Franziska Brusa Schmuck Design
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Franziska Brusa führt ihr Zürcher Schmucklabel nicht als Ladengeschäft oder Bijouterie, sondern als eigene Werkstattmarke: eine ausgebildete Goldschmiedin, die ihre Ringe, Ohrringe und Colliers selbst entwirft und unter ihrem eigenen Namen verkauft. Wer ihre Website öffnet, findet kein Schaufenster und keine lange Firmengeschichte, sondern eine schmale, klar sortierte Übersicht ihrer Linien, mit Materialangabe und Preis direkt beim einzelnen Stück, was in diesem Segment eher selten ist.
Geboren 1983, hat Brusa laut eigenen Angaben eine Lehre als Goldschmiedin absolviert und danach ein Studium in Produkt- und Industriedesign angeschlossen, bevor sie sich als selbstständige Schmuckdesignerin niedergelassen hat. Wo genau sie ihre Lehre gemacht hat und in welchem Jahr sie sich selbstständig gemacht hat, verrät die Seite nicht, ebenso wenig eine Adresse ihrer eigenen Werkstatt. Für ein Quartier, in dem Standortdauer und eine sichtbare Werkbank oft das Verkaufsargument sind, ist das ein echter Unterschied zu den alteingesessenen Goldschmiedebetrieben nebenan, und wer darauf Wert legt, findet auf ihrer Seite keine Antwort.
Was sie stattdessen zeigt, ist ihre eigene Formsprache. Die Linie Kreise bringt Ohrstecker in den Grössen mini, midi und maxi, wahlweise oxidiert geschwärzt, dazu einen Ring und ein Collier unter dem Namen Kreis im Kreis. Der Ring kostet CHF 690.- und ist in diversen Grössen erhältlich, in Silber AG925; das Collier ist als Unikat ausgewiesen und läuft auf Anfrage. Parallel dazu die Linie Linsen: Ohrstecker mit 3, 8, 10 oder 11 Linsen in Silber AG925, ein Modell mit 3 Linsen für CHF 310.-, die kleineren Grössen zusätzlich in Gelbgold AU750. Dazu drei geometrische Einzelmodelle: Tetragon in Silber AG925 mit Gelbgold-Plattierung für CHF 520.-, Pentagon und Ovoid in Silber AG925 für je CHF 390.-. Zusammen liest sich das wie eine Werkstatt, die in klaren geometrischen Grundformen denkt, nicht wie eine Kopie der grossen Häuser am anderen Seeufer.
Die Kreise-Linie geht über den einen Ring hinaus. Ohrstecker gibt es in den Grössen mini, midi und midi offen sowie in einer maxi offenen Variante, alle in Silber AG925, ein Teil davon oxidiert und dadurch dunkel eingefärbt statt hochglänzend. Dazu kommen Ohrhänger als eigene Kategorie, getrennt von den Ohrsteckern, ebenfalls in Silber. Bei der Linie Linsen wiederholt sich dieses Muster: Ohrstecker und separate Ohrhänger, in Silber bis zu 11 Linsen, in Gelbgold auf 3 oder 8 Linsen begrenzt. Wer sich durch die Seite klickt, merkt schnell, dass Brusa dieselbe Grundform, Kreis, Linse, Loop, Tetragon, Pentagon, Ovoid, konsequent durch mehrere Schmuckgattungen und Materialien durchdekliniert, statt für jede Kategorie ein neues Motiv zu erfinden. Das gibt der Sammlung eine Handschrift, die man auf den ersten Blick wiedererkennt, auch ohne den Namen daneben zu lesen.
Für ein Verlobungsringe-Portal am wichtigsten ist der Ring Loop. Auf der Produktseite heisst er schlicht Ring Loop, respektive Loop8 als zweite Variante, beide in Gelbgold AU750, beide für CHF 270.- und in verschiedenen Grössen erhältlich. In den eigenen Bilddateien der Seite führt Brusa denselben Ring als Verlobungsring, ein klarer Hinweis, dass sie ihn selbst auch für diesen Zweck vorsieht, auch wenn der sichtbare Produkttext das Wort nicht verwendet. Für ein schlichtes Goldband ist das ein vergleichsweise zugänglicher Preis, allerdings ohne Stein und ohne die Fassungsauswahl, die ein klassischer Juwelier normalerweise bietet.
Trau- und Partnerringe behandelt die Seite als eigenes Kapitel, getrennt von den Fixpreis-Linien. Sowohl die Partnerringe als auch die Trauringe zeigt Brusa in Weissgold AU750, beide ohne genannten Preis, Preis auf Anfrage. Der Trauring trägt denselben Ovoid-Schnitt, den man aus der Silber-Linie schon kennt, hier aber als eigenständiges Weissgold-Modell, nicht als dasselbe Stück zu zwei Preisen. Das passt zur zweiten Hälfte ihres Angebots, die sie selbst mit dem Satz umschreibt, sie entwerfe und fertige Schmuckstücke nach ihren eigenen Ideen, aber auch nach denen der Kundschaft, was auf eine Anfertigung nach Mass hinausläuft statt auf ein Modell von der Stange. Genaue Lieferzeiten oder eine Gewährleistungsfrist nennt die Seite an keiner Stelle, wer das braucht, muss danach fragen.
Die Website selbst sortiert das Angebot unter drei knappen Titeln: von mir für die eigenen, fixfertigen Linien, für dich für Auftragsarbeiten, und über mich für die kurze Biografie. Die Begleittexte bei Trau- und Partnerringen sind bewusst kurz gehalten, eher Stimmung als Verkaufsargument: Kopfüber, Achterbahn fahren, Glücksgefühl steht bei den Partnerringen, Den Weg zusammen gehen, Gemeinsam bei den Trauringen. Trotz dieses lockeren Tons bleibt bei jedem einzelnen Stück eine klare technische Angabe zu Material und, ausser bei den beiden Massanfertigungs-Kapiteln, auch zum Preis.
Wie man kauft
Einen Onlineshop mit Warenkorb hat die Seite nicht, trotz der Rubrik, die schlicht Shop heisst. Stattdessen listet sie zwei Zürcher Verkaufsstellen, bei denen man die Stücke anschauen und anprobieren kann: Affaire 46 am Predigerplatz 46 und Friends of Carlotta, eine Galerie für zeitgenössischen Schmuck am Neumarkt 22, beide mit der Postleitzahl 8001 in der Altstadt. Für alles andere bleibt die direkte Anfrage per E-Mail. Auf der eigenen Website von Friends of Carlotta taucht Brusas Name in der aktuellen Künstlerliste allerdings nicht auf, was entweder heisst, dass die Zusammenarbeit inzwischen ausgelaufen ist, oder schlicht, dass die Galerie nicht jede vertretene Person auf ihrer Startseite nennt. Von aussen lässt sich das nicht klären, wer auf diesen Verkaufspunkt baut, sollte vorher nachfragen.
Für wen sich das lohnt
Wer in den Kreisen 2 bis 6 nach einem Goldschmiedebetrieb mit langer Hausgeschichte sucht, findet den bei Brusa nicht: weder eine Werkstattadresse noch ein Gründungsjahr des Geschäfts stehen auf der Seite, nur ihr Geburtsjahr und ihre Ausbildung. Wer dagegen einen eigenständigen, unaufgeregt geometrischen Ring sucht und mit einer E-Mail-Anfrage statt einem Ladenbesuch leben kann, bekommt hier etwas Seltenes in diesem Segment: klar benannte Preise für die Fixmodelle, vom Ohrstecker für CHF 310.- bis zum Ring für CHF 690.-, dazu einen konkreten Weg zu einem Gelbgold-Verlobungsring für CHF 270.- und die Option auf ein Weissgold-Trauringpaar nach Mass. Die Unsicherheit rund um die Galerie-Partnerschaft und das Fehlen jeder Angabe zu Lieferzeit oder Gewährleistung sind die einzigen echten Abzüge: kein Grund, das Angebot zu meiden, aber ein guter Grund, vor einem Kauf direkt nachzufragen. Für jemanden, der ohnehin zuerst per E-Mail Kontakt aufnehmen will, bevor er sich auf ein Wunschmodell festlegt, lässt sich diese Frage im gleichen Zug klären, etwa ob ein bestimmtes Stück gerade bei Affaire 46 oder bei Friends of Carlotta zu sehen ist oder ob es einfacher ist, direkt bei ihr vorbeizukommen. Wer eine grosse Auswahl an Fassungen und Steingrössen erwartet, ist bei einem klassischen Juwelier besser aufgehoben, wer dagegen ein reduziertes, in Zürich entworfenes Einzelstück sucht, bekommt bei Brusa etwas, das man nicht an jeder Ecke der Stadt findet.