Vera Sigrist Schmuck
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Vera Sigrist führt ihr Atelier im Seefeld als Ein-Frau-Betrieb, ohne Team und ohne Filiale. Seit 2018 fertigt sie dort Schmuck, wie sie ihre eigene Arbeit beschreibt, klar im Design, zeitlos in der Form und mit viel Liebe zum Detail gefertigt. Wer in den äusseren Stadtkreisen nach einer Goldschmiedin sucht, die nicht Teil einer grösseren Uhren- und Schmuckkette ist, sondern das Geschäft allein führt und selbst am Werktisch sitzt, findet hier eine der wenigen Adressen dieser Art im Quartier.
Die Website nennt zwei Dinge ausdrücklich, mit denen Sigrist arbeitet: zertifiziertes Ökogold und Edelsteine aus RJC-zertifizierten Quellen. RJC steht für den Responsible Jewellery Council, das Zertifizierungssystem der Branche für die Herkunft von Edelmetallen und Steinen. Das ist eine konkretere Aussage, als Nachhaltigkeit nur zu behaupten, weil sie sich auf ein Prüfsystem stützt statt auf ein Werbewort. Wie genau das Ökogold zertifiziert ist, ob durch Wiederaufbereitung, Fairmined-Herkunft oder ein anderes Verfahren, sagt die Seite nicht, nur dass es zertifiziert ist. Wer diesen Punkt genau wissen will, sollte im Gespräch danach fragen statt sich auf das Stichwort allein zu verlassen.
Ein zweiter Schwerpunkt zieht sich durch den ganzen Auftritt: altem Schmuck neues Leben einzuhauchen. Wer geerbte Ringe, alte Ketten oder Familienstücke besitzt, kann sie hier in ein neues Stück umarbeiten lassen, laut eigener Beschreibung so, dass die Erinnerung daran erhalten bleibt statt das Material einfach einzuschmelzen. Für ein Verlobungspaar heisst das: Wer den Ring der Grossmutter nicht einfach nur tragen, sondern in eine neue Fassung überführen will, ohne die Geschichte des Steins zu verlieren, bekommt hier eine Adresse, die genau das als eines ihrer Kerngeschäfte nennt und nicht bloss als Nebensatz erwähnt.
Vier Leistungen stehen im Zentrum der Website: Eheringe, Verlobungsringe, Neuanfertigungen und Reparaturen. Für alle vier gilt dasselbe Vorgehen, eine persönliche Begleitung durch den Entwurfsprozess statt eine Vitrine mit Fertigware zum Mitnehmen. Einen Preis für ein individuell gefertigtes Verlobungs- oder Ehering-Paar nennt die Website nicht, das wird offensichtlich im Gespräch besprochen und hängt von Material und Stein ab. Wer vorab eine feste Zahl für ein Ringpaar sucht, findet sie hier nicht.
Anders sieht es bei der zweiten Schiene aus, der eigenen Kollektion VIDAS. Die ist direkt im Onlineshop einsehbar, in drei Formen, AVA rund, OLIVE oval und VIDA achteckig, und als Ringe, Ohrhänger, Anhänger und Manschettenknöpfe, jeweils in Silber Ag 925 oder rosévergoldetem Silber, mit klar ausgezeichneten Preisen. Trotz der steinähnlichen Optik verwendet die VIDAS-Linie keine echten Edelsteine, sondern facettiertes Silber oder Gold, geschliffen wie ein Stein und auf Lichtspiel statt auf einen tatsächlichen Stein gesetzt. Ein Anhänger ohne Kette beginnt bei CHF 340 in Silber, mit Kette bei CHF 390, das teuerste Stück der ganzen Linie sind die Manschettenknöpfe VIDA in Rosé für CHF 830. Die Kette zum Anhänger AVA gibt es wahlweise in 45, 50 oder 60 Zentimetern Länge. Bei den Ohrhängern ist zusätzlich farbiges Gold Au 750 auf Anfrage erhältlich. Bestellt wird eine Kollektion per E-Mail, nicht über einen Warenkorb mit Kasse, und die Lieferzeit für ein Stück aus dieser Linie beträgt laut Website bis zu 4 Wochen. Das ist kein Verlobungsring, aber es zeigt, wie die Kanten gesetzt und die Flächen geschliffen werden, dieselbe Handschrift, die auch in die Auftragsarbeit einfliesst.
Wie ein Besuch abläuft
Termine finden regulär donnerstags im Atelier an der Dufourstrasse 169 statt, an anderen Tagen nach Absprache, wie es auf der Kontaktseite ausdrücklich heisst. Das ist kein Laden mit offenen Türen und Laufkundschaft, sondern ein Betrieb, der auf Verabredung arbeitet, was für ein Beratungsgespräch über einen Verlobungsring eher von Vorteil ist. Man bekommt in dieser Zeit die ungeteilte Aufmerksamkeit der Person, die den Ring später auch tatsächlich fertigt, statt mit einer Verkäuferin zu sprechen, die an eine Werkstatt im Hintergrund weiterleitet. Wer an einem Samstagnachmittag spontan durch eine Auslage schauen will, ist hier falsch. Wer sich Zeit für ein Gespräch nehmen will und diese Zeit vorher einplant, ist richtig.
Was die Website nicht verrät: wo Sigrist ihre eigene Lehre absolviert hat oder was sie vor 2018 gemacht hat. Für ein Handwerk, in dem die Ausbildungsstätte oft selbst wie ein Gütesiegel wirkt, etwa eine Lehre bei einem der alten Häuser an der Bahnhofstrasse, ist das eine Lücke, die sich nur im persönlichen Gespräch schliessen lässt und nicht durch die Website selbst.
Im Vergleich zur übrigen Auswahl im Quartier
Andere Adressen in den äusseren Kreisen führen ihre Werkstatt seit mehreren Generationen an derselben Ecke oder sind eine Trauring-Abteilung innerhalb eines grösseren Uhren- und Schmuckgeschäfts mit eigenem Ladenlokal. Vera Sigrist ist beides nicht, kein Familienbetrieb mit langer Hausgeschichte, sondern ein Ein-Personen-Atelier, das es erst seit 2018 gibt und das ohne festes Schaufenster auskommt. Das ist weder besser noch schlechter, aber ein anderer Ausgangspunkt für den Vergleich. Wer die Verwurzelung einer jahrzehntealten Firma mit eigener Geschichte sucht, muss woanders hin. Wer stattdessen den direkten Draht zu der Person will, die den Ring am Ende selbst entwirft und in Händen hält, statt ihn nur zu verkaufen, ist bei Sigrist richtig aufgehoben.
Für wen sich Vera Sigrist eignet
Am besten passt das Atelier zu einem Paar, dem der Nachweis über Ökogold und die RJC-Herkunft der Steine tatsächlich wichtig ist und nicht nur eine Randnotiz auf einer Website, und zu allen, die ein Erbstück umarbeiten statt neu kaufen wollen. Wer im Seefeld, in Hottingen oder auf der anderen Seeseite wohnt und keine Lust auf den Weg an die Bahnhofstrasse hat, bekommt eine Adresse im eigenen Quartier statt in der Innenstadt. Wer dagegen eine sofort verfügbare Ringgrösse zum Anprobieren am selben Tag sucht, ist bei einem grösseren Haus mit eigenem Lager besser aufgehoben. Hier entsteht das Stück erst nach dem Gespräch, nicht vorher aus einer Vitrine.
Unser Fazit
Vera Sigrist macht zwei Dinge glaubwürdig, die andere oft nur behaupten. Sie nennt ein konkretes Zertifizierungssystem für ihr Gold und ihre Steine statt eines blossen Werbeworts, und sie stellt die Umarbeitung von Altschmuck als eigenständiges Angebot dar, nicht als Fussnote unter Reparaturen. Die kleine Grösse des Betriebs bedeutet persönliche Betreuung durch dieselbe Person, die auch am Werktisch sitzt, aber sie bedeutet auch: kein Schaufenster zum spontanen Reinschauen, keine veröffentlichten Preise für die eigentliche Auftragsarbeit, und offene Fragen zur eigenen Ausbildung, die sich nur im Gespräch klären lassen. Für ein Verlobungspaar, das Wert auf nachvollziehbare Materialherkunft legt und sich die Zeit für einen Termin nimmt, ist das Atelier an der Dufourstrasse eine der wenigen wirklich unabhängigen Adressen in den äusseren Kreisen, und eine, die ihre eigene Handschrift in der VIDAS-Linie schon vorab zeigt, bevor überhaupt ein erstes Gespräch stattgefunden hat.