Elle Epoce
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Wer im Glattzentrum unterwegs ist, kennt die Theke wahrscheinlich schon, auch ohne den Namen zu wissen: eine Shop-in-Shop-Vitrine mitten im Globus Wallisellen, die Ringe, Ketten und Ohrringe eines Labels zeigt, das sich Elle Epoce nennt. Auf der eigenen Über-uns-Seite beschreibt sich die Firma als Schweizer Schmuckmarke, die 2009 als kleines Familienunternehmen gegründet wurde und seit 2010 wieder auf dem Schweizer Markt sei, mit Hauptsitz in Zürich. Bevor das Geschäft überhaupt losgehen konnte, habe man laut eigenen Angaben über ein Jahr gebraucht, um sich mit Feingehalt, Edelsteinen und der in der Schweiz vorgeschriebenen Verantwortlichkeitsmarke vertraut zu machen, jenem amtlichen Stempel, den braucht, wer hierzulande gewerblich mit Gold- und Silberschmuck handelt. Das ist kein Detail, das man sich ausdenkt, es steht so auf der Seite, und es passt zu einer Firma, die ihre Herkunft ernst nimmt, auch wenn sie klein geblieben ist. Woher der Name Elle Epoce selbst kommt, erklärt die Website nirgends, aber die naheliegende Lesart ist ein Wortspiel mit der Belle Époque, unterstrichen vom eigenen Motto, das auf der Über-uns-Seite zitiert wird: "She goes through epochs".
Das Handelsregister des Kantons Zürich zeichnet eine leicht andere Zeitlinie, und beide Versionen können nebeneinander bestehen. Als Einzelfirma unter dem Namen Elle Epoce, Vukcevic P. dipl. Bauing. wurde der Betrieb erst 2016 neu eingetragen, mit Predrag Vukcevic als Inhaber und Einzelunterschrift, Branka Vukcevic stand daneben ebenfalls mit Unterschrift im Register. Der eingetragene Zweck lautet schlicht Schmuck, Produktion, Kreation, Handel. Eine formelle Registrierung folgt in der Schweiz häufig erst, wenn ein Kleinbetrieb eine gewisse Grösse erreicht, insofern widerspricht das eine dem anderen nicht zwingend, es sind einfach zwei verschiedene Daten aus zwei verschiedenen Quellen. Das Register ist öffentlich einsehbar und führt die Firma weiterhin ohne Löschdatum, also als bestehend.
Der Grund, warum diese Theke überhaupt in einer Verlobungsring-Übersicht auftaucht, ist eine einzelne, klar abgegrenzte Kategorie im eigenen Onlineshop: Solitärring 18K Gold, 4 Modelle stark. Zwei davon setzen einen einzelnen Diamanten der Reinheits- und Farbklasse HSI mittig in 750er Gold, mit 12 kleineren Diamanten von zusammen 0,11 Karat rund um den Mittelstein, der selbst mit 0,11 Karat angegeben ist. Eine Weissgold-Variante wiederholt genau dieses Muster. Ein viertes Modell tauscht den Diamanten in der Mitte gegen einen Tansanit im Format 7 mal 5 Millimeter und umgibt ihn mit 16 kleineren Diamanten von zusammen 0,10 Karat. Das ist eine überschaubare, aber unter eigenem Namen geführte Ringlinie mit nachvollziehbaren Materialangaben, und der im Handelsregister eingetragene Zweck nennt neben dem Handel ausdrücklich auch Produktion und Kreation von Schmuck, nicht nur Verkauf. Genau diese Art von Detail verlangt die Kategorie von Betrieben, die ihr Brautring-Angebot bloss behaupten, ohne es zu zeigen, und Elle Epoce zeigt es.
Drum herum liegt ein deutlich breiteres Sortiment, das man eher bei einer Bijouterie als bei einem klassischen Goldschmied erwartet: eine allgemeine Ringlinie in Silber mit 6 Modellen, eine zweite 18-Karat-Gold-Linie mit 10 Stücken, vor allem Ohrringe und Anhänger in 750er Gold und Weissgold, eine separate Ohrringlinie mit 5 Stücken und eine Ohrpiercing-Auswahl mit 4 Stücken, dazu Creolen mit 9 Varianten, Halsketten mit 11, Anhänger mit 6, Armketten mit 3, eine Edelstahlkollektion mit 7 Stücken, eine Perlenlinie mit 6, eine kleine Diamantschmuck-Auswahl mit 3 Stücken, eine einzelne Flower-Kollektion sowie eine Babyschmuck-Linie in 18-Karat-Gold mit 8 Stücken. Macht 14 Kategorien insgesamt, gezählt auf der eigenen Shop-Übersicht, und die Verlobungsringe sind darin klar die kleinste, aber auch die am genauesten beschriebene Ecke.
Bestellung, Lieferung und die Rechtstexte
Zu Preisen äussert sich der Shop auf den einzelnen Produktseiten nicht in Franken, jedenfalls nicht auf den Seiten, die sich noch einsehen liessen. Wer wissen will, was ein Ring kostet, muss an der Theke fragen oder online eine Anfrage stellen, eine öffentlich genannte Zahl gibt es nicht. Zwei Angaben stehen dagegen konkret da: Ab 150 Franken Bestellwert liefert Elle Epoce innerhalb der Schweiz gratis, und für die Solitärringe nennt die Seite zwei unterschiedliche Fristen nebeneinander, eine allgemeine Lieferzeit von 4 bis 7 Werktagen und separat eine Goldlieferung von 7 bis 12 Arbeitstagen, ohne zu erklären, wann welche gilt. Das wirkt wie ein Detail aus dem Baukastensystem der Website, aber es steht dort, und wir geben es lieber unkommentiert weiter, als es zu glätten.
Weniger überzeugend sind die rechtlichen Seiten selbst. Impressum, AGB und Lieferbedingungen sind auf der Website verlinkt, doch alle drei enthalten beim Öffnen nur allgemeinen Erklärtext darüber, wozu ein Impressum oder AGB überhaupt gut sind, ohne Firmenadresse und ohne konkrete Garantie- oder Rückgabefrist. Die Seite zu den Lieferbedingungen bleibt sogar komplett leer bis auf die Navigation. Eine gesetzliche Gewährleistung gilt in der Schweiz unabhängig davon, was eine Website dazu schreibt, aber welche zusätzliche Garantie oder welchen Service Elle Epoce über dieses gesetzliche Minimum hinaus bietet, verrät die Seite nicht. Genau an diesem Punkt fragt man als Kundin oder Kunde am besten direkt an der Theke im Glattzentrum nach, statt sich auf die Textbausteine zu verlassen.
Im Vergleich zur Bahnhofstrasse
Wer schon an der Bahnhofstrasse oder in einem der grossen Traditionshäuser der Stadt nach einem Ring gesucht hat, merkt den Unterschied sofort. Elle Epoce zeigt keine Werkbank, keine Lehre einer Goldschmiedin oder eines Goldschmieds und keine Familientradition über Generationen, jedenfalls nichts davon auf der eigenen Website. Was es stattdessen bietet, ist eine bequeme, terminlose Anlaufstelle in einem Einkaufszentrum, das ohnehin auf dem Weg liegt, wenn man im Glattal oder Richtung Flughafen unterwegs ist, mit einer Ringlinie, deren Materialangaben transparenter sind als bei manchem grösseren Namen im selben Verzeichnis.
Für wen sich der Besuch lohnt
Diese Theke passt zu jemandem, der ohnehin im Glattzentrum einkauft oder in der Nähe wohnt, keine Lust auf einen Termin an der Bahnhofstrasse hat, einen 18-karätigen Goldring mit Diamant oder Tansanit sucht und bereit ist, Preis und Garantiebedingungen persönlich zu erfragen statt sie online nachzulesen. Für ein spontanes Vorbeischauen zwischen zwei anderen Erledigungen im Center eignet sich das Format ausgesprochen gut, gerade weil es keine Terminschwelle gibt und die Vitrine direkt im Kundenstrom des Warenhauses liegt. Wer dagegen ein Haus mit langer eigener Werkstattgeschichte oder eine ausformulierte Garantieseite sucht, findet das eher in einer anderen Kategorie dieses Verzeichnisses.
Fazit
Elle Epoce hat, was viele kleinere Einträge in dieser Kategorie schuldig bleiben: eine eigene, konkret beschriebene 18-Karat-Gold-Ringlinie mit 4 Modellen, nachvollziehbaren Steingewichten und einer Handelsregistereintragung, die sich unabhängig prüfen lässt und die Firma weiterhin als bestehend zeigt. Der echte Abzug betrifft die eigenen Rechtstexte, die noch als unausgefüllte Vorlage dastehen, und das Fehlen jeder Preisangabe online. Wer das in Kauf nimmt und ohnehin am Flughafenkorridor unterwegs ist, bekommt hier eine ehrliche, kleine Ringlinie, deren Preis man eben persönlich erfragen muss.