Stellini Diamonds
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Stellini Diamonds ist kein Haus mit Familientradition, und es tut auch nicht so. Gegründet 2018 von Giuliano Stellini, ist es ein Showroom an der Seidengasse 17 in Zürich, direkt am Löwenplatz, und man kommt nur nach Terminvereinbarung hinein. Die eigene Gründungsgeschichte auf der Website ist ungewöhnlich offen für eine Branche, die selten über eigene Fehler spricht: Stellini kaufte für seine damalige Partnerin einen Verlobungsring, der als VS-Qualität verkauft wurde, also Einschlüsse, die unter 10-facher Vergrösserung kaum sichtbar sein sollten. Von blossem Auge waren sie trotzdem klar zu erkennen. Diese Erfahrung ist die offizielle Erklärung dafür, warum das Unternehmen seine eigenen Zertifizierungsstandards seither so ausführlich auf der Seite dokumentiert, statt sie hinter einer Verkaufsvitrine zu verstecken.
Das Angebot deckt beides ab, natürliche und laborgezüchtete Diamanten, beide mit GIA- oder IGI-Zertifikat. Wer eine fertige Fassung sucht, findet auf der Seite Verlobungsringe mit Namen wie Sofia, Cinderella, Positano, Grazia, Victoria, Elisa, Maria, Mirabella oder Florence, in Gelbgold, Weissgold oder Platin, mit Steinformen von rund über oval bis smaragd- und herzförmig. Wer lieber selbst bestimmt, geht den Weg der Einzelanfertigung: einen zertifizierten Stein wählen und die Fassung darum bauen lassen, statt umgekehrt.
Die Auswahl ist im Shop klar sortiert: nach Fassung in Gelbgold, Weissgold oder Roségold, nach Schliffform von Rund über Oval, Tropfenform, Radiant, Marquise, Smaragdschliff und Kissenschliff bis Asscher-, Herz- und Prinzessschliff, und nach der Wahl zwischen weissen und gelben Diamanten. Neben Verlobungsringen führt Stellini auch Eheringe sowie eine kleinere Linie an Ohrringen, Armbändern, Halsketten und Ringen ausserhalb der Verlobungskategorie.
Was auffällt
Was Stellini von einem gewöhnlichen Online-Juwelier unterscheidet, ist die Bereitschaft, die eigenen Einkaufskriterien offenzulegen, statt nur mit Superlativen zu werben. Die Seite erklärt die Farbskala von D bis Z und schreibt dazu, dass Stellini selbst nur die Farben D bis F führt, also die farblose Spitzengruppe. Bei der Reinheit nennt sie die volle 11-stufige Skala von lupenrein (FL) bis stark eingeschlossen (I3) und hält fest, dass im eigenen Sortiment nur Steine ab VS aufwärts landen. Beim Schliff wird ausschliesslich die Note Excellent geführt. Das sind überprüfbare, selbst auferlegte Untergrenzen, keine vagen Qualitätsversprechen.
Bei den Labordiamanten ist die Seite ähnlich konkret: Sie kosten in der Regel 30 bis 50 Prozent weniger als vergleichbare natürliche Steine, entstehen in wenigen Wochen statt über geologische Zeiträume und gelten laut Stellini als von Natur aus konfliktfrei. Natürliche Diamanten werden dagegen mit Wertbeständigkeit und Tradition beworben. Beide Kategorien werden nach denselben vier Kriterien, Karat, Schliff, Farbe, Reinheit, beurteilt, was den Vergleich für Käuferinnen und Käufer nachvollziehbar macht, statt ihn hinter Fachjargon zu verstecken.
Wie der Kauf abläuft
Der Showroom ist reine Terminsache, kein Schaufenstergeschäft an einer Laufkundschaft-Lage. Wer nicht aus Zürich anreisen will, kann laut den eigenen Regionalseiten für Bern und Luzern auch per Video, Telefon oder WhatsApp beraten werden, mit versicherter Lieferung in die ganze Schweiz oder Abholung vor Ort. Bei einer Einzelanfertigung rechnet Stellini mit 5 bis 6 Wochen Herstellungszeit, dazu 1 bis 2 Werktage Versand innerhalb der Schweiz. Die Ringe werden laut eigener Angabe in der Schweiz gegossen, jeder Stein einzeln von Hand ausgesucht und von einem Meistergoldschmied gefasst. Wo genau die Werkstatt liegt und wo der Goldschmied oder die Goldschmiedin die Lehre absolviert hat, verrät die Seite nicht, was für eine so offen kommunizierende Firma auffällt.
Konkret zugesichert ist eine kostenlose Ringgrössen-Anpassung innerhalb von 60 Tagen ab Kauf. Was darüber hinaus an Gewährleistung gilt, wird nicht separat ausformuliert, es bleibt bei den gesetzlichen Mindestansprüchen, die für ein Schweizer GmbH-Geschäft ohnehin gelten. Wer sein Budget strecken will, kann über den Finanzierungspartner Heylight in 3 bis 12 Monatsraten zu 0 Prozent Zinsen zahlen, bis zu einem Bestellwert von 10'000 Franken, wobei die erste Rate bereits beim Kaufabschluss fällig wird.
Der persönliche Ton zieht sich durch den ganzen Auftritt. Auf der Kundenseite stehen 3 Erfahrungsberichte, die alle namentlich eine Beratung durch Giuliano Stellini selbst erwähnen, nicht ein anonymes Verkaufsteam. Das passt zu einem Betrieb dieser Grösse, in dem der Gründer offenbar noch selbst berät, ist aber auch nur eine Momentaufnahme von drei Stimmen und kein repräsentativer Querschnitt.
Preis und Einordnung
Die publizierten Einstiegspreise für die fertigen Verlobungsringe beginnen bei 2790 Franken für den Sofia-Ring in Gelbgold und reichen bis 6900 Franken für die Platin-Ausführung von Victoria, mit Zwischenstufen wie Positano ab 2990 oder Mirabella ab 3980 Franken. Das ist ehrliche Bahnhofstrasse-Nachbarschaft ohne Bahnhofstrasse-Aufschlag, ein Effekt, den ein Showroom ohne teure Schaufensterlage plausibel erklären kann.
Im Vergleich zu den alteingesessenen Häusern an der Bahnhofstrasse ist Stellini das Gegenteil: kein Familienbetrieb mit Jahrzehnten oder Jahrhunderten an derselben Adresse, sondern ein noch junges Unternehmen, das seine eigene Geschichte auf 2018 zurückdatiert und seine Über-uns- und Mission-Seiten erst 2026 überarbeitet hat. Was es an Tradition fehlt, kompensiert es mit einer Vitrine im Dolder Grand, in der unteren Steinhalle des Hotels, ein Ort, an dem Stellini nach eigener Aussage am 23. Dezember 2018 selbst einen Heiratsantrag gemacht hat. Das ist ein netter biografischer Bezug, aber keine zweite Filiale, nur eine Auslage.
Gemessen an den Kriterien, die für diese Kategorie zählen, Zertifizierungspraxis und Preistransparenz, punktet Stellini auf beiden Ebenen: Die Zertifikate sind klar benannt, die eigenen Mindestqualitäten sind öffentlich einsehbar, und die Modellpreise stehen direkt neben dem Produktnamen statt erst nach einer Anfrage per Mail. Im Vergleich zu Händlern, die zertifizierte Steine nur auf Nachfrage zeigen und lieber verkaufen, was gerade vorrätig ist, ist das ein spürbarer Unterschied.
Für wen sich das lohnt
Stellini passt zu einem Schweizer Paar, das die Bewertungskriterien eines Diamanten verstehen will, bevor es sich auf eine Fassung festlegt, und das offen für einen laborgezüchteten Stein ist, wenn der Preis dafür spricht. Es passt auch zu jemandem ausserhalb Zürichs, der eine Beratung per Video oder WhatsApp einer Reise an die Bahnhofstrasse vorzieht. Weniger passt es zu Paaren, die eine Schmuckdynastie mit langer Hausgeschichte suchen oder die vor Ort ein grosses Sortiment durchstöbern wollen, statt sich einen Termin zu reservieren.
Was nicht öffentlich einsehbar ist: Lieferzeiten und Kosten für Sendungen ausserhalb der Schweiz, die genaue Grösse des Teams und die Herkunft der einzelnen Steine über die allgemeine Formulierung „verantwortungsvolle Quellen" hinaus. Das sind Lücken, die man vor dem Kauf im Gespräch klären sollte, keine Warnsignale für sich. Als Ganzes ist Stellini ein Anbieter, der seine Vergabekriterien offener nennt als die meisten, und der genau damit sein Gründungsversprechen einlöst, auch wenn er dafür manche andere Angabe schuldig bleibt.