gilt eine Reklamationsfrist von 5 Tagen ab Erhalt, und Unregelmässigkeiten in Form und Oberfläche gelten dort ausdrücklich als gewollt, nicht als Mangel, weil alles von Hand entsteht. Wer im Sommer plant, sollte zudem wissen, dass der Betrieb laut eigenen Angaben vom 10. Juli bis zum 14. August Ferien macht, auf Anfragen per E-Mail aber trotzdem reagiert.
Was HUSCH von anderen Ateliers unterscheidet
Wachsmodellieren ist neben dem klassischen Schmieden am Amboss eine der Techniken, mit denen sich in Zürich und Umgebung ein eigener Ring machen lässt, und in dieses Bild passt HUSCH mit seinem Kursformat sauber hinein. Was das Studio von einem gewöhnlichen Kursanbieter abhebt, ist der Rahmen drumherum: kein Ladenlokal mit Vitrinen, sondern ein Kunst- und Designstudio, das laufend Gäste aus Kunst und Design einlädt und ein eigenes, fortlaufendes Projekt namens "objects by artists" mit der Künstlerin Edit Oderbolz führt. Die Website beschreibt Karin Hueber als Künstlerin mit bildhauerischer Praxis, deren konzeptionelle Fragestellungen in ihre Schmuckstücke einfliessen, nicht als Goldschmiedin mit einer klassischen Lehre. Ob sie daneben handwerklich ausgebildet ist, sagt die Seite nicht, und wir erfinden das nicht dazu. Für ein Paar, das seinen Ring auch als kleines Statement will und nicht nur als sauber gearbeitetes Handwerksstück, ist dieser künstlerische Zugang trotzdem ein Unterschied, der zählt.
Wer nach dem Workshop doch einen klassischen Ehering will, kann bei HUSCH auch eine individuelle Anfertigung nach Mass anfragen, für Trauringe, Bijouterie oder sogar farblich abgestimmte Möbelstücke. Der Zusatzpreis für solche Sonderanfertigungen wird laut Website erst im persönlichen Gespräch festgelegt und ist nirgends beziffert, was wir hier entsprechend offenlassen statt zu schätzen. Wer keine Zeit für einen Termin hat, aber trotzdem ein Zeichen setzen will, kann auch einfach einen Geschenkgutschein für ein Produkt oder einen Workshop kaufen.
Für wen sich das eignet
Der Kurs passt zu einem Paar, das Lust auf einen gemeinsamen, konzentrierten Nachmittag oder Abend hat und damit leben kann, dass die festen Termine offene Gruppenkurse sind, keine exklusive Zweiersession mit bis zu 6 fremden Teilnehmenden im selben Raum. Wer lieber unter sich bleibt, bucht die private Variante ab 2 Personen zu einem eigens vereinbarten Zeitpunkt. Weniger geeignet ist HUSCH für alle, die von Anfang an einen komplex gefassten Solitär wollen: Das Format ist auf ein einzelnes, aus Wachs geschnitztes Stück ausgelegt, keine Fassungsarbeit für einen grossen Stein. Auch wer kurzfristig planen muss, sollte die Sommerpause im Kopf behalten und die strikte Stornoregel vorher gelesen haben, statt sich davon überraschen zu lassen.
Fazit
HUSCH ist ein glaubwürdiges Angebot für ein Paar, das einen Verlobungs- oder Erinnerungsring wirklich selbst gestalten will, ohne dafür einen ganzen Wochenendkurs am Amboss zu buchen. Die Website nennt Preise, Termine und Bedingungen ungewöhnlich konkret, inklusive der harten Stornoregel und der Fairtrade-Option beim Gold, die man vor der Buchung beide kennen sollte. Der einzige Wermutstropfen: Wer sich unter einem selbst geschmiedeten Ring das Hämmern am Amboss vorstellt, bekommt bei HUSCH stattdessen Wachs, Feile und einen externen Giesser. Technisch ein anderer Weg, aber ein ebenso ehrlicher, um am Ende einen wirklich selbst gemachten Ring an der Hand zu haben.