Schmucke Stücke Jeisy
Touchez une étoile pour noter
Corinne Jeisy bringt es auf der eigenen Website so auf den Punkt: «Schmuck ist Vertrauenssache.» Wer ihr Ladenatelier an der Rotbuchstrasse in Wipkingen betritt, kauft nicht von der Stange, sondern direkt bei der Goldschmiedin, die das Stück am eigenen Werktisch entworfen und gefertigt hat. Genau das trennt Schmucke Stücke Jeisy von den grossen Häusern an der Bahnhofstrasse: Wer hier berät, ist dieselbe Person, die anschliessend feilt, lötet und fasst.
Ihren Weg dorthin beschreibt die Seite knapp, aber konkret. Nach ihrer Lehre als Goldschmiedin absolvierte Jeisy an der Hochschule für Gestaltung Pforzheim eine vierjährige Designausbildung, danach unterrichtete sie unter anderem an der Berufsschule St. Gallen und später an der Zürcher Hochschule der Künste, während sie nebenbei ihr eigenes Atelier weiterführte. Wo genau sie ihre Lehre absolviert hat, verrät die Website nicht, nur die Station danach ist dokumentiert. 2007 eröffnete sie ihr eigenes Geschäft im Stadtzürcher Quartier Wipkingen, an derselben Rotbuchstrasse, an der sie bis heute arbeitet. Rechtlich läuft der Betrieb als Einzelunternehmen und ist im Handelsregister des Kantons Zürich als aktiv verzeichnet: kein Hinweis auf eine Geschäftsaufgabe, keine Löschung, dazu eine Website, die laufend gepflegt wird und derzeit sogar ihre eigene Sommerpause im Voraus ankündigt. Für ein Geschäft, das seit 2007 an derselben Adresse sitzt, ist das kein Zufall, sondern das übliche Bild eines Betriebs, der weiterläuft.
Ihre Philosophie klingt auf der Startseite fast schon programmatisch: Sie fertigt «individuelle Einzelstücke», «beseelte Erinnerungsstücke», «authentische Lieblingsstücke» und, wie es dort heisst, «berührende Verbindungsstücke». Das ist genau die Kategorie, in der Verlobungs- und Trauringe zu Hause sind, auch wenn das Wort auf der Seite selten fällt. Der eigentliche Name dafür im Sortiment ist Partnerschmuck.
Verlobungs- und Trauringe aus der eigenen Werkstatt
Was auf der Website Partnerschmuck heisst, ist im Kern das Sortiment, das ein Paar bei der Ringwahl sucht: Solitäre und Alliancen, klassisch als Verlobungs- und Trauringpaar gedacht. Ein Solitär mit einem 0.27-Karat-Brillanten in Weissgold ist mit CHF 1550 ausgezeichnet, eine Alliance-Linie namens Döbius in Gelb- und Weissgold mit Brillanten startet ab CHF 1700, eine zweite mit dem Namen Möbius in Gelbgold mit Brillanten ab CHF 2690. Für die meisten Solitär-und-Alliance-Kombinationen in Weissgold sowie für Anfertigungen aus eigenem Silber oder Gold steht statt eines Fixpreises «Preise auf Anfrage», was bei einem individuell gefertigten Stück eher die Regel als die Ausnahme ist. Wer mehr Stein sucht, findet ihn im allgemeinen Fingerschmuck-Sortiment: Dort läuft eine Alliance in Roségold mit einem 1.68-Karat-Brillanten für CHF 4440, deutlich über dem Einstiegspreis, aber mit demselben offen ausgewiesenen Preis statt der in diesem Segment sonst üblichen Zurückhaltung. Auf der Startseite selbst zeigt das Produktfoto einer weiteren Alliance in Roségold, im eigenen Dateinamen mit 24 Brillanten beschriftet, wie viel Steinbesatz eine einzelne Schiene bei ihr tragen kann.
Individuell wird es bei der Gravur. Im Partnerschmuck-Sortiment steht ein Platinring mit individueller Lasergravur, als Kundenauftrag gelistet und mit einem Fingerabdruck-Motiv versehen, dazu ein Weissgoldring mit ebenfalls individueller Lasergravur, gleichfalls als Kundenauftrag. Beides sind Positionen im eigenen Sortiment, keine Zusatzoption eines Drittanbieters, die nur weiterverkauft wird. Dazu kommt eine Kooperation mit Swiss Diamond Vision: Aus organischem Material wie einem Hochzeitskleid, einem Geburtstags- oder Brautstrauss, Pferdehaar oder einem Lieblingsbuch lässt sich darüber ein sogenannter Emotionsdiamant herstellen, ein Erinnerungsstück, das sich anschliessend fassen lässt. Das ist die Art Detail, die man an der Bahnhofstrasse eher nicht angeboten bekommt, und es passt zu einer Werkstatt, die ihr Geschäft explizit über persönliche Beratung statt über Vitrinenware definiert.
Alte Stücke, neues Gold
Was den Betrieb von einer reinen Verkaufsstelle unterscheidet, ist die Bearbeitung von bestehendem Schmuck. Die Seite formuliert es direkt: Geerbte Stücke arbeitet Jeisy um oder fertigt daraus neue Kreationen nach den Vorstellungen der Kundschaft, «die nachhaltigste Lösung, um den neuen Abbau von Gold zu reduzieren», wie es dort heisst. Wer altes Gold oder Silber loswerden will, kann es unverbindlich verkaufen, und für alle neu gefertigten Stücke verwendet sie ausschliesslich Oekogold. Diese Zertifizierung garantiert laut Website die Verwendung von Edelmetallen aus überwachten Quellen, die Respektierung ethischer Grundsätze sowie den Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen. Für ein Paar, das den Familienstein der Grossmutter in einen neuen Verlobungsring fassen lassen will, statt einen neuen Diamanten zu kaufen, ist das genau das richtige Angebot, und es ist eines, das die Website mit konkreten Worten und nicht nur mit einem Nachhaltigkeits-Label beschreibt.
Das übrige Sortiment
Ringe sind nur ein Teil des Ladens. Im Fingerschmuck-Sortiment stehen Farbsteine, die man auf der Bahnhofstrasse selten findet: ein Morganit-Cabochon mit 17.43 Karat in Platin und Roségold für CHF 4990, ein Chrysopras mit 18 Karat in Roségold für CHF 4970, ein Indigolith-Turmalin mit 2.79 Karat in Roségold für CHF 4890, ein Sternsaphir mit 6.12 Karat in Silber und Rotgold für CHF 3720, dazu eine hauseigene Linie namens col'or mit Turmalin und Saphir ab CHF 940. Im Halsschmuck findet sich unter anderem die Silberkette GAFFA ab CHF 1330, im Ohrschmuck eine ganze Reihe unter dem Namen HEIMAT, von einfachem Silber ab CHF 980 bis zu Gelbgold mit Rauchquarz für CHF 2460, dazu Südseeperlen in Weissgold für CHF 2850 und ein Mondstein mit blauen Brillanten (0.49 Karat) für CHF 4080. Eine eigene Kategorie, Murmelschmuck, ist eine echte Spezialität: Ohrhänger und Ringe aus Silber, gefasst mit Glasmurmeln, ab CHF 380 für die Ohrhänger und CHF 420 für die Ringe, poliert oder matt. Das ist kein Sortiment, das eine grössere Kette einfach kopieren würde, und es zeigt, dass Verlobungs- und Trauringe hier ein Teil eines viel breiteren Handwerks sind, nicht das ganze Geschäftsmodell.
Lage, Öffnungszeiten und Preis
Wipkingen liegt nördlich der Limmat, ein Quartier mit Reihen- und Genossenschaftshäusern statt Schaufensterfronten, eine Tramfahrt von der Altstadt und den grossen Namen der Bahnhofstrasse entfernt. Das ist die Art Lage, an der ein Kundenstamm über Jahre wächst, nicht an der Laufkundschaft vorbeikommt. Geöffnet ist von Mittwoch bis Freitag von 10.00 bis 13.00 und von 14.00 bis 18.30 Uhr sowie am Samstag von 10.00 bis 16.00 Uhr, für Montag und Dienstag nennt die Website keine Zeiten. Wer ausserhalb dieser Fenster vorbeikommen will, braucht einen Termin, was bei einem Ein-Personen-Atelier naheliegt, aber trotzdem bedeutet, dass ein spontaner Besuch am Montag nicht funktioniert. Zu Garantie- oder Gewährleistungsfristen, zu Reparaturkosten oder zur Dauer einer Anfertigung äussert sich die Website nirgends, dazu müsste man persönlich nachfragen. Bei den Preisen dagegen ist sie überraschend offen: Ein guter Teil des Sortiments trägt einen festen CHF-Betrag, nicht nur ein «auf Anfrage», was gerade bei individuell gefertigtem Schmuck keine Selbstverständlichkeit ist.
Einordnung
Für ein Schweizer Paar, das einen ererbten Brillanten aus der Familie weiterverwenden will oder einfach lieber mit der Person spricht, die den Ring am Ende auch fasst, ist Schmucke Stücke Jeisy eine der konkretesten Adressen im Quartier. Corinne Jeisy nennt ihre Ausbildung, ihr Gründungsjahr, ihr Material und einen guten Teil ihrer Preise offen, arbeitet nachweislich mit Altstücken und bietet mit der individuellen Fingerabdruckgravur und dem Emotionsdiamanten aus Swiss Diamond Vision zwei Möglichkeiten, die über das übliche Ringangebot hinausgehen. Der einzige echte Wermutstropfen ist praktischer Natur: mit vier Öffnungstagen pro Woche und vielen Positionen auf «Preise auf Anfrage» braucht ein Besuch etwas Vorlauf, kein spontaner Einkauf zwischendurch. Für ein Ein-Personen-Atelier mit eigenem Werktisch vor Ort ist das ein nachvollziehbarer Preis für die persönliche Betreuung, die man dafür bekommt.