Bijouterie Kunz
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Bijouterie Kunz hat an der Bahnhofstrasse keine eigene Fassade, sondern einen Verkaufstisch im Erdgeschoss des Bongénie, gleich beim Bahnhofplatz auf Hausnummer 3. Wer das Genfer Familienunternehmen kennt, weiss, dass die Marke selbst auf 1896 zurückgeht, der Zürcher Auftritt dagegen viel jünger ist, ein zusätzlicher Verkaufspunkt neben den beiden Häusern am Genfersee. Das ändert nichts an der Substanz der Firma dahinter, aber es ändert, was man vor Ort erwarten darf: kein eigenes Ladenlokal mit eigenen Öffnungszeiten, sondern einen Auftritt innerhalb eines grösseren Warenhauses, offen von Montag bis Freitag 10 bis 19 Uhr und samstags bis 18 Uhr, sonntags geschlossen.
Angefangen hat alles 1896 in einem Atelier von Alfred Kunz an der Rue du Mont-Blanc in Genf. 1950 eröffnete Alfred die Arkade am Quai des Bergues 23, wo das Hauptgeschäft bis heute steht. Seine beiden Söhne übernahmen den Betrieb: Charles, der nebenbei eine internationale Fussballkarriere hatte und sich für Schmuck begeisterte, und Claude, der sich auf Uhren konzentrierte. 1991 trennten die Brüder ihre Geschäfte in zwei eigenständige Firmen, die Bijouterie Kunz auf der einen, die Chronométrie Kunz auf der anderen Seite, und seit 2000 laufen beide vollständig unabhängig voneinander. Das ist ein Detail, das man kennen sollte, weil es online zu Verwechslungen führt: Wer nach Kunz sucht, landet leicht bei der Uhrenfirma, obwohl er die Schmuckboutique meint, oder umgekehrt.
2010 übernahm Françoise Breza-Kunz, Alfreds Enkelin und Charles' Tochter, den Betrieb, gemeinsam mit ihrem Mann Lukas Breza. Sie führt das Haus seither, mit drei Verkaufspunkten: dem Hauptgeschäft am Quai des Bergues, der zweiten Genfer Adresse Rue du Marché 34 im dortigen Bongénie (ebenfalls ein Warenhaus-Standort, im ersten Stock statt im Erdgeschoss), und dem Zürcher Tisch an der Bahnhofstrasse 3, 8001 Zürich.
Was man in der Bongénie-Ecke findet
An der Bahnhofstrasse 3 gibt es keine eigene Werkstatt vor Ort, aber eine Auswahl aus den Marken, die das Haus insgesamt vertritt. Auf der eigenen Markenseite von Kunz taucht neben Schweizer Namen wie Tudor und Zenith auch Repossi auf, das Pariser Haute-Joaillerie-Haus von der Place Vendôme, seit 2007 unter der künstlerischen Leitung von Gaia Repossi, die damit ihrem Vater Alberto nachfolgte. Kunz beschreibt Repossi als Haus mit drei Generationen Erfahrung und europäischen Werkstätten; Sonderanfertigungen bietet das Label laut eigener Beschreibung ausschliesslich auf Anfrage an. Ob am Zürcher Tisch das komplette Repossi-Sortiment liegt oder nur ein Ausschnitt davon, lässt sich von der Website allein nicht klären: Die Markenlisten dort sind nach den beiden Genfer Adressen sortiert, eine eigene Liste für Zürich fehlt.
Sicher ist dagegen, was auf der Website bei den beiden Genfer Verkaufsstellen an eigenständigen Schmuckhäusern neben den grossen Uhrenmarken auftaucht: Stephen Webster, Tabbah, Ole Lynggaard, Dinh Van, Mellerio, Nouvel Héritage, La Brune et la Blonde, dazu kleinere Namen wie Yvonne Léon oder Morganne Bello. Das ist ein anderes Profil als das, was man von den grossen Häusern ein paar Gehminuten weiter kennt: weniger Vitrinen voller immer gleicher Markenlogos, mehr Häuser, die man in der Deutschschweiz sonst kaum an einem Ort findet.
Herkunft und Handwerk
Kunz lässt grössere Steine über unabhängige Labors wie die GIA zertifizieren und arbeitet nach den 4 klassischen Kriterien für Diamanten: Schliff, Farbe, Gewicht und Reinheit. Auf der Website wird das Anfertigen und Anpassen von Fassungen als Teil des eigenen Angebots beschrieben, ausgeführt nach den Regeln des Goldschmiedehandwerks, wie es dort heisst, doch die Seite sagt nicht, ob diese Arbeit an der Bahnhofstrasse selbst oder ausschliesslich in Genf geschieht. Für eine Zürcher Kundschaft mit einem Anliegen zur Grösse oder zur Fassung heisst das in der Praxis: Man bespricht es am Zürcher Tisch, die Ausführung läuft aber möglicherweise über die Genfer Häuser.
Ein Fund aus der eigenen Geschichte gibt dem Haus mehr Tiefe als das reine Markenportfolio. Bei der kompletten Renovation des Genfer Ladens 2017 kamen aus den Archiven rund 100 mit Gouache gemalte Entwürfe aus den 1920er-Jahren zum Vorschein, geschaffen von Henri Kunz. Ab 2020 begann das Haus, ausgewählte Stücke aus dieser Fundgrube neu umzusetzen, ein Beleg dafür, dass hinter der Vitrine tatsächlich die 1896 begonnene Geschichte steckt und nicht nur ein Gründungsjahr in der Werbung.
Wie es sich in der Zürcher Landschaft einordnet
An der Bahnhofstrasse und in ihrer unmittelbaren Umgebung dominieren die grossen, alteingesessenen Handelshäuser mit eigenem Ladenlokal und eigener Fassade, und Kunz spielt dort bewusst nicht mit: keine eigene Hausnummer an der Strasse selbst, kein eigenes Schaufenster, dafür ein Zugang über ein Warenhaus, das viele Zürcherinnen und Zürcher ohnehin regelmässig besuchen. Wer die grosse Geste eines historischen Ladenlokals sucht, findet die anderswo an derselben Strasse. Wer dagegen eine Genfer Bijouterie mit einer erkennbar eigenen Markenauswahl sucht, ohne dafür an den Genfersee zu fahren, hat mit dem Bongénie-Tisch einen konkreten Grund, kurz stehen zu bleiben, insbesondere wegen Repossi, das man in der Deutschschweiz sonst kaum findet.
Für wen sich der Umweg lohnt
Am ehesten überzeugt der Zürcher Tisch, wer schon eine Genfer Adresse im Kopf hat oder gezielt nach einer der dort geführten Marken sucht, etwa nach Repossi oder Dinh Van, und keine Lust auf die Reise nach Genf hat. Wer einen möglichst breiten Überblick über Verlobungsringe an einem einzigen Ort sucht, kombiniert den Bongénie-Tisch am besten mit einem Rundgang bei den grösseren, eigenständigen Häusern in der Nähe, deren Auswahl nicht von den Öffnungszeiten eines Warenhauses abhängt.
Was die Website nicht sagt, sagt sie konsequent nicht: Preise, Liefer- oder Anpassungsfristen und Gewährleistungsbedingungen tauchen auf keiner der eingesehenen Seiten auf, ausser den allgemeinen Angaben zur Zertifizierung grösserer Steine. Wer konkrete Angaben braucht, fragt am besten direkt an der Zürcher Adresse nach: Eine eigene Telefonnummer und eine eigene Zürcher Mailadresse sind auf der Website hinterlegt, getrennt von den beiden Genfer Kontakten.
Fazit
Kunz ist an der Bahnhofstrasse kein Haus mit eigener Fassade, sondern ein sorgfältig eingerichteter Tisch im Bongénie, hinter dem eine Genfer Familiengeschichte seit 1896 steht und eine Markenauswahl, die es in dieser Zusammenstellung sonst kaum in Zürich gibt. Der ehrliche Haken: Wer eine eigene Werkstatt vor Ort oder ein unabhängiges Ladenlokal erwartet, findet hier eher einen Aussenposten des Genfer Geschäfts, mit offenen Fragen dazu, wie viel vom Sortiment tatsächlich am Zürcher Tisch liegt. Wer dagegen gezielt Repossi, Dinh Van oder eine der anderen inhabergeführten Marken sucht und den Weg ins Warenhaus nicht scheut, bekommt eine Adresse, die sich anzuschauen lohnt, bevor man sie von der Liste streicht.