Susan Holzinger
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Susan Holzinger führt ihr Atelier für Schmuck- und Objektdesign an der Zimmerlistrasse in 8004 Zürich, im Kreis 4. Die Website nennt die Hauptrubrik schlicht Schmuck und Objekte, und genau das findet man dort: Ringe, Armreifen, Ohrringe, dazu Wohnobjekte wie ein Schieberegal oder einen Spiegelbehälter. Wer einen klassischen Goldschmiedeladen mit Vitrine und Brillant-Sortiment erwartet, landet hier woanders, denn Susan Holzinger denkt von der Konstruktion her, nicht vom Stein.
Werdegang statt Goldschmiede-Lehre
Auf der eigenen Seite unter "über mich" beschreibt sie ihren Werdegang selbst, und der verläuft anders als bei einer klassisch gelernten Goldschmiedin. 1993 schloss sie ihr Diplom in Schmuck- und Gerätedesign an der höheren Schule für Gestaltung Zürich ab und arbeitete seither freischaffend im eigenen Atelier, zunächst in Zusammenarbeit mit der Schmuckdesignerin Eva Bruggmann unter dem Label "Femail". 1996 folgte die eigene Linie unter dem Namen "Artickel", mit Teilnahmen an Gruppenausstellungen und Schmuck für verschiedene Galerien. Von 2000 bis 2003 lief das Projekt "A-Z Artikel" zusammen mit Cathérine Gauchat und Nicola Lincke, mit eigenen Werkstätten in Zürich und Dielsdorf, das Bild, Gestaltung und Metallbau zu Gebrauchsgegenständen verband. Nach dessen Auflösung firmiert sie unter dem eigenen Namen, Susan Holzinger/Schmuck und Objekte, im eigenen Atelier in Zürich, teils weiterhin mit Nicola Lincke in Dielsdorf zusammenarbeitend.
Eine Goldschmiede-Lehre nennt die Seite nirgends, und das ist keine Lücke im Text, sondern die ehrlichere Auskunft: Wer hier bestellt, bestellt bei einer Produktdesignerin mit über drei Jahrzehnten eigener Praxis seit ihrem Diplom 1993, nicht bei einer Goldschmiedin von der klassischen Werkbank. Für ein Quartier, in dem sich Goldschmiedeleistung und Designarbeit oft ähneln, lohnt sich dieser Unterschied, bevor man eine Erwartung mitbringt, die die Website selbst nie geweckt hat.
Die Partnerringe im Detail
Die Website widmet den Partnerringen eine eigene Übersichtsseite mit vier Varianten, und alle vier setzen auf Konzept statt auf Stein.
Die Randrierringe aus Edelstahl bestehen aus zwei Grundringen und einem dazu passenden Austauschring mit geriffelter, "randrierter" Oberfläche. Die Idee dahinter ist fast ein kleines Ritual: Der Austauschring wird verschenkt und soll durch Werben zurückgewonnen werden, ein Hin und Her, das laut eigener Beschreibung verhindern soll, dass die Liebe durch die raue Oberfläche "einschläft". Wer klassische Symbolik sucht, wird das ungewöhnlich finden, wer eine Geschichte zum Ring will, bekommt hier gleich eine mitgeliefert.
Die Fliessmusterringe fein sind aus Feinsilberblech gepresst, jedes Stück in einer unregelmässig feinen Struktur, die sich nicht wiederholt. Jeder Ring ist dadurch ein Unikat, kein Guss aus derselben Form. Auf Wunsch presst sie einen Text ein oder wählt ein Pressdatum, etwa den Tag der Verlobung, direkt im selben Arbeitsschritt wie das Muster, nicht als nachträgliche Gravur.
In Gelb- und Feingold gibt es dieselbe Grundidee als Fliessmusterringe mit unregelmässiger, gerillter Struktur, und der Herzring versteckt sein namensgebendes Herz im Material, ein- oder zweiteilig, wahlweise mit Feingoldfutter.
Preise nennt diese Übersichtsseite kaum: Beim Herzring steht ausdrücklich Preis auf Anfrage, bei den anderen drei Varianten fehlt eine Zahl ganz. Im allgemeinen Katalog der Website taucht ein gleichnamiger Eintrag Fliessmusterringe fein mit einem Richtpreis von um CHF 500 auf, ob dieser exakt für die Partnerring-Ausführung gilt oder für eine andere Konfiguration derselben Technik, sagt die Seite nicht. Wer konkret plant, fragt am besten direkt nach, über das Kontaktformular, Telefon oder E-Mail.
Wie sich das ins übrige Werk einordnet
Der Rest der Website erklärt, warum die Partnerringe so aussehen, wie sie aussehen. Susan Holzinger arbeitet seit Jahren nach demselben Prinzip: Ein Mechanismus oder ein Materialverhalten wird zum Schmuckstück. Bei den Farbspielringen etwa lassen sich Acrylglaselemente drehen, beim Modell Piet ergeben vier Elemente durch Drehen und Anordnen 64 verschiedene Farbbilder, bei der Farbwahl zum Ring Louise kommen aus sechs Elementen 60 Farbvarianten zusammen. Das Schieberegal, ein Regalsystem mit farbigen Schiebeelementen, war für den Möbelpreis "Perspektiven" an der Möbelmesse Basel nominiert und entstand, wie auf der Website vermerkt, in Zusammenarbeit mit Nicola Lincke und Cathérine Gauchat, denselben zwei Namen aus der "A-Z Artikel"-Zeit. Der Spiegelbehälter Boudoir aus pulverbeschichtetem Stahlblech kostet um CHF 2500 und teilt sich dieselbe Werkstattpartnerschaft, am günstigeren Ende der Sammlung steht der Federring aus Edelstahl für CHF 88.
Diese Bandbreite zeigt ein Muster: Objekte, die eine Zusammenarbeit mit Nicola Lincke verlangen, wie das Schieberegal oder das Boudoir, entstehen erkennbar in oder mit der Werkstatt in Dielsdorf. Die Ringe dagegen, Partnerringe eingeschlossen, führt die Website ohne einen zweiten Namen daneben, was dafürspricht, dass sie im eigenen Atelier in Zürich entstehen. Wer bei Susan Holzinger kauft, kauft in erster Linie ein Konzept und eine Technik, nicht zuerst ein Metall oder einen Stein, und wer sich einen traditionellen Goldring mit Diamant vorstellt, ist an der falschen Adresse.
Wo man die Stücke sonst noch sieht
Die Stücke liegen nicht nur im eigenen Atelier, sondern auch bei 5 Verkaufsstellen, die die Website nennt: bei Friends of Carlotta am Neumarkt 22 in 8001 Zürich, bei der Galerie-Schmuck-Bar Tana Design an der Kirchgasse 36, ebenfalls 8001 Zürich, bei Deflorin & Brun (Blickfenster) an der Grüngasse 12 in 8004 Zürich, bei der Macherei an der Lagerstrasse 104 in 8004 Zürich und, ausserhalb der Stadt, bei Amulett am Rathausplatz 6 in 3000 Bern. Die Ringkollektion Friends, eine Gruppe von vier Ringen ab CHF 600, ist laut Website aktuell bei Friends of Carlotta zu sehen, was zeigt, dass diese Partnerschaft nicht nur auf dem Papier besteht.
Für wen sich das lohnt
Zu Garantie, Grössenänderung oder Service Jahre nach dem Kauf äussert sich die Website nicht. Bei einem Atelier mit Einzelanfertigungen dieser Art ist das eher die Regel als die Ausnahme, dürfte aber im persönlichen Gespräch zu klären sein statt auf der Homepage nachzulesen zu sein.
Für ein Paar, das ein Statement will, das nicht wie jeder zweite Goldreif aussieht, ist das eine der eigenständigeren Adressen im Kreis 4. Wer nach der klassischen Kombination aus Gold und Brillant sucht, wird enttäuscht, Susan Holzinger arbeitet mit Silber, Edelstahl, Titan und gelegentlich Gold, aber die Struktur steht im Zentrum, nicht die Fassung. Wer sich auf ein Ritual wie den Austauschring einlässt oder ein persönliches Datum lieber gepresst als graviert haben will, bekommt hier etwas, das kein Katalogware-Ring dieser Preisklasse bietet. Der Wermutstropfen bleibt die fehlende Preistransparenz gerade bei den Partnerringen selbst, obwohl die Website bei fast jedem anderen Stück im Katalog offen einen Preis nennt. Wer damit leben kann, findet in Susan Holzinger eine der eigenwilligeren und am besten dokumentierten Adressen unter den Quartier-Ateliers, mit einem nachvollziehbaren Werdegang statt nur einer Werkstattadresse.