Schmuck Franziska Gnos
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Wer in der Zürcher Innenstadt einen Verlobungsring sucht, landet an der Bahnhofstrasse fast automatisch vor einem Schaufenster mit mehreren Filialen und einer festen Kollektion. Ein paar Gehminuten weiter, an der Ecke Haldenbachstrasse und Culmannstrasse im Kreis 6, unweit der Universität, arbeitet Franziska Gnos seit 1999 in ihrem eigenen Atelier. Kein Ladenlokal mit Verkaufspersonal, sondern eine Werkstatt, in der die Designerin selbst entwirft und die Stücke von Hand fertigt. Die eigene Website spricht durchgehend in der Ich-Form, von der Einladung, sie in der Werkstatt zu besuchen, bis zur Beschreibung der eigenen Kollektionen, was für ein Atelier dieser Grösse eher die Regel als die Ausnahme ist.
Gnos ist keine klassisch gelernte Goldschmiedin mit Lehre und Gesellenprüfung, sondern kommt über die Gestaltung. Sie studierte Schmuck und Gerät an der Hochschule für Gestaltung Zürich, der heutigen Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Ihr Diplomprojekt gewann 2000 den Eidgenössischen Preis für Gestaltung und wurde an der Messe Basel sowie im Museum Bellerive gezeigt. 2006 wurde ihr Projekt Blumentiere - Athozoen für den Eidgenössischen Wettbewerb für Design nominiert und war Teil der Ausstellung Jüriert - Prämiert im Museum für Gestaltung Zürich. Nach dem Studium arbeitete sie zudem als Koordinatorin für Forschung und Entwicklung sowie als Dozentin im Departement Design der ZHdK. Ihr eigenes Atelier in Zürich führt sie nach eigener Angabe seit 1999. Für alle, die bei der Wahl eines Verlobungsrings auf eine klassische Goldschmiede-Lehre Wert legen, ist das ein anderer Werdegang als beim traditionellen Familienbetrieb, aber einer mit belegbarer akademischer und gestalterischer Grundlage, nicht nur mit einer Werkstattadresse.
Im Angebot stehen Verlobungsringe, Eheringe und Freundschaftsringe sowie kleinere Kunstwerke, alle laut eigener Beschreibung nach individuellen Wünschen entworfen und im Atelier in Zürich von Hand gefertigt. Bei den Edelmetallen verwendet Gnos ausschliesslich Recyclinggold in Gelb-, Rot-, Rosé- und Weissgold, bezogen von Mitgliedern des Responsible Jewellery Council (RJC). Für Eheringe können Kundinnen und Kunden zusätzlich wählen, ob eigenes Altgold eingeschmolzen oder Fairtrade-Gold verwendet wird, eine Option, die vor allem bei geerbtem Familienschmuck gefragt sein dürfte. Gravuren werden von Hand in Zusammenarbeit mit einem Graveur umgesetzt, nicht maschinell eingefräst.
Für die Verlobungsringe selbst führt die Website eine dedizierte, eigene Unterseite, getrennt von Eheringen und Freundschaftsringen im Menü aufgeführt. Bei den Steinen reicht die dort beschriebene Palette von zertifizierten Diamanten über Champagner-Brillanten bis zu Aquamarinen, Montana-Saphiren und Rubinen. An anderer Stelle auf derselben Seite beschreibt Gnos alle handgefertigten Verlobungsringe dagegen als ausschliesslich mit ausgewählten, zertifizierten Diamanten gefertigt. Beide Sätze stehen so auf derselben Unterseite, ohne dass sich daraus eindeutig ableiten liesse, welche Steine tatsächlich für welches Ringmodell infrage kommen. Wer an einem farbigen Stein statt an einem Diamanten interessiert ist, klärt das am besten direkt im Gespräch im Atelier.
Über die Ringe hinaus führt die Website dieselben sieben Kollektionen auch bei Ohrringen, Halsschmuck und Armschmuck, jeweils als eigener Menüpunkt neben Ringen aufgeführt. Für ein Paar, das nach dem Verlobungsring später auch einen passenden Ohrring oder ein Armband sucht, heisst das, dass sich die gleiche Formsprache im selben Atelier weiterführen liesse, ohne bei einem anderen Anbieter nach einer ähnlichen Optik suchen zu müssen. Ob sich einzelne Modelle über die Kollektionen hinweg tatsächlich kombinieren lassen, klärt sich am ehesten im Gespräch vor Ort, die Website selbst macht dazu keine ausdrückliche Aussage.
Sieben Kollektionen als Ausgangspunkt
Wer ohne eigenen Entwurf ins Gespräch geht, findet in sieben benannten Kollektionen einen Startpunkt: Capsula, Sphaera, Flora, Illusio, Emaille, Facetten und Perla, jede mit einer eigenen Formsprache zwischen geometrisch und organisch. Die eigene Beschreibung nennt als roten Faden das Zusammentreffen von Naturformen, handwerklichem Wissen und modernen technischen Möglichkeiten. Der Weg zum fertigen Stück führt dabei nicht über einen Onlinekonfigurator oder einen Warenkorb, sondern über ein Gespräch im Atelier selbst, entweder ausgehend von einer der Kollektionen oder von einer eigenen Idee, die gemeinsam mit der Designerin weiterentwickelt wird.
Kreis 6 statt Bahnhofstrasse
Die Postleitzahl 8006 der Haldenbachstrasse liegt im Kreis 6 zwischen Universität und Unterstrass, spürbar weiter weg vom Bahnhofstrassen-Publikum als die grossen Häuser der Innenstadt. Das zeigt sich auch daran, wie Gnos im Quartier auftritt: In der eigenen Rubrik für Aktuelles finden sich Ateliertage wie Hand und Werk, offene Ateliers im Kreis 6, und Atelierkultour, Kreis 6, bei denen Werkstätten im Quartier ihre Türen für Publikum öffnen, dazu Designmessen wie die in&out schweizer Designmesse. Konkrete Termine dieser Anlässe liessen sich zum Zeitpunkt der Recherche auf der Seite selbst nicht mehr ablesen, die Veranstaltungsreihen als solche sprechen aber dafür, dass das Atelier lokal vernetzt und aktiv ist und nicht nur eine Adresse mit Kontaktformular betreibt.
Eine Preisliste veröffentlicht die Website nicht, weder für Verlobungs- noch für Eheringe. Bei einer Anfertigung nach Mass, die auf ein persönliches Gespräch statt auf einen Katalog setzt, ist das eher die Regel als die Ausnahme. Auch zu Lieferzeiten oder einer schriftlichen Gewährleistung nach dem Kauf findet sich auf den eingesehenen Seiten nichts. Wer diese Punkte vor einer Bestellung klären will, tut das am besten direkt im Atelier, telefonisch oder per E-Mail, statt sich auf eine Zahl zu verlassen, die auf der Website schlicht nicht steht.
Für wen sich das Atelier eignet
Wer eine grosse Marke mit mehreren Filialen, Schaufenster und sofort verfügbarem Sortiment sucht, ist an der Bahnhofstrasse besser aufgehoben. Wer dagegen einen individuell entworfenen Verlobungsring von der Person tragen will, die ihn auch selbst entworfen hat, und Wert auf nachvollziehbare Herkunft von Gold und Steinen legt, findet bei Franziska Gnos ein Atelier, das sie seit 1999 in eigener Verantwortung führt, mit einer gestalterischen Ausbildung, die sich mit einem Bundespreis und Museumsausstellungen belegen lässt und nicht nur mit einer Behauptung auf der eigenen Seite.
Ein echter, wenn auch kleiner Wermutstropfen bleibt die fehlende Preisorientierung: Wer nur unverbindlich vergleichen will, muss zuerst den Kontakt suchen, statt sich vorab eine Hausnummer im Kopf zurechtzulegen. Für ein Quartieratelier mit Mass-Anfertigung nach persönlichem Gespräch ist das nachvollziehbar, macht die erste Kontaktaufnahme aber zu einem gewissen Vertrauensvorschuss. Ebenso lässt sich die kleine Unstimmigkeit bei den Edelsteinen für Verlobungsringe nicht restlos auflösen, ohne im Atelier nachzufragen.
Unter dem Strich ist das Atelier an der Haldenbachstrasse eine der wenigen Adressen ausserhalb der Altstadt, die Verlobungsringe ausdrücklich als eigene Kategorie führt und gleichzeitig eine über Jahrzehnte gewachsene Ausbildung und Ausstellungsgeschichte vorweisen kann. Wer im Kreis 6 oder in der Nähe wohnt und einen persönlichen, unaufgeregten Beratungstermin einem Verkaufsgespräch an der Bahnhofstrasse vorzieht, findet hier eine begründete Alternative.