Taylor & Hart

Liefert aus dem Vereinigten Königreich in die Schweiz

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Taylor & Hart ist ein britischer Online-Juwelier aus London, der sich ganz auf Verlobungsringe nach Mass spezialisiert hat. Statt aus einer fertigen Vitrine zu wählen, entwirfst du den Ring gemeinsam mit einer Designerin oder einem Designer, digital und meist ohne dass du je an einem Bahnhofstrasse-Schaufenster vorbeigehst. Einen Standort in Zürich oder sonst irgendwo in der Schweiz gibt es nicht. Wer das Haus besuchen will, muss nach London reisen, ins Ladenlokal an der Monmouth Street in Covent Garden, oder nach New York, wo Taylor & Hart ebenfalls ein Studio unterhält. Beide sind reine Termingeschäfte, kein Publikumsverkehr. Für ein Zürcher Paar, das den Mitgestaltungsprozess eines lokalen Goldschmiedeateliers sucht, aber weder einen Termin vor Ort will noch braucht, ist genau das die Nische, die diese Marke bedient.

Die Firmengeschichte, wie Taylor & Hart sie selbst erzählt, beginnt nicht mit einer Gründungsurkunde, sondern mit einer Anekdote: Ein Freund namens Piers wollte für seine Freundin Jenny einen Ring entwerfen, liess ihn skizzieren und anfertigen, und aus diesem ersten Stück wurde ein Geschäft. Ein genaues Gründungsjahr nennt die Website nirgends, wir übernehmen deshalb auch keines. Was die Seite dagegen konkret macht, ist der Gestaltungsprozess selbst zu beschreiben, und der ist detaillierter dokumentiert als bei den meisten reinen Online-Anbietern.

Wie die Ringgestaltung abläuft

Der Prozess ist in 4 Schritte gegliedert. Zuerst ein Gespräch mit der zuständigen Designerin oder dem Designer über Stil und Budget, aus dem erste Skizzen entstehen. Danach die Wahl des Mittelsteins, wobei das Team konkrete Steinoptionen innerhalb des vereinbarten Rahmens vorlegt. Im dritten Schritt entsteht innerhalb weniger Tage ein 3D-CAD-Rendering des Rings, anhand dessen du das Design vor der Fertigung noch einmal beurteilen kannst. 3 Korrekturrunden sind laut Website im Designservice inbegriffen, ohne Aufpreis. Erst danach folgt die eigentliche Fertigung. Die Website nennt dafür an einer Stelle 3 Wochen als schnellstmögliche Frist, an anderer Stelle 4 Wochen als allgemeine Grössenordnung für die gesamte Anfertigung, was sich nicht widerspricht: 3 Wochen ist offenbar der optimistische, 4 Wochen der realistischere Wert.

Gefertigt wird laut Firmenangaben in einer eigenen Werkstatt an der Chancery Lane, getrennt vom Ladenlokal an der Monmouth Street, wo die Beratungen stattfinden. Die Website beschreibt einen Teil der Designerinnen und Designer als GIA-Gemmologen, ausgebildet unter anderem an Schulen wie der Central Saint Martins. Jeder Ring erhält zudem serienmässig einen kleinen Rubin, versteckt im Band selbst, als wiederkehrendes Erkennungsmerkmal der Marke, eine Art Unterschrift, die sich durch die ganze Kollektion zieht. Zertifiziert werden die Steine je nach Herkunft durch GIA, IGI oder das Gem Certification & Assurance Lab, was für lose Diamanten und Labordiamanten gleichermassen gilt und beim Vergleich mit anderen Online-Anbietern ein nützlicher Anhaltspunkt ist.

Die Startpreise der 10 meistgewählten Designs liegen bei diesem Anbieter in britischen Pfund, nicht in Franken. Das günstigste der 10, ein ovaler Solitär namens Demure in 18-karätigem Gelbgold, startet laut Website bei 937.50 Pfund, andere Designs in Platin liegen deutlich höher. Eine Umrechnung in Franken nehmen wir hier bewusst nicht vor, weil der Kurs schwankt und die Website selbst keinen Frankenpreis nennt: Wer ernsthaft plant, sollte den aktuellen Kurs selbst gegenrechnen, bevor er sich an einer Zahl aus diesem Text orientiert. Zur Einordnung, wie gefragt einzelne Designs sind: Allein das Modell Tamora, ein Ring mit Marquise-Mittelstein und Saphirblättern, trägt 37 Bewertungen bei voller Sternewertung, andere Designs liegen im niedrigen zweistelligen oder einstelligen Bereich. Das ist kein unabhängiges Bewertungsportal, sondern hausgeführt, aber es zeigt zumindest, dass hier tatsächlich Ringe verkauft und getragen werden und nicht nur Renderings online stehen.

Garantie, Rückgabe und spätere Grössenänderung

Bei der Garantie widerspricht sich die Website selbst. In der Navigation heisst das Programm Lifetime Manufacturer Warranty, ergänzt durch eine ebenfalls lebenslang beworbene jährliche Pflegeleistung, bei der der Ring eingeschickt, gereinigt und geprüft wird. Im Fliesstext der Über-uns-Seite dagegen ist wörtlich von einer complimentary two year warranty die Rede, also einer kostenlosen Garantie von 2 Jahren, nicht auf Lebenszeit. Welche der beiden Angaben gilt, lässt sich von aussen nicht auflösen, und die Garantieseite selbst nennt zur konkreten Reichweite nur eine allgemeine Zusicherung, man kümmere sich sofort um alles, was nicht stimme. Wer sich auf die Garantie verlassen will, sollte sich die genaue Laufzeit schriftlich bestätigen lassen, statt sich auf den Namen des Programms zu verlassen.

Konkreter wird es bei Rückgabe und Grössenänderung. Auf Verlobungs- und Trauringe gewährt das Haus laut eigener Rückgabeseite 90 Tage Rückgaberecht, auf übrigen Schmuck 30 Tage, beides deckt sich mit der zugehörigen Garantieseite und mit dem entsprechenden Hinweis auf der Startseite. Eine kostenlose Grössenänderung ist innerhalb von 6 Monaten ab Erhalt im Kaufpreis inbegriffen. Danach kostet eine weitere Anpassung laut Website ab 90 Pfund inklusive britischer Mehrwertsteuer, eine britische Steuer wohlgemerkt, die mit einer allfälligen Schweizer Einfuhrabgabe auf ein zurückgeschicktes Paket nichts zu tun hat. Verändert sich die Ringgrösse um mehr als 2 Nummern, kann laut Website eine Neuanfertigung nötig werden, ab 250 Pfund inklusive derselben britischer Mehrwertsteuer. Für die reguläre Bearbeitung nennt die Website eine Mindestfrist von 3 Wochen, ausdrücklich für Kundschaft aus der EU, aus Australien, Neuseeland und Kanada. Die Schweiz wird in dieser Aufzählung nicht genannt, was für ein Land ohne EU-Mitgliedschaft kein Zufall sein muss, aber eben auch nicht bestätigt ist. Wer eine Grössenänderung Jahre nach dem Kauf plant, sollte diesen Punkt vor der Bestellung direkt beim Anbieter klären.

Versand in die Schweiz: was vor der Bestellung zu klären bleibt

Die Website bewirbt kostenlosen weltweiten Versand und gibt an, jede Sendung zum vollen Warenwert zu versichern, mit Unterschriftspflicht bei Zustellung. Für Lieferungen innerhalb Europas ausserhalb des Vereinigten Königreichs verweist dieselbe Seite jedoch auf eine individuelle Anfrage per E-Mail, ohne Frist oder Kosten für einzelne Länder zu nennen. Die Schweiz taucht dabei an keiner Stelle namentlich auf, weder auf der Versandseite noch auf der Rückgabeseite. Das ist keine Absage, aber auch keine Zusage, und seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU können bei einer Lieferung dorthin grundsätzlich zusätzliche Zoll- und Einfuhrformalitäten anfallen, unabhängig davon, was ein Anbieter auf seiner Website als weltweiten Gratisversand bewirbt. Bevor du dich für Taylor & Hart entscheidest, lohnt sich deshalb ein kurzer Kontakt vorab, am besten schriftlich: Wie lange dauert die Lieferung tatsächlich in die Schweiz, fallen Zollgebühren an, und wer trägt sie. Die aktuellen Versandbedingungen in die Schweiz sind vor einer verbindlichen Bestellung direkt beim Anbieter zu bestätigen, weil sich solche Angaben ändern können und die Website selbst dazu schweigt.

Für wen sich das eignet

Taylor & Hart passt zu einem Paar, das den Gestaltungsprozess eines Goldschmiedeateliers will, mit persönlicher Beratung, Skizzen und einem 3D-Rendering vor der Fertigung, aber keinen Wert auf einen Termin in Zürich oder überhaupt in der Schweiz legt. Wer stattdessen Wert auf ein Schweizer Ladengeschäft, eine Schweizer Rechtsadresse oder die gesetzliche 2-jährige Gewährleistung nach Schweizer Obligationenrecht legt, ist bei einem hiesigen Goldschmied besser aufgehoben, denn ein britischer Anbieter unterliegt diesem Recht nicht automatisch, seine Garantie ist das, was er selbst vertraglich zusagt, nicht mehr.

Als Gegenleistung bekommst du einen ungewöhnlich transparent beschriebenen Designprozess, benannte Zertifizierungsstellen für die Steine, eine eigene Werkstatt statt eines reinen Handelslabels, und Rückgabe- sowie Nachbesserungsfristen, die tatsächlich schriftlich festgehalten sind statt nur mündlich versprochen zu werden. Die offene Frage bleibt der Versand: Solange Taylor & Hart die Schweiz nicht ausdrücklich in seine Versandbedingungen aufnimmt, ist das der einzige Punkt, den du nicht der Website entnehmen kannst, sondern selbst abklären musst, bevor du eine Anzahlung leistest.

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